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REITWEISENVERGLEICH: Englisch meets Western


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 60/2018 vom 11.05.2018

So unterschiedlich die Reiter und Pferde, so verschieden sind auch die zwei Reitweisen Western und Englisch. Auf den ersten Blick sieht man keine Gemeinsamkeiten – und doch ist dasZiel der Ausbildung gleich: ein durchlässiges, losgelassenes und mit wenigen Hilfen zu reitendes Pferd. Wir haben zweiSportlerinnen die Pferdetauschen lassen


Mit ruhigem Schritt und entspannter Körperhaltung kommt Chess, der Quarter-Horse-Wallach in die Halle geschlendert. Seine Mimik und Körpersprache zeigen keine Spur von Aufregung oder gar Nervosität. Mit einem Strohhut, der normalerweise nur auf Turnieren getragen ...

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... wird, schwingt sich Sofie Eckebrecht, Pferdetrainerin, die unter anderem mit ihrem Team FEI-Vize-Europameisterin im Reining geworden ist, auf den Braunen. Der Sand unter seinen Hufen ist kein gewöhnlicher Hallensand – es ist ein spezieller Boden für Westernpferde. Die Körnung ist speziell für das Sliden und Spinnen bearbeitet. Die obere Sandschicht soll sich bei den verschiedenen Lektionen besonders leicht verschieben lassen, sodass das Pferd eine lange Strecke „rutschen“ kann. Die von vielen Englisch-Reitern geliebten Filzflocken im Sand wären für einen Westernreiter und sein Pferd ein Graus. Sie würden das Sliden fast unmöglich machen und die Sehnen und Knochen der Pferde belasten. So dreht Sofie einige Runden in der Halle. Dabei ist auch sie die Ruhe selbst, und Reiterin und Pferd scheinen im Einklang mit sich und der Umgebung. Das Traben und Galoppieren des 19-jährigen Wallachs, der schon viele Turniererfolge für sich verbuchen kann, ist für den klassischen Reiter zu langsam, der Kopf hängt zu tief, und eine Aufrichtung, wie man sie aus der Englischen Reitweise kennt, fehlt auch. Trotzdem wirkt das Ganze nicht unbeholfen, sondern absolut professionell. Die Durchlässigkeit scheint sehr hoch, denn der braune Wallach funktioniert ohne sichtbare Hilfen: Ein Kuss-Geräusch reicht aus, damit er angaloppiert, ein „Whoa!“, ein Nach-vorne-Strecken der Beine und ein Schwermachen im Sattel führen dazu, dass er, egal aus welcher Gangart, sofort stoppt.

Gerade die Haltung des Arms ist für die Dressurreiterin völlig ungewohnt


Die riesigen Sporen mit Verzierungen kosten bis zu 500 Euro


Egal wie unterschiedlich die Reitweisen sind – das Ziel ist immer das gleiche


Ein Zwischengang trennt die Westernvon der Englischhalle. Nicole Nockemann und ihr Rappwallach Walter, der eigentlich Walk Your Way heißt, wärmen sich auf. Nicht nur der Größenunterschied der zwei Pferde, der etwa 40 Zentimeter beträgt, sondern auch das unterschiedliche Aufwärmen fällt schon auf. Selbst in der Aufwärmphase hat der Dressurreiter eine engere Verbindung zum Pferdemaul. Das „Wegwerfen des Zügels“, wie man es dabei nennen würde, ist grundsätzlich nie erwünscht. Walter schreitet mit großer, über den Rücken schwingenden Bewegung durch die 60er-Halle. NicoleNockemann, die Dressurrichterin bis Klasse S ist und mit ihrem Wallach das goldene Reitabzeichen erritten hat, sitzt ihn aus, als wäre er ein bequemer Haflinger: ruhiges Bein, rhythmisches Treiben, weiche Verbindung zum Maul und ein mitschwingender, ruhiger Sitz machen es dem Wallach leicht, die fliegenden Wechsel und Pirouetten zu zeigen.

Kür der besonderen Art

Nachdem die Pferde aufgewärmt sind, geht es auf den Platz. Bei strahlendem Sonnenschein zeigen die beiden Sportlerinnen, wie eine Kür trotz zweier verschiedener Reitweisen funktioniert. Völlig synchron zeigen sie alle Gangarten und Seitengänge. Während Sofie Eckebrecht nach einem rasenden Galopp stoppt und dabei eine großeSandwolke vor sich aufwirbelt, zeigen Walter und Nicole Nockemann, wie eine Passage aussehen soll. Genau so sollten also die jeweiligen Lektionen aussehen, doch wie schlagen sich die Reiter nun auf dem fremden Pferd, das völlig anders ausgebildet wurde als ihr eigenes?

GESCHICHTE ENGLISCH

Die Englische Reitweise, die in Deutschland und anderen Ländern Europas weit verbreitet ist wird auch Englischreiten, klassische Reitweise oder Europäische Reitweise genannt. Die höchste Ausbildungsform im Englischreiten ist die Dressur, die wie Spring- und Vielseitigkeitsreiten zu den olympischen Disziplinen zählt. Das Reiten als Kunst entstand im 16. Jahrhundert in Neapel, wo sich viele Kunstreiter niederließen. Von dort breitete sich die schulmäßige Reitkunst über ganz Italien aus. Es wurden Akademien gegründet, und die Reitkunst bekam einen festen Platz in der Ausbildung adeliger junger Männer. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zeigte sich jedoch, dass die Reitkunst zu Repräsentationszwecken am Hof keine Zukunft mehr hatte, sondern dass sich das Reiten an den Bedürfnissen des Militärs orientieren musste. Das Militär verlangte vielseitige, geländetaugliche Pferde, sodass ab da bei der Ausbildung und Zucht besonderes Augenmerk eben darauf gelegt wurde. In Deutschland entwickelte sich der Turniersport ab dem Jahr 1895, als die „Bayerische Campagne-Reiter-Gesellschaft“ ihren ersten Wettkampf veranstaltete. Der Turniersport, wie man ihn heute kennt, entstand, als das Reiten Disziplin bei den Olympischen Spielen der Moderne wurde: 1912 gab es die ersten olympischen Reiterwettbewerbe – Dressur, Jagdspringen und Military. Das Dressurreiten hat das rittige Pferd zum Ziel, das auf minimale Signale hin zum exakten Ausführen einer gewünschten Lektion veranlasst werden kann. Die dressurmäßige Ausbildung des Pferdes stellt die Grundlage jeder reiterlichen Betätigung dar und findet ihre Vollendung in der Hohen Schule.

Sporentausch

Bevor es auf die neuen Pferde geht, müssen die Sporen getauscht werden. Schließlich würde Walter eine Westernspore vermutlich nicht so witzig finden. Schon dabei merkt man den Unterschied der Charaktere und der Reitweisen: Die oftmals geschniegelte und gestriegelte Art der Englischreiter, die auch für das Equipment, die Kleidung und das Pferd gilt, trifft schon jetzt auf die lockere, weniger auf Äußerlichkeiten gerichtete Art der Westernreiter. Die Sporen von Sofie sind schon am Stiefel, und sie hat nur den Dorn durch den Lederriemen gestochen. Nicole ist jedoch noch lange nicht fertig mit dem Befestigen: „Das kommt mir nicht in die Tüte, dass die Sporen hier nicht ordnungsgemäß verschnallt werden.“

Zunächst wagt sich die Westerntrainerin auf das über 1,80 Meter große Warmblut. Die Kandarrenzügel soll Sofie nicht benutzen, da ein ungeübter Umgang nicht zu verantworten wäre. Sofie scheint etwas verunsichert: „Der Sattel ist furchtbar! Man hat gar keinen Halt, und die Beine wackeln umher“, stellt sie fest. Schon immer hatte Sofies Familie Westernpferde, sodass sie, anders als die meisten Westernreiter, nicht zunächst Englisch geritten ist, sondern schon als Kind das Reiten auf Quarter Horses lernte. Ihr Weg über eine Ausbildung als Pferdewirtin und über die verschiedensten Trainer und Turniererfolge führte sie irgendwann nach Oklahoma (USA), wo sie auf einem speziellen Trainingsstall für Westernpferde arbeitete und trainierte. Seit Januar 2017 trainiert sie auf dem Drei-Kronen-Hof in Siegburg und fährt für mobilen Unterricht durch Deutschland – durch und durch Westernreiterin also. Der Schritt auf dem schwungvollen Hannoveraner fällt ihr besonders schwer. „Du musst stabil sitzen, wechselseitig rechts und links treiben“, erklärt die Dressurreiterin, die ihr aus der Mitte des Zirkels Hilfestellung gibt. Getrieben wird beim Westernreiten nur dann, wenn das Pferd nicht in der gewünschten Gangart bleibt und ausfällt. Das rhythmische Treiben mit dem Bein ist für Sofie also extrem ungewohnt, weshalb sie sich sehr konzentrieren muss. Auch die Verbindung des Zügels, die stetig „dran“ ist, und das Geben der Paraden ist für Sofie fremd. „Stell dir bei den Paraden vor, dass du einen Schwamm in der Hand hast, den du drückst. Das Pferd antwortet darauf mit Kauen“, erklärt die Dressurrichterin. Dass ein Warmblut eine andere Übersetzung hat als ein Westernpferd, merkt sie schnell. Im Trab versucht sie, den Rappen auszusitzen, was jedoch nicht funktioniert, da er so viel Schwung hat, dass Sofie aus dem Sattel gehoben wird, woraufhin das Warmblut irritiert reagiert: „Ich wechsle lieber ganz schnell zum Leichttraben, das Aussitzen ist ja furchtbar“, scherzt die 25-jährige Westernreiterin. Mit seinen klaren, schwungvollen Bewegungen hilft Walter Sofie, den Rhythmus zu finden: „Durch die Schwebephase klappt das Leichttraben gut, sodass ich mich schon sicherer fühle“, so Sofie. Dass man für das Aussitzen im Trab eine starke Bauchmuskulatur und ein gutes Balancegefühl braucht, findet Sofie am auffälligsten. Außerdem sei es extrem schwierig, das Bein ruhig zu halten, wenn man die Englisch-Sättel nicht gewohnt sei, da der Bügel des Westernsattels einem sehr viel Halt gebe und das Bein dadurch ruhig liege. Der richtige Sitz komme beim Englischreiten also nur durch eine gute Körperspannung, stellt die eigentliche Westernreiterin fest: „Man wird durch nichts gehalten und ist komplett auf sich allein gestellt. Auf einen unruhigen Sitz von mir reagiert Walter sofort sehr sensibel.“

Die Versammlung beim Western- und Englischpferd ist nicht vergleichbar


Je schneller das Tempo, desto weiter legt Sofie ihren Oberkörper und die Hand nach vorne


Der Sliding-Stop ist eine der bemerkenswertesten Lektionen des Westernreitens


Wo ist die Bedienungsanleitung?

Als Nicole Nockemann auf das Westernpony Chess alias Guns Red Obsession steigt, grinst sie über das ganze Gesicht: „Das ist wie damals auf dem Weihnachtsmarkt. Ich fühle mich komplett in diese Zeit zurück versetzt.“ Im Gegensatz zu Walter, der von der neuen Reiterin etwas irritiert war, reagiert das mehrfach siegreiche Quarter Horse überhaupt nicht auf die noch etwas unsichere Reiterin – es zieht völlig relaxt seine Runden und versucht, auf die unsicheren Signaleseiner Reiterin zu reagieren. Das Temperament des Quarter Horses ist grundsätzlich sehr ruhig und gelassen. Ein hektisches und schwer handelbarer Charakter wäre für die Cowboys zu einem echten Problem geworden, da die Pferde auf kleinste Signale des Reiters reagieren mussten und dabei immer ruhig und keinesfalls kopflos reagieren durften. Die Arbeit mit den Rindern stand im Vordergrund, und das Pferd war nur ein Fortbewegungsmittel des Reiters, um die Herden zu kontrollieren.

Im Gegensatz zum klassischen Reitstil soll Nicole jetzt einhändig reiten. Hand nach rechts bedeutet auch, dass die Richtung für das Pferd rechts ist, Hand nach links dementsprechend das Gegenteil. „Es ist wie Joystick-Lenken“, lacht die Dressurrichterin. Sofie erklärt ihr die Handhabung und Hilfegebung eines gut ausgebildeten Westernpferdes: „Wenn du das Tempo beibehalten möchtest, die Hand ruhig lassen. Wenn du schnalzt und mit den Beinen wedelst, dann soll er losgehen. Das Rollen mit den Sporen bedeutet, dass er sich mehr versammeln soll, Klopfen mit dem Bein sagt ihm, dass es schneller werden soll, und um langsamer zu werden, drückst du die Beine zu“, erklärt Sofie. Diese ganzen dem Englischreiten völlig entgegengesetzten Hilfen muss Nicole erst mal verinnerlichen. „Ich habe Angst, dass ich instinktiv falsch reagiere, wenn ich handeln muss“, gibt sie zu bedenken. „Zügel annehmen und Bein ran“ wäre in einem Schreckmoment komplett falsch. „Man fühlt sich durch den tiefen, guten Sitz, den man bei den fehlenden Bewegungen des Pferdes sowieso hat, zwar sicher, aber gleichzeitig auch, als wäre man auf einem komplett anderen Tier, für das man die Bedienungsanleitung nicht hat“, erklärt Nicole Nockemann. Was sie auch als extrem ungewohnt empfindet, ist das Wegstrecken der Hand vom Körper: „Die Hand in einer solchen Position zu halten ist fast unangenehm, weil es ein No-go bei uns ist.“ Nicole soll den ruhigen Wallach jetzt angaloppieren. „Mach ein Küsschen, dann galoppiert er direkt an“, rät Sofie. Die Blondine kann es kaum glauben und schaut sie irritiert an, während sie Chess locker auf dem Zirkel traben lässt. „Du meinst wirklich ein Kussgeräusch mit dem Mund?“, fragt sie stirnrunzelnd. Lautäußerungen beim Reiten sind für Englisch-Reiter völlig untypisch beziehungsweise nur im Training zu Hause als Unterstützung möglich. In der Prüfung würde ein Stimmkommando zur Disqualifikation führen. Im Westernreiten wird sehr viel über die Stimme gemacht. Auch bei Wettkämpfen schreien die Teilnehmer bei manchen Disziplinen laute Befehle. Nicole Nockemann kann das kaum fassen: „Man stelle sich jetzt einfach mal jemanden vor, der in einer L-Dressur laut ‚Brrrrr!‘ schreit!“, lacht sie. Der Wallach reagiert auf das Küsschen seiner Reiterin sofort. Er galoppiert an und lässt entspannt den Hals fallen. „Meinelinke Hand kommt mir vor, als wäre sie amputiert. Es ist so ungewohnt, dass man mit der inneren Hand keine Stellung geben kann“, berichtet Nicole weiter. „Es fühlt sich an, als würden wir eine andere Sprache sprechen oder als wäre das Navi fälschlicherweise auf Japanisch eingestellt.“

„Was muss ich denn mit dem Bein machen?“ Für Sofie sind die lockeren Bügel eine ganz neue Erfahrung


GESCHICHTE WESTERNREITEN

Seinen Ursprung hat das Westernreiten im „Wilden Westen“ Amerikas. Über die weiten Gebiete des amerikanischen Westens erstrecktensich ursprünglich endlose Prärien. Über dieses Grasland zogen vor der Besiedlung durch die europäischen Einwanderer Millionen von Bisons. Ende des vorigen Jahrhunderts waren sie fast ausgerottet. An ihrer Stelle ernährte das Land nun die Rinder der Rancher, die sich dort niedergelassen hatten. Um die weiten Wege absolvieren zu können, aber auch um das Vieh kontrollieren, betreuen und versorgen zu können, war das Pferd als Fortbewegungsmittel unentbehrlich. Der Cowboy stellte dafür besondere Anforderungen an sein Pferd. Nervenstärke, Trittsicherheit im Gelände sowie Schnelligkeit bzw. gutes Sprintvermögen, um mit einem davonstürmenden Rind Schritt halten zu können, waren Eigenschaften, die ein Cowboy von seinem Partner Pferd erwartete. In heiklen Situationen musste es ruhig bleiben, also war ein ausgewogenes Temperament gewünscht. Kurz: Ein gutes Pferd erleichterte dem Cowboy seine harte Arbeit. Viele dieser ursprünglichen Bewertungskriterien für ein gutes Ranchpferd werden auch heute noch in der Westernpferdezucht und im Westernreitsport berücksichtigt. Auch die Reitweise der Cowboys musste zweckdienlich sein. Wesentliches Merkmal des Westernreitstils ist der Impuls-Befehl: Ein kurzes Signal musste reichen, um dem Pferd einen Befehl zu erteilen. Denn die Konzentration des Reiters galt seiner eigentlichen Arbeit und nicht der „Reitkunst“ – das heißt: minimale Hilfengebung auf der Basis eines wohlerzogenen und disziplinierten Pferdes, das zur Mitarbeit animiert wird. (Quelle: EWU)

UNSERE EXPERTINNEN

SOFIE ECKEBRECHT lebt schon ihr ganzes Leben mit Pferden zusammen. Sie wurde mehrfach Regio-Jahreschampion der NRHA NRW und startete erfolgreich für den deutschen FEI-Nationalkader Reining der Junioren. Ihr Team errang den Vize-Europameistertitel. Sie arbeitet als Western-Trainerin in Siegburg.www.sofie-eckebrechtreining- westerntraining.com

NICOLE NOCKEMANN hat eine Trainerausbildung und ist Dressurrichterin bis zur Klasse S. Trotz ihres relativ späten EInstiegs in die Schwere Klasse hat sie mit ihrem Wallach Walk Your Way, genannt Walter, das goldene Reitabzeichen erritten. Sie reitet seit ihrem neunten Lebensjahr und bezeichnet sich als echtes Pferdemädchen.

„Aussitzen geht ja gar nicht!“, lacht Sofie Eckebrecht


Fazit des Tages

Der Tag hat beiden Reiterinnen, die zum ersten Mal auf einem Pferd der jeweils anderen Reitweise saßen, sehr gut gefallen. Gerade Nicole Nockemann kann sich vorstellen häufiger mal einen gemütlichen Ritt auf einemWesternpferd zu machen. Die Unterschiede der Reitweisen waren für beide Reiterinnen unübersehbar und stellten sie vor ganz neue Herausforderungen. Einig sind sie sich jedoch über eines: Der Weg ist ein komplett anderer, jedoch ist das Ziel das gleiche. Ein Pferd sollte leichtrittig, durchlässig und gut gymnastiziert sein. Wer dieses Ziel erreicht, für den sollte der Weg fast zweitrangig sein.

Das Zusammenleben der zwei Reitweisen am Stall Hegemann in Wiblingwerde klappt hervorragend, da jeder was vom anderen lernen kann


Fotos: Daniel Elke