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Report: Meine geheime Leidenschaft ist mir wichtiger als meine Karriere


Lisa - epaper ⋅ Ausgabe 51/2018 vom 12.12.2018

Ein TV-Star präsentiert sich vor Fremden in frivolen Posen auf irgendwelchen Parkplätzen. Und riskiert damit, vielleicht kaum noch für seriöse Rollen gebucht zu werden. Was ist da los?


Artikelbild für den Artikel "Report: Meine geheime Leidenschaft ist mir wichtiger als meine Karriere" aus der Ausgabe 51/2018 von Lisa. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lisa, Ausgabe 51/2018

Janina Hartwig und Fritz Wepper spielen die Hauptrollen in der beliebten TV-Serie „Um Himmels Willen“, die u. a. in einem Kloster spielt


Von 2007 bis 2009 gab Antje Mönning die züchtige Novizin Jenny in „Um Himmels Willen“


Eine Geldstrafe hätte für Antje Mönning einen Eintrag ins Bundeszentralregister bedeutet. Aber das Gericht verurteilte sie Anfang Dezember nur zu einer Geldbuße in Höhe von 300 Euro


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... folgen“, sagt Antje Mönning nach ihrem Gerichtstermin, selig lächelnd steht sie währenddessen unter einem Kruzifix im Amtsgericht Kaufbeuren. Die Schauspielerin hatte im Sommer im durchsichtigen Netzoberteil mit ihrem Röckchenlupfer für einiges Aufsehen gesorgt. Gerade wurde die Ex-TV-Nonne aus der ARD-Serie „Um Himmels Willen“ wegen „Belästigung der Allgemeinheit“ zu einer Geldbuße von 300 Euro verurteilt. Ein Teil erfolg. Denn die 40-Jährige musste sich wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ vor Gericht verantworten, was eine Geldstrafe von 1200 Euro bedeutet hätte.

Erregt, allerdings im negativen Sinne, fühlten sich zwei Polizisten in Zivil, die auf einem Parkplatz im Allgäu in den Genuss von Antje Mönnings Peepshow gekommen waren und diese dabei filmten – ohne dass sie davon etwas ahnte. „Hätten mir die Zivilpolizisten gesagt: ‚Lassen Sie das bitte‘, hätte ich freundlich ‚okay‘ erwidert und wäre meiner Wege gefahren“, erklärt sie die Situation aus ihrer Perspektive.

Doch wie kommt die schlanke Rothaarige dazu, sich nahezu nackt auf einem öffentlichen Parkplatz vor fremden Menschen zur Schau zu stellen? Antje Mönning sagt: „Exhibitionismus ist für mich eine Seinsform. Ich bin auch zu Hause oft nackt, eigentlich die meiste Zeit. Ich bin gerne nackt, ich lasse mich auch gerne nackt fotografieren.“ Und filmen. Die Schauspielerin agiert wenig züchtig in Pornos, bei denen sie großen Wert darauf legt, dass alles bis hin zum Orgasmus echt sei. Eine dieser Rollen war es auch, die 2009 für sie das Aus bei „Um Himmels Willen“ bedeutete. An der Seite von Fritz Wepper spielte sie die Ordensschwester Jenny. Sie betont: „Nach zwei Jahren bin ich freiwillig und mit großer Freude ausgetreten.“ Dass sie nach Sexfilmen und Parkplatz-Eklat noch für seriöse Rollen infrage kommt, ist eher unwahrscheinlich.


Ich lasse mich gerne nackt fotografieren


Kampf für sexuelle Freiheit Doch das ist auch nicht ihr primäres Ziel. Vielmehr sieht sich Antje als Vorkämpferin: „Ich wünsche mir mehr Toleranz gegenüber Menschen, die sich nicht in ein Schema pressen lassen wollen. Mein Motto ist das gut bayerische ‚Leben und leben lassen‘. Dafür stehe ich ein und kämpfe für mein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung.“

Voyeurismus

Das Gewinnen sexueller Lust aus dem Beobachten anderer Menschen in intimen Situationen, z. B. in der Umkleidekabine, auf der Toilette. Manche Voyeure filmen ihre Opfer, z. B. auf Rolltreppen auch unter den Rock. Da dies ein massiver Eingriff in die Privatsphäre ist, können zivilrechtliche Ansprüche des Geschädigten entstehen.


Was ich getan habe, ist keine Straftat


In Jengen im Allgäu präsentierte sich Antje Mönning im durchsichtigen Oberteil und ohne Unterwäsche


Auch ein 51-jähriger Lkw-Fahrer war Zeuge des Tänzchens. Vor Gericht gab er an, sich nicht belästigt gefühlt zu haben


Exhibitionismus

Sexuelle Veranlagung, bei der Lustgewinn aus der Zurschaustellung der eigenen Genitalien gegenüber meist fremden Personen gezogen wird. Gesteigert wird diese Erregung durch die Reaktion der Zuschauer.

Kaum Erkenntnisse „Der Umgang mit Nacktheit sollte etwas ganz Natürliches sein“ und nicht vor ein Gericht führen, findet Antje Mönning. Zumal selbst ihr Anwalt Dr. Alexander Stevens die Verhandlung als „abs - trus“ bezeichnete, denn in Deutschland können eigentlich nur Männer wegen Exhibitionismus angeklagt werden (siehe Kasten) – von denen es auch deutlich mehr gibt. Das zumindest vermuten Kriminalpsychologen. Denn genaue Untersuchungen über Frauen, die sich nackt in der Öffentlichkeit präsentieren, fehlen. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da weibliche Täter nur selten angezeigt würden. Grund: Sie werden in ihrem Tun als weniger aggressiv betrachtet als sich exhibitionierende Männer.

Und so resümiert die Schauspielerin: „Ich schäme mich nicht dafür, so zu sein, wie ich bin. Und es ist richtig: Man muss so etwas nicht machen. Man muss es auch nicht gut finden. Aber: Man muss es auch nicht anzeigen. Was ich getan habe, ist keine Straftat!“ Zumal die Schauspielerin beteuert, ihr Parkplatz-Strip sei eine lustige Aktion, eine „Blödelei“ gewesen. Aufhören will sie damit aber auf keinen Fall. Weil es ihr Freude bereitet – und weil sie mit weiteren „Kunstaktionen auf das Brechen von sozialen oder gesellschaftlichen Konventionen aufmerksam machen“ will. Und dabei hofft sie, auf mehr Verständnis und Kommunikation zu stoßen – und nicht, erneut heimlich gefilmt zu werden.

Infos und Fakten:Straftat: sich zeigen

Exhibitionistische Handlungen können laut Strafgesetzbuch nur von Männern begangen werden. Das sagt das Gesetz:

*§ 183 StGB „Ein Mann, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“ So eine Tat wird nur auf Antrag verfolgt, das heißt, es muss sich jemand belästigt fühlen und Anzeige erstatten. Es sei denn, es liegt ein besonderes öffentliches Interesse vor. Als exhibitionistische Handlung gilt das Zeigen der Geschlechtsorgane – zum Zweck des eigenen Lustgewinns. Öffentliches Urinieren oder Nacktbaden fallen demnach nicht unter den Paragrafen 183 des Strafgesetzbuchs.

*Bei Täterinnen kommt laut Gesetz nur der § 183 a StGB (Erregung öffentlichen Ärgernisses) in Betracht: „Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“ Da dieses Gesetz keine eindeutige Definition liefert, was eine „sexuelle Handlung“ ist, gibt es immer wieder Diskussionen über Auslegung und Anwendbarkeit. Er gilt unstrittig, wenn u. a. ein Paar öffentlich Geschlechtsverkehr hat und es billigend in Kauf nimmt, damit ein Ärgernis hervorzurufen. Strittig ist, ob reines Entblößen wie bei TV-Nonne Antje Mönning bereits als sexuelle Handlung zu werten ist. Es gilt, dass sowohl exhibitionistische als auch sexuelle Handlungen in der Öffentlichkeit ein Vergehen, aber kein Verbrechen sind. Sie werden allerdings ins Bundeszentralregister eingetragen und tauchen dann im erweiterten Führungszeugnis auf.


Fotos: ARD (2)/Barbara Bauriedl, Babirad Picture, Fotolia,