Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

REPORT: Erfolgsformel KRIMI


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 14/2019 vom 29.03.2019

Kein Tag ohne Mord: Warum Krimis das Programm dominieren, was die Zukunft bringt – HÖRZU hat mit TV-Machern gesprochen


Artikelbild für den Artikel "REPORT: Erfolgsformel KRIMI" aus der Ausgabe 14/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 14/2019

BELIEBT Die Ermittler aus „Tatort“, „Wilsberg“ & Co. kommen beim Publikum gut an


Die Einschaltquoten sprechen eine mehr als deutliche Sprache: Fernsehkrimis sind die unangefochtenen Favoriten des Publikums. Ob der vielseitige Sonntagsklassiker „Tatort“, der humorvolle „Wilsberg“, skandinavische Krimis wie „Die Brücke“ oder Zweiteiler wie „Die verschwundene Familie“ – sie alle haben riesige Fangemeinden. Zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr sind verlässlich zwischen sieben und zehn Millionen ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,09€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von HÖRZU. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 14/2019 von FOTO DER WOCHE: Wenn Affen BLAUMACHEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FOTO DER WOCHE: Wenn Affen BLAUMACHEN
Titelbild der Ausgabe 14/2019 von Geister der Vergangenheit. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Geister der Vergangenheit
Titelbild der Ausgabe 14/2019 von TV-AKTUELL: Die neuen starken FRAU. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TV-AKTUELL: Die neuen starken FRAU
Titelbild der Ausgabe 14/2019 von NATUR: Die Schönheit unserer ERDE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NATUR: Die Schönheit unserer ERDE
Titelbild der Ausgabe 14/2019 von NATUR: Ein Teenager bewegt die Welt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NATUR: Ein Teenager bewegt die Welt
Titelbild der Ausgabe 14/2019 von REPORT: Klavierstunde mit Lang Lang. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
REPORT: Klavierstunde mit Lang Lang
Vorheriger Artikel
REPORT: Klavierstunde mit Lang Lang
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel TV-AKTUELL: Wie verient ist unser Land?
aus dieser Ausgabe

... Zuschauer dabei, wenn ein Mord aufgeklärt werden muss. Oft sogar mehr. Wie eine aktuelle Forsa-Umfrage für HÖRZU zeigt (siehe Kasten), schaut sich weit mehr als die Hälfte der Fernsehzuschauer mehrmals im Monat TV-Krimis an. Doch woher kommt diese Lust auf Kriminalfilme überhaupt?

„Die Menschen waren schon immer vom Bösen fasziniert“, sagt ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler. „Erst recht, wenn sich dabei Abgründe menschlichen Zusammenseins aufgetan haben. Beim Fernsehkrimi weiß der Zuschauer, dass in der Regel das Gute über das Böse siegt. Es ist also ein kalkulierbarer Nervenkitzel, der unser Bedürfnis nach Sicherheit befriedigt. Darüber hinaus kann der Krimi wie kaum ein anderes Genre in seinem Rahmen relevante gesellschaftliche und soziale Themen vertiefen.“ Diese Chance hebt auch Christine Strobl, Geschäftsführerin der Filmeinkaufs- und Produktionsfirma der ARD, Degeto, hervor: „Die verlässliche Grundstruktur des Krimis – vor allem der Sieg der Gerechtigkeit am Ende – ermutigt den Zuschauer, sich auf unterschiedliche Themen und Erzählweisen einzulassen“, sagt sie. „Die Krimistruktur muss durch spannende und gesellschaftlich relevante Inhalte mit Leben gefüllt werden, die Geschichte überraschende Wendungen bieten – dann sind die Grundvoraussetzungen für einen guten Krimi erfüllt.“ Einer, der das Handwerk seit mehr als 20 Jahren erfolgreich betreibt, ist der Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt. Für seine Kriminalfilme erhielt er zahlreiche Preise. So schrieb er unter anderem das Drehbuch zum Sportwetten-Thriller „Auf kurze Distanz“, der 2017 mit der GOLDENEN KAMERA als Bester deutscher Fernsehfilm ausgezeichnet wurde. „Im Krimi geht es um Fallhöhen, mit denen ich die Figuren aktiviere“, sagt Schmidt. „Größere Fallhöhe generiert mehr Dramatik. Wenn man den Tennisball meiner Hauptfigur entführt und Lösegeld fordert, ergibt sich eine überschaubare Spannung. Wenn wir den Ball durch die zehnjährige Tochter ersetzen, resultiert daraus plötzlich eine schwer zu überbietende Fallhöhe. Als Autor nutze ich das, damit der Zuschauer Fundamentales über diesen Charakter erfährt. Denn der muss sich nun seinen Ängsten stellen und über sich hinauswachsen – oder scheitern.“

Die neue Psychologie der Ermittler

Das Genre ist permanent in Bewegung. Inhalte, Figuren, Bildsprache verändern sich manchmal innerhalb weniger Jahre. Wer wissen will, wie moderne Krimis aussehen, kommt an der Filmproduktionsfirma Wiedemann & Berg nicht vorbei. Die Produzenten Max Wiedemann und Quirin Berg setzen Maßstäbe. Zu ihren herausragenden Krimis gehörten in jüngster Zeit der mit einem Grimme-Preis prämierte Berliner „Tatort: Meta“ sowie die düstere Sky-Serie „Der Pass“ mit Julia Jentsch und Nicholas Ofczarek. „Eine der spannendsten Entwicklungen im Krimigenre betrifft die Psychologie der Hauptcharaktere“, sagt Quirin Berg. „Früher hatten die Ermittler oft ein klares Profil und haben dieses auch nicht mehr wesentlich verändert. Heute sind sie in vielen guten Krimis von Beginn an komplexer angelegt und entwickeln sich im Verlauf einer Serie. Dieser Trend hängt letztlich mit der Digitalisierung und der Veränderung unseres Sehverhaltens zusammen. Denn wir können inzwischen zu jeder Zeit an jedem Ort der Welt unser Wunschprogramm abrufen. Wenn man mehr Folgen einer Serie am Stück sehen möchte, dann spricht das für horizontale Geschichten, was wiederum mehr Raum für unsere Lieblingsfiguren lässt.“

VIELFALT Das Angebot reicht vom Klassiker „Inspector Barnaby“ bis zum modernen „Sherlock“


Für Krimimacher ist der Umgang mit den Ermittlerfiguren immer auch ein Drahtseilakt. Denn ein nicht geringer Teil des Publikums interessiert sich für deren persönliche Geschichten nicht. So ist laut der HÖRZU-Umfrage fast ein Viertel der TV-Zuschauer der Meinung, dass das Privatleben der Ermittler in TV-Krimis eine zu große Rolle spielt. Auch dieser Klientel muss ein Angebot gemacht werden: Krimis, in denen es vor allem um die Aufklärung des Verbrechens ohne viele Nebenschauplätze geht. Degeto-Chefin Christine Strobl beschäftigt sich intensiv mit den Vorlieben der Krimifans, schließlich steuert sie pro Jahr etwa 40 neue Krimiproduktionen zum Hauptprogramm des Ersten bei, etwa „Der Zürich-Krimi“ und „Nord bei Nordwest“. Strobl: „Die Erwartungshaltung der Zuschauer ist deutlich gestiegen. Sie haben heute ein starkes Gespür für die handwerkliche Qualität eines Krimis. Durch die Vielzahl der Angebote haben sie Vergleichsmöglichkeiten und akzeptieren nur das Beste. Das spornt uns an.“

Eine Herausforderung stellen die Jüngeren dar: 43 Prozent der 14-bis 29-Jährigen schauen laut unserer Umfrage nie TV-Krimis. Es wird für die gesamte Branche eine Herkulesaufgabe sein, diese Gruppe wieder zurückzugewinnen.

Frische Ideen für die Krimizukunft

ARD und ZDF haben zurzeit mehr als 100 Krimiserien und -reihen im Angebot. Gefühlt wird ständig irgendwo ein Täter gesucht. Wird es vielleicht irgendwann zu viel? Das Thema polarisiert die Zuschauer: 45 Prozent sind der Meinung, dass zu viele Krimis gezeigt werden, 40 Prozent finden den Umfang genau richtig. „Die Zuschauer stimmen über die Einschaltquoten praktisch selbst über ihr Programm ab, weil für die Sender primär immer die Quote zählt“, sagt Drehbuchautor Schmidt. „Wenn die Zuschauer also die Vielfalt meiden und immer dem Krimi den Vorzug geben, bereiten sie der Monokultur, wie wir sie gerade erleben, selbst den Boden.“

ZDF-Programmchef Himmler hält dagegen: „Wir achten sehr auf unsere Programm-Mischung und hinterfragen diese immer wieder. Man muss bei der Beurteilung beachten, dass Krimi nicht gleich Krimi ist. Es gibt innerhalb des Genres eine große Bandbreite. Unser Anspruch ist es, variantenreich, tiefgehend und thematisch vielfältig zu erzählen.“ Sein Blick in die Zukunft: „Der Krimi in der klassischen ,Wer hat’s getan‘-Erzählform wird an Bedeutung verlieren, dafür erwarte ich zahlreiche Mischformen über Genregrenzen hinweg. Daneben zeigt der Erfolg von , Aktenzeichen XY ungelöst‘ und diverser Zeitschriften, wie nachgefragt das Genre True Crime gerade ist. Reale Verbrechen werden zunehmend auch den Stoff für fiktionale Serien und Filme liefern.“

Das klingt spannend – wie ein Krimi. Und es scheint, als wäre das Genre auch in den kommenden Jahren noch für einige Überraschungen gut.

ILLUSTRATIONEN: PETER M. HOFFMANN FÜR HÖRZU; FOTOS: HINTZEN/ZDF, CHAPERON/ARD DEGETO, DÜREN/UNGER/DPA PICTURE-ALLIANCE (2)z


Quelle: Forsa. 1011 Fernsehzuschauer ab 14 Jahren. Erhebungszeitraum: 14. bis 17. März 2019