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Reisen mit Büchern ...


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emotion - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 05.10.2022

Bücher

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Bildquelle: emotion, Ausgabe 11/2022

Manchmal reicht einmal umblättern und wir sind in einer anderen Welt, einer anderen Zeit. Mit diesen 36 Büchern sind wir in fremden Leben und Geschichten versunken und haben uns für die Zukunft inspirieren lassen. Reist mit!

INDIE ZUKUNFT, wie wir sie leben wollen

... IN DIE VERGA N GENHEIT

Wenn wir wissen, was war – und wie es war, kann uns das helfen, unsere Welt zu verstehen und die Zukunft zu gestalten

JAGDSAISON AM KAISERHOF

Rührselige Szenen wie in den ikonischen Romy-Schneider-Filmen hatte ich bei Karen Duves historischem Roman nicht erwartet. Doch die Unbarmherzigkeit, die ihre Sisi bei der Jagd mit dem britischen Hochadel oder beim Intrigenschmieden am Wiener Hof an den Tag legt, war doch ein kleiner Schock. Aber gerade weil sie weit davon entfernt ist, die lächelnde Sympathieträgerin zu sein, fesselt diese Kaiserin, die zeitlebens darum kämpfte, ernst genommen zu werden. Ehemann Franz ...

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... sieht in Sisi nur die 14-jährige Kindfrau, die er einst an den Hof geholt hat. So bleibt sie bei den Versuchen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten, getrieben wie ein Fuchs bei der Hetzjagd. Großartige Charakterstudie! Und dass Frau Duve toll schreibt, ist sowieso klar.

FRIEDERIKE TRUDZINSKI

Marie wird im Jahre 1158 unerwartet in ein Kloster geschickt, ausgerechnet von Eleonore, der von ihr angebeteten Königin von England. Gerade einmal 17 Jahre alt und wenig gläubig, empfindet Marie dies als Verbannung – genau wie es gemeint ist. Wie soll sie als Priorin die hungernden Nonnen in diesem verarmten Kloster führen, geschweige denn lebendig durch den Winter bringen? Doch Marie nimmt ihr Schicksal an, wenn es sein muss mit dem Schwert in der Hand: Geleitet von ihren Visionen, ihrem scharfen Verstand und ihrem unbändigen Willen, gewinnt sie das Vertrauen der Nonnen und den Respekt der Welt, und das Kloster erblüht. Lauren Groffs neuer Roman ist eine Geschichte über weibliche Stärke –großartig! JENS KOBERSTEIN (Guckt unbedingt auch mal bei ihm auf Instagram: @literaturtee)

EIN REZEPT FÜR STÄRKE

Der Zweite Weltkrieg. Die Lebensmittel werden knapp – die BBC startet einen Kochwettbewerb: Hausfrauen sollen Gerichte präsentieren, um das Beste aus der Lebensmittelrationierung zu machen. In einem Dorf treten vier Frauen gegeneinander an, alle hoffen auf den Hauptpreis: ein Job als erste weibliche Co-Moderatorin der Sendung. Wie das Schicksal die vier Konkurrentinnen im Laufe des Wettbewerbs zu Freundinnen zusammenschweißt, die sich gemeinsam eine bessere Zukunft schaffen, traf mich mitten ins Herz, Tränen inklusive. Herzerwärmend, wie sich Jennifer Ryans vier Heldinnen ein besseres Leben erkochen und ein Rezept für wahre Stärke entdecken: ihre Freundschaft.

MICHAELA JASPERNEITE

Zwei historische Figuren hat Lukas Hartmann aus der Halb-Vergessenheit geholt und ihre Geschichten verschränkt: Sabina Spielweg, junge Russin aus reichem Hause, die zur neuartigen Psychoanalyse zu C. G. Jung nach Zürich geschickt und später Ärztin wird. Und Fritz Platten, einen Schweizer Kommunisten, der Lenins Rückkehr aus dem Schweizer Exil organisierte, ihm später das Leben rettete und noch später unter Stalin ins Straflager gerät ... Um es vorwegzusagen: Die beiden sind Zeitgenoss*innen, doch sie werden einander nie begegnen. Aber beide geraten in den Mahlstrom der Weltkriege und Revolutionen der 1920er- bis 1940er-Jahre, werden von ihm hochgespült und am Ende verschlungen. Unerwartet lehrreich und richtig spannend!

CHRISTINE ELLINGHAUS

A naIris Simón hat unzählige Tanten, Onkel und Cousins – die Großfamilie gibt ihr Sicherheit. Wenn sie ungeschönt über ihre Kindheit in den 1990ern schreibt, geht es immer auch um Politik, Klasse, Identität, Bildung, Zusammenhalt und sozialen Aufstieg. Etwas, was vielen jungen Menschen in Spanien heute verwehrt bleibt, wie die 31-Jährige, die selbst mehrfach Entlassungen erlebt hat, sehr direkt kritisiert. Simón löste mit ihrem Debüt eine intensive Debatte aus und geriet damit sogar zwischen die politischen Lager. Ihr Mix aus Memoir, Familienstory und Gesellschaftskritik ist brisant, hochaktuell und sehr gelungen.

IMKE WEITER

... AUF DIE BUCHMESSE

Das Gastland ist in diesem Jahr Spanie

MIT INTUITION UND STURHEIT

Am Tatort zeigt sich stets das gleiche Bild: mehrere Tote, die Leichen nach Norden ausgerichtet. Immer schlägt der Serienmörder während einer Naturkatastrophe zu. Jetzt wütet Hurrikan Katrina in New Orleans. Gespannt begleiten wir FBI-Ermittlerin Amaia Salazar im Sommer 2005 bei der Suche nach dem Täter – eine Spur steckt in Versicherungsdaten. Salazar erweist sich als intuitiv, mit Hang zur Sturheit. Geprägt durch ihre traumatische Kindheit in Spanien, verfügt sie über sensible Antennen für die Opfer. Der Plot entfaltet sich über 620 Seiten in Rückblicken und parallelen Handlungssträngen, was diesen Thriller dicht und fordernd macht.

ANKE TAUBITZ

KANN SCHULD VERJÄHREN?

Mit 19 betrat Javier Marías die literarische Bühne; seit Jahrzehnten galt er als einer der wichtigsten zeitgenössischen europäischen Autoren. Gerade ist er gestorben. Sein letzter Roman knüpft nahtlos an den Vorgänger „Berta Isla“ an und ist ein großer 736-Seiten-Wurf, der sich auch allein lesen lässt. Aber Marías ist so gut, dass ihr euch den Vorgänger nicht entgehen lassen solltet. Berta ist mit Tomás Nevinson verheiratet, der eher unfreiwillig in die Lage geraten ist, für den britischen Geheimdienst zu arbeiten. Diesmal geht es um seine Perspektive – und um einen letzten (?) Auftrag. Es wird eine tiefgründige Reflexion über Grenzen der Moral, über die Frage: Kann Schuld verjähren? Und kann es je gerechtfertigt sein, jemanden zu töten? Macht nachdenklich!

PETRA SCHULTE

Ab Seite 1 ist klar: Lina und Aaron kriegen sich. Aber der Weg dahin, zwischen USA und Spanien, hat diese Rom-Com zum TikTok-Hit gemacht. SILVIA FEIST

SPANISH LOVE DECEPTION Elena Armas, everlove, 16 €, im Handel ab 13.10.

W assoll man auf dem Dorf auch anderes tun als kiffen, auf den vier Straßen abhängen und in Javiers Bar? Der schöne Javier. Mit 19 steckt die kleine Lea hier fest, wie schon ihre Mutter, die große Lea. Sie will raus und kommt nicht los. Denn alle bleiben, manche weil sie Esel sind, andere weil sie nichts wissen, auch nicht von der Liebe … Elisa Levi, selbst 1994 in Madrid geboren, schreibt dicht und nah. Ihre Geschichte fliegt dahin, und man folgt ihr fast atemlos. Erlebt all den Schmerz, die Hoffnung, die Liebe, die Verzweiflung und auch den Argwohn, in aller Schönheit und mit der brutalen Intensität, die man nur in der Jugend empfinden kann.

MIRIAM BÖNDEL

Eine obsessive Mädchenfreundschaft: Anführerin Isora und die Ich-Erzählerin schaffen sich ihre eigene, gefährliche Realität. Gefährlich gut der Sound von Andrea Abreus Debüt! SIBEL BIÇER SO FORSCH,

SO FURCHTLOS Andrea Abreu, KiWi, 20

DIE DREI HOCHZEITEN VON MANOLITA Almudena Grandes, Hanser, 30

FULMINANTER AUGENÖFFNER

Ein Kritiker hat Almudena Grandes mal als „militante Muse der Linken“ bezeichnet. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist sie in Spanien eine Institution. Ihr sechsbändiger Romanzyklus (hier Band 3, alle lassen sich unabhängig lesen!) taucht tief in die Jahre nach dem Spanischen Bürgerkrieg ein. Diesmal geht es um Manolita, 18, die im kriegszerstörten Madrid plötzlich die Familie durchbringen muss, weil ihre Eltern als Feinde von Francos Diktatur verhaftet wurden und ihr großer Bruder untertauchen musste. Manolita muss sich selbst positionieren – und wird dafür dreimal heiraten … Grandes hat ihr Land dazu bewegt, die Diktatur nicht unter den Teppich zu kehren. 2021 ist sie mit gerade mal 61 gestorben, ihre Stimme wird fehlen.

SILVIA FEIST

E swird ihre Liebe für immer in ein Davor und ein Danach spalten, was Marta Daniel eröffnet: „Ich bin schwanger. Und ich will das Kind nicht bekommen.“ Beide sind Anfang 30, seit zwei Jahren ein Paar und Kinder waren bisher kein Thema. Die freigeistige Marta hat Sorge um ihre beginnende Karriere als Fotografin; doch wo steht Dani? Sechs Tage, bis zum geplanten Schwangerschaftsabbruch, lässt uns Orriols in wechselnder Perspektive an den ambivalenten Gefühlen, Ängsten, Zweifeln und Erwartungen der beiden teilhaben. Ein Roman über das Gefühl, etwas entscheiden zu müssen, ohne die Folgen absehen zu können. Schmerzlich und lebensnah.

PETRA SCHULTE

MIT DEM HERZ IM SCHNEE

Gibt es das Genre des Eis-Romans? Ich erinnere mich, natürlich, an „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“, und an dieses Lesegefühl, mit ihr im Eis zu sein. Ann-Helén Laestadius, die schwedische Autorin und gebürtige Sámi, schafft das auch: mich mit in den Schnee zu nehmen, mit zu den Rentier-Herden. Der Schnee wogt hier nördlich des Polarkreises, wird durchquert, niedergekämpft, umgibt dabei fast zärtlich Elsa, begleitet das samische Mädchen wie ein Familienmitglied durch die Kindheit, in der sich persönliches Trauma und Herabwertung ihrer Kultur zu einem großen Paket verknoten, das Elsa mit sich herumschleppt. Und dann, man merkt es kaum, schickt man das eigene Herz mit auf die Reise. Eine unvergessliche Figur, ein beeindruckender Roman.

JULIA MÖHN

LIEBE IST NICHT UTOPISCH

Die US-amerikanische Autorin Celeste Ng hat ein Händchen für gut inszenierte Geschichten. In „Kleine Feuer überall“ wirft sie einen kritischen Blick auf den Rassismus in den USA, was auch ihr neuer Roman in einer sehr düsteren Zukunft thematisiert: In den USA gilt seit der „großen Krise“ PACT, ein Gesetz zum Schutz der amerikanischen Kultur. China ist der erklärte Feind, asiatisch gelesene Menschen werden diskriminiert, Familien werden zerrissen. Der zwölfjährige Bird sucht nach seiner Mutter, die vor drei Jahren verschwand ... Celeste Ng erzählt von politischer Kontrolle und Widerstand und setzt ihrer Dystopie unabdingbare Liebe und die Kraft der Poesie entgegen.

IMKE WEITER

... ZU SICH SELBST

Manchmal muss man den Blick der and um eren vergessen, bei sich anzukommen

J amaika1910: Die junge Bita Plant kehrt zurück in ihr Heimatdorf. Ein weißes Paar aus der Stadt hatte der schwarzen Bauerntochter die Erziehung auf einer britischen Privatschule finanziert. Doch die Großzügigkeit ist an Bedingungen geknüpft ... Der erstmals auf Deutsch erschienene Roman des jamaikanisch-amerikanischen AutorsClaude McKay (1889–1948) ist eine großartige Emanzipationserzählung, die sich liest wie Jane Austen in den Tropen – und zugleich ist es erlebbare Kolonialgeschichte aus schwarzer Perspektive.

FRIEDERIKE TRUDZINSKI

AM PULS DER WIRKLICHKEIT

Was Isabelle Huppert für den Film ist, ist Annie Ernaux für die französische Literatur: eine Ikone. Sie hat sich mal „Ethnologin ihrer Selbst“ genannt; seit ihrem ersten Roman vor 48 Jahren verwebt sie Autobiografisches mit einem analytischen Blick auf die Verhältnisse – und hat sogar die Soziologie ihres Landes beeinflusst. Diese soghaften 80 Seiten sind eher „Ernaux für Fortgeschrittene“: ein Brief an die als Kind verstorbene Schwester, von der sie, selbst noch Kind, nur zufällig erfahren hat, was sie fürs Leben prägt. Lohnt – wie alle ihre Bücher!

SILVIA FEIST

eit jeher ist das Leben auf den Nordseeinseln den Gewalten der Natur unterworfen. Immer wieder forderte die See ihren Tribut – tut es bis heute. Hanne Sander wohnt allein im alten Kapitänshaus hinter dem Knochenzaun; ihr Mann lebt seit Jahren als Einsiedler auf der Vogelinsel. Sohn Ryckmers Ängste vor dem Meer treiben ihn zum Alkohol, Tochter Eske flüchtet sich meist aufs Festland …. Dörte Hansen lässt ihre Figuren in ihrem dritten Roman so sehr straucheln wie dem Leben trotzen, denn so einfach können sie nicht weg, von ihrer Insel. Hansens Sprache erzeugt eine eigentümliche Sehnsucht, wenn sie so schön vom Wandel der Zeiten und dem Wunsch nach Befreiung erzählt.

IMKE WEITER (Es lohnt sehr, Imkes Instagram-Account zu entdecken: @the_female_reader)

„GUTEN TAG, ICH WILL MEIN LEBEN ZURÜCK“

... das ist der Refrain der allerersten rotzig-ironischen Single von Wir sind Helden. Es ist Anfang 2003, und die Helden werden ab da den Sound der Nuller-Jahre mitprägen – bis diese Zeile Frontfrau Judith Holofernes einholt und sie sich und die Helden 2012 in die Dauerpause schickt. Jetzt hat sie ein Buch geschrieben, darüber, wie die magischen Momente alles so intensiv überstrahlen können, dass man leicht den Augenblick verpasst, in dem man sich noch in Sicherheit bringen kann. Fast hätte der Druck sie zermalmt. Ein Blick in die Musikwelt und auf ihr Leben als Sängerin, Träumerin, Frau und Mutter. Selbstironisch, radikal ehrlich und voller Gefühl.

SILVIA FEIST (Mehr dazu im Podcast „Feiste Bücher“)

FRAG DOCH MAL DEN OKTOPUS

Ein Feelgood-Buch im besten Sinn, natürlich mit Happy End – und das wünscht man den drei Hauptfiguren von der ersten Seite an: dem 70-jährigen Tova, dem jungen Cameron, dem klugen Oktopus Marcellus, die alle vom Leben ordentlich einen mitgekriegt haben und deren Wege sich kreuzen werden. Das ist alles gar nicht kitschig, sondern leicht und süffig aufgeschrieben. Ideal für einen schönen Herbstnachmittag auf dem Sofa.

CHRISTINE ELLINGHAUS

... MIT TEN INS LEBEN

Unsere Welt ist ziemlich kompliziert und für Frauen oft noch etwas mehr. Diese Heldinnen machen Mut

INS LEBEN GEH DEINEN EIGENEN WEG!

Unbeirrt lässt Joni ihre Provinzkindheit im Österreich der 60er-Jahre hinter sich und wird als Politikberaterin international erfolgreich. Stete Herausforderung: ihren Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben mit der Verantwortung für ihre Kinder auszubalancieren. Als sie in Sam ihre zweite große Liebe findet und ein Foto der beiden in den sozialen Medien auftaucht, wird ihre Person plötzlich öffentlich debattiert – mit verheerenden Folgen. Vielschichtig und nuanciert erzählt Beatrix Kramlovsky von Grenzen in den Köpfen. Aufrüttelnd!

PETRA SCHULTE

Fünf Frauen, fünf dernde Momente, die sie für immer miteinander verbinden. Die Schwestern Margot und Anna wünschen sich beide ein Kind, ihre Freundin Elisabeth verliert ihres in der 14. Woche, Teenagerin Corrie entschließt sich zum Abbruch und Marisol trägt für Freunde ein Baby aus. Hogelands tiefgründiger Roman verknüpft ihre Geschichten. Hochaktuell angesichts der Verschärfung der Abtreibungsgesetze in den USA. Mehr Jetzt als dieses Buch geht gerade nicht.

SHARONNA BAREL

Zwei Schwesternpaare und jede Menge Konflikte. Die Zwillingsschwestern Alice und Hanna sind wie Tag und Nacht, und auch ihre Mutter Celia und deren Schwester Katy könnten nicht unterschiedlicher sein. Was sie teilen, ist eine traumatisch aufgeladene Familiengeschichte. Schmerzhaft kleinteilig erzählen die vier ihre Sicht auf den Alltag und offenbaren Satz für Satz die komplexen Verhältnisse in ihrer Grausamkeit. Trotz des wirklich harten Kerns, der sich um psychische Krankheiten wie Schizophrenie und um unausgesprochene Konflikte rankt, gelingt es Rebecca Wait, in typisch britischer Manier mit bitter-komischer Ironie das Alltägliche einzufangen. Ich hab’s verschlungen!

SARAH KESSLER

. .. IN FAN TASTISC WHEE

Weil LTEN wir manchmal Klarheit zwischen Gut und Böse brauchen.

Z eitreisenund Was-wäre-wenn-Geschichten habe ich schon immer geliebt. Natasha Pulley wirft ihren Helden Joe Tournier mittenrein: Gerade noch im Jetzt, erwacht er 1898 in London – und England ist französisch, was niemanden zu wundern scheint. Joe wird in eine Klinik gebracht, Diagnose: Epilepsie, und entlassen zu seiner Frau und seinem Kind – die er nicht kennt. Einzig eine Postkarte von einem Leuchtturm scheint eine Verbindung zu seinem alten Leben zu sein … Joe bei der Spurensuche und der Versuchung, den Lauf der Zeit zu verändern, ist perfekte Herbstabend-Lektüre.

ANNALENA LÜDER

MÄRCHEN TRIFFT NORDISCHE MYTHEN

Seit dem Film „Die Eiskönigin. Völlig unverfroren“ ist Hans Christian Andersens Märchen wieder in aller Munde. Jetzt verwebt C.E. Bernard es mit nordischen Mythen und schickt ihre Protagonistin Greta auf eine Heldinnenreise, bei der sie mit sehr realen Ängsten kämpft: Greta muss ihren Sohn retten und die Einzige, die dabei helfen kann, ist die gefürchtete Herrscherin des Eispalastes. Auf ihrem Weg muss Greta Prüfungen bestehen und eine wichtige Entscheidung treffen: Es geht um Vertrauen und Verrat, Familie und Pflicht. Eine höchst gelungene erwachsene Interpretation, die das Märchen noch tiefsinniger werden lässt.

ANNALENA LÜDER

                                                                                  

LIEBE UND DUNKLE WAHRHEITEN

Der Blütenstaub des Dunkeldorns ist magisch. Er kann Leben schenken. Oder den Tod bringen. So ist die junge Opal plötzlich die einzige Überlebende ihres Dorfs. Sie kommt an die Universität, wo die Pflanze erforscht wird. Und nicht nur die Liebe, die sie dort im Geheimen findet, wird gefährlich, sondern auch die Frage: Wieso hat Opal überlebt? Ein spannender Trilogie-Auftakt, der bei aller Fantasy ein starkes Schlaglicht auf unsere Realität wirft. Teil 2 und 3 kommen bald, zum Glück! 

ANNALENA LÜDER

G ame-of-Thrones-Fansaufgepasst: Hier kommt Gaia Marinos. Nach einer Reaktor-Katastrophe ist die Welt neu geordnet, beherrscht von Männern, es gilt das Recht des Stärkeren. Gaia gerät in Gefangenschaft – einzig ihre Gabe rettet sie vor dem Tod: Sie kann, vielleicht als Letzte, lesen ... Solomonica de Winter hat in ihrer komplexen, faszinierenden Dystopie eine Sprache für Düsternis gefunden, die mich in eine andere Welt versetzt hat. Wobei? Männer an der Macht, Intrigen, Tod und Krieg – kommt mir irgendwie bekannt vor!

ANNALENA LÜDER

Schon lange hat mich kein Roman mehr so erschüttert wie der neue von Karine Tuil. Dass es in ihren Büchern oft um Recht und Moral geht, liegt vermutlich daran, dass die Schriftstellerin auch Juristin ist. Diesmal nimmt uns die 50-Jährige mit in den Hochsicherheitstrakt des Pariser Justizpalastes, mitten in das aufreibende Leben ihrer Ich-Erzählerin: Alma Revel, 49, Untersuchungsrichterin, so konzentriert, wie kontrolliert, lebt sie für den Job; nicht zuletzt, weil ihre Ehe nur noch besteht, weil sie drei Kinder hat und sie sich ihre heimliche Liebe verbietet. Ihre älteste Tochter ist

ieist 26, als sie mit Pelzjäckchen und Schreibmaschine nach Spanien reist, 23, genauso alt wie Abdeljalil, der, aus Syrien

Z um Reporterin zu werden. Dort lernt zurückgekehrt, in U-Haft sitzt – von Almas Entscheidung wird abhängen, wie sein Leben Virginia Cowles bald ihre Landsleute weitergeht ... Im notwendig nüchternen Ton Martha Gellhorn und Ernest Hemingway der unvoreingenommenen Juristin erzählt Tuil kennen und wird selbst zu einer wichtigen von existenziellen Dilemmata, die beeinflussen, wie viel Freiheit wir wollen. SILVIA FEIST Kriegsreporterin des 20. Jahrhunderts, Gespräch mit Hitler beim Tee inklusive. Kurz habe ich mich gefragt, warum soll ich diese ENTSCHEIDUNG Geschichtensammlung von 1941 heute lesen? Karine Tuil, Aber dann war ich drin: ein wilder Roman und bei Cowles’ präzisen Beobachtungen vom Nürnberger Reichsparteitag von 1938 hatte ich Gänsehaut – und dachte mehr als einmal: Putin! Eine unglaubliche Geschichtsstunde und absolut hellsichtig!

SILVIA FEIST

WIE WOLLEN WIR LEBEN?

... IN DIE DUNKELHEIT

Denn hingucken hilft, auch das Licht zu entdecken

unächst wirkt der Tod der Familie Rheinfeld wie zweifacher Mord und Suizid. Doch war es wirklich der Sohn, der seine Eltern, dann sich selbst umgebracht haben soll? Durch ihre nicht lineare Erzählweise macht Christa von Bernuth ihre Leser*innen erst neugierig, um sie dann tief in gebrochene Familienverhältnisse eintauchen zu lassen. Ein True-Crime-Thriller, der unter die Haut geht. Die Vertrautheit mit den sehr realen Beziehungsdynamiken ist fast gruseliger als das Verbrechen selbst.

SELINA JÜNGLING

Ich lese selten Thriller. Dass ich auf dieses Debüt um Ermittlerin Franka Erdmann und ihren Rookie-Assistenten Alpay Eloglu so neugierig war, hat zwei Gründe: Es spielt in Hamburg, wo eine junge Influencerin ermordet wird – und ich habe (Disclaimer!) den Autor über Instagram kennengelernt und da die Entstehung des Buchs sozusagen live verfolgt. Es geht um die Fragen: Was macht Menschen zu Tätern? Wie viel sollten wir von uns wo preisgeben? Und ich frage mich: Wieso lese ich nicht öfter Thriller!

SILVIA FEIST