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Reizvolle Regionen: Von Baude zu Baude


natur - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 12.04.2019

Im südöstlichsten Zipfel Sachsens erhebt sich das Zittauer Gebirge. Ob man es mit Hilfe von zischenden Dampflokomotiven oder zu Fuß bezwingt – oben warten fabelhafte Steinwesen, eine Klosterruine und bodenständige Baudenwirte


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Bildquelle: natur, Ausgabe 5/2019

Rast zwischen Gemäuern: Von der Burgruine lässt es sich weit blicken – auf Oybin und auf die Gebirgslandschaft


Volle Kraft voraus: 15 Lokführer und zehn Heizer kümmern sich um den Einsatz von Lokomotiven und Wagen. Im Sommer beliebt: offene und luftige Aussichtswaggons


Wir hatten früher eine kleine Katze, ihr Name war Herr Matthias. Ihr Fell war rot, und meine Schwestern und ich waren ...

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... noch Kinder. Als wir in den Urlaub fuhren, blieb Herr Matthias bei unserer Uroma. Leider wurde er von einem Kater totgebissen. Nach der Rückkehr erklärten unsere Eltern, dass er lieber eine Wildkatze als eine stinknormale Hauskatze sein wollte und sich entschieden hatte, fortan im Wald zu leben. Seitdem suchten wir Herrn Matthias. Auch auf jeder Wanderung im Zittauer Gebirge riefen wir: „Heeeerr Matthiiaaas, wo biiist duuu?“ Wir riefen es auf dem Töpferberg, auf dem Hochwald, beim Pilzesuchen und Rodeln. Bis heute schaue ich nach ihm – auch während unserer zweitägigen Tour durch das kleinste Mittelgebirge Deutschlands.

Zwischen grünen Fichten und blauem Himmel erhebt sich das Zittauer Gebirge – gelegen im Dreiländereck zwischen Deutschland, Tschechien und Polen, im äußersten Zipfel der Oberlausitz. Zu DDR-Zeiten galt es als „Tal der Ahnungslosen“. Die Menschen bekamen durch den schlechten Fernsehempfang noch weniger vom Westen mit als der Rest des Landes.

Noch immer wird die Region von manchen so genannt: Das Handynetz ist miserabel, abends muss man manchmal laufen, weil kein Bus mehr fährt. Doch gerade deshalb kommen die Urlauber in die Oberlausitz, wegen ihrer grünen Hügel, der alten Schutzhütten und Sandsteinfabelwesen im Gebirge. Wegen der natürlichen Ruhe, der Ursprünglichkeit.

Täglich mit Dampf ins Gebirge

Ein Junge springt am Bahnsteig in Bertsdorf am Fuße des Zittauer Gebirges auf und ab und zerrt seinem Papa am Anorak: „Ich seh’ schon den Rauch, ich seh’ schon den Rauch!“ Er hat recht, denn man sieht die Schmalspurbahn schon, bevor man sie wirklich sieht, zumindest ihre meterhohen Dampfwolken. Man hört ihr Schnaufen, als würde sie sich tatsächlich anstrengen, ihr Hupen und Bimmeln. Sie ruckelt, zuckelt, zischt. Die Lok, die vor uns zum Stehen kommt, ist pechschwarz, ihr originaler Barrenrahmen rot. Die, die schon im Zug sitzen, schieben die Fenster hoch und stecken ihre Köpfe raus. Die, die noch einsteigen, stürmen in einen der grünen Waggons, für den besten Sitzplatz.

Manuela Bartsch winkt ihren Kollegen im Zug. Für die 35-Jährige, die aus dem über 100 Kilometer entfernten Meißen stammt und im Marketing der Zittauer Schmalspurbahn arbeitet, ist der Bertsdorfer Bahnhof ein besonderer Ort: „Ich habe mich hier verliebt“, sagt sie. Und das sogar doppelt. „In die Region und in meinen Mann, einen Lokführer.“ Wer bisher noch nicht an die Romantik des Zittauer Gebirges glaubte, ist nun überzeugt.

Bereits seit 1890 dampft die Bimmelbahn, angetrieben von Kohle, Feuer und Wasser, von der Stadt Zittau bis in die Kurorte Oybin und Jonsdorf ins Gebirge. Wir entscheiden uns für den Speisewagen aus dem Jahr 1930. Eingesunken in ledernen Sitzbänken bestellen wir Kaffee und Kakao mit Sahne.

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde zieht die Dampflok uns in sanften Kurven, vorbei an einer ehemaligen Sägemühle und Einfamilienhäusern, immer weiter ins Gebirge. Es ist 9:37 Uhr, aber Zeit ist hier relativ: Mehr Entschleunigung geht kaum. Die ZOJE, genauer gesagt: die „Zittau-Oybin-Jonsdorf-Eisenbahngesellschaft“ war der erster Betreiber der Schmalspurbahn. Der Volksmund dichtete die Abkürzung in „Zug ohne jegliche Eile“ um.

2018 hat die Schmalspurbahn ein Rekordergebnis eingefahren: 229 230 Fahrgäste. Die meisten Touristen kommen aus dem Raum Dresden, Leipzig und Berlin, 20 Prozent aus Tschechien. Das Nachbarland liegt nur einen Katzensprung entfernt.

Nach gerade mal zehn Minuten Fahrt steigen wir am Bahnhof Oybin aus der Schmalspurbahn. Von hier laufen wir los: Zwölf Kilometer wollen wir in den nächsten zwei Tagen bezwingen – wir beginnen in Oybin, wir enden in Oybin. Das erste Etappenziel auf unserem Rundwanderweg durch das Zittauer Gebirge: der Töpferberg.

Tiere aus Stein

Wir steigen bergauf. Zwischen Kiefern und Fichten gucken immer wieder helle Sandsteinfelsen über die Baumwipfel. Steht man vor ihnen, sind es wuchtige Riesen, moosbewachsen in ihren steinigen Speckfalten. Der zerklüftete Sandstein ist – wie im bekannteren Elbsandsteingebirge – eine Ablagerung des Kreidemeeres, das einst große Teile Deutschlands bedeckte.

Auf dem 582 Meter hohen Töpferberg aus Sandstein sitzen ein Nilpferd, eine Schildkröte, ein Papagei. Zumindest hat der Volksmund die merkwürdigen Felsgebilde, die aussehen wie Tiere, so getauft.

Seit jeher haben „des Töpfers Felsen“ die Menschen in ihren Bann gezogen. In vorchristlicher Zeit als Kult- und Begräbnisstätte, später als touristisches Ziel. Holzhauer und Steinbrecher gingen auf dem Berg ihrem Handwerk nach. Anfang des 19. Jahrhunderts kam der Gedanke des Bergwanderns auf; wie auf anderen Gipfeln begann in dieser Zeit auch die Bewirtung der Touristen auf dem Töpfer. Man ging unten los, weil’s oben eine herrliche Aussicht, sächsischen Sauerbraten und frischgezapftes Helles aus Böhmen gab. Und weil sich auf dem Weg Alltagssorgen verflüchtigten. So ist es noch immer.


»Ich habe mich verliebt. In die Region und in meinen Mann, einen Lokführer«


Manuela Bartsch, Zittauer Schmalspurbahn

Oben auf dem Berg thront die Töpferbaude, aus Holz, rotgetäfelt, steht sie da in 580 Metern Höhe seit 114 Jahren. Viele Bauden, die einmal Schutzhütten für Viehhirten waren, wurden später für Gäste ausgebaut. Nora Golebiowski und ihre Mutter führen die Töpferbaude seit 2003 als Familienbetrieb. Nora ist mit 35 die jüngste Baudenwirtin in der Region. Sie wurde ins kalte Wasser geworfen, als ihr Vater die Familie verließ und Frau und Tochter mit einem insolventen Betrieb alleine dastanden. Gemeinsam mit Dietmar Kunert konnten sie die historische Baude retten. Der 63-Jährige war schon immer Gastronom im Zittauer Gebirge und serviert auf dem Töpfer auch das Essen: „Der Dauerbrenner ist unsere Sülze mit Bratkartoffeln“, Nora Golebiowskis Mutter führt seit 2003 eine Strichliste: Bisher wurden 5055 Liter Sülze auf der Töpferbaude gekocht. Früher gab es auch rauschende Feste in der Gaststube, aber „keiner der jungen Leute will heutzutage noch am Wochenende arbeiten“, sagt Nora Golebiowski. Sie wohnt im 130 Kilometer entfernten Dresden, wenn sie nicht auf dem Töpfer ist. „Bald ziehe ich hier ein und renoviere die Wohnung über der Gaststube“, sagt sie.

Oberlausitz, geliebtes Heimatland

Von der Baude hüpfen wir auf runden Steinen bis zur Böhmischen Aussicht am östlichen Ende des Gipfelplateaus. Dort steht ein „Europakreuz“, trägt in lateinischer, polnischer, tschechischer und deutscher Sprache die Inschrift „Dass alle eins seien“ (Joh. 17,21). Der Wind pfeift, wir blicken auf das Zittauer Becken, das Oberlausitzer Bergland, das Riesen- und Isergebirge – über die deutsch-tschechische Landesgrenze hinweg.

Retro-Reise auf Schienen: Während der Dampf der Schmalspurbahn schon von Weitem zu sehen ist(l.), hat man im Speisewagen die beste Aussicht (r.)


Auf 582 Metern über dem Meeresspiegel steht die Töpferbaude (l.). Einst wurden hier Ziegen gehalten. Heute wird in der rustikalen Gaststube sächsische Küche serviert. Eine Bimmelbahn auf Rädern, der „Gebirgsexpress“, bringt Besucher zur Baude und wieder ins Tal


Vorbei an der brütenden Henne – die aussieht wie ein großer Steinvogel auf einem Nest – laufen wir über einen Teppich aus altem Laub in Richtung Scharfenstein. Die etwa 45 Meter hohe Fels pyramide aus Sandstein wird auch das Matterhorn Oybins genannt. Und tatsächlich erinnern ihre Formen an die ihres großen Namensbruders bei Zermatt. Eisenstiegen erleichtern den Aufstieg zum Scharfenstein. Wir kraxeln empor, durch den Märchenwald mit bizarren Felsen und wucherndem Heidekraut. Ein Specht klopft.

Schon als Hortkinder saßen wir hier, auf rundgewaschenen Felsplateaus und zwischen Heidelbeersträuchern, aßen Salamischnitten aus knallbunten Brotbüchsen und sangen das Lied unserer Heimat: „Oberlausitz, geliebtes Heimatland, Glück und Reichtum bist du mir! Wär’s auch noch so schön, so schön im fremden Land, stets gehört mein Herz nur dir!“


»Das ist ein ganz anderes Wirtschaften als unten im Ort«


Torsten Grundmann, Baudenwirt Hochwaldbaude

Durch die Kleine und die Große Felsengasse, zwei steil aufragende Sandsteinmauern, laufen wir parallel zum Kurort Oybin über den Panoramaweg, das Zentrum des Ortes im Blick. Auf dem bekanntesten Felsmassiv des Zittauer Gebirges, dem Berg Oybin – dem die Launen der Natur die Gestalt eines Bienenkorbes verliehen haben – erheben sich die Ruinen der böhmischen Königsburg und des Klosters.

Der Wikinger vom Hochwald

Dort soll unsere Tour durch das Zittauer Gebirge enden. Doch erst einmal wollen wir noch weiter; vom Kammloch bis auf den Hochwald wandern. Und damit ein Stück auf dem E3, mit 6950 Kilometern einer der längsten Fernwanderwege der Welt, der am Schwarzen Meer beginnt und durch Mittel- und Westeuropa bis auf die Iberische Halbinsel führt. Eine Zeit lang gehen wir direkt an der tschechischen Grenze entlang. Für den Aufstieg braucht man gute Kondition und Trittsicherheit. Der Hochwald ist mit 752 Metern über dem Meer der zweithöchste Berg im Zittauer Gebirge. Er entstand, als ein Vulkan die Sandsteinplatte durchbrach.

Als wir die Tür zur Hochwaldbaude aufstoßen, will Wirt Torsten Grundmann gerade gehen. Er sagt: „Gut, dass ihr da seid, dann kann ich euch ja kurz die Baude überlassen. Ich muss nochmal runter ins Tal.“

Wir staunen, fühlen uns aber in unserer Rolle als Baudenwirte ziemlich wohl, packen unsere Rucksäcke ins Schlafquartier und gehen auf das Plateau mit Gipfelkreuz. Die Sonne sinkt hinter die Gipfel des Dreiländerecks. Und wir sehen ihr dabei zu.

Als Torsten Grundmann wiederkommt, hat er zwei Gäste dabei. Antje und Bernd Hantke, ein Ehepaar, das seit zehn Jahren mit Freunden mindestens einmal im Jahr auf der Hochwaldbaude ein Wochenende verbringt. „Baude ist Familie“, sagt Torsten Grundmann. Er ist 43 und könnte auch eine Schaffarm in Irland betreiben, sein Bart ist rot, seine Hände sind die eines Fleischers.

Tatsächlich ist er Metzger und hat die Baude 2005 von seinem Vater übernommen. „Das ist kein Beruf, das ist eine Lebenseinstellung“, sagt er. „Ich muss mich darum kümmern, wie ich Strom und Wasser bekomme, wie ich die Hütte warm halte. Das ist ein ganz anderes Wirtschaften als unten im Ort.“

Wundersame Steinwelt: Die „brütende Henne“ schaut auf die Wanderer herab (M.). Im sogenannten „Muschelsaal“ zauberten vulkanische Kräfte Kunstwerke aus Wellen, Kanten und Wülsten in die Sandsteinmauern der Felsengasse (r.)


Der Gastraum ist ein großes Wohnzimmer mit Tischen und Stühlen aus dunklem Holz, einem Ofen und einer Bar, hinter der Torsten Grundmann als Koch, Klempner, Kellner, Ratgeber und Zuhörer fungiert. Er will die entschleunigen, die wie „die Kaputten über den Berg hetzen, ganz schnell etwas trinken wollen, um dann gleich wieder abzuhauen“. Am schlimmsten seien die „Renntiere“, sagt er. Die Rentner. Aber Grundmann hat seine Methoden: Letztens hat er einen Gast die Kartoffeln für sein Abendessen selbst schälen lassen. „Ich glaube, so geschmeckt wie an diesem Abend hat ihm sein Essen noch nie!“

Auch uns schmeckt das Bauernfrühstück und Szegediner Gulasch mit Knödeln, das Grundmann, der Wikinger vom Hochwald, uns serviert. Wir sitzen zusammen, schmatzen und stoßen an. Mit Oybiner Bitter, einem Kräuterlikör, und Obstbrand. Über uns hängt ein Zitat von Gottfried Keller: „Trinkt Augen, was die Wimper hält, von dem goldenen Überfluss der Welt.“

Ein Motiv für Maler

Als wir am nächsten Morgen erwachen, erwartet uns draußen eine Waschküche. Vor Nebel können wir nichts erkennen, die deutschen und tschechischen Berge nur erahnen. Doch so schnell wie der Nebel kam, verschwindet er auch wieder. Torsten Grundmann muss zurück an die Arbeit. Heute ist er Baumfäller — der Borkenkäfer treibt sein Unwesen im Hochwald.

Spiel aus Nebel und Sonne: Von der Hochwaldbaude kann man über die Hügelketten des Nachbarlandes Tschechien schauen (u.)


Der Kurort Oybin aus der Vogelperspektive. Der Goldbach bildete einst den Talkessel, in den sich der Ort im Zittauer Gebirge schmiegt (o.). Gemütlich speisen lässt es sich in der Hochwaldbaude (u.)


Wir wagen den Abstieg, er führt uns ins Tal, zurück in den Ortskern von Oybin. Er ist umgeben von einem Kranz grüner Berge, historischen Umgebindehäusern, Streuobstwiesen sowie vielen Hotels, Gaststätten und Cafés.

Hoch oben über dem Kurort thront die alte Burgund Klosteranlage, die wir tags zuvor vom Panoramaweg aus fotografiert haben. Über viele Stufen ist sie in gut 15 Minuten Fußweg erreichbar. Während des Aufstiegs kommen wir an der kleinen gelben Bergkirche vorbei – ein Schmuckstück barocker Baukunst. Die 1734 erbaute Kirche wird auch das „Hochzeitskirchlein“ genannt, und auch meine Großeltern heirateten 1959 in dem holzvertäfelten Altarraum.

Oben angekommen begrüßt uns Uwe Rang. Er und vier weitere Mitarbeiter bewirtschaften die Burg- und Klosteranlage. „Anfang des 14. Jahrhunderts wurde die Burg zu einer Wehranlage ausgebaut. Karl der IV. ließ ein Kaiserhaus errichten und schenkte dem Orden der Cölestiner ein Kloster, deswegen kommen auch mehr tschechische Besucher als Deutsche“, sagt Rang. Mit der Reformation endete das Klosterleben. Die Gemäuer wurden durch Maler der Romantik wie Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus als Motiv entdeckt und durch ihre Bilder bekannt gemacht.

Das Ensemble von Architektur und Natur wird seitdem gehegt und instand gehalten. Uwe Rang pflegt die Gräber auf dem Friedhof, befreit Bäume von der Schneelast, beschneidet Sträucher, die Touristen die Sicht auf Bimmelbahn oder Gebirge nehmen. Besondere Veranstaltungen wie das Burgfest oder die Klosternacht ziehen Touristen und Einheimische nach Oybin. Im Sommer kommen Chöre wegen der besonderen Akustik in die verfallene Klosterkirche. Und ein Falkenpaar nistet sich jedes Jahr wieder in einer Felsspalte am Berg ein. Ihnen schauen wir zu, wie sie über dem Tal kreisen. Es miaut irgendwo. Aber vielleicht auch nur in meinem Kopf.

Sophie Herwig

kennt das Hupen und Bimmeln der Schmalspurbahn seit ihrer Kindheit. Ab jetzt wird es sie jedes Mal auch an die Recherche in ihrer Heimat erinnern.

Tipps

Grafik: Karl Marx

Übernachten
Am Fuße des Hochwalds hat Robert Paulenz seine Frühstückspension „Abendröte“. Der gelernte Koch sammelte in der ganzen Welt Erfahrung in der Gastronomie. Er kehrte zurück in die Heimat und übernahm 2015 die kleine Pension seiner Großeltern.

Robert Paulenz hat 10 Zimmer und gibt seinen Gästen Tipps für Ausflüge und Wanderungen:www.abendroete-oybin.de Übernachtungen mit Bahnambiente der Zittauer Schmalspurbahn kann man in der Pension „Zum Bahnel“ im Bahnhof Jonsdorf, in den Ferienwaggons im Bahnhof Oybin oder, ebenfalls dort, in der Ferienwohnung „Am Wasserhäuschen“:www.zittauer-schmalspurbahn.de/bahn-region/uebernachtung/ Weitere Übernachtungsmöglichkeiten unter:www.zittauergebirge-ferien.de

Essen & Trinken
Im Luftkurort Jonsdorf befindet sich, umgeben von restaurierten Umgebindehäusern, das Hotel „Dammschenke“. Sofern man die Oberlausitzer Mundart beherrscht – denn die Speisekarte ist nicht auf Hochdeutsch verfasst – bestellt man Wildgerichte, Fisch aus den umliegenden Gewässern oder frische Pfifferlinge:www.dammschenke.de

Nach anstrengenden Wandertouren findet man in der Kammbaude in Oybin ein ehrliches Essen und nach zu viel Bier auch ein Bett. Einflüsse der böhmischen Küche bringen verschiedenste Knödel auf die Teller. Bestes tschechisches wie regionales Bier gehören hier oben zu den Grundnahrungsmitteln. Vor allem für Radfahrer bietet sich der große Garten mit Bänken und Tischen an für einen kurzen Zwischenstopp im Grünen mit herrlichem Ausblick:www.kammbaude.de

Steigt man den Berg Lausche (793 m) auf der tschechischen Seite hinab, kann man preiswert und hervorragend im sogenannten Jägerdörfel zum typischen böhmischen Mittagessen in der Luzicka Bouda, der Lausitzer Baude, einkehren:www.luzickabouda.cz

Weitere Ausflüge :
Zittau beherbergt einen Kunstschatz von europäischem Rang: das Große Zittauer Fastentuch aus dem Jahr 1472. Im Tourismuszentrum gibt es Stadtpläne, Wanderkarten und wertvolle Tipps für den Aufenthalt im Zittauer Gebirge:www.zittauer-gebirge.com

In Jonsdorf, das man von Zittau gut mit der Schmalspurbahn erreicht, müssen sich Urlauber zwischen dem solarbeheizten Gebirgsbad, der Waldbühne mit Theaterstücken oder dem besten Softeis im Zittauer Gebirge mit Gondelteich in Schwerdtner’s Eisgarten entscheiden.

Robert Paulenz posiert vor seiner Pension. In Zukunft soll seine Küche noch internationaler werden (l.). Der Lausche ist der höchste Berg des Zittauer Gebirges. Auf der einen Seite liegt Deutschland, auf der anderen Tschechien (M.). Auf 90 Feldern zeigt das Zittauer Fastentuch biblische Szenen aus dem Alten und Neuen Testament (r.)


Foto: Matthias Rietschel, Gemeinfrei (2)