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Report: Erbschleicherei!


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 25/2018 vom 13.06.2018

So wie Gretl geht es heute immer mehr Senioren: Sie fühlen sich unsicher und allein, sind dankbar für Kontakt, für Hilfe. Und genau das wissen auch die Betrüger


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Bildquelle: Lea, Ausgabe 25/2018

Als ihr Mann vor fünf Jahren starb, musste Gretl erfahren, wie sich Einsamkeit anfühlt. Bis dahin war sie immer aktiv gewesen, hatte einen Gesprächspartner, um den sie sich kümmern konnte, hatte eine Aufgabe. Danach war Stille. Zwei Jahre später taucht plötzlich eine neue Nachbarin auf. Und Gretls Geschichte, die sie fast mittellos gemacht hätte und für die sie sich heute so schämt, nimmt ihren Lauf.

„Das erste Treffen war sehr nett“, erinnert ...

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... sich Gretl. Die neue Nachbarin, die Martina heißt, ist unterhaltsam, hört zu und geht dann sogar gleich für sie einkaufen. „Das fällt mir manchmal nämlich schon ganz schön schwer“, sagt Gretl. Martina hilft, wo sie kann. Bald kommt sie täglich vorbei, hilft ihr beim Gardinenwaschen, geht für sie einkaufen und ist immer für ein Gespräch zu haben. „Eigentlich wusste ich gar nicht viel von Martina. Sie hat mir nur erzählt, dass sie Altenpflegerin ist.“ Dann passiert das große Malheur. Gretl fällt hin und bricht sich den Oberschenkelhalsknochen. Wieder ist es Martina, die zur Stelle ist und alles für sie regelt. Gretls Töchter leben weit entfernt und sind einfach froh, dass sie sich nicht kümmern müssen. „Als ich dann zu Hause war, hat Martina mir plötzlich Angst gemacht. Sie meinte, wenn ich ihr kein Geld geben würde für ihre Betreuung, dann müsste ich eben in ein Heim.“ Das wollte ich auf keinen Fall, und meinen Töchtern wollte ich natürlich auch nicht zur Last fallen.“ Martina übernimmt alles und wimmelt alle Anrufer ab. „Ich hatte gar keinen Kontakt mehr zu anderen. Und ich wollte Martina ja auch nicht verlieren, da habe ich ihr meine Bankkarte und die PIN gegeben.“

Gretl ist völlig abhängig von Martina. „Und dann hat sie mir gesagt, ich hätte schon sehr viele Anzeichen von Demenz. Das hat mir große Angst gemacht. Sie ist ja Altenpflegerin, und ich dachte, sie kennt sich aus. Ich war so unsicher.“


„Ich hatte solche Angst, dass sie mich im Stich lässt und in ein Heim steckt“


Martina verlangt von Gretl, ihr die Eigentumswohnung zu überschreiben, bevor sie nicht mehr dazu in der Lage sei. Diese dreiste Forderung jedoch wird Martina zum Verhängnis. Denn der von Gretl angerufene Notar wird hellhörig – er kennt Gretls Töchter sehr gut. Er informiert sie, und die beiden reisen umgehend an. Gretl wird urplötzlich klar, was beinahe geschehen wäre. Sie schämt sich zutiefst über ihre Arglosigkeit.

Als die Töchter Martina zur Rede stellen wollen, ist die verschwunden. Sie hatte nur zur Untermiete gewohnt. Die Bankkarte wird sofort gesperrt. Das Konto ist zwar leer geräumt, aber das ist zu verschmerzen. Die Angst, die Gretl ausgestanden hat, wiegt weitaus schlimmer. Deshalb erzählt sie hier ihre Geschichte – um andere davor zu bewahren.

TIPPS UND INFOS ZUM THEMA: Besser, man sorgt frühzeitig vor

Schwester Bernadette Sie schrieb ein Buch zum Thema: „Willenlos – Wehrlos – Abgezockt“. 9,80 Euro. Verlag Herbert Utz


Schwester Bernadette vom Orden „Schwestern vom Guten Hirten“ hat 2010 einen Fall von Erbschleicherei bei einer guten Bekannten hautnah miterleben müssen und schrieb dann darüber ein Buch. Daraufhin erhielt sie viele Zuschriften mit Berichten von Opfern und Angehörigen und richtete auf ihrer Website eine Anlaufstelle für Betroffene ein.

Wie viele Fälle wurden an Sie herangetragen?
„Nach dem Erscheinen des Buchs kamen viele Zuschriften. Da dachte ich, es ist nur ein Aufblühen und ist bald vorbei, aber das stimmt nicht. Bis heute habe ich von rund 270 Fällen erfahren.“

Wie kann es sein, dass es immer mehr Fälle gibt?
„Viele leben heute allein und isoliert. Es gibt nicht mehr so oft ein gut funktionierendes soziales Gefüge oder eine Familie in der Nähe. Dazu erkranken immer mehr an Demenz. Und wir haben einen Pflegenotstand.“

Wie gehen Erbschleicher in den meisten Fällen vor?
„Es gibt ein typisches Muster. Erst werden die Opfer isoliert von ihrem sozialen Umfeld, dann werden sie abhängig gemacht, und ihnen wird ein schlechtes Gewissen gemacht. Natürlich geben diese Menschen den Alten auch etwas, es ist nicht alles schlecht, was sie tun. Aber die Absicht dahinter ist moralisch verwerflich.“

Woran kann man merken, dass etwas nicht stimmt?
„Am stärksten daran, dass sich die Opfer zurückziehen und keinen Kontakt mehr wollen. Die so genannten Erbschleicher machen die Angehörigen und Freunde schlecht, und die Opfer werden völlig verunsichert.“

Wie helfen Sie denjenigen, die sich an Sie wenden?
„In den meisten Fällen kann ich nur zuhören und ihnen beistehen. Nur in wenigen Fällen kann man vor Gericht etwas erreichen. Auf jeden Fall versuche ich, jede Mail zu beantworten.“

Was kann man tun, um nicht Opfer zu werden?
„Die Menschen, die Wildfremde in ihr Leben hineinlassen, sollten ganz genau hinschauen. Auch ist es sinnvoll, frühzeitig ein Testament zu machen. Denn Vorsorge ist besser, als später das Nachsehen zu haben. Außerdem sollte man sich darauf vorbereiten, wie man mit seinen Altersängsten umgehen will.“

Wer sich auskennt, kann einschreiten

Gerichtlicher Weg: Dass Senioren besonderen Gefahren ausgesetzt sind, haben auch die Staatsanwaltschaften erkannt. Einige haben Sonderdezernate eingerichtet, dort geht es bislang vor allem um Trickdiebstähle.
Testament: Die wichtigsten Tipps, um das Erbe sinnvoll zu regeln, und viele weitere Informationen hat Finanztest im Heft „Das Nachlass-Set“ zusammengestellt.

Hilfe im Netz:

• An Schwester Bernadette wenden sich vor allem die Angehörigen. Bitte einen frankierten Rückumschlag beilegen!www.mysisteract.de
• Einen exakten rechtlichen Blick darauf, was man als Erbe unternehmen kann, gibt es hier:www.erbrecht-ratgeber.de

250 Milliarden werden nach Schätzungen der Statistiker jedes Jahr in Deutschland vererbt.


Fotos: ddp images, Getty Images, stock.adobe.com