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REISE: Sonne, Seeluft, Schlaf


Donna - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 03.04.2019

lt@Gabriella Engelmann ist Autorin vieler Sylt-Romane. Sie schätzt die Insel vor allem als Kraftort zum Auftanken. Und nirgendwo auf der Welt schlafe man besser


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Wogender Strandhafer unter blauem Himmel – die ideale Kulisse zum Entspannen


FOTO: DOROTHEA SCHMID/LAIF

Mehr als eine Dreiviertelmillion Gäste zählt die Insel im Jahr. Einer davon bin ich. Wann immer Zeit ist, geht’s nach Sylt – und sei es nur für einen Tag. Dass selbst solche Short-Trips Erholung bringen, wissen natürlich auch andere. Fast 150 000 Tagesgäste nutzen jedes Jahr das günstige Schleswig-Holstein-Ticket, um die Lungen mit sauberer ...

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... Nordseeluft zu füllen. Sozusagen eine Sylt-Spezialität: Erkrankungen der Atemwege, Allergien und Hautkrankheiten haben hier besonders gute Heilungschancen, weil es kaum lästige Pollen gibt. Das liegt am geringen Baumbestand und am Westwind. Das Klima bietet alles, was es zum Gesundwerden braucht. Vor allem sorgt es für guten Schlaf – eine wichtige Voraussetzung für ein intaktes Immunsystem. Durchwachte Nächte sind gemeine Energieräuber und machen miese Laune, das kenne ich aus eigener Erfahrung. Was habe ich in Hamburg nicht alles ausprobiert, um endlich schlafen zu können: Ohrstöpsel, heiße Milch mit Honig, Schlaf-Apps, Meditation, eine pinkfarbene Brille, die blauwelliges Licht aus elektronischen Geräten wegfiltert, und, na klar, Rotwein. Nichts hat geholfen. Schlafforscher Dr. Michael Feld sagt: Schlaf verträgt keinen Druck. Darin ähneln wir uns, der Schlaf und ich. Doch was in Hamburg eher selten funktioniert, klappt auf Sylt wunderbar.

Seit 1855 darf sich die Nordseeinsel Seebad nennen. Damals reisten gerade mal hundert Gäste hierher, und drei Ärzte kümmerten sich um die Gesundheit von Insulanern und Badegästen, die das gesunde Reizklima aus Sonne, Wind und Salz ebenso zu schätzen wussten wie die Ruhe und die Landschaft. Daran hat sich bis heute nichts geändert, nur: Sylt hat seinen Status als Gesundheitsmekka, Kraftort und Insel der Entschleunigung deutlich ausgebaut.

Meistens lege ich schon auf der Bahnfahrt ein Nickerchen ein und werde erst kurz vor dem Hindenburgdamm wieder wach. Dann reibe ich mir die Augen und sehe mein geliebtes Wattenmeer. In der Ferne reckt die Keitumer Kirche St. Severin ihre Turmnase in Richtung Himmel. Und dann dauert es nicht mehr lange, und ich bin am Ort meiner Sehnsucht. Schon auf dem Weg vom abgeschieden gelegenen Keitumer Bahnhof zur Ferienwohnung spüre ich die Entschleunigung. Vogelgezwitscher, der Duft der Nordsee und eine Prise Landluft in der Nase, zauberhafte Reetdachhäuser und bunt bepflanzte Friesenwälle säumen den Weg.


… und dann diese schlagartige Müdigkeit, die einen hier überfällt


Die im Osten Sylts gelegenen Dörfer Keitum, Archsum und Morsum sind das Auenland der Insel, schnuckelig wie eine Puppenstube. Als ich das schmale Häuschen mit der gewundenen Holztreppe, den Zitronenscheibenfenstern und der typisch friesischen Klönschnacktür erreiche, lege ich mich erst mal auf das kuschelige Bett. Nur mal kurz testen, wie sich das anfühlt, bevor ich den Koffer auspacke. Mein Atem wird ruhiger und flacher, durch das gekippte Fenster höre ich das Kreischen der Möwen, Kinderlachen, und dann bin ich auch schon eingeschlummert. Es ist einfach ein Phänomen, diese schlagartige Müdigkeit, die einen an der Nordsee überfällt. Sie entsteht durch das durchblutungsfördernde Reizklima, macht Neuankömmlinge die ersten beiden Tage so schlapp wie nach einem Marathonlauf und hilft auf natürliche Weise abzuschalten.

Ich mache mich dann gern auf den Weg vom Grünen Kliff Richtung „Lügenbrücke“ zwischen Keitum und Munkmarsch, eine meiner Lieblingsstrecken. Hier ist die Insel ruhiger als anderswo, die Zeit scheint langsamer zu vergehen. Austernfischer sitzen auf Sandbänken und halten in der Sonne einen kleinen Schnack. Sanft biegt sich der Strandhafer im Nordseewind. Der unverstellte Blick aufs Meer lässt Probleme plötzlich kleiner wirken. Ich sollte mir ein Beispiel an den Austernfischern nehmen und die Dinge des Alltags entspannter angehen.

Gabriella Engelmanns Sylt

Wanderwege und Spaziergänge
• Der Wattweg von Keitum nach Munkmarsch mit Stopover auf der Terrasse des Hotels „Fährhaus Sylt”. Der Rückweg führt über die Keitumer Kirche durch den Ort.
• Der Weg vom Parkplatz Kampen durch die Dünen Richtung Leuchtfeuer.

Restaurants und Cafés
Zum Essen ins „Samoa Seepferdchen” in Rantum. Zur Teatime in das „Teekontor” oder die „Kleine Teestube”, beide in Keitum, oder ins Hofcafé „Klein’er Kuhstall” in Tinnum. Für einen Sundowner auf die Terrasse des „Beachhouse” in Westerland.

Lieblingshotels
• „Fährhaus Sylt”, Munkmarsch
Hotel Aarnhoog”, Keitum
• „Hotel Stadt Hamburg”, Westerland

Unter Sylts Reetdächern kann man sich prima erholen – und Tee trinken. Die „Syltrose“ setzt rote Tupfer in die Dünen (und ist eigentlich eine Hagebutte)

Am Ellenbogen, dem nördlichsten Zipfel Sylts, leben mehrere Hundert Schafe. Zäune gibt es nicht – die Tiere haben immer Vorfahrt

Ab dem dritten Tag strotze ich vor Energie, dann werde ich am Morsum-Kliff entlangwandern und die Kampener Seeseite im Sturm erobern. Ich werde im Restaurant „Samoa Seepferdchen“ einkehren, am Lister Hafen ein Fischbrötchen essen und zusehen, wie die Sylt-Fähre Kurs auf Dänemark nimmt. Vielleicht lasse ich mich aber auch einfach treiben und genieße die Ruhe und die Landschaft, Markenzeichen wie die Wanderdüne, den Leuchtturm von Hörnum, die „Seekühe“, das Rantum-Becken oder die Braderuper Heide. Die Buhne 16 steht für Freikörperkult und war Schauplatz der legendären Strandpartys von Gunter Sachs. Eigentlich mag ich hier alles. Auch Westerland mit den Geschäften auf der Friedrichstraße, der Musikmuschel an der Strandpromenade und dem altehrwürdigen „Hotel Miramar“ am Flutsaum der Nordsee. Hier kann man wunderbar bummeln, auf der Terrasse des „Beachhouse“ einen Sundowner genießen und den Kitern zuschauen. Oder die Schuhe ausziehen und barfuß im Wasser waten. Das bringt Kreislauf und Laune gleichermaßen in Schwung, denn die Nordsee prickelt und schäumt wie Champagner. Der luftige Mix aus Salz, Jod, Magnesium und Spurenelementen schmeckt besser als jeder Cocktail. Übrigens: Je näher man an der Brandung steht, desto höher der Gehalt des maritimen Aerosols. Egal, ob es stürmt, schneit, der Frühling erwacht, sich Raureif wie eine wärmende Decke über die Hagebutten legt oder die Sylter Heckenrosen blühen – Sylt ist zu jeder Zeit schön, ein Ort zum Aufatmen und Auftanken. Man kann fastenwandern, beim traditionellen Biikebrennen schlechter Winterlaune Lebewohl sagen, Fahrrad fahren, surfen, reiten, golfen, wattwandern. Oder einfach auf der faulen Haut liegen, abwarten und Tee trinken.

Und sollte doch mal der Ostwind unangenehm pusten, gibt es kuschelige Hideaways. Ich verziehe mich nach einem langen Spaziergang gern in die „Kleine Teestube“ in Keitum und esse ein Stück köstlicher Friesentorte. Auch das ist nämlich gesund.

Gabriella Engelmann lebt in Hamburg und liebt die Nordfriesischen Inseln, vor allem Sylt. Schon als Kind träumte sie von einem Häuschen am Deich


FOTO: DOROTHEA SCHMID/LAIF PORTRÄT: MIKHAIL BOYTSAFF


Nach dem Spaziergang am Meer ein Stück Friesentorte


FOTOS: DOROTHEA SCHMID/LAIF (4), ANDREAS HUB/LAIF (1)