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REPORT: Das Glück der zweiten Lebenshälfte


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 38/2018 vom 14.09.2018

In ihrem neuen Ratgeber „Die bessere Hälfte“ verratenDr. Eckart von Hirschhausen und Prof. Tobias Esch, warum wir mit 70 heute oft besser drauf sind als mit 17


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Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 38/2018

LEICHTIGKEIT Das Beste kommt zum Schluss, wenn man den Rhythmus des Lebens kennt


ERFOLGSAUTOR „Die bessere Hälfte“ ist das sechste Buch des Arztes, Moderators und Comedians Dr. Eckart von Hirschhausen


Es gibt diesen einen Moment im Leben, in dem jeder von uns innehält. Jenen Augenblick, in dem uns zum ersten Mal bewusst wird: Wahrscheinlich liegt mehr Zeit hinter uns als vor uns. Was kommt jetzt eigentlich noch? Wie wird wohl die Zukunft? Was ...

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... will ich noch erleben, erfahren, erreichen? War das schon das Beste in meinem Leben? Dr. Eckart von Hirschhausen und Prof. Tobias Esch sagen ganz klar: Nein! Jetzt wird es erst richtig gut! In ihrem neuen Buch „Die bessere Hälfte“, das am 13. September erscheint (siehe Buchtipp), machen die Autoren Lust auf die Phase ab 40. Für beide war es ein ganz besonderes Projekt: Beide sind Ärzte und kennen sich privat sehr gut. Ihr erstes gemeinsames Werk ist quasi ein Gespräch unter Freunden. Ein Buch, geschrieben als sehr unterhaltsamer Dialog.

Für ihre Treffen wählten von Hirschhausen und Esch ganz besondere Orte aus: Sie unterhielten sich bei ihren Müttern, machten Spaziergänge, waren zusammen auf der Kartbahn, meditierten am See. Auch wenn die Autoren viele ihrer Aussagen mit Studien und Untersuchungen belegen, wird schnell klar: Das Thema ist für sie viel mehr als ein wissenschaftliches Sujet. Es betrifft sie zutiefst persönlich. Beide kommen zu der Erkenntnis: Die Angst vor dem Älterwerden kostet einfach nur Lebenszeit und ist in den meisten Fällen überflüssig. „Denn wenn man positive Erwartungen an die zweite Lebenshälfte hat, verlängert sich die Spanne tatsächlich um sieben Jahre“, sagt Dr. Eckart von Hirschhausen (siehe auch Interview auf Seite 12). „Die bessere Hälfte“ ist ein Ratgeber mit Ideen, wie man mehr Leichtigkeit und Genuss in seinen Alltag bringt. Die Autoren stellen sieben Thesen auf, die sich wie eine Anleitung für mehr Spaß beim Älterwerden lesen. Hier sind sie exklusiv vorab in HÖRZU.

These 1 Das Alter ist besser als sein Ruf

Der Gesundheitszustand eines heute 65-Jährigen entspricht in etwa dem eines 55-Jährigen von vor 20 Jahren. So betrachtet ist das Rentenalter nicht auf 63 gesunken, sondern auf biologische 55 Jahre. In Deutschland wird von der Überalterung der Gesellschaft gesprochen, dabei ist die Tatsache, dass man per se älter wird, nicht wirklich furchtbar. Viele werfen die Zeit kurz vor dem Tod, die natürlich von körperlichem Abbau und dem Verlust von Fähigkeiten geprägt ist, fälschlicherweise in einen Topf mit der langen Lebensphase davor. Das beeinträchtigt das Bild dieser guten Jahre. „Warum reden so wenige öffentlich darüber, wie man nicht nur dem Leben mehr Jahre, sondern auch den Jahren mehr Leben einhauchen kann?“, fragt sich Dr. Eckart von Hirschhausen. Tatsächlich sind wir heute in der Lage, sehr viel länger und gesünder zu leben als jede Generation vor uns.

These 2 Wir werden selbstbestimmt älter

Im Vergleich zu unseren Großeltern leben wir zehn Jahre länger, sind im Schnitt gebildeter, gesünder und körperlich fitter. Und auch reicher. An Geld und Möglichkeiten. Die Altersforscherin Anna Kornadt ist überzeugt: Wenn das Altern nicht mit Gebrechlichkeit gleichgesetzt wird, sondern positiv besetzt ist, bereitet man sich auch finanziell besser auf das Altwerden vor. „Außerdem verändert sich über die Lebenszeit das, was wir unter Glück verstehen“, sagt Prof. Tobias Esch. „Das beinhaltet auch, loslassen zu lernen, nicht mehr um jede Sache zu kämpfen, nicht mehr alles festhalten zu wollen.“ Für ein junges Lebensgefühl muss man nicht mehr in die Disko gehen. Schon die Erinnerung daran, wie es früher war, verjüngt.

These 3 Wir sind mit 70 besser drauf als mit 17

„Es haben sich drei Arten des Glücks herauskristallisiert, die wir über unsere Lebensspanne hinweg durchlaufen“, erklärt Prof. Esch. Er spricht von den Glückstypen A, B und C. Typ A erleben wir in der Jugend. Esch nennt es das „Glück des Wollens“ und meint die Motivation, etwas zu erreichen, die Vorfreude auf etwas, die Abenteuerlust. Dann folgt Typ B, das Gegenteil von A: das „Tal der Tränen“. Statt Leichtigkeit spürt man eher Verantwortung: für die Kinder, den Beruf, die alten Eltern. Und man atmet auf, wenn Stress oder Schmerz nachlässt, wenn man nach Hause kommt, die Tür zumacht und das Gefühl hat: Hier kann ich einfach sein. Der Glücksmoment ist in dieser Lebenszeit die Bewegung weg von etwas, das ich nicht mag. Später folgt Typ C. „Das Glück tendiert in Richtung Gelassenheit, Dankbarkeit, Zufriedenheit“, sagt Prof. Esch. Es ist eine Art Frieden, den man spürt, eine Freude und Glückseligkeit, weil alles passt. Prof. Esch: „Die Orientierung zu Typ C ist in uns allen biologisch angelegt, trotzdem gibt es keine Garantie, dass es wirklich so kommt. Man kann seinen eigenen Teil beitragen, dass man auf der Bahn bleibt.“

These 4 Viele Ängste sind unbegründet

Aus Langzeitstudien wissen wir heute viel über die Psychologie des Alters. Je älter wir werden, desto wahrscheinlicher sind körperliche Einschränkungen. Was aber ebenso stimmt: Je älter wir werden, desto unabhängiger wird unsere seelische Verfassung von der körperlichen. Es gibt auch einen gesunden Geist in einem nicht ganz so gesunden Körper. Viele Vorurteile und Ängste sind schlichtweg unbegründet. Entscheidend ist laut Prof. Esch, wie man auf sich und die zweite Lebenshälfte schaut – das macht etwas mit einem. Die Psychologin Ellen Langer aus Boston hat untersucht, wie sich Menschen verhalten, je nachdem, in welcher Umgebung sie sind. Dafür versetzte sie Männer im Alter von etwa 80 Jahren mithilfe von Möbeln, Tapeten und Musik in die Zeit ihrer Jugend zurück. In ein Ambiente Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre. Tatsächlich blühten viele auf, wurden aktiver und beweglicher. Prof. Esch: „Der Versuch zeigt, dass wir durch äußere Faktoren das Gehirn dazu bringen können, Alterungsprozesse zu beeinflussen.“

These 5 Die moderne Medizin wirkt Wunder

Wir können viele Gefahren, die das Älterwerden mit sich bringt, heute aus dem Weg räumen – besser als je zuvor. Bei aller Kritik am Medizinbetrieb darf man nicht übersehen, dass sich vieles heute verbessert hat. Durch Impfungen wurden gefährliche Infektionskrankheiten wie Diphtherie, Polio, Tetanus oder Masern gebändigt, die Generationen vor uns frühzeitig das Leben kosteten. Herzerkrankungen und Herzrhythmusstörungen sind heute viel seltener tödlich, denn die Intensivmedizin hat sich dramatisch verbessert. Ähnliches gilt für die Transplantationsmedizin. Prof. Tobias Esch betont einen weiteren Aspekt „Am beeindruckendsten finde ich, wie viel mehr wir heute über unsere Fähigkeit zur Selbstheilung wissen: Wir verstehen den sogenannten Placebo-Effekt besser. Und die untrennbare Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele wird nicht mehr als Hokuspokus abgetan.“

LUST AUF ZUKUNFT Die ältere Generation lebt heute im Schnitt zehn Jahre länger, ist fitter und gebildeter


These 6 Wir altern so, wie wir gelebt haben

„Lange endete die Entwicklungspsychologie bei der Jugend, man ging davon aus, dass unsere Persönlichkeitsentwicklung dann abgeschlossen ist“, sagt Prof. Esch. Heute wissen wir aber, dass wesentliche Schritte mit jedem weiteren Jahrzehnt erfolgen – solche, die vielleicht weniger offensichtlich sind als die äußeren Veränderungen in der Pubertät. „Salopp gesagt: Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit“, meint Dr. Eckart von Hirschhausen. „ Natürlich sind die ersten Lebensjahre wichtig. Aber wie du heute fühlst und handelst, hängt viel stärker davon ab, was du in den letzten fünf Jahren gedacht und getan hast, weniger von deinen ersten fünf.“

These 7 Die zweite Lebenshälfte kann bunt, erfüllend, heiter sein!

Wir alle leben heute viel länger, zumindest statistisch gesehen. Und die Lebenserwartung steigt weiter an. Sie beträgt für neugeborene Jungen nun 78 Jahre und vier Monate, für neugeborene Mädchen 83 Jahre und zwei Monate. Eine heute 50-jährige Frau wird statistisch mehr als 80 Jahre alt! Altwerden kann offensichtlich auch schön sein und viele positive Dinge beinhalten – bei allem Leid und trotz aller Einschränkungen. Durch Hobbys, Familie und das Gefühl, gebraucht zu werden. Zumindest legen das die Daten vieler Studien nahe und die vielen Interviews, die Dr. Eckart von Hirschhausen und Prof. Tobias Esch zum Thema geführt haben.


„Das Glück verändert sich im Lauf des Lebens.“


Alter kann auch Reichtum, Wissen, Weisheit, Erfahrung, Würde und Schönheit bedeuten. Diese positiven Seiten zu betonen und zu leben, ist objektiv gesund – bis hinein in die genetische Ebene. Ein Beispiel: In einer aktuellen Studie wurden Menschen untersucht, die ein genetisch deutlich höheres Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung hatten. Ob es tatsächlich zum Ausbruch des Leidens kam, entschieden aber zu einem guten Teil die Ängste und Erwartungen – nicht die Gene. Das heißt, obwohl unsere „Werkseinstellungen“ reale Risiken bergen, können wir wesentliche Teile davon doch selbst beeinflussen. Prof. Becca R. Levy, die Autorin der Studie, betont, dass es sich positiv auswirkt, wenn ältere Menschen das Gefühl haben, gebraucht zu werden, wenn man ihnen mit Freundlichkeit begegnet, ihnen Wertschätzung entgegenbringt. Macht sich dagegen Angst vor dem Älterwerden breit, beschleunigt das nur den Prozess des Abbaus. Das kann nur eins bedeuten: Ab jetzt volle Kraft voraus Richtung Zukunft!
AUFGEZEICHNET VON MIRJA HALBIG

HALT IN DER FAMILIE Gebraucht werden und Aufmerksamkeit erhalten sind zwei Schlüssel zur Zufriedenheit