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Rennsportsaison 2020: Das Jahr der Chancen?


Kanu Sport - epaper ⋅ Ausgabe 7/2020 vom 02.07.2020

Es ist wie ein Erwachen nach einem langen Winterschlaf. Das Leben, wie wir es vor der Corona- Pandemie kannten, beginnt schrittweise wieder. Auch die A-Mannschaft der Rennkanuten kann sich wieder auf Leistungsüberprüfungen und Wettkämpfe freuen. Doch noch stehen erst wenige Events fest.


Die letzten Wochen waren für Lisa Jahn eine neue Erfahrung. Aufgrund der sich laufend ändernden Informationslage, blieb jegliche Planungssicherheit hinsichtlich Training und Wettkämpfen aus. Die Canadier-Fahrerin hat das Beste aus der Situation gemacht und versucht sich so gut es ging zu fokussieren. Inzwischen wird von ...

Artikelbild für den Artikel "Rennsportsaison 2020: Das Jahr der Chancen?" aus der Ausgabe 7/2020 von Kanu Sport. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kanu Sport, Ausgabe 7/2020

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... den nationalen und internationalen Verbänden wieder geplant, was in den nächsten Wochen möglich sein kann. Konkret bedeutet das: Es geht wieder los mit Leistungsüberprüfungen und Wettkämpfen. Kurzfristig sind Events relativ gut zu planen, bei langfristigerer Planung, wie sie für eine Weltmeisterschaft nötig ist, ist es für die Organisationskomitees schwer vorherzusehen, ob die Wettkämpfe stattfinden können. In den nächsten Wochen sind in kleinstem Kreis Leistungsüberprüfung der Olympia- und Perspektivkader der Rennkanuten geplant. „Eine richtige Rangliste wird es jedoch erst Mitte August in Duisburg geben“, berichtet Karl Hauck, Ressortleiter des Rennsports. Da in manchen Bundesländern noch kein Training in Mannschaftsbooten möglich ist, sind die Rennen ausschließlich für die Disziplinen K1 und C1 geplant. Die Rangliste soll sich auf die Fahrer der Junioren und Leistungsklasse beschränken. Auch, um die Anzahl der Teilnehmer möglichst gering zu halten. Wenn, wie Hauck berichtet, die Stadt Duisburg eine Freigabe für dieses Event erteilt, dann könnte es zu einer Deutschen Meisterschaft aufgewertet werden.

Ansteckungsgefahr? Eher nicht bei über fünf Metern

Angst vor einer Ansteckung haben die Sportler nicht. Lisa Jahn begründet dies mit den Hygienevorschriften, die bei so einem Event gelten würden. Sie freut sich besonders auf das Wettkampffeeling: „Ich kann mich im Wettkampf ganz anders ausbelasten als im Training und da habe ich schon gemerkt, dass mir diese Spitzen bisher gefehlt haben.“ Auch Kajakass Ronald Rauhe nimmt die Wettkämpfe dankend an: „Es ist wichtig, dass wir uns zwingen mal wieder an unsere Limits zu gehen und unter Volllast zu trainieren.“ Trotzdem hat er Bedenken bezüglich der Ansteckungsgefahr. Es geht ihm weniger um sich selber, mehr um sein Umfeld, da seine Eltern und die Schwiegereltern wieder in die Kinderbetreuung eingestiegen sind. Dass die Sportler vor der Teilnahme ein Gesundheitszeugnis vorweisen müssen, beruhigt den Potsdamer Sportler. Sein Teamkollege Jacob Schopf hat keine Angst davor, sich bei einem Wettkampf anzustecken. Zwar behandelt Schopf das Thema mit Respekt, sieht die Chance aber verschwindet klein, sich bei einem Wettkampf anzustecken, wenn der Abstand auf dem Wasser über fünf Meter beträgt. Der junge Potsdamer wünscht sich nicht nur für sich, sondern besonders für den Nachwuchs, dass bald wieder Rennen stattfinden können. „Nichts ist irgendwie interessanter oder schöner für den Sportler als das, was er in den ganzen Stunden des Trainings vorbereitet hat, auch mal abzurufen.“ Für Jugendfahrer könnte es noch einen Wettkampf in Mannheim geben, welcher allerdings noch in der Planung ist. Ressortleiter Hauck schätzt die Chance auf eine Realisierung jedoch gerade mal bei 50% ein. Die Deutsche Meisterschaft, welche eigentlich im August in Köln stattfinden sollte, wäre momentan ein zu großes Risiko. Mit über 1000 Sportlern und beinahe der selben Anzahl an Betreuern, könnte man die Gesundheit nicht mehr gewährleisten, wie Hauck zugibt.

Kurz vor knapp noch eine WM?

International soll es Ende September den ersten Höhepunkt geben, erzählt Bundestrainerin Diagnose Tina Schmidt. Im ungarischen Szeged wird es voraussichtlich eine Weltmeisterschaft auf allen nicht olympischen Strecken geben. Zeitgleich könnte es auf den olympischen Strecken, ebenfalls in Szeged, einen Weltcup geben. Noch steht die Entscheidung, ob es eine WM werden könnte, nicht fest. Können nicht alle Teilnehmer aus den anderen Ländern anreisen, wäre das Event nur als internationale Regatta zu werten. Für den Wettkampf WM qualifizieren können sich die deutschen Sportler auf der Rangliste im August.

#DKVNachwuchsChallenge2020 im Kanu-Rennsport und Kanu-Slalom

Die aktuelle Situation stellt die Kanuten in Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrern und Heimtrainern in vielen Lebensbereichen, aber auch im Kanu-Rennsport vor unerwartete und völlig neue Herausforderungen.
Durch Absage vieler Nachwuchswettkämpfe, wie z. B. Gruppenmeisterschaften und des DKV-Nationalmannschaftscups, entfallen die wesentlichen Zielstellungen für euer tägliches Training. Aus diesem Grund wurde die #DKVNachwuchsChallenge2020 im Kanu-Rennsport und im Kanu-Slalom ins Leben gerufen. Trainingsaufgaben im Zusammenhang mit einem Gewinnspiel sollen die Nachwuchsathleten in Deutschland herausfordern. Mit Unterstützung der Nationalmannschaft können die Teilnehmer attraktive Preise gewinnen. Infos zur Teilnahme:
• Zeitraum vom 15.06.-23.09.2020
• Im Rennsport ist die Challenge offiziell für Schüler und Jugend, im Slalom ist die Challenge offiziell für Schüler B und Schüler A.
• das Training soll möglichst in Kleingruppen, je nachdem, wie es die gerade geltenden „Corona-Regeln“ in Eurem Bundesland verlangen, durchgeführt werden und durch Heimtrainerinnen/ Heimtrainern/ Eltern begleitet werden Mehr Infos unter www.kanu.de/ Wettkampf / Rennsport - Slalom

Problematisch ist besonders der späte Zeitpunkt für die Nationalmannschaft. Ronald Rauhe gibt zu bedenken: „Natürlich wäre es schön, wenn man nochmal international fahren kann. Die Frage ist: Wie weit geht man für sich selber einen Kompromiss ein, für die Olympia-Vorbereitung, die sich dann ja komplett verschiebt.“ Denn wenige Tage später, ab Anfang Oktober, beginnt für die Nationalmannschaft die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokyo. Die nötige Pause vor der langen Vorbereitung sei individuell abzustimmen, berichtet Bundestrainerin Tina Schmidt. Zwischen zwei und vier Wochen Pause benötigen die Sportler, um Kraft für die erneute Vorbereitung auf die olympischen Spiele zu sammeln. Noch ist nicht geplant, wie dies mit der WM einhergehen soll. Ende Juni wird entschieden, in welchem Rahmen das Event in Szeged stattfinden kann. Canadier-Fahrerin Lisa Jahn hat ihre Ziele für Szeged gut durchdacht. Wenn der Wettkampf nur auf den nicht olympischen Strecken stattfinden kann, will sie im C1 über 500m überzeugen und mit einer Medaille nach Hause kommen. Sollte es nur einen Weltcup geben, dann fände sie den internationalen Vergleich spannend, besonders aufgrund der unterschiedlichen Trainingssituationen der letzten Wochen. Im letzten Jahr ist es Lisa Jahn im C2 der Damen bei der WM überraschend gelungen, einen Quotenplatz für die Olympischen Spiele zu erlangen. Eine weitere Chance auf die noch zu vergebenden Quotenplätze im Canadier und Kajak Damen Bereich wird es bei dem Weltcup in Szeged 2021, sowie bei dem Weltcup Barnaul (Sibirien) geben. Noch in diesem Jahr soll es zudem eine EM geben, ohne olympischen Qualifikationsmodus. Diese wird voraussichtlich vom 15.-18. Oktober stattfinden.

Europameisterschaft ohne A-Kader

Bundestrainerin Tina Schmidt verrät, dass die U23- Sportlerinnen und Sportler die Möglichkeit bekommen sollen, bei der EM in diesem Jahr an den Start zu gehen. Eine Entscheidung, die Rennkanute Jacob Schopf unterstützt. Der 21-Jährige kennt das Team der U23- Klasse, von denen manche älter sind als er. Schopf wünscht den Sportlern die Chance eines Starts von Herzen. „Nichts ist deprimierender als wenn man sich ein ganzes Jahr zum Diamanten geschliffen hat und sich letztendlich nicht zeigen kann.“ Im letzten Jahr konnte Schopf sich von seiner besten Seite zeigen. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele hat der Zweier-Weltmeister von 2019 schon eingefahren. „Jetzt müssen die Spiele nur noch stattfinden,“ schmunzelt Schöpf und beschreibt das Ziel von Olympia als einziger Konstante der letzten Wochen: „Olympia wurde für niemanden von uns im Kopf abgesagt, es wurde verschoben und wir sind voll dabei, dieses Jahr zu nutzen und nächstes Jahr noch besser zu sein.“ Genutzt hat der junge Kanute die Zeit ohne Wettkämpfe, um an seinen „Baustellen“ zu arbeiten. Besonders in der Technik hat er noch Verbesserungsbedarf. Pragmatisch sieht Schopf das Jahr als ein gutes Trainingsjahr an. Sein Titel für 2020: das „Jahr der Chancen“.
Ronald Rauhe versucht sich nicht zu viele Gedanken über eine mögliche Verschiebung oder Absage der Olympischen Spiele zu machen. Er möchte erst über Alternativen nachdenken, wenn es so weit ist. Rauhe erklärt seine Taktik: „Ich versuche das gerade alles positiv aufzunehmen, ich versuche das möglichst positive Szenarium im Kopf zu haben.“
Auch Lisa Jahn erwartet nicht, dass es eine weitere Verschiebung geben wird. Und das kann ihr keiner verübeln. Würden die Spiele entfallen, wäre das ein großer Verlust, nach all der investierten Arbeit. Zu Redaktionsschluss lagen uns die Informationen zu den Wettkämpfen wie beschrieben vor. Änderungen kann es aufgrund von Entscheidungen der Organisationskomitees jederzeit geben.

Lisa Jahn (r.) im Zweier-Canadier.