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REPORT: Dieser DRACHE kommt aus FRANKFURT!


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TV Digital XXL-Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 22/2018 vom 19.10.2018

Wie entstehen die riesigen Flugechsen in„Game of Thrones“? Wir durften die deutschen Computerkünstler bei ihrer geheimen Arbeit an Staffel acht beobachten


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Bildquelle: TV Digital XXL-Ausgabe, Ausgabe 22/2018

Massenvernichtungswaffe: Die Drachen in „Game of Thrones“ haben die Größe von Jumbojets


Vorbild für „Game of Thrones“? Das Büro von Pixomondo steht im Zeichen des Drachen


Wer die Fantasyserie „Game of Thrones“ schaut, hat die imposante Titelsammlung der jungen Daenerys (Emilia Clarke) schon öfter gehört: „Beschützerin des Reiches, Sprengerin der Ketten, Regentin der sieben Königslande …“Am beeindruckendsten aber dürfte ihr Titel „Mutter der ...

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Wer die Fantasyserie „Game of Thrones“ schaut, hat die imposante Titelsammlung der jungen Daenerys (Emilia Clarke) schon öfter gehört: „Beschützerin des Reiches, Sprengerin der Ketten, Regentin der sieben Königslande …“Am beeindruckendsten aber dürfte ihr Titel „Mutter der Drachen“ sein. Tatsächlich befehligt die Herrscherin mit dem silbernen Haar riesigen Flugechsen. Was wohl aber selbst viele eingefleischte Fans des TV-Hits nicht wissen: Es gibt auch einen Vater der Drachen – und der ist ein Deutscher.
Frankfurt-Ostend: In einem unscheinbaren Bürobau am Frankfurter Hafen wird das aktuell größte Geheimnis der Fernsehwelt gehütet. In den Räumen der Firma Pixomondo arbeiten 60 Experten für Computereffekte fieberhaft an der achten und finalen Staffel von „Game of Thrones“ (ab Frühjahr 2019 bei Sky). Pixomondo ist nicht die einzige CGI-Firma, die für die Megaserie engagiert wurde. Doch ihre Spezialisisierung macht sie zu etwas Besonderem: Es ist die Gestaltung und Animation der riesigen Drachen, der heimlichen Stars von „Game of Thrones“.

Komplexe Bestie: Jedes Körperteil des virtuellen Drachen kann einzeln bewegt werden


Gut gebaut: Schautafeln zeigen unter anderem die Proportionen der Drachen


Gut gebrüllt: Sven Martin berät sich mit Lead Animator Jonathan Symmonds


Überwacht wird diese Arbeit von Sven Martin. Der 42-Jährige gewann für die Serie bereits zwei Emmys. Trotz der strengen Geheimhaltung führt Martin TV DIGITAL exklusiv durch die Räume – immer ein paar Schritte voraus, um sicherzustellen, dass auf den Bildschirmen keine Spoiler zu sehen sind. „Viele denken, hier säßen nur Programmierer“, sagt der Visual Effects Supervisor. „Tatsächlich haben die meisten einen künstlerischen Background und arbeiten mit dem Stift auf einem Grafiktablet.“
Die Drachen haben sich mit jeder Staffel verändert. Doch die Maxime war von Anfang an dieselbe. „Es mag komisch klingen, aber die Drachen sollten keine Fantasiegeschöpfe sein“, sagt Martin. „Wir wollten nichts machen, nur weil es cool aussieht, aber unglaubwürdig ist.“ Inspiration fanden die Macher in der Tierwelt. In die Drachen flossen Elemente von Alligatoren und Eidechsen ebenso ein wie die Falten von Elefanten. Für das Skelett wurde die Anatomie von Vögeln studiert. Drachenmodelle zum Anfassen sucht man in den Räumen von Pixomondo vergeblich, gestaltet wird rein digital am Rechner.

Hilfestellung: Ein Crewmitglied zeigt Darsteller Kit Harington, wo die Nase des Computerdrachen in der Endfassung (s. u.) sein wird


”An einer 4-Sekunden-Sequenz arbeiteten wir acht Wochen.“
SVEN MARTIN


In der Drachenhöhle: Reporter Michael Tokarski trifft Visual Effects Supervisor Sven Martin


Während Experten die Drachen im Rechner bauen und kolorieren, werden am Drehort die echten Szenen gefilmt. Später wird das Drehmaterial in Frankfurt im Rechner eingelesen. Dann beginnt die Animation. Dabei legt ein Animator die Bewegungen des Drachenmodells von Hand per Mausklick fest. Die Bewegungen zwischen zwei so festgelegten Punkten kann der Computer dann selbstständig errechnen.

Damit der Drache perfekt in die gefilmte Szene passt, kommt es auf das Licht an. Im Arbeitsschritt Lighting werden mit einer virtuellen Sonne die Lichtverhältnisse des realen Drehs simuliert. Schattierungen und Glanz der Drachenhaut werden beim sogenannten Shading angepasst. Beim abschließenden Compositing wird der Drache ins Realbild eingefügt. „Unsere Arbeitsschritte sind vergleichbar mit denen am Filmset“, fasst Martin zusammen. „Es gibt Leute, die etwas bauen. Andere malen es an. Beleuchter sorgen für gutes Licht. Und bei uns errechnet der Computer daraus das Bild.“

Klingt einfach, doch der Aufwand ist immens. Sven Martin erinnert sich an eine besonders schwierige Szene aus der sechsten Staffel: Daenerys’ Drachen sind im Kerker eingesperrt und zerren an ihren Ketten. „An dieser 4-Sekunden-Sequenz“, sagt er, „haben wir acht Wochen gearbeitet.“

Inzwischen sind die Drachen in der Serie so präsent, dass Pixomondo einzelne Szenen an andere Firmen abgeben muss – was Martin nicht leicht fällt. Über die Jahre hat er eine emotionale Verbindung aufgebaut. „Man muss aufpassen, dass man die Drachen in ihrem Verhalten nicht zu menschlich gestaltet.“ Seit der zweiten Staffel arbeitet Sven Martin an den Kreaturen, in Staffel sieben starb erstmals eine von ihnen. „Als ich davon hörte, war ich geschockt! Klar gehört das bei ‚Game of Thrones‘ irgendwie dazu. Trotzdem blutete mir das Herz.“ Als Vater hängt man eben an seinem Nachwuchs. Selbst wenn der Schuppen hat und Feuer speit.


FOTOS: ANDREAS REEG FÜR TV DIGITAL (8), HBO