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RENÉ BENKO: DER BESTE ODER NICHTS


manager magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 22.02.2019

RENÉ BENKO Der österreichische Selfmademilliardär ordnet die deutsche Warenhauswelt neu. Er mischt Europas Immobilienmarkt auf und steigt ins Mediengeschäft ein. Wer ist dieser 41-Jährige, der aus einfachen Tiroler Verhältnissen stammt? Die Nah aufnahme eines rastlosen Schwerstarbeiters.


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Bildquelle: manager magazin, Ausgabe 3/2019

EIN MANN, EIN ZIEL
René Benko hat sich binnen zwei Jahrzehnten zum Immobilienund Einzelhandels tycoon hochgearbeitet


Deutschland schleppte sich durch die letzte Januarwoche, als René Benko (41) in seinen Büroturm Upper West am Berliner Ku’damm lud. Die Führung seiner Unternehmensholding Signa und der Vorstand der ...

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... Gewerkschaft Verdi trafen sich zum abendlichen Spitzengespräch, es ging um die Zukunft von Karstadt und Kaufhof, beides inzwischen im Besitz Benkos. Das Treffen dauerte mehr als acht Stunden, bis nach zwei Uhr morgens. Wenig überraschend, dass es keine Einigung gab. Die Gewerkschaftsbosse Frank Bsirske (67) und Stefanie Nutzenberger (55) opponierten pflichtgemäß gegen den anstehenden Personalabbau und die geplanten Tarifkürzungen.

Im Anschluss an die Marathonsitzung legten sich Benkos Topmanager schlafen. Nicht so er selbst. Er setzte sich an seinen Schreibtisch, fasste schriftlich das Gespräch zusammen und überlegte, wie er Verdi doch von seinem Vorhaben überzeugen könnte. Um halb vier in der Früh hatten seine Mitarbeiter in ihren Postfächern die Mails des Chefs mit To-do-Listen. Und um sieben Uhr morgens saß Benko schon wieder im Büro.

Der Mann eilt, nein: er hetzt durch sein Unternehmerleben. Er packt an, was andere nicht schaffen oder woran sie sich gar nicht erst herantrauen. Und fast immer hat er Erfolg. Anfangs begegnete ihm Skepsis, dann Neid. Inzwischen aber neigt sich die Waage zugunsten seiner Bewunderer.

Dem Österreicher und seiner Signa-Gruppe gelang, woran etliche deutsche Handelsstrategen jahrzehntelang gescheitert waren: Er fusionierte die Traditionsmarken Karstadt und Kaufhof zur Deutschen Warenhaus-AG, jetzt wird saniert.

Auch seine Immobilieninvestments sind spektakulär. So sicherte er sich gegen starke europaweite Konkurrenz den Zuschlag für das Jahrhundertprojekt Elbtower – einen 245 Meter hohen Hotel- und Büroturm in der Hamburger HafenCity. 2025 soll er stehen.

Im Störfeuer einflussreicher Teile der lokalen Unternehmerzunft setzte er den Bau eines Einkaufszentrums mitten in Südtirols Metropole Bozen durch – mittels einer Volksabstimmung, die mehr Einwohner an die Urnen brachte als die jüngste Bürgermeisterwahl.

Und mit dem Einstieg bei der Wiener „Kronen Zeitung“ will er sich in der Medienwelt einen Namen machen: Er schickt sich an, den lähmenden Gesellschafterstreit zwischen den Verlegerfamilien Dichand und Funke aufzulösen.

Wer ist dieser René Benko, der in einfachen Verhältnissen in der Tiroler Hauptstadt Innsbruck aufwuchs, wegen häufigen Schulschwänzens (er baute lieber Dachböden zu Penthouses um) nicht zur Matura – so heißt in Österreich das Abitur – zugelassen wurde, binnen zwei Jahrzehnten ein Milliardenimperium aufbaute und nun die deutsche Warenhauswelt neu ordnet?

Der Mann, so viel ist nach vielen Treffen klar, ist kein gewöhnlicher Gründer und Firmenchef, er trägt etwas Unbedingtes in sich. In manchem erinnert er an einen anderen, sehr viel älteren Selfmademilliardär: Heinz Hermann Thiele (77), Eigentümer von Knorr-Bremse.

Benko, der immer noch bubenhaft wirkende Immobilien- und Handelsmogul, ist ein Ausnahmeunternehmer. Dieter Berninghaus (53), seine Nummer zwei und in der Signa-Gruppe für den schnell wachsenden Einzelhandel zuständig, nennt die Erfolgsfaktoren: Glück mache nur einen kleinen Teil aus.

TRAUMPAAR
Mit dem ehemaligen Model Nathalie ist Benko in zweiter Ehe verheiratet. Wenn das Paar sich öffentlich zeigt, wie hier im Winterurlaub, ist meist ein Objektiv auf die beiden gerichtet.


Vor allem seien es Hartnäckigkeit und unbändiger Fleiß. Der Mann arbeitet wie ein Besessener – 18 Stunden täglich. In alles wühlt er sich hinein – bis ins Detail. Nicht unbedingt, um bei jeder Kleinigkeit mitzureden, wohl aber, um alles zu verstehen. Berninghaus vergleicht ihn mit einem Dirigenten, der jedes Instrument selbst perfekt beherrschen will, weil er befürchtet, andernfalls das Orchester nicht leiten zu können.

Benko verfügt nicht nur über die Gabe, Komplexes blitzschnell zu sortieren und im Geiste weiterzuentwickeln. Er hat zudem enormes Zahlenwissen über all seine Projekte. Auch fremdsprachlich ist er Autodidakt. Vor zehn Jahren konnte er sich kaum eine Cola auf Englisch bestellen. Heute parliert er auf Augenhöhe mit angelsächsischen Wirtschaftsjuristen. Ähnliches gilt für sein Italienisch.

Das alles ist ihm nicht zugeflogen. Benkos Arbeitswoche beginnt sonntagmittags. Am Nachmittag konferiert er meist zu Hause in Innsbruck mit Berninghaus, bestellt Warenhauschef Stephan Fanderl (55) oder einen anderen Topmitarbeiter ein.

Leicht vorstellbar, wie ein Familienurlaub mit Ehefrau Nathalie, einem früheren Model, und den drei gemeinsamen Kindern aussieht. Benko reist immer mit kompletter Büroinfrastruktur. Er hasst es überdies, die mitteleuropäische Zeitzone zu ver lassen. Alles andere würde die Kommunikation mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern unnötig erschweren.

Meist gestattet sein Terminraster ohnehin nur ein paar Tage Entspannung, gewissermaßen in seinen Naherholungsgebieten: etwa in dem von Signa gebauten Luxusresort am Gardasee oder, wie gerade in den Skiferien im Februar, in seinem nicht minder mondänen Chalet N (N für Nathalie) bei Lech am Arlberg. Das können auch Dritte mieten – für fast 300.000 Euro wöchentlich. Der kroatischstämmige Multimillionär Ronny Pecik gehört dort regelmäßig zu den Gästen.

Sakrosankt ist für Benko immerhin Weihnachten. Da macht er richtig Pause – ungefähr von Heiligabend um 17 Uhr bis zum ersten Weihnachtstag um 14 Uhr. Dann sitzt er wieder am Telefon und schreckt seine Leute aus der Feiertagsruhe auf.

Böses Geld, gutes Geld

Für die ist die Intensität der Zusammenarbeit zwar anstrengend, doch die meisten machen gern mit – seine hohe Effizienz motiviert sie. Zum guten Betriebsklima trägt auch bei, dass die Hierarchie bei Signa flach bis nicht existent ist. Dem Vordenker arbeiten Experten zu, keine Direktoren. Er kommt ganz ohne Bugwelle daher, man duzt sich.

Manch einer fragt sich, wie lange Benko das Tempo gesundheitlich durchhalten kann. Er selbst scheint Gedanken daran beiseite zu schieben – für aktuelle Sorgen geht es ihm zu gut.

Die Arbeitsweise bringt Erfolge, wie sie in Europa kaum ein anderer in seinem Alter vorweisen kann. Seine Mitgesellschafter – zu den größten zählen Ex- Lindt-&-Sprüngli-Chef Ernst Tanner (72) und Fressnapf-Gründer Torsten Toeller (52) – freuen sich über hohe Dividenden. Mit solchen Referenzen konnte er in den vergangenen beiden Jahren fast zwei Milliarden Euro neues Kapital einsammeln.

Geldgeber mit zweifelhaftem Ruf, die seinem eigenen Renommee schadeten, sortierte Benko in den vergangenen Jahren peu à peu aus – wie den griechischen Reeder George Economou (65), den israelischen Diamantenhändler Beny Steinmetz (62) oder die in Geldwäsche verwickelte abu-dhabische Falcon Bank.

Heute zählen neben honorigen Privatiers wie dem Beraterveteranen Roland Berger (81) zunehmend erzkonservativ investierende Geldsammelstellen wie Versicherer oder Versorgungskassen zu seinen Partnern. Benko kennt, das hilft, fast alle Chefs der wichtigen institutionellen Anleger in Europa. 2017 beteiligte sich sogar die äußerst vorsichtige RAG-Stiftung an seiner Immobiliengesellschaft Signa Prime Selection. Den Geldgebern imponiert, dass er reihenweise renommierte Firmen und Trophy- Immobilien einsammelt, fortentwickelt – und behält.

Ob er sich selbst an eine Niederlage erinnern könne? René Benko muss nicht lange nachdenken. Eine Demütigung sitzt tief. Dass er 2015 nicht den Kaufhof von der Metro AG übernehmen konnte, frustrierte ihn – jedoch nicht nachhaltig.

Er ließ nicht locker. So war drei Jahre später auch dieser Tiefpunkt seiner Karriere Geschichte. Der kanadische Konzern HBC, der den deutschen Karstadt- Konkurrenten zunächst übernommen hatte, war schließlich unternehmerisch und finanziell am Ende und musste ihm im Herbst 2018 die Mehrheit an Galeria Kaufhof übertragen – inklusive einer Reihe historischer Warenhausbauten.

Inzwischen stehen die Pläne für die Sanierung von Galeria Kaufhof und die Zusammenführung mit Karstadt. Beides ist in 13 Einzelprojekte mit hohem Detaillierungsgrad aufgeteilt. Die Zielerfüllung hat Benko in Wochen- oder sogar Tagesrastern festlegen lassen. Schon in dem am 1. Oktober beginnenden Geschäftsjahr 2019/20 will Warenhauschef Fanderl Gewinn schreiben. Es könne so schnell gehen, sagt Berninghaus, weil Signa die Erfahrungswerte aus der Karstadt-Sanierung hat.

Die Zusammenlegung der Zentralfunktionen, vor allem am Karstadt-Sitz in Essen, und die Entschlackung der Prozesse in den Kaufhof-Filialen wird 2600 Stellen kosten. Ein mäßiger Personalabbau, findet Benko – angesichts von 32.000 Beschäftigten insgesamt. Verdi wird ihm da nicht unbedingt zustimmen. Außer den früher beschlossenen Schließungen – weil Mietverträge auslaufen – will Signa freilich kein einziges Haus dichtmachen. Benko verweist auf das Beispiel Karstadt: Erstmals seit Jahrzehnten wurde in Berlin wieder eine neue Filiale eröffnet, eine zweite folgt demnächst.

Benko hofft, dass er Verdi mit einer soliden Planung kompromissbereit stimmen kann. Zumal er garantiert, in den kommenden Jahren kein Geld zu entnehmen. Stattdessen steckt Signa 400 Millionen Euro in Galeria Kaufhof – die ersten 200 Millionen gab es unmittelbar nach der Übernahme – zur Abwendung der Insolvenz; der Rest folgt in diesem Jahr. Wenn es ihm jetzt nicht gelinge, Kaufhof zu sanieren, werde es niemand schaffen, sagt er selbst – und das klingt nicht einmal wie eine Drohung.

Die Lebensmittelabteilungen beider Marken will Signa künftig allein führen. Sie sind zwar keine glänzenden Ertragsbringer, locken aber Kunden in die Häuser. Noch ist Rewe Partner eines Joint Ventures, das die Feinkostetagen (Perfetto) bei Karstadt betreibt. Lieferanten könnten die Genossen wohl bleiben.

Sprung nach Asien

Großes hat Benko mit dem Carsch-Haus in Düsseldorf vor, das er vom Kaufhof- Voreigner HBC übernommen hat: Es wird zum Luxuswarenhaus umgestaltet, zum vierten Standort der KaDeWe Group nach Berlin, Hamburg (Alsterhaus) und München (Oberpollinger).

Ein fünftes Premiumhaus kommt in Wien hinzu. Zu diesem Zweck erwarb Signa im Dezember 2017 von der – ein halbes Jahr später fast insolventen – Steinhoff-Tochter Kika-Leiner ein Möbelhaus in der größten Wiener Einkaufsmeile Mariahilfer Straße, das nun umgebaut wird. Inzwischen gehört Kika-Leiner komplett zu Signa, Benko ist auch hier im Sanierungsmodus.

Der Mann hat sich inzwischen zu einer respektablen Größe im europäischen Retail entwickelt. Knapp acht Milliarden Euro setzt Signa im Einzelhandel um und widerlegt damit den Argwohn, Benko betreibe Ladengeschäfte nur als Vehikel, um an sie seine Immobilien vermieten zu können. Auch im Internet geht er voran, vor allem mit der Signa Sports United. Unlängst gewann Benko den größten japanischen Handelskonzern Aeon als Partner, der sich mittels Kapitalerhöhung einen Anteil von 7,5 Prozent sicherte. 2020 richtet Tokio die Olympischen Sommerspiele aus, das soll der Startschuss für eine große Expansion des Sporthändlers in Asien sein.

Bodenständiger gibt sich Benko bei Immobilien. Deutschland, Österreich, Schweiz und Norditalien – diese Märkte kennt er, da beherrscht er die Risiken. Ladengebäude in Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Rumänien, die ihm jüngst mit Kika-Leiner zugefallen sind, will er verkaufen, während er sonst an Stein und Beton festhält.

Sein Credo ist, Immobilien zu erwerben, um sie zu besitzen. Viele historische Gebäude sind darunter, wie das Alsterhaus in Hamburg, das KaDeWe in Berlin, das Goldene Quartier in Wien oder die Alte Akademie in München. Auch künftige Objekte wie den Hamburger Elbtower, das Geschäftszentrum WaltherPark in Bozen oder Hotels der neuen Hyatt-Marke Andaz baut Benko, um sie zu betreiben.

Über einen Zusammenbruch des noch jungen Imperiums, etwa in einer neuen Finanzkrise, muss man sich wohl keine Gedanken machen. Den Immobilienbesitz von mittlerweile 14 Milliarden Euro finanziert der Aufsteiger konservativ – mit nur knapp 50 Prozent Fremdkapital. Der Zinssatz ist im Schnitt 17 Jahre lang gebunden, branchenüblich sind sechs Jahre. Den Elbtower hat Benko bereits auf 25 Jahre durchfinanziert. Er zahlt kaum mehr als 2,5 Prozent Zinsen per annum.


14 MRD. € Immobilienbestand


8 MRD. € Einzelhandelsumsatz


3,8 MRD. € Privatvermögen


Privatjets um die Ecke

Bei allem Erfolg scheint Benko die Bodenhaftung nicht verloren zu haben. Er wohnt weiter in seiner Geburtsstadt Innsbruck, derzeit noch in einem wenig spektakulären Haus. Kürzlich hat er am Rande Innsbrucks ein Schlösschen erworben, das als Hotel betrieben wurde. Er ließ es abreißen und baut dort eine Villa für sich und seine Familie. Es gebe viel Grün für die Kinder, aber das Beste, sagt Benko, sei doch, dass das Grundstück nur fünf Autominuten von seinem Büro und sieben Minuten vom Flughafen entfernt liege. Dort stehen seine beiden Privatmaschinen – ein Luxus, gewiss, aber vor allem ein Mittel, um Arbeitszeit zu sparen.

Seinen Eltern hat Benko ein Häuschen spendiert, um ihnen das Treppensteigen zu ersparen.

Praktisch auch, dass es nicht weit von seinem künftigen Wohnsitz entfernt liegt. Seine Mutter, gelernte Kindergärtnerin, ist begeisterte Oma. Jahrzehntelang hatten die Eltern in einer Innsbrucker 60-Quadratmeter-Wohnung gelebt – im dritten Stock und ohne Fahrstuhl. Dort sind auch René und seine Schwester Verena aufgewachsen, die ihm heute – mit Matura – als Assistentin hilft.

Das Geld treibt Benko, dessen Vermögen vom österreichischen Wirtschaftsmagazin „Trend“ auf 3,8 Milliarden Euro taxiert wird, wohl nicht mehr. Eher ist es der Ehrgeiz, bei allem, was er macht, der Beste zu sein.

Gesellschaftliche Auftritte beschränkt Benko auf elitäre Anlässe. Man sieht ihn etwa beim Zickleinessen, einem Charity-Dinner des grie chisch stämmigen Münchener Wirtschaftsanwalts Stavros Konstantinidis (53), nun auch Aufsichtsratsmitglied bei Galeria Kaufhof. Dessen Gattin Saskia Greipl, Tochter des verstorbenen Beisheim-Intimus Erich Greipl, ist Aktionärin bei Metro und Ceconomy.

Pflichttermin für Benko ist das Hahnenkammrennen in Kitzbühel. Signa sponsert ein Wohltätigkeitsrennen zugunsten von Tiroler Bergbauernkindern. Vermarktet wird der Lauf von der Tiroler Abfahrtslegende Harti Weirather (61), einem Freund Benkos, Miteigner bei Signa Prime.

Und dann gibt es da noch das Törggelen, immer im November. Benko hat den Südtiroler Brauch, das Verkosten des jungen Weins, nach Wien geholt. Jüngst kamen dazu wieder ein paar Hundert ausgesuchte Gäste, darunter die gesamte Bundesregierung mit Kanzler Sebastian Kurz (32), in Benkos Wiener Hotel „Park Hyatt“.

Das sind die glamourösen Momente im Leben des René Benko. Da steht er selbst im Mittelpunkt, was er aber – man spürt es – eigentlich nicht mag. Seine Souveränität wirkt antrainiert, der große Auftritt fällt ihm schwer.

Viel lieber bereitet er nächtens allein am Schreibtisch den nächsten Coup vor.

ZIEMLICH BESTE FREUNDE

René Benko hat ein großes Netzwerk an Politikern und Wirtschaftsgrößen geknüpft. Das hilft beim Geschäft.

SEBASTIAN KURZ
Österreichs Bundeskanzler (l.) bat Benko zum vorweihnachtlichen Empfang mit Punsch und Maroni


ROLAND BERGER
Das Beraterurgestein begleitet Benko seit vielen Jahren


ERNST TANNER
Der Ex-Chef von Lindt & Sprüngli ist zweitgrößter Signa-Eigner


TORSTEN TOELLER
Der Tierfutterverkäufer (Fressnapf) vertraut Benko Millionen an


SUSANNE RIESS Die frühere österreichische Vizekanzlerin dient Benko als Signa-Beirätin

BENKOS AUFSTIEG

2010

KAUFHAUS TYROL

Aus einer Warenhausruine in Innsbruck macht Benko ein florierendes Einkaufszentrum – nach einem Entwurf von David Chipperfield.

2010 THE CUBE

Den Würfel (r.) in Eschborn zieht Signa als Fondsobjekt hoch. Heute baut Benko lieber für eigene Rechnung. Mieterin des Cube ist die Deutsche Börse.

2013 KADEWE

Der Erwerb der Luxuswarenhausgruppe um die Berliner Kultkaufstätte markiert den Einstieg des Österreichers in den deutschen Einzelhandel.

2014 KARSTADT

Nach der Ära Berggruen übernimmt Benko die Warenhausikone. CEO Fanderl (Foto r., Mitte) erhält freie Hand für die Sanierung.

2014 GOLDENES QUARTIER

Historische Verwaltungsbauten in Wien gestaltet Signa gründlich um. In die zuvor abweisenden Erdgeschosse ziehen teure Läden ein.

2014 „PARK HYATT“ WIEN

Die frühere Zentrale der österreichischen Länderbank wird zum Grandhotel – einschließlich einer 170 Quadratmeter großen Präsidentensuite.

2014 CHALET N

Bei Lech am Arlberg baut Benko eine luxuriöse Skihütte, die für fast 300.000 Euro wöchentlich an bis zu 20 Gäste vermietet wird. Das Ferienhaus ist gut gebucht.

2015 „VILLA EDEN“

Am Gardasee schafft Signa ein mondänes Urlaubsresort. Die Residenzen verkaufen sich schwer, deshalb betreibt Benko dort ein Hotel.

2018 ELBTOWER

Benko gewinnt den Wettbewerb um den Bau eines 245 Meter hohen Büroturms in Hamburgs Hafen- City (u.). 2025 soll er fertig sein.

2018 KIKALEINER

Signa übernimmt den kurz vor der Insolvenz stehenden österreichischen Möbelfilialisten vom Steinhoff- Konzern. Das Geschäft soll saniert werden.

2018 „KRONEN ZEITUNG“

Mit seinem ersten Medienengagement will Benko helfen, die lähmende Blockade unter den Verlegerfamilien des Wiener Traditionsblatts aufzulösen.

2018 GALERIA KAUFHOF

Im dritten Anlauf gelingt Benko die Übernahme der Mehrheit am Karstadt- Konkurrenten. Der steht nach drei Jahren Misswirtschaft kurz vor der Insolvenz.

2019 KARSTADT/ KAUFHOF

Die jahrzehntealte Idee von der deutschen Warenhaus AG wird Wirklichkeit, Signa fusioniert seine beiden Unternehmen. Die Marken sollen aber getrennt geführt werden.

2019 ALTE AKADEMIE

Beginn des Umbaus beim früheren Jesuitenkolleg in München. Das Gebäude in bester Citylage soll Geschäften und Wohnungen, aber auch Kunst und Kultur Platz bieten.


Foto: Peter Rigaud für manager magazin

Foto: Michael Tinnefeld / AGENCY PEOPLE IMAGE

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Fotos: SIGNA_Chipperfield / dpa / picture alliance, Fabian Bimmer / AP/ picture alliance