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REPORT: DIE POLIZEI WARNT: Die neuen Tricks der Betrüger


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 21/2018 vom 18.05.2018

Die Maschen derKriminellen werden immer dreister, ältere Menschen sind oft leichte Opfer. Hier sagen Experten, wie Sie sich schützen können


Artikelbild für den Artikel "REPORT: DIE POLIZEI WARNT: Die neuen Tricks der Betrüger" aus der Ausgabe 21/2018 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 21/2018

VORSICHT!
Besonders an der Haustür sollte man misstrauisch sein und niemals Unbekannte in die Wohnung lassen


Als das Telefon klingelt, ahnt die Rentnerin nichts Böses. Doch es ist ein Anruf, den sie nie vergessen wird. „Sie haben Ihre Rechnungen nicht bezahlt“, sagt der Mann am anderen Ende. Es seien drei Monatsraten zu je 69 Euro fällig für ihre Tippgemeinschaft im Internet. Doch weil die Rentnerin ihr Abo gekündigt hat, weigert sie sich zu zahlen. „Damit war die ...

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... Sache für mich erledigt“, sagt Rosemarie G.

Aber es kommt noch schlimmer. Beim nächsten Anruf meldet sich eine Frau vom Oberlandesgericht München. Sie behauptet, es laufe ein Prozess gegen die Rentnerin. Der Anwalt des Klägers sei aber bereit, die Anzeige zurückzuziehen, wenn Rosemarie G. 1800 Euro zahle. Falls die Rentnerin das Verfahren verzögere, kämen täglich 200 Euro Strafe für Mahngebühren, Anwalts- und Gerichtskosten hinzu.

Schock-Anruf

Jetzt bekommt es die Rentnerin mit der Angst zu tun und überweist die 1800 Euro über einen Geldtransferdienst in die Türkei. Dieser Fall stammt aus der Doku „Tatort Telefon“ (siehe TV-Tipp Seite 11) – und er ist typisch. „Der Telefonbetrug erreicht apokalyptische Ausmaße“, sagt Ulf Küch vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK). „Die Täter haben erkannt, dass man viel Geld mit der Unwissenheit der Menschen machen kann. Das ist ein immer häufigeres Geschäftsmodell geworden.“

Fast immer rufen die Betrüger aus dem Ausland an, meist aus der Türkei, aus Südeuropa und Südostasien. Verlässliche Zahlen dazu existieren nicht. Das Bundeskriminalamt (BKA) beziffert den jährlichen Schaden, der nur durch betrügerische Callcenter in der Türkei entsteht, mit 120 Millionen Euro. Die Behörde vermutet jedoch, dass die wahre Summe sogar um das Sieben-bis Achtfache höher liegen könnte.

So schützen Sie sich Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Überweisen Sie niemals Geld ins Ausland. In vielen Betrugsfällen wird die Zahlung über einen Transferdienst wie Western Union oder MoneyGram abgewickelt. Darauf sollte man sich auf keinen Fall einlassen. Der Geldfluss lässt sich kaum nachverfolgen.

HILFSBEREIT
Betrüger nutzen besonders oft die Gutmütigkeit und die Ängste von Senioren für ihre Taten aus


900.000 Fälle von Betrug werden Jahr für Jahr registriert


Falscher Polizist

Das Telefon klingelt, es meldet sich ein Polizeibeamter. Er behauptet, dass Einbrecherbanden unterwegs und Geld sowie Wertsachen daheim nicht mehr sicher seien. Deshalb werde man einen Polizisten in Zivilkleidung schicken, der die Wertsachen abhole, um sie sicher zu verwahren.

„Die Betrüger geben sich am Telefon überzeugend als Polizisten, manchmal auch als Staatsanwälte aus, um so das Vertrauen der Angerufenen, meist Seniorinnen und Senioren, zu gewinnen“, sagt Gerhard Klotter, Vorsitzender der „Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Bürger aufzuklären.

Die Täter nutzen eine spezielle Technik, die bei einem Anruf auf der Telefonanzeige der Angerufenen die Polizei-Notrufnummer 110 oder eine andere örtliche Telefonnummer erscheinen lässt – obwohl die Anrufer zumeist aus dem Ausland agieren. Diese Masche hat in den vergangenen Monaten extrem zugenommen.

So schützen Sie sich Die Polizei bittet nicht um Geldbeträge. Sie ruft niemals unter der Notrufnummer 110 an. Melden Sie den Vorfall bei der örtlichen Polizeidienststelle. Händigen Sie niemandem Geld oder Wertgegenstände aus. Lassen Sie niemanden in Ihre Wohnung. Sollte jemand in Polizeiuniform vor der Tür stehen, lassen Sie sich einen Dienstausweis zeigen.

Telefon-Fangfrage

Werbeanrufe sind in Deutschland eigentlich nicht erlaubt. Dennoch kommt es immer wieder zu Kaufverträgen übers Telefon. Die Anrufer sprechen besonders leise oder täuschen Störungen vor und fragen dann unverdächtig: „Können Sie mich hören?“ Antwortet man mit „Ja“, ist man in die Falle getappt. Denn die Gespräche werden aufgenommen und können so zusammengeschnitten werden, als hätte man einem Kaufvertrag zugestimmt.
So schützen Sie sich Niemals mit „Ja“ antworten. Am besten sofort auflegen, wenn Sie nicht wissen, wer am anderen Ende spricht. Wer in die Falle tappt, sollte sofort widerrufen und Rechnungen von Inkassounternehmen nicht bezahlen. Und sich Rat bei Verbraucherzentralen oder der Rechtsschutzversicherung holen.

Rückruf-Trick

Das Handy klingelt nur ein einziges Mal, auf dem Bildschirm wird der verpasste Anruf einer unbekannten Nummer angezeigt. Wer zurückruft, erlebt eine böse Überraschung, weil am anderen Ende ein Band mit Ansage läuft. Bleibt der Anrufer dran, läuft die Gebührenuhr. Es sind meist Nummern, die mit 0137 oder mit ausländischen Vorwahlen beginnen. „Die Täter setzen auf die Neugier des Menschen“, sagt dazu Rudi Cerne, Moderator von „Aktenzeichen XY“ (siehe Seite 12). „Diesen Impuls muss man unterdrücken.“

So schützen Sie sich Kennen Sie die Nummer eines Anrufers nicht, heben Sie nicht ab und rufen auch nicht zurück.

Enkel-Trick

„Rate mal, wer am Telefon ist.“ So beginnen Kriminelle oft das Gespräch mit ihren Opfern. Andere melden sich mit „Hallo Oma!“ So entstand der Begriff Enkel-Trick. Der Klassiker funktioniert leider immer noch. „Es gibt eigentlich kein Opfer mehr, das nicht vorher von diesen Delikten gehört hat, und es klappt trotzdem jeden Tag irgendwo in Deutschland“, sagt Kriminalhauptkommissar Joachim Ludwig, Experte für diese Betrugsmasche. „Außerdem können viele Senioren Menschen, die Hilfe benötigen, nur schwer etwas abschlagen.“ Diese Gutmütigkeit nutzen die Betrüger aus. Der Anrufer täuscht eine finanzielle Notlage vor und bittet um Bargeld. Sobald das Opfer zahlen will, wird ein Bote angekündigt, der das Geld abholt. Hat der Betroffene die geforderte Summe nicht parat, wird er gebeten, den Betrag vom Bankkonto abzuheben. „Auf diese Weise erbeuten Enkel-Trick-Betrüger seit Jahren meist Beträge im fünfstelligen Eurobereich. Nicht selten liegen die Beutesummen auch noch höher“, sagt Ludwig. „Die Taten führen häufig zum Verlust der gesamten Ersparnisse und zu schweren psychischen Folgen für die Opfer.“
So schützen Sie sich Seien Sie misstrauisch, wenn sich jemand am Telefon nicht mit Namen vorstellt. Legen Sie auf, sobald jemand Geld von Ihnen fordert. Vergewissern Sie sich, ob der Anrufer wirklich ein Verwandter ist: Rufen Sie die jeweilige Person unter der bisher bekannten und benutzten Nummer an, und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen. Geben Sie keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preis. Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.

Wenn Sie Opfer geworden sind: Informieren Sie sofort die Polizei über die Nummer 110, und erstatten Sie Anzeige. Experte Ludwig: „Alle haben Angst vor Einbrüchen, niemand hat Angst vor Anrufen. Obwohl Enkel-Trick und falsche Polizeibeamte am Telefon täglich zu unfassbaren Manipulationen der Opfer führen.“

Paket-Betrug

Immer mehr Menschen bestellen Waren im Internet. Das nutzen Betrüger aus, indem sie unter fremdem Namen etwas ordern. Als Lieferanschrift geben sie eine Adresse an, an der sie selbst nicht gemeldet sind. Manchmal nutzen sie dazu die urlaubsbedingte Abwesenheit der Bewohner oder bringen einen fremden Namen an einem leeren Briefkasten an. Da an der Empfangsadresse niemand anzutreffen ist, geben Zusteller die Pakete in der Nachbarschaft ab. Dort klingeln die Betrüger, die das Geschehen beobachten, und bitten um die Herausgabe der Pakete. Sie behaupten, die Post für den angeblich im Urlaub weilenden Besteller abzuholen.
So schützen Sie sich Nehmen Sie möglichst nur Pakete für Personen an, die Sie kennen. Oder lassen Sie sich zumindest den Personalausweis des Abholers zeigen.


251.617 Internet-Straftaten wurden 2017 erfasst


COMPUTERTRICK
Im Netz lauern viele Gefahren durch E-Mails, die Viren installieren und Daten ausspionieren


Brief-Betrug

Neuerdings werden Briefe verschickt, die angeblich von einem türkischen Gericht stammen. Die Empfänger werden zu einem Termin in Istanbul vorgeladen und sollen sofort eine Kaution in fünfstelliger Höhe bezahlen. Dem Schreiben ist eine Verschwiegenheitsverpflichtung beigefügt, die angeblich vom Bundeskriminalamt (BKA) stammt. Der Empfänger wird aufgefordert, einen Mitarbeiter anzurufen, um Einzelheiten zu besprechen.
So schützen Sie sich Wenn Sie solche oder ähnliche Post erhalten, reagieren Sie nicht auf die Schreiben, warnt das BKA. Rufen Sie die angegebenen Telefonnummern nicht an. Sollten Sie einen Anruf erhalten, lassen Sie sich nicht in ein Gespräch verwickeln. Wenn Sie Opfer geworden sind, erstatten Sie Anzeige bei der nächsten Polizeidienststelle.

Falscher Gewinn

„Sie haben gewonnen!“ Die erfreuliche Nachricht kommt per Post, per Mail oder mit einem Anruf. Aber die Sache hat einen Haken: Vor der Übergabe des Preises, heißt es, müssen die Gewinner zunächst eine Gegenleistung erbringen. Sie sollen Gebühren zahlen, eine kostenpflichtige Hotline anrufen oder an Veranstaltungen teilnehmen, auf denen minderwertige Ware zu überhöhten Preisen angeboten wird.
So schützen Sie sich Wenn Sie nicht an einer Lotterie teilgenommen haben, können Sie auch nichts gewonnen haben. Geben Sie niemals Geld aus, um ihren Gewinn einzufordern, und wählen Sie keine gebührenpflichtigen Rufnummern.

Gutschein-Falle

Als Whatsapp-Nachricht oder per E-Mail werden Gutscheine bekannter Warenhausketten angeboten. Klickt man den angegebenen Link an, installiert sich schädliche Software auf dem Handy oder Rechner.
So schützen Sie sich Wenn Sie die Adresse des Absenders nicht kennen, löschen Sie die Nachricht. Öffnen Sie keine Anhänge, klicken Sie auf keinen Fall auf Links, und geben Sie keine privaten Daten ein.

Vorauszahlungs-Trick

„Scamming“ nennen es Experten, wenn Vorauszahlungen zu leisten sind, ohne eine Gegenleistung zu erhalten. So werden Wohnungen zu Schnäppchenpreisen oder Traumjobs angeboten. Auch in sozialen Netzwerken und Partnerbörsen lauert Gefahr, wenn die große Liebe plötzlich dringend Geld für einen Notfall braucht.
So schützen Sie sich Überweisen Sie auf keinen Fall Geld, ohne eine Gegenleistung erhalten zu haben. Machen Sie geleistete Zahlungen möglichst schnell rückgängig. Heben Sie Überweisungsbelege auf. Legen Sie sich eine neue E-Mail-Adresse zu.

ACHTUNG!
Die Kreditkarte immer sicher aufbewahren. Ist sie verschwunden, muss man sie sofort sperren lassen


29 Mio . Euro erbeuten Ganoven pro Jahr durch Kreditkartenbetrug


Karten-Tausch

Kreditkartenbetrug ist ein Millionengeschäft. Haben Täter Zugang zu den Daten Ihrer Kreditkarte, können Sie Ihre Konten plündern. Eine gängige Masche ist es, Karten beim Bezahlen zu vertauschen.
So schützen Sie sich Kreditkarten nie aus der Hand geben. Karte und Geheimnummer (PIN) getrennt verwahren. Geben Sie nie Ihre PIN an Dritte weiter. Verdecken Sie bei der Eingabe an Automaten die PIN. Bei Verlust die Karte sofort sperren lassen über die Notrufnummer 116116.

Weitere Informationen dazu, wie Sie sich vor den Tricks von Betrügern schützen können, finden Sie auf der Internetseite polizei-beratung.de