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RENDEZVOUS AM LIMIT


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Auto Zeitung - epaper ⋅ Ausgabe 16/2022 vom 20.07.2022

Sport-SUV

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Bildquelle: Auto Zeitung, Ausgabe 16/2022

BMW X3 M COMPETITION 510 PS, 285 km/h, 11,3 l/100 km, 100.700 Euro

JAGUAR F-PACE P 550 AWD SVR 550 PS, 286 km/h, 12,5 l/100 km, 111.870 Euro

PORSCHE MACAN GTS 440 PS, 272 km/h, 11,3 l/100 km, 90.049 Euro

Sportwagen sind leicht, wendig, flach, stark, bieten bevorzugt nur zwei Sitzplätze und haben natürlich nur Heckantrieb – zumindest historisch gesehen. Aber warum nicht einfach mal alte Regeln fallen lassen und die Physik herausfordern?

BMW, Jaguar und Porsche haben sich keine Denkschranken gesetzt und es getan. Die M GmbH, die Special Vehicle Operations der Briten – kurz SVR – und die bekanntermaßen ohnehin frei denkende Zuffenhausener Sportwagenmanufaktur haben ihre friedlichen Mittelklasse-SUV mit Sportwagen-Genen angereichert und beeindruckende Kreation geschaffen. BMW X3 M Competition, Jaguar F-Pace SVR und Porsche Macan GTS fighten schon lange um Rundenrekorde auf der Nordschleife. ...

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... Wir schicken sie nun in der Vergleichstest und gönnen uns auch ein paar Runden am Limit auf unserer Teststrecke für Sportwagen, der Nürburgring Grand-Prix-Strecke. Ring frei für die drei Sportwagen im Tarnkleid.

Fahrdynamik

Über den Sinn hochdynamischer SUV muss man nicht diskutieren, über ihre Fähigkeiten allerdings schon. Fakt ist: Sie sind schnell – und das nicht nur auf der Geraden. Alle drei Kandidaten sind ein Erlebnis im Grenzbereich und einem Besuch auf der Rennstrecke nicht abgeneigt.

Beginnen wir mit dem Briten. Ein massives Sport-SUV, das, wenn alle Sportparameter scharf gestellt sind, von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde wird – im, wenn es geht, bestgemeinten Sinn. Dann legt er seine entspannte Landstraßenattitüde ab, strafft die Dämpfung, schärft den Antrieb auf Spontanität und öffnet die Schalldämpfer, um den drückenden V8-Schlag mit wenig Widerstand ins Freie grollen zu lassen. Der SVR erarbeitet sich gleich einen emotionalen Zugang. Seine Lenkung ist für einen präzisen Radius jedoch etwas zu leichtgängig und die Reaktion der Vorderachse etwas übereifrig.

Aber dennoch hat die Jaguar-Spezialabteilung das Set-up mit dem feinen Grenzbereich der breiten Michelin-Pneus extrem verlässlich ausgelegt. Der F-Pace ist mit seinem vom Fahrer einsetzbaren leicht provozierbaren Übersteuern sehr unterhaltsam unterwegs, in diesem Vergleich jedoch nicht der Bestzeitenjäger. Die kommen aus München und Stuttgart.

BMW

Connectivity

Wie alle BMW-X3-Modelle verwendet auch der X3 M das Operating System 7, das sowohl mit einfacher Bedienung als auch mit einer überzeugend intuitiven Menüstruktur gefällt. Nahezu alle Eingabebefehle gelingen problemlos per Sprachsteuerung, Touchscreen, Gestensteuerung (350 Euro) oder klassisch per präzisem iDrive-Regler auf der Mittelkonsole. Zudem ist der Competition exzellent vernetzt.

Die ganze Bandbreite der von BMW angebotenen digitalen Services sind serienmäßig mit an Bord. Auch die bei der Konkurrenz aufpreispflichtige Smartphone-Integration über Apple CarPlay oder Android Auto ist standardmäßig nutzbar. Das große Navigationssystem sowie die induktive Ladeschale verstehen sich beim X3 M ebenfalls von selbst. Das Head-up-Display kostet 1150 Euro extra.

Den BMW X3 M Competition kennen wir – und lieben ihn. Weil er die Vernunft seiner Baureihe abgelegt hat. Weil sein Limit ein Ritt auf der Rasierklinge ist. Weil er ein Auto für Fahrer mit ruhigen, versierten Händen ist. Weil sich mit ihm alles schnell anfühlt: bremsen, einlenken, herausbeschleunigen. Kaum ein Sportwagen vermittelt ein so intensives Gefühl wie der X3 M Competition. Er ist ein Auto, mit dem man am liebsten pur fährt ohne störende Impulse einer zwar sehr feinfühligen, aber dennoch bevormundenden Regelelektronik. Nur dann lässt er sich präzise an den Scheitelpunkt führen und informiert erheblich klarer über sein Limit. Er bleibt auf der Suche nach der Ideallinie lange neutral und reagiert auf einsetzende Leistung beim Herausbeschleunigen mit einem wunderbar sanftem Übersteuern in bester Sportwagenkultur.

Der Porsche kostet in der Basis fast 22.000 Euro weniger als der Jaguar

Wer aber zu viel Drehmomentgewalt in den Antriebsstrang schickt, sollte wissen, wie er ein quertreibendes Fahrzeug beruhigt. Alle anderen lassen – wenn sie einen Rennstreckenausflug machen – besser die Finger von der DSC-Taste (ESP). Die Rundenzeit, die der X3 M hinlegt, beeindruckt: Er ist fast drei Sekunden schneller als der schon sehr zügig um die Ecken feilende Brite.

Aber da ist ja noch der Porsche. Der Macan GTS fährt, obwohl er mit seinen 440 PS und 550 Nm im Vergleich zu den deutlich stärkeren

Rivalen fast schon Zurückhaltung predigt, ebenso schnell wie der Competition, weil er den Leistungsüberschuss des BMW mit den höheren Kurvengeschwindigkeiten locker wieder ausgleicht. Als GTS ist der Porsche ohnehin schon ein Präzisionswerkzeug. Mit dem optionalen GTS-Sport-Paket, das auf Knopfdruck Luftfederung, Lenkung und Antrieb maximal auf Dynamik kalibriert, und den extrem gut auf den GTS abgestimmten Pirelli P Zero Corsa-Reifen, die für einen unvergleichlichen Grip sorgen, bleibt er auf dem GP-Kurs in jeder Kurve überlegen. Dass er dabei auch noch ausgesprochen intensiv mit seinem Fahrer kommuniziert und narrensicher Bestzeiten sammelt, zeigt, dass die letzte Evolutionsstufe des Macan ein echter Sportwagen ist – zumindest als GTS. Etwas mehr Leistung würde ihm aber gut stehen. Zwar benötigt er für diese Vorstellung aus der Preisliste alle Dynamik-Optionen inklusive der massiv verzögernden Karbon-Keramik-Bremse, doch das lässt sich verschmerzen, weil die Konkurrenz in der Basis ohnehin deutlich teurer ist.

Jaguar

Connectivity

Bei einem Grundpreis von über 111.000 Euro darf man auch eine komplette Ausstattung erwarten. Aber das sehen die Briten anders. Zwei zusätzliche USB-Anschlüsse im Fond, der für den vorbereiteten WiFi-Hotspot separat zubuchbare Datentarif oder die induktive Ladeschale gibt es auch beim Top-Modell der F-Pace-Baureihe nur optional. Das integrierte Navigationssystem mit großem, brillantem Bildschirm, zahlreiche Online-Funktionen, Apple CarPlay sowie Android Auto sind hingegen im Serienumfang enthalten. Auch die Unterstützung durch Amazon Alexa ist beim SVR immer mit an Bord. Für guten Klang sorgt das Meridian Soundsystem. Im Gegensatz zum allgemeinen Bedienungs-Trend hebt sich die Steuerung der Multimediafunktionen über den großen Bildschirm mit großen Schaltflächen dank ihrer eingängigen Bedienstruktur positiv ab.

Motor/Getriebe

Wie gesagt, im direkten Vergleich fehlt dem Porsche GTS der intensive Punch aus dem Drehzahlkeller, mit dem ihm die Konkurrenten davonfahren. Der V6-Biturbo schiebt den Macan durchaus füllig an, findet seinen Wohlfühlbereich aber eher bei mittleren Drehzahlen oder beim lustvollen Rumtoben am Drehzahllimit. Das gut aufgelegte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe arbeitet dabei punktgenau und schafft es, die fehlende Leistung des Porsche hier und da gekonnt zu kaschieren. Die bei spontanen Leistungsabfragen jedoch spürbaren Schaltvorgänge überblenden die beiden Achtstufen-Automatik-Getriebe von SVR und Competition aber erheblich eleganter und erledigen im Performance-Modus Gangwechsel ebenso schnell.

Der X3 M ist in 13,2 s auf Tempo 200 – der Macan benötigt 2,5 s mehr

Von irgendeiner Zurückhaltung ist beim X3 M-Reihensechszylinder-Biturbo nichts zu spüren. Der BMW hängt extrem intensiv am Gas, trompetet frivol mit bissigen 510 PS ans Drehzahllimit und stürmt mit unbändig von unten herauspressenden 650 Nm auf jede Gerade hinaus. Dass er den GTS damit locker abhängt, ist keine Überraschung, aber dass er auch dem F-Pace mit dessen gewaltigen Kraftausbrüchen seines 550 PS starken und 700 Nm produzierenden Fünfliter-Kompressor-V8 Paroli bieten kann, zeigt, welches Potenzial im Sechszylinder des X3 M Competition steckt. Zumal er auch noch sparsamer arbeitet als der Treibsatz des Briten und nicht mehr verbraucht als der schwächere, allerdings kultiviertere V6 des Porsche.

Fahrkomfort

Der Macan GTS erfüllt die vom Werk verordneten sportlichen Ansprüche nicht nur in puncto Motorabstimmung überaus kultiviert.

Er ist, obwohl er wunderbar vollmundig klingt, extrem leise unterwegs. Abroll- und Windgeräusche fallen im Vergleich zum Bayern und zum Briten erheblich geringer aus. Seine Sitze verzichten zudem auf enge Seitenwangen wie die der SVR-Sportschalensitze und verwöhnen lieber mit etwas mehr Komfort und einer entspannteren, weil längeren Schenkelauflage.

Nur die exzellenten M-Sportsitze des Competition bieten eine noch bessere Bandbreite zwischen gediegenem Langstreckenkomfort und vertrauensvollem Seitenhalt im Grenzbereich. Die guten Sitze hat der BMW aber auch nötig. Seine kompromisslos auf Dynamik getrimmte Fahrwerksabstimmung ist schlicht zu hart – da ist es gut, wenn zumindest die Sitze das mitunter bockige Treten der Hinterachse entschärfen. Im Komfort-Modus des Stahlfederfahrwerks mit adaptiven Dämpfern kommt der Aufbau selbst auf gut gepflegten Asphaltbändern kaum zur Ruhe. Etwas Abhilfe schafft der Wechsel in den Sportmodus.

Der Jaguar reagiert deutlich sanfter und ruhiger auf Bodenwellen. Lediglich hervorstehe Kanten kann er bei niedrigem Tempo nicht sonderlich gut verarbeiten.

Dort, wo sich der BMW auf Kanten und Wellen vertritt und ins Stolpern kommt und der Jaguar auf Querfugen zuckt, bleibt der Macan gelassen. Seine Luftfederung findet im Dialog mit den adaptiven Dämpfern immer eine passende Antwort auf alle Unwegsamkeiten. Das feine Ansprechverhalten sorgt bei Citytempo, bei dem sich weder der BMW noch der Jaguar wirklich wohlfühlen, für entspanntes Dahingleiten. Grobe Wellen absorbiert das Fahrwerk mit beeindruckender Ruhe, ohne die Karosserie in unnötige Schwingungen zu versetzen.

Karosserie

Etwas Kriegsbemalung und ein paar ausladende Schürzen trennen die Power-SUV von den braven Basismodellen. Bei Raumangebot, Funktionalität und Variabilität machen sie aber keine Unterschiede. Der luftig geschnittene Bayer bietet Fahrer und Beifahrer die beste Raumökonomie. Der tiefe Mitteltunnel schafft viel Bewegungsfreiheit für die Beine. Auch über dem Scheitel bleibt reichlich Luft, selbst für Großgewachsene. Der Brite verschenkt etwas von seiner üppigen Karosseriebreite im Innenraum durch seine massiven Türtafeln und den hoch aufragenden Mitteltunnel. Der Schwabe ist kleiner, sowohl vorn als auch hinten, und seine Karosserie liegt deutlich tiefer. Während man auf den Sitzen des Jaguar 62 Zentimeter und im BMW 55 Zentimeter über dem Asphalt thront, sind es im Porsche nur 49 Zentimeter. Das flacher abfallende Heck schränkt zudem das Ladevolumen ein, und der Kofferraum lässt sich wegen der hohen hinteren Kante und der nicht ganz ebenen Ladefläche – wie im Jaguar auch – nicht so gut nutzen wie der im BMW mit topfebenem Ladeboden. Dafür darf der Macan 617 kg (BMW und Jaguar 495 kg) zuladen und wie die beiden Rivalen auch bis zu 2400 kg schwere Anhänger ziehen.

Porsche

Connectivity

Auch wenn der Porsche Macan GTS das günstigste Sport-SUV in diesem Vergleichstest ist, geizt er nicht mit einer nahezu kompletten serienmäßigen Multimediaausstattung. Das integrierte Navigationssystem versteht sich – wie die zahlreichen Konnektivitätsangebote bis hin zur Hot-Spot-Vorbereitung – in dieser Preisklasse von selbst. Allerdings bleiben Features wie die Smartphone-Integration via Apple CarPlay oder Android Auto, die bei zahlreichen Kompaktklasse-Fahrzeugen Standard ist, bei den Schwaben aufpreispflichtig.

Dazu zählt auch die induktive Lademöglichkeit für Handys. Das ab Werk integrierte Soundsystem lässt sich für 1178 Euro mit einem Bose-Surroundsystem (665 Watt Gesamtleistung) oder für 4748 Euro mit einem Burmester-High-End-Surround-System (über 1000 Watt Gesamtleistung) aufwerten.

Die Bedienung des GTS über den großen Touchscreen und die vielen Tasten auf der Mittelkonsole ist zwar etwas klarer strukturiert als die des F-Pace, der durch Mehrfachbelegung einzelner Regler Verwirrung stiftet und damit für Ablenkung während der Fahrt sorgt.

Klassenprimus bleibt aber der BMW X3 M: Logische Menüpfade, die intuitive Bedienung über vielfältige Eingabequellen und eine klare Grafik machen den Umgang mit dem System zum Kinderspiel.

Umwelt / Kosten

Auch wenn der Porsche etwas kleiner ist und nicht ganz so ungeniert mit Leistung protzt, überrascht es, dass er in der Basis über 10.000 Euro günstiger ist als der BMW X3 M Competition und fast 22.000 Euro weniger kostet als ein Jaguar F-Pace SVR. Selbst mit den teuren Dynamik-Extras bleibt er auf Augenhöhe mit dem BMW, der allerdings ein paar Euro günstiger im Unterhalt ist.

FAZIT

Michael Godde

Was lange reift, wird am Ende richtig gut. Das trifft voll und ganz auf den neuen Porsche Macan GTS zu. Er ist grundsolide verarbeitet, bietet dank Luftfederung einen gelungenen Gesamtkomfort und zeigt, dass auch ein SUV auf der Rennstrecke ein echter Porsche sein kann.

Dass er zudem bei der Preisgestaltung nicht über die Stränge schlägt, wiegt das etwas knappere Raumangebot locker auf. Rang zwei sichert sich der BMW X3 M Competition, der wie kein anderer Sportwagen-Feeling aufkommen lässt. Die grandios mitreißende, aber auch fordernde Dynamik bezahlt der Kunde jedoch mit zu großen Komforteinbußen. Der Jaguar F-Pace SVR fährt auf Platz drei. Ihn kauft man nicht, weil er Vergleichstests gewinnt, sondern das Herz es befiehlt.