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Remnant: From the Ashes


PC Games Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 25.09.2019

Im neuesten Spiel von Gunfire Games geht wieder die Welt unter. Warum sich der erneute Ausflug in die Postapokalypse dennoch lohnt, erfahrt ihr bei uns im Test.


Artikelbild für den Artikel "Remnant: From the Ashes" aus der Ausgabe 10/2019 von PC Games Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: PC Games Magazin, Ausgabe 10/2019

Genre: Third-Person-Shooter
Entwickler: Gunfire Games
Hersteller: Perfect World
Termin: 20. August 2019
Preis: ca. 39,99 Euro
USK: ab 16 Jahren

Zu Beginn des Spiels könnt ihr euch aus einer überschaubaren Auswahl von Gesichtern, Frisuren und Bärten einen eigenen Spielcharakter zusammenbasteln.


In eurer Basis Station 13 bekommt ihr eure Anfangsausrüstung in die Hand gedrückt. Im Laufe des Spiels könnt ihr sie upgraden oder komplett neue ...

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Zeit ist schon etwas Komisches. Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, dass ich Remnant: From The Ashes als mein persönliches Highlight der Gamescom 2018 bezeichnet habe. Ziemlich genau ein Jahr später liegt auch schon die Testversion auf dem Tisch. Statt gespannter Erwartung macht sich in mir allerdings eher ein mulmiges Gefühl breit. Rund um den Release des Survival-Shooters wurde nämlich beunruhigend oft das Wort „Soulslike. in den Raum geschmissen. Von „Dark Souls mit Knarren. war da zeitweise sogar die Rede. Für mich, der nicht einmal einen Teil der From-Software- Spielereihe erfolgreich zu Ende bringen konnte, kein allzu erfreuliches Vorzeichen. Könnte mich hier etwa eine herbe Enttäuschung erwarten?

Zumindest zu Beginn macht es tatsächlich diesen Eindruck: Nachdem wir uns in einem recht beschränkten Charakter-Editor eine zugegebenermaßen ziemlich hässliche Spielfigur erstellt haben, erwartet uns ein kryptischer Einstieg in die Geschichte: Wir sind auf dem Weg zu einem Turm inmitten des Meeres. Bevor wir ihn erreichen können, wird unsere kleine Nussschale jedoch von den Wellen verschlungen und wir kurz darauf an einem verlassenen Strand angespült. Also machen wir uns nur mit einem Schwert bewaffnet auf, die düstere Spielwelt zu erkunden, Gegnern mit einer ausdauerzehrenden Sprungrolle auzuweichen und – wie sollte es anders sein – nach nicht einmal fünf Minuten direkt ins Gras zu beißen.

Die Saat des Bösen

So scheint es jedenfalls im ersten Moment. Stattdessen wachen wir aber im Krankenbett der sogenannten Station 13 auf, einer Art letzten Bastion der Menschheit. Die steht nämlich, so wird es uns in der Folge durch Schriftstücke und Gespräche beigebracht, kurz vor dem Untergang, nachdem in den 1960er-Jahren ein verunglücktes Experiment ein Portal in eine Parallelwelt öffnete. Aus dem ergießt sich nun die Saat über die Erde, eine außerirdische Lebensform, die Chaos und Zerstörung über den Planeten gebracht hat.

Wirklich wichtig ist die Handlung allerdings nicht. Eine wesentlich größere Rolle spielt zunächst einmal die Wahl unseres Archetyps. Je nachdem, ob wir uns für den Jäger, den Plünderer oder den Ex-Kultisten entscheiden, werden wir mit anderen Eigenschaften, Items und Waffen in die Spielwelt entlassen.

Die wird dynamisch generiert, sieht also bei jedem Spieler sowie Spieldurchlauf anders aus und wartet mit anderen Gegnern und Ereignissen auf. Auf diese Weise bekommen wir ein ganz individuelles Spielerlebnis geboten, das zum Entdecken einlädt. Zumal ihr dadurch nicht nur zufällige Begegnungen und Ereignisse auslöst, sondern auch stetig eure zu Beginn komplett schwarze Karte aufdeckt. Das ist ein grundsätzlich spannender Ansatz, für den einen oder anderen „verwöhnten. Spieler (wie mich selbst) aber auch ein wenig mühselig. Es gibt nämlich auch keine Missionsmarker und nur sehr vage Missionsziele. So kam es schon mal vor, dass wir etwas orientierungslos durch die Gegend liefen und versuchten, den Ort zu finden, an dem „Licht das Wasser imitiert und nach der Sonne greift”, ohne genau zu wissen, worum es sich dabei überhaupt handelte.

Die Spielwelt zeigt sich zu Anfang etwas trist und grau. Später bereist ihr aber auch exotischere Umgebungen.


Nach dem Tutorial müsst ihr euch für einen von drei Archetypen entscheiden: Jäger, Plünderer oder Ex-Kultist.


Triste Welt, tolle Gefechte

Dieser Umstand wird auch nicht dadurch verbessert, dass die Welt ziemlich verwinkelt und unübersichtlich gestaltet ist und euch dadurch sehr viel Backtracking abverlangt. So bekamen wir zudem einige Bereiche der teils etwas unansehnlichen Umgebung gleich mehrmals zu Gesicht. Ja, Remnant: From The Ashes spielt in der Postapokalypse. Aber der graubraune Mix aus bröckelndem Beton und rostigem Stahl macht optisch trotzdem nicht allzu viel her. Glücklicherweise bereisen wir im späteren Spielverlauf aber auch noch andere Biome wie Sümpfe, Urwälder und Wüstenregionen.

Die sind natürlich mit zahlreichen Feinden ausgestattet, steht der Kampf gegen die Saat doch im Mittelpunkt des Spiels. Er läuft grundlegend immer gleich ab: Wir setzen unseren Widersachern mit Primär-, Sekundär- und Nahkampfwaffe zu und hechten bei Gefahr außer Reichweite, was natürlich nur geht, solange unsere Ausdauerleiste gefüllt ist. Durch die zahlreichen unterschiedlichen Gegnertypen, die euch teils überraschend taktisch attackieren oder mit negativen Statuseffekten wie Gift oder Feuer belegen, bleiben die Gefechte aber stets knackig. Zumal das Trefferfeedback wirklich gelungen ist und sich die Scharmützel sowohl mit Maus und Tastatur als auch mit Controller trotz merklicher Zielunterstützung gut steuern lassen.

Die Highlights von Remnant: From The Ashes sind aber natürlich die groß inszenierten Bosskämpfe. Sie finden in separaten Gebieten statt, die wir durch eine Art Schleier betreten, und setzen uns meist beeindruckende Gestalten wie etwa Drachen, Riesen oder Ents vor die Nase. Sie stecken ordentlich ein und teilen ordentlich aus. Zudem beschwören einige zusätzliche Minions, sodass wir stets ein Auge auf unser großes Ziel und eines auf die Umgebung haben müssen

Bei Feindkontakt solltet ihr genau zielen. Munition ist rar und gut platzierte Schüsse verursachen mehr Schaden.


Die Bosse in Remnant: From The Ashes hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Nicht nur aufgrund ihres Designs, sondern auch wegen ihrer mächtigen Fähigkeiten.


Erkunden lohnt sich: Schaut euch in der Umgebung um, könnt ihr Waffen und andere nützliche Objekte entdecken.


Erledigte Gegner bescheren euch EP, mit denen ihr im Level aufsteigt. Dafür gibt es wiederum Skillpunkte, die ihr in über 30 verschiedene Fähigkeiten investieren dürft.


Fordernd, aber stets fair

Erlauben wir uns nur einen Fehler zu viel, beißen wir ins Gras und müssen am letzten Checkpoint von vorne anfangen. Dabei bekommen wir zwar unsere Munition und unsere Heil-Items in Form der sogenannten Drachenherzen zurück, dafür respawnen aber auch alle Gegner und eingesetzte Verbrauchsgegenstände sind ebenfalls verloren. Remnant: From The Ashes macht es uns also nicht zu einfach, sodass wir an einigen Brocken schon mal eine gute Stunde saßen.

Lernen wir jedoch die Angriffsmuster des Gegners auswendig, finden seine Schwachstellen und gehen dann noch sinnvoll mit unseren Ressourcen um, wird das Monster irgendwann erlegt und wir dürfen uns über jede Menge Erfahrungspunkte und Crafting-Materialien freuen. Mit Ersteren steigen wir im Level auf und schalten so Fähigkeitenpunkte frei, die wir dann in über 30 verschiedene Skills stecken dürfen. Mehr Lebensenergie, erhöhte Chance auf einen kritischen Treffer, zusätzliche EP für erlegte Gegner – hier gibt es gefühlt fast schon zu viele Möglichkeiten. Zumal wir unseren Charakter auch noch durch neue Ausrüstung aufwerten können: Mit gefundenen Materialien verbessern wir Waffen und Panzerung, verbauen Mods oder basteln direkt gänzlich neue Gegenstände.

So hält euch Remnant: From The Ashes einige Zeit beschäftigt. Alleine für den Abschluss der Story benötigt man ungefähr 15 Stunden. Doch selbst danach gibt es noch viele weitere Gebiete zu entdecken und Gegner zu erlegen. Darüber hinaus habt ihr jederzeit die Möglichkeit, ein New Game Plus anzufangen. In dem könnt ihr dann vom standardmäßig eingestellten und durchaus fordernden Normal-Schwierigkeitsgrad auch noch auf Schwer oder Albtraum upgraden und euch in eine komplett neu berechnete Welt stürzen. Immerhin noch mit euren bereits erhaltenen Items und Fähigkeiten.

In der Welt findet ihr immer wieder rot glühende Kristalle, die euch als Checkpoint und Schnellreisepunkt dienen.


Zudem stolpert ihr immer wieder über interessante NPCs, die euch mehr über die Welt und ihre Geschichte verraten.


Aller guten Dinge sind drei

Wem das noch nicht reicht, für den gibt es dann auch noch den Koop-Modus für bis zu drei Spieler. Mit Hilfe einer simplen Drop-in-Dropout- Funktion könnt ihr jederzeit einer offenen Sitzung oder einem Spiel eines Freundes beitreten. Kommt ihr bei einem Boss nicht weiter? Dann besorgt euch doch so einfach Unterstützung! Allerdings solltet ihr dabei im Hinterkopf behalten, dass ihr euren Loot teilen müsst und nur der Story-Fortschritt des Hosts gespeichert wird. Das ist ein wenig schade.

Selbiges lässt sich auch über die diversen technischen Defizite von Remnant: From The Ashes sagen. Gerade der PS4-Ableger leidet unter nachladenden Texturen, Pop-ins und genereller Detailarmut. Zudem müsst ihr auf der Konsole mit heftigen Rucklern und Framerate-Einbrüchen rechnen, sobald auf dem Bildschirm zu viel auf einmal passiert. Dazu gesellen sich noch weitere kleine Makel in Sachen Präsentation: So tauchen auch in der deutschen Version vereinzelt englische Beschreibungstexte auf. Die Charaktere sprechen kaum lippensynchron und unser Protagonist macht in Dialogen überhaupt keinen Mucks – und das, obwohl wir zu Spielbeginn sogar eine Stimme für ihn auswählen können. Die erhebt er lediglich, um in Gefechten hin und wieder mal einen One-Liner fallen zu lassen oder die Gegner als Bastarde zu beschimpfen. Eine seltsame Designentscheidung.

Nichtsdestotrotz bietet Remnant: From The Ashes ein insgesamt rundes Spielerlebnis, das die Spieler mit gelungenen Mechaniken, klugen Genre-Anleihen und einem herausfordernden Gegner-Design überzeugen kann. Ein Dark Souls, Bloodborne oder Sekiro: Shadows Die Twice ist der Titel aber definitiv nicht. Wer dergleichen erwartet, könnte enttäuscht werden. Wer allerdings einfach einen fordernden Survival- Shooter mit RPG-Elementen und Koop-Ansatz sucht, kann hier gerne zugreifen. Verfügbar ist der Titel bereits seit dem 20. August 2019 für PC, Playstation 4 und Xbox One.

MEINE MEINUNG: „Wie Dark Souls – nur eben anders.”

David Benke


Ja, einige Parallelen zwischen Remnant: From The Ashes und Dark Souls sind wohl nicht von der Hand zu weisen, seien es nun einige Spielmechaniken oder der insgesamt durchaus anspruchsvolle Schwierigkeitsgrad. Dennoch kann der Survival-Shooter aber auch mit vielen eigenen Stärken punkten und hat so auch mir, der eher weniger mit der viel zitierten From-Software- Vorlage anfangen kann, durchaus gefallen. Gut, die Präsentation ist vielleicht nicht auf dem allerhöchsten Niveau und das Storytelling lässt zeitweise etwas zu wünschen übrig. Ich hatte aber dennoch meinen Spaß und kann den Titel nur weiterempfehlen.