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Renaissance für Zimmerpflanzen: Grüner wird es nimmer


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 13/2018 vom 31.03.2018

Arten von Gummibaum bis Monstera gelten nicht mehr als verstaubt. VonMartin Hein

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Artikelbild für den Artikel "Renaissance für Zimmerpflanzen: Grüner wird es nimmer" aus der Ausgabe 13/2018 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO, Ausgabe 13/2018

Martin Hein ,
langjähriger freier Journalist unter anderem für Gartenbau und Floristik

Zimmerpflanzen erleben eine Renaissance! Wer das nicht glauben mochte, der wurde auf der Frankfurter Messe Ambiente eines Besseren belehrt. Überall sah man Zimmerpflanzen – insbesondere Arten wie den Gummibaum und die Monstera, die lange Zeit als „verstaubt“ galten. Der Retro-Trend, der die aktuellen Einrichtungswelten prägt, bringt es mit sich, dass „Althergebrachtes, was vor 40 Jahren en vogue war, wieder gut läuft“, ...

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Zimmerpflanzen erleben eine Renaissance! Wer das nicht glauben mochte, der wurde auf der Frankfurter Messe Ambiente eines Besseren belehrt. Überall sah man Zimmerpflanzen – insbesondere Arten wie den Gummibaum und die Monstera, die lange Zeit als „verstaubt“ galten. Der Retro-Trend, der die aktuellen Einrichtungswelten prägt, bringt es mit sich, dass „Althergebrachtes, was vor 40 Jahren en vogue war, wieder gut läuft“, beobachtet Peter René schon seit über einem Jahr. Der Geschäftsführer des Blumengroßmarktes (BGM) Düsseldorf zähltAloe vera ,Sanseveria ,Dracenae und sogarFicus sowie Efeu zu den grünen Zimmerpflanzen, die plötzlich wieder hip sind. Zimmerpflanzen seien „das große Ding“, wird Ambiente-Chefin Nicolette Naumann vom Magazin „Spiegel“ zitiert. Mit den Pflanzen werden auch ihre Präsentationsweisen reanimiert.

Die Ampel ist wieder zurück, Terrarien und Glasgefäße mit sichtbaren Wurzeln oder Hängesysteme aus der lange vergessenen Knüpftechnik Makramee gelten wieder als schick. Alles Dinge, die in den 1960-ern und 1970-ern für den Gemütlichkeitsbegriff der Eltern standen und der jungen Generation damals als Inbegriff der Spießigkeit galten.

Der Hipe trifft auf eine Angebotsstruktur, die sich in den vergangenen Jahrzehnten am Desinteresse der Verbraucher orientiert hat. Keine Nachfrage, kein Angebot – so könnte man die Entwicklung bei den deutschen und auch niederländischen Zimmerpflanzen-Produzenten erklären. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn grüne Zimmerpflanzen sind ja nie ganz von der Bildfläche verschwunden.

Aber die Absatzkanäle haben sich verändert, Ikea und andere Möbelhäuser haben mit einem Mainstream-Sortiment und Niedrig-Preisen die verbliebene Nachfrage bedient.

Grüne Zimmerpflanzen, die schon vor einem halben Jahrhundert populär waren und dann über Jahrzehnte weitgehend von der Bildfläche verschwanden, sind nun wieder hip.


Fotos: Klocke/Porta Westfalica

Kunde will keine uniforme Ware wie bie Ikea

Nun beginnt auch der Blumen- und Pflanzenfachhandel, das Segment wieder wahrzunehmen. „Man kann noch nicht von einer richtigen Trendwende sprechen, aber das Interesse wächst“, meint so auch Rainer Pöstges. Er verkauft über den BGM Düsseldorf und hat sein Angebot auf den Fachhandel ausgerichtet. Seine Kunden berichten, dass „die Endverbraucher nicht so sehr nach dem Preis kaufen. Ihnen ist vielmehr wichtig, dass es keine uniforme Massenware wie bei Ikea ist“.

Mit besonderen Heizkonzepten konkurrenzfähig

Rainer Pöstges produziert in seinem Betrieb auch selbst, „ein relativ breites Sortiment in 13er- und 17er-Töpfen.“ Möglich ist das, weil er mit Abwärme heizt. „Man braucht schon besondere Heiz-Konzepte, um mit den holländischen Produzenten konkurrieren zu können“, ist er überzeugt. Allerdings sieht er die Entwicklung positiv, nicht nur aufgrund des neu entfachten Konsumenten-Interesses. „Das Überangebot ist weg, die Preise haben sich stabilisiert“, freut er sich. Wobei Rainer Pöstges den Retro-Trend als Auslöser für den Hipe infrage stellt. „Die heutigen Kunden, die sich für Monstera oder einen Gummibaum entscheiden, waren in den 1960-ern ja noch gar nicht geboren.“

Den aktuellen Pflanzentrend nahm der Nachwuchswettbewerb „Kölner Frühling“ auf. Im Zentrum standen gestaltete Bepflanzungen, die im floristischen Alltag oft stiefmütterlich behandelt werden.


Foto: BGM Köln

Jüngere schätzen an Grünpflanzen etwa Momente der Erdung

Aus welchen Gründen auch immer – die „Renaissance der Zimmerpflanze existiert“, meint ebenfalls Frank Teuber vom Blumenbüro. „Grünpflanzen gelten jüngeren Konsumenten als wertig, sie stehen für Momente der Erdung, der Entschleunigung“, ist er überzeugt. Frank Teuber sieht zudem, dass „diese Pflanzen als hip gelten“ und sich damit auch neue Anbieter etablieren. Als ein Beispiel nennt er das Einzelhandelsunternehmen „Winkel van Sinkel“ in Hamburg. Dort werden viele Grünpflanzen angeboten, aber ebenfalls Schreibwaren und Home-Accessoires.

Eine Anzeigenkampagne der „Lufthansa“ aus jüngerer Zeit bestätigt die Attribute, die Frank Teuber Grünpflanzen zuordnet. Auf einem von oben aufgenommen Foto erblickt man großblättrige Grünpflanzen, in deren Mitte eine Person stand, von der nur ein breitkrempiger Gärtnerstrohhut zu sehen war. Der einzige Headline-Text lautete: „Darf man sich beim Selbstfinden auch mal verlieren?“ Selbstfinden = Megatrend Individualität, sich verlieren = Entschleunigung und Erdung. Dargestellt durch das Symbol der Grünpflanze.

Fachhandel kann partizipieren durch Abheben vom Mainstream

Der Fachhandel kann sicher an der Wiedergeburt partizipieren, wenn er sich vom Mainstream-Angebot (Ikea & Co.) abhebt. Wie man so etwas macht, zeigt schon seit Jahren Daniela Grabas-Rönn, die in Hamburger 1-A-Lagen Blumenfachgeschäfte mit Schwerpunkt Grünpflanzen führt. „Je krummer die Wuchsform, je skurriler die Pflanze, desto besser“, benennt sie eine Basis ihres Geschäftserfolges.

Auch Sukkulenten in allen Varianten laufen sehr gut

Bei Daniela Grabas-Rönn (und nicht nur bei ihr) spielen Kakteen und Sukkulenten eine besondere Rolle. „Sukkulenten in allen Formen und Größen laufen sehr gut“, meint auch Hans-Georg Biller, Geschäftsführer des BGM Mannheim. Bestätigt wird dies vom BGM Stuttgart, wobei Geschäftsführer Gert Hieber betont: „Mit gleichförmigen Pflanzen, die auch im Supermarkt angeboten werden, haben Floristen keine Chance.“

Woher Raritäten?

Selten, ungewöhnlich, skurril, ausgefallene Wuchsformen – die Konsumenten erwarten vom Fachhandel Pflanzen, die sich von den einförmigen Massenprodukten unterscheiden. Doch wo bekommt man solche Raritäten?

Auf der Anbieterseite wurde reagiert. Bob Moria sagt in einem Interview imTASPO GartenMarkt 10/18 bezogen auf das neue Green Trade Center von Waterdrinker (NL-Aalsmeer):

„Die Züchter und Produzenten, die mit uns zusammenarbeiten, sind verpflichtet, ihre Neuheiten immer zuerst bei uns anzubieten.“

Was dann perspektivisch bedeuten kann, dass die heiß gefragten Raritäten gar nicht mehr in der Breite der Vertriebskanäle auftauchen.
(mh)

Hoch aktuell: raue Haptik, Beton-Look, Sukkulenten.


Klaus Bengtsson vom BGM Hamburg verweist ebenfalls in diese Richtung: „Gut laufen gemischte Paletten Echeverien, richtig gut ist die Nachfrage nachAloe vera in großen Töpfen, sehr gut verkauft

wurden Dracenaen.“

Die Blumengroßmärkte nehmen den gerade erst entstehenden Grünpflanzen-Hipe in vielfältiger Weise auf. So lautete im März das Thema des Nachwuchswettbewerbes „Kölner Frühling“ passend „Großstadtdschungel“. Wobei die Veranstaltung auf dem BGM Köln zeigte, wie groß das Potenzial von Pflanzen in der gestalteten Floristik (Bepflanzungen) ist.

Kakteen Haage: Es kommen immer mehr Einsteiger

Schon „seit einigen Jahren“ spürt auch Ulrich Haage ein neu erwachtes Interesse an Kakteen und Sukkulenten. Der Inhaber der Kakteen-Spezialgärtnerei in Erfurt hat viele ausgewiesene Liebhaber unter seinen Kunden, doch „nun kommen immer mehr Einsteiger, auch junge Käufer“. Er setzt beim Einkauf etwa in den USA, Indien und Thailand auf „kleine Mengen und eine große Vielfalt“. Dass er damit richtig liegt, spürt er am steigenden Umsatz. Ein Plus, das anscheinend nicht nur in Deutschland zu verzeichnen ist. „Ich war jüngst auf Einkaufstour in Italien. Da hieß es dann oft bei den Produzenten:, Schauen kannst du, verkaufen können wir nichts. Wir sind ausverkauft!‘“