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REPORT KORMORAN: Stoppen wir den schwarzen Vogel!


FliegenFischen - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 30.11.2018

Werner Berens ist Jäger. Und Fliegenfischer. Er beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit dem Artenschutz und zeigt, wie man das Thema Kormoran in den Griff bekommen kann – inklusive Tipps zur Bejagung des Kormorans bis hin zum richtigen Kaliber.


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Bis ein Jäger für den Kormoran den Finger krumm macht, muss einiges passieren. Doch wenn man die Sache richtig angeht, kommt der Schulterschluss zwischen Fischern und Jägern zustande.


Foto: stock.adobe.com – Luise Gutsche

Der letzte Winter für Thymalus thymalus war 1997. Ende November kamen die Kormorane und vernichteten den Äschenbestand im unteren Teil der ...

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... Rur. Kormoran-Ketten trieben die Äschen auf den Kiesbänken zusammen und vollendeten in einem Fressrausch innerhalb weniger Tage ihr Vernichtungswerk. Wir Angler wurden von dem „Überfall der Kormorane“ total überrascht. Niemand wusste, wie so etwas geschehen konnte. Ratlosigkeit machte sich breit. Und während die Kormoranschwärme flussaufwärts ihr Vernichtungswerk fortsetzten, blieb uns nichts als Trauer und Wut …

Der Ratlosigkeit folgte ein langer Kampf gegen „Naturschützer“ und einen „Naturschutz“, der, so unsere Erkenntnis, an der Wasseroberfläche aufhört. Dass auch Äschen schutzwürdig sind, war und ist diesen Naturschützern nur schwer zu vermitteln.

Gelegentlich stelle ich mir vor: Wir hätten Naturschutzbehörden, die in einem übergreifenden Konsens mit Nabu, BUND, Vogelschützern, Jägern, Angel-und Berufsfischern europaweit die Kormoran-Populationen kontrollieren würden. Und das es Eier sammelnde, staatlicherseits bezahlte Kormoran-Manager gäbe, die den Überbestand in den Brutkolonien auf diese Weise schonend reduzierten, so wie es früher in der DDR bereits erfolgt ist.

Doch die Realität ist leider eine andere.

WAS WEISS DIE ÖFFENTLICHKEIT SCHON VON DER ÄSCHE UND ANDEREN FISCHEN?
Die breite Öffentlichkeit interessierte sich nicht für das Äschensterben. Sie sah im Sinne des Wortes nicht, dass bei allen Fischarten nur noch die ganz kleinen und die ganz großen Fische beim Elektroabfischen gezählt werden konnten – weil die Jahrgänge in „Kormoran-Portionsgröße“ fehlten.

Als „edler und bedrohter Kormoran“ macht der Fischräuber Eindruck beim naturverklärenden Städter, und sein Totalschutz fördert die Spendenbereitschaft.

Es war und ist harte Arbeit, die Öffentlichkeit (und vor allem Vogelschützer) davon zu überzeugen, dass niemand den Kormoran vernichten möchte.

Man muss erklären, dass auch Lebewesen unter der Wasseroberfläche ihre Da seinsberechtigung haben, die nicht nur durch die Zahl der Kormorane, sondern auch deren Jagdstrategie bedroht ist.

Jagende Kormorane vermitteln Naturliebenden die Fiktion einer intakten Naturwelt – doch die Realität ist eine andere.


Foto: stock.adobe.com

Kormorane erscheinen vor allem im Winter als konzentrierte Masse, jagen als konzentrierte Masse und vernichten die in dieser Zeit konzentriert zusammenstehenden Äschen. Der Fachbegriff für die Jagdstrategie der Kormorane ist „Social Hunting“. Die Kormorane treiben in großer Zahl Fischschwärme zusammen, treiben die Fische gegen Staumauern, Wehre oder die Uferlinie. Bei dieser effektiven Jagdtechnik entkommt kaum ein Fisch!

Kormorane sind übrigens Nahrungsopportunisten. Forschungsergebnisse der Uni Innsbruck weisen nach, dass sie das fressen, was am leichtesten verfügbar ist. Und nichts ist in der Forellenund Äschenregion eines Flusses leichter verfügbar als eine Fischart, die keine Deckung sucht und als „Schwarmfisch“ oft auf Kiesbänken steht. Die Äsche wird daher sehr häufig vom Kormoran erbeutet.

WANN, WO UND WARUM IST DER KORMORAN BESONDERS GEFÄHRLICH?
Ich erinnere mich an den Kormoran-Einfall in den 90er Jahren an der Rur. Damals war dieser Fluss ein Traumgewässer für Äschen – bis der schwarze Vogel erschien. Wie bereits erwähnt, wurden wir damals völlig überrascht! Denn bis zu diesem Zeitpunkt war der nicht sonderlich beliebte Vogel den Sommer über in verträglicher Zahl aufgetaucht, um im Fluss zu jagen.

Was war zu tun, um zukünftig solche unliebsamen Überraschungen zu vermeiden? Was war zu tun, die Äsche wieder zu etablieren?

Blinder Aktionismus der Sorte generelles Fischfangverbot, Verlängerung der Schonzeiten ins Uferlose, überspannen ganzer Flussabschnitte mit bunten Bändern war nicht mehrheitsfähig. Die zweckdienliche Erkenntnis, dass man zuerst einmal über den Kormoran mehr wissen müsse, bevor man ihm beikommen könne, schon. Man muss beispielsweise wissen, dass der Kormoran bei uns als Standvogel, Teilzieher und Zugvogel präsent ist. Das bedeutet, dass man von den relativ wenigen Standvögeln, die das ganze Jahr am Fluss sind, besser nicht auf eine geringe Gefährdung schließen sollte!

Im späten Herbst ziehen Kormorane in großen Schwärmen Richtung Süden, bis nach Sardinien. Die Kormorane aus den großen Brutkolonien an der Ostsee mit 170.000 Brutpaaren tauchen plötzlich im Binnenland auf, und die Kormorane des Baltikums besetzen die leeren Plätze an der Ostsee. Durchziehende Schwärme hinterlassen ausgeräumte Flussabschnitte, auch wenn sie nur für kurze Zeit verweilen – und das zu einer Zeit, in der aufgrund der Forellenschonzeit keine Fliegenfischer mehr am Wasser sind, die Alarm schlagen könnten.

DER UMGANG MIT DEM KORMORAN IN VERSCHIEDENEN BUNDESLÄNDERN
Alle Fliegenfischer, die sich aktiv für die „Eingrenzung“ der Kormoranbestände stark machen, erfahren, dass viele „Naturschützer“ – und die ihnen nahe stehenden Parteien – sich der Problematik verschließen. Sie sind nicht bereit, die oben dargestellten Unterschiede zu den anderen Fischprädatoren und das, was daraus folgt, zur Kenntnis zu nehmen.

So ist es nicht verwunderlich, dass Deutschland in der Art und Weise des Umgangs mit dem Kormoran einem Flickenteppich gleicht.

Während in „grünen“ Bundesländern der Kormoran quasi zum heiligen Vogel erklärt wurde, durfte er in Bayern schon immer geschossen werden.

Dort beraten zwei vom Landwirtschaftsministerium und vom Umweltministerium bezahlte Kormoranberater, Matthias Ruff und Tobias Küblböck, Fischer, Teichwirte und Jäger im Umgang mit dem Kormoran. Und sie führen bei Bedarf Vergrämungen durch.

Doch anderswo ist man noch lange nicht so weit, weshalb Fischer sich und den Fischen selbst helfen müssen.

Fast alle Flächenländer haben eine Kormoranverordnung, in der festgelegt ist, unter welchen Bedingungen Kormorane durch Abschüsse vergrämt werden dürfen. In diesen Verordnungen ist im Wesentlichen festgehalten, dass Kormorane zur Abwehr fischereiwirtschaftlicher Schäden und aus Gründen des Artenschutzes am und über dem Gewässer selbst und in einem definierten Abstand zum Gewässer durch Berechtigte vom 1. August bis zum 31. März geschossen werden dürfen. Im April muss die Zahl der erlegten Kormorane, Ort und Tag der Erlegung der zuständigen Behörde gemeldet werden.

Die effektivste Bejagung der Kormorane findet an ihren Schlafbäumen statt. Diese sind leicht zu erkennen, denn diese Bäumen sind weiß und die großen Mengen an ätzendem Kormoran-Kot lassen die Bäume absterben.


Foto: stock.adobe.com

Welche Vergrämungs-und „Reduktionsmaßnahmen“ (zum Beispiel in Brutkolonien) darüber hinaus unter welchen Bedingungen erlaubt sind, regeln die einzelnen Landesverordnungen.

Der Kormoran unterliegt nicht dem Jagdrecht. Aber der oben erwähnte Berechtigte ist in der Regel der örtliche Jagdpächter und von ihm beauftragte Jäger.

MANCHE ABSCHÜSSE SIND NUR EIN TROPFEN AUF DEM HEISSEN STEIN
Samstagmorgen, kurz nach Sonnenaufgang, ist im Herbst und frühen Winter die Zeit für die Entenjagd. Genau dort, wo ich vor gut 20 Jahren mit der Fliegenrute im Fluss die zahlreich steigenden Äschen an die Trockenfliege zu bekommen versuchte, überfliegen gelegentlich ein, zwei Kormorane auf der Suche nach ungestörten Jagdmöglichkeiten in einer für den Schrotschuss passenden Flughöhe den Fluss. Seit wir das in NRW wieder dürfen, fallen einer oder beide tot ins Wasser und wird von der Deutsch-Langhaar-Hündin meines Mitjägers apportiert. Das bin ich mir und der Hoffnung auf später wieder mögliche „Äschentage“ an dem Gewässer schuldig.

Doch natürlich ist das nicht einmal der Tropfen auf dem berühmten heißen Stein. Denn es ist nicht damit getan, dass ich als Jäger gelegentlich einen Kormoran vom Himmel hole oder dass ich mich an den gefährdeten Flussabschnitten „tarne“, auf Kormorane warte und sie schieße. Wenn andere Kormorane als „Zeugen“ das Ableben ihres „Kollegen“ mitbekommen, meiden sie vielleicht für ein paar Tage den Gewässerabschnitt.
Dieser Vergrämungseffekt ist örtlich und zeitlich begrenzt. Nach ein paar Tagen sind andere Kormorane da, die nichts mitbekommen haben. Zudem kann ich nur dort vergrämen, wo der Revierpächter das erlaubt. Wenn der Erfolg nachhaltiger sein soll, muss man anders vorgehen. Das beginnt für Fliegenfischer (respektive Gewässerbewirtschafter) mit Überzeugungsarbeit beim Jagdpächter. Staatliche Kormoranberater, die schießen dürfen (wie in Bayern), gibt es nicht. Und so steht und fällt die Kormoranvergrämung mit dem Jagdpächter des Reviers, in dem sich die Schlafbäume der Kormorane befinden.

Nur wenn die Kormoran-Population vernünftig gemanagt wird, haben die Äschen und andere bedrohte Fischarten eine Überlebenschance.


Foto: E. Hartwich

WER FISCHT ODER JAGT, DER MUSS MIT KRITIK UMGEHEN KÖNNEN
Ein großes Problem: Jagende Kormorane vermitteln Naturliebenden die Fiktion einer intakten Naturwelt. Wenn die „edlen“ Vögel im Schrothagel vom Himmel fallen, ist das kein schöner Anblick für Spaziergänger. Als Jäger muss man damit rechnen, dass der „Facebook-geschulte“ Naturliebhaber seine Meinung lautstark und beleidigend vorträgt – ich spreche da aus Erfahrung. Diese „Naturschützer“ stört die Vernichtung der Äschenpopulation nicht sonderlich. Er sieht die Fische ohnehin nicht, hat meist keinerlei Sachkunde, aber dafür umso mehr Meinung.

Der Schwierigkeitsgrad steigt, wenn dann noch einer dieser kamerabewehrten Vogelschützer auftaucht: Er sieht eine seiner Lebensaufgaben darin, akribisch die Tätigkeit von Anglern und Jägern zu beobachten, zu bewerten und Verstöße oder vermeintliche Verstöße anzuzeigen. Die relativ banale Erfahrung von Anglern und Jägern, dass die Natur sich hierzulande nicht selbst regelt, weil wir in einer Kulturlandschaft leben, ist bei ihm noch nicht angekommen. Bei den Naturschutzverbänden jedoch scheint angekommen zu sein, dass man mit dem Artenschutz nicht an der Wasseroberfläche aufhören kann, doch nach wie vor werden Vergrämungsabschüsse von Kormoranen in der Öffentlichkeit durchaus sehr kritisch gesehen. Deshalb ist es absolut erforderlich, die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten.