Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 4 Min.

Report: Mama, mein Sorgenkind


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 36/2019 vom 28.08.2019

Nach einem Schlaganfall benötigt Sylvias Mutter Hilfe bei der Bewältigung des Alltags. Doch die Tochter lebt 500 Kilometer weit entfernt


Artikelbild für den Artikel "Report: Mama, mein Sorgenkind" aus der Ausgabe 36/2019 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 36/2019

Vor vier Jahren ist es passiert: Susanne hatte einen Schlaganfall. Einen leichten zwar nur, aber trotzdem … so ganz fit ist sie nicht mehr. Sie leidet unter Schwindelattacken, ist nicht mehr sicher auf den Beinen, und manchmal hat sie Wortfindungs-Störungen. Susanne ist geschieden, sie lebt allein in ihrer gemütlichen Zweizimmerwohnung, und wenn es nach ihr geht, dann bleibt das auch so:„Ich möchte die Kontrolle behalten“, sagt die 74-Jährige, „ich kann mir nicht ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 0,99€
NEWS 30 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Lea. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 36/2019 von Liebe Leserin, lieber Leser!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserin, lieber Leser!
Titelbild der Ausgabe 36/2019 von Was bedrohten Korallen-Riffen jetzt helfen soll: Rettet Nemos Freunde. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Was bedrohten Korallen-Riffen jetzt helfen soll: Rettet Nemos Freunde
Titelbild der Ausgabe 36/2019 von News: Diese Woche neu in den Läden!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
News: Diese Woche neu in den Läden!
Titelbild der Ausgabe 36/2019 von Großes Umstyling: „Muster sind echt klasse!“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Großes Umstyling: „Muster sind echt klasse!“
Titelbild der Ausgabe 36/2019 von Trends: So läuft’s im Herbst. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Trends: So läuft’s im Herbst
Titelbild der Ausgabe 36/2019 von Topthema: Plastik vermeiden für Anfänger. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Topthema: Plastik vermeiden für Anfänger
Vorheriger Artikel
HAARE Trend: Verstehen Sie Ihren Friseur?
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Leichter leben: Bluetooth-Kopfhörer im Test
aus dieser Ausgabe

... vorstellen, in ein Seniorenwohnheim zu gehen.“ Aber das sieht ihre einzige Tochter Sylvia ganz anders: „Ich fahre alle vier bis fünf Wochen zu ihr und regele die nötigsten Dinge“, erklärt die 46-Jährige, „den Großeinkauf, Saubermachen, Müll wegbringen und so weiter.“ Das Ganze wäre kein Problem, wenn die beiden nicht so weit auseinander wohnen würden: Susanne lebt in Köln, Sylvia in Hamburg. 500 Kilometer Distanz.

Zu viel, um jedes Wochenende zu kommen. Die beiden sind mit dem Problem nicht allein: Nur etwa ein Viertel der Kinder lebt am selben Ort wie die Eltern oder wenigstens in erreichbarer Nähe, ergab die Studie „Alterssurvey 2014“. Aber: 90 Prozent der über 80-Jährigen wohnen noch in den eigenen vier Wänden. Und: Viele brauchen ständige Unterstützung. Ein Problem für die erwachsenen Kinder in der Ferne: Wie sollen sie ihre Eltern pflegen und deren Alltag organisieren, wenn diese bedürftig werden?

„Schier unmöglich“, findet Sylvia. Die Erzieherin braucht ihre Wochenenden, um sich von ihrem Job zu erholen und sich um ihren Mann Sven und die Teenager-Kinder Thorben und Elisa zu kümmern. „Ich kann zwar alle vier bis fünf Wochen mal für ein Wochenende weg, aber das ist ja nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“ Erschwerend kommt hinzu, dass Susanne die Nähe ihrer Tochter immer mehr sucht und braucht.


„Ich fahre alle paar Wochen zu ihr, damit wir das Nötigste regeln können“

Gerade ist Sylvia von so einem Wochenende mit ihrer Mutter wiedergekommen. „Sie kriegt den Haushalt nicht mehr allein hin“, sagt sie seufzend und sieht aus dem Fenster. „Sie denkt, sie schafft das alles, aber sie sieht es nicht.“ Sylvia hat bei den Nachbarn geklingelt und sie gebeten, ein Auge auf ihre Mutter zu haben. „Eine Lösung ist das nicht“, sagt sie und seufzt wieder, „ich kann doch wildfremden Menschen nicht die Verantwortung für Mama aufbürden.“ Dazu kommt die Angst vor einem zweiten Schlaganfall. „Wenn das noch mal passiert, dann bin ich nicht da. Und wer weiß, ob das wieder so glimpflich abläuft.“

Diese Angst ist nicht ganz unberechtigt, wie der gemeinsame Besuch beim Neurologen ergeben hat. Susannes Schwindelattacken kommen immer öfter, und einmal ist sie auch schlimm gestürzt. Es steht die Frage im Raum, ob sie nach Hamburg zu ihrer Tochter zieht, entweder in ein Seniorenheim oder in betreutes Wohnen. Die beiden haben sich einige Einrichtungen angesehen. „Ich fand das nicht schön“, sagt Susanne, „die alten Menschen dort, so matt und irgendwie traurig. Ich glaube, diesen Schritt möchte ich nicht machen. Ich möchte bleiben, wo ich bin.“ Sylvia ist derselben Ansicht: „Dort hätte sie gar nichts mehr zu tun. Sie würde verkümmern.“ Und betreutes Wohnen ist zu teuer. 1.300 Euro kostet eine Wohnung warm, unbezahlbar bei einer Rente von knapp 1.000 Euro. „Der Neurologe hat außerdem gesagt, dass man so alte Menschen nicht mehr verpflanzen sollte.“ Also: Susanne bleibt in Köln. Weil Sylvia aber nicht jedes Wochenende kommen kann, organisiert sie ein Netzwerk von Freunden, Bekannten und Nachbarn um ihre Mutter herum. Die können einspringen, falls Not am Mann ist beim Einkaufen. Bei Arztbesuchen und auch beim Saubermachen. Eine Lösung ist das zwar alles nicht. Aber diese Nicht-Lösung ist besser als alles andere. Susanne kann da bleiben, wo sie sich wohl fühlt. Sie hat ein funktionierendes Netz von Menschen, die auf sie achtgeben. Und Sylvia wird nach wie vor alle paar Wochen nach Köln fahren, um ihre Mutter zu sehen. „Wie das alles weitergeht, das sehen wir dann“, sagt sie.


„Im Seniorenheim würde sie schnell verkümmern, weil sie nichts zu tun hat“


Nach sechs Stunden Autofahrt: Sylvia küsst ihre Mutter zur Begrüßung


i TIPPS UND INFOS ZUR PFLEGE

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Mein Angehöriger braucht Hilfe, ich habe aber keine Zeit. Was tun?
► Man sollte sich genau informieren: Wie hoch ist der Pflegebedarf, und wie wird er sich entwickeln? Gibt es Menschen im Umfeld, die regelmäßig unterstützen können? Die sollte man ansprechen. Und: Kann der Pflegebedürftige auch zusätzliche Hilfe finanzieren?

Kann ich legal jemanden aus dem Ausland zur Pflege beschäftigen?
► Nur mit einem richtigen Vertrag und nur, wenn man Sozialabgaben zahlt und eine Unfallversicherung abschließt. Dann ist man rechtlich auf der sicheren Seite. Bei der Vermittlung hilft die „Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Agentur für Arbeit“.

Im Anschluss ans Krankenhaus ist noch keine Pflege organisiert …
► Dann sollte man unbedingt mit dem Sozialdienst oder der so genannten Pflegeüberleitung im Krankenhaus sprechen. Die Mitarbeiter helfen bei der weiteren Organisation. Sie kümmern sich um den Antrag bei der Pflegekasse auf Leistungen und überlegen gemeinsam mit Ihnen, wie eine häusliche Versorgung aussehen könnte. Falls nötig, vermitteln sie auch einen Platz in der Kurzzeitpflege oder in einem Heim.

Kann ich für meinen Angehörigen Anträge stellen?
► Nein. Dafür braucht man eine Vollmacht. Ohne die darf man übrigens noch nicht mal die Post des Betreffenden aufmachen. Er kann Einzelvollmachten erteilen oder auch eine Vorsorgevollmacht. Fall er das nach einem Unfall beispielsweise nicht mehr kann und keine Vollmacht existiert, springt der Staat als Vormund ein. Deshalb ist es so wichtig, dass eine Vorsorgevollmacht ausgestellt wird, solange der Betreffende geschäftsfähig ist.

Wer kümmert sich, wenn ich mal krank werde?
► Da gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder zieht der Angehörige für kurze Zeit in eine Kurzzeitpflegeeinrichtung, oder man organisiert einen Ersatzpfleger. Die Pflegekasse beteiligt sich an den Kosten. Das kann man übrigens auch in Anspruch nehmen, wenn man mal für ein paar Tage in den Urlaub fahren möchte.

Hier finden Sie Hilfe:

• Pflegeberatung: In vielen Bundesländern gibt es inzwischen Pflegestützpunkte. Hier werden Angehörige umfassend beraten.
www.zqp.de/beratung-pflege/#/home

• Finanzen: Das Sozialamt übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen die Hilfe zur Pflege.
www.sozialaemter.com

• Psychologische Hilfe: ein Internetportal zur Unterstützung für alle pflegenden Angehörigen, Freunde und Nachbarn.
www.pflegen-und-leben.de


Fotos: Getty Images