Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 5 Min.

Report Hautnah: Ich gegen dich, unerbittlich Manche Scheidungen eskalieren: Wenn aus Liebe Hass wird


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 29/2018 vom 11.07.2018

Nie hätte Anja (46) gedacht, dass sie sich mit dem Mann, den sie einst so sehr liebte, vor Gericht um Unterhalt, Hausrat und ihre Ehre streiten würde


Artikelbild für den Artikel "Report Hautnah: Ich gegen dich, unerbittlich Manche Scheidungen eskalieren: Wenn aus Liebe Hass wird" aus der Ausgabe 29/2018 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 29/2018

Roberts Wut konnte ich nicht nachvollziehen. Ich war es doch, die von einem Tag auf den anderen den Boden unter den Füßen verloren hatte. Und er war schuld daran.

Vor anderthalb Jahr fand ich heraus, dass Robert seit Monaten eine Affäre hatte. Zugegeben, unserer Ehe war die Luft ausgegangen, wir hatten zuletzt nebeneinander her gelebt, uns keine Zeit mehr füreinander genommen. Trotzdem hatte ich nach 18 gemeinsamen Jahren und zwei Kindern nie daran gezweifelt, dass ich auf meinen Mann zählen kann.

Da hatte ich mich getäuscht. „Wie soll ich ihm je wieder vertrauen?“ fragte ich mich und fand keine Antwort. Deshalb trennte ich mich zwei Wochen später von Robert und kündigte an, dass ich so schnell wie möglich die Scheidung einreichen würde. Mit so einer konsequenten Reakation hatte er nicht gerechnet. Danach waren die Fronten endgültig verhärtet.

Was folgte, war eine Aneinanderreihung unleidlicher Situationen, die ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 0,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Lea. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 29/2018 von Viel Vergnügen mit Ihrer neuen: Liebe Leserin, lieber Leser!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Viel Vergnügen mit Ihrer neuen: Liebe Leserin, lieber Leser!
Titelbild der Ausgabe 29/2018 von Voll im Trend! Kleine Städte ganz groß. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Voll im Trend! Kleine Städte ganz groß
Titelbild der Ausgabe 29/2018 von 90 Sekunden Gehirn-Jogging. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
90 Sekunden Gehirn-Jogging
Titelbild der Ausgabe 29/2018 von Trendy mit Durchblick: Transparente Taschen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Trendy mit Durchblick: Transparente Taschen
Titelbild der Ausgabe 29/2018 von Großes Umstyling „Schick & sportlich – einfach perfekt!“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Großes Umstyling „Schick & sportlich – einfach perfekt!“
Titelbild der Ausgabe 29/2018 von Trends: Trendy Sommer-Hosen und wie man sie jetzt stylt: Lust auf Muster!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Trends: Trendy Sommer-Hosen und wie man sie jetzt stylt: Lust auf Muster!
Vorheriger Artikel
HOROSKOP: IHRE STERNE
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel FREIZEIT: Gute Unterhaltung!.
aus dieser Ausgabe

... ich gern rückgängig machen würde, wenn ich könnte. Denn leider wurden auch unser achtjähriger Sohn Tobias und unsere fast fünfjährige Tochter Lisa Zeugen unserer heftigen Auseinandersetzungen. Etwa an dem Abend, an dem Robert und ich unseren Hausrat aufteilen wollten: Es verging keine Viertelstunde, bis wir einander wüst beleidigten und lautstark über Dinge stritten, die mit unserer Einrichtung überhaupt nichts zu tun hatten.


„Statt unseren Hausrat aufzuteilen, schrien wir einander nur an “


Drei Tage später zog er endgültig aus unserem Haus nahe Hannover aus. Für diesen Tag waren in unserer Siedlung Straßensperren angekündigt, weil ein Fertighaus geliefert werden sollte. Ich hatte mein Auto deshalb ausnahmsweise stehen gelassen und war mit dem Fahrrad zur nächsten Bushaltestelle gefahren. Auf dem Rückweg von der Arbeit holte ich Lisa vom Kindergarten ab. Ich traute meinen Augen nicht, als wir zu Hause ankamen: Das Auto war weg und im Wohnzimmer klaffte dort, wo der Fernseher stand, eine Lücke. Ich war außer mir, so eine linke Nummer hätte ich Robert trotz allem nie zugetraut. Der Fernseher, pampte er mich Minuten später am Telefon an, gehöre jawohl ihm und das Auto brauche er künftig nunmal als Firmenwagen


„Jahrelang hielt ich ihm den Rücken frei – und das war nun der Dank?“


Sicher, den Fernseher und das Auto hatte er bezahlt – genau wie alle anderen größeren Anschaffungen. Das war der Deal unserer Ehe gewesen: Ich war in Teilzeit gegangen, um die Kinder großzuziehen und meinem Mann den Rücken freizuhalten. So konnte er sich als Architekt selbstständig machen und Aufträge annehmen, die ihm einen stattlichen Verdienst bescherten. Mein bescheidenes Gehalt war nur ein Zubrot für unser Familieneinkommen – zumal ich mich seit dem Tod meiner Mutter vor fünf Jahren auch um meinen Vater kümmere, der Rheuma hat und im Alltag Hilfe braucht.

Das war also der Dank dafür, dass ich meine Karriere hintangestellt hatte. Als studierte Touristikerin hätte ich bei dem Reiseveranstalter, bei dem ich beschäftigt bin, anderenfalls auf eine weitaus besser bezahlte Position im Management hinarbeiten können.

Es gelang mir nicht, meinen Schmerz und meine Wut vor den Kindern zu verbergen. Ich wünschte meinen Mann zum Teufel. Später machte sich Trotz in mir breit: Ich buchte noch am selben Abend spontan ein Familienzimmer in einem kleinen Hotel gleich hinter der niederländischen Grenze und ließ mein Handy von Freitag bis Sonntag ausgeschaltet. Natürlich fiel mir diese Aktion wenig später auf die Füße. Die Kinder hat der überstürzte Ausflug völlig verwirrt und Robert war stinksauer. Die Retourkutsche ließ nicht lange auf sich warten: Wann immer Tobias und Lisa bei ihm waren, hielt auch er sich nicht an die verabredeten Zeiten oder änderte kurzfristig seine Pläne.

Inzwischen war Roberts Geliebte offiziell seine Freundin. Mit ihr war er in eine große Wohnung in der Innenstadt gezogen. Die Wochenenden, die die Kinder bei ihnen verbrachten, waren die Hölle für mich. Ich malte mir aus, wie mein Mann und seine Neue „Heile Familie“ spielten. Von jedem Besuch brachten Tobi und Lisa neuerdings Geschenke mit und wenn ich sie fragte, wie das Wochenende war, spürte ich, wie sehr die beiden mit sich rangen, ja nichts zu sagen, was mich verletzen könnte. Das brach mir fast das Herz.


„Er hat sein Einkommen kleingerechnet und gibt vor, kein Geld zu haben“


Aber das Schlimmste kam erst noch. Ich erhielt einen Brief von Roberts Anwalt. Sein Mandant werde mir keinerlei nachehelichen Unterhalt zahlen, stand darin, schließlich lebe ich noch in dem Haus und solle ihn erst mal auszahlen. Unsere Kinder seien zudem nicht mehr ganz klein, sodass ich wieder in Vollzeit arbeiten könne. Und: Robert verfüge nicht über die finanziellen Mittel, mich zu unterstützen. Wie genau er sein Einkommen kleingerechnet hat, ist mir noch nicht ganz klar. Auf jeden Fall hat er seine Freundin als Sekretärin eingestellt.

Mit der Masche kommt Robert nicht durch, dafür waren wir zu lange verheiratet. Wie soll ich denn in Vollzeit arbeiten, wenn der einzige Kindergarten in der Nähe um 16 Uhr schließt und mein kranker Vater mich braucht? Wie soll ich von meinem mickrigen Gehalt alles bezahlen? Diese Fragen habe ich meinem Noch-Ehemann nicht persönlich stellen können, weil wir nur noch über unsere Anwälte kommunizieren.

Dass es mal so weit kommt, hätte ich nie gedacht. Es tut mir weh, dass unsere Kinder darunter leiden. Die Energie, die mich das alles kostet, brauche ich eigentlich für andere Dinge. Ich hoffe, die Scheidung ist bald durch – und ich kann neu beginnen.

Wie Sie den Rosenkrieg vermeiden

Miteinander reden und verhandeln kann den Beteiligten viel ersparen

Dr. Sandra Konrad

Psychologin, Psychotherapeutin, Autorin aus Hamburg

www.paar-undfamilientherapie.de

Sind auch Kinder von der Scheidung betroffen, sollte ihr Wohl über allem stehen, sagt die Psychologin. Ihre Erläuterungen und Tipps:

Warum schlägt gerade eine große Liebe oft vermeintlich in Hass um?
► „Weil die hohen Erwartungen tief enttäuscht wurden. Diese Kränkung kann sich so vernichtend anfühlen, dass sie um jeden Preis abgewehrt werden muss. Also wird der andere entwertet und bis aufs Blut bekämpft, damit aus Ohnmacht wieder ein Gefühl der Macht werden kann. So entstehen Teufelskreise, die längst getrennte Paare durch Hass aneinander binden.“

Wie kann ein zerstrittenes Paar wieder miteinander reden?
► „Indem beide Verantwortung für ihren Anteil am Konflikt übernehmen. Bei akuten Streit- und Krisensituationen ist es ratsam, eine unparteiliche Mediatorin, etwa eine Paartherapeutin hinzuzuziehen.“

Wie spricht man am besten mit den Kindern über die Scheidung?
► „Ein Gespräch findet idealerweise mit beiden Eltern und ohne Schuldzuweisungen statt. Das Wichtigste ist, dem Kind zu vermitteln, dass nur die Paarbeziehung aufgelöst wird, nicht die Beziehung zwischen ihm und einem der Elternteile. Loyalitätskonflikte sind unbedingt zu vermeiden, das Kind hat nichts mit den elterlichen Streitereien zu tun.“

Unser Buch-Tip: „Liebe machen“ zeigt, wie Beziehungen gelingen10 Euro. Piper

Sandra Segl

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht aus Landshut

www.scheidungonline- kanzlei.de

Die Fachanwältin plädiert ganz klar für einvernehmliche Scheidungen. So lassen sich langwierige Gerichtsprozesse, hohe Kosten und Stress für alle Beteiligten vermeiden.

Warum ist die einvernehmliche Scheidung erstrebenswert? ► „Unter anderem, weil dann ein Anwalt ausreicht, das spart Kosten. Eine einvernehmliche Scheidung geht zügig, weil vor Gericht – abgesehen von erworbenen Rentenansprüchen, also dem Versorgungsausgleich – keine Folgesachen verhandelt werden müssen. Hinsichtlich Unterhalt, Zugewinn, Sorgerecht, Hausrat und Anwaltkosten einigen sich die Ehepartner außergerichtlich mit einer, Trennungs- und Scheidungsfolgenvereinbarung‘, die vom Notar beglaubigt werden muss.“

Was raten Sie Ehepartnern, die arg im Clinch liegen?
► „Dennoch zu versuchen, miteinander zu reden. Nach meiner Erfahrung spielt der Faktor Zeit eine Rolle: Die außergerichtliche Vereinbarung sollte man spätestens drei Monate nach der Trennung aufsetzen. Danach kippt bei vielen Paaren der anfängliche Anspruch, sich friedlich zu einigen. Nur wenn beide Partner überhaupt nicht mehr miteinander reden können, braucht es einen zweiten Anwalt.“

Was ist grundsätzlich bei der Wahl eines Anwalts zu beachten?
► „Es sollte unbedingt ein Fachanwalt für Familienrecht sein. Und: Lassen Sie sich nicht zu einer besonders streitigen Scheidung drängen.“


Foto: Getty Images, Oliver Haßler, Kirsten Nijhof, Piper. Szenen nachgestellt, Namen und Orte zum Schutz der Betroffenen geändert