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Report: Rita (36) überfuhr vor sechs Jahren einen Fußgänger: „Ich habe zwei Leben: eins vor und eins nach dem Unfall“


Lisa - epaper ⋅ Ausgabe 19/2019 vom 01.05.2019

Die junge Mutter war unaufmerksam mit ihrem Auto unterwegs. An der Schuld, einen Menschen getötet zu haben, trägt sie schwer


Artikelbild für den Artikel "Report: Rita (36) überfuhr vor sechs Jahren einen Fußgänger: „Ich habe zwei Leben: eins vor und eins nach dem Unfall“" aus der Ausgabe 19/2019 von Lisa. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lisa, Ausgabe 19/2019

Die Zeit vergeht so schnell. Das denkt Rita immer, wenn sie ihren Sohn Mats ansieht. Gleichzeitig ist es sein Größerwerden, das ihr bewusst macht, wie lang der schrecklichste Tag ihres Lebens her ist. „Aber die Schuld lastet bis heute auf mir“, sagt die Mutter leise. Nächsten Monat jährt sich der Unfall zum sechsten Mal. Stockend beginnt sie zu erzählen. „Mein Mann Torben musste an dem Montag länger arbeiten und ich deswegen noch einkaufen. Mats, er war gerade ein Jahr alt ...

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... geworden, quengelte auf dem Rücksitz. Es war ziemlich anstrengend, sich richtig auf den Stadtverkehr zu konzentrieren.“

Der schlimmste Tag Die Ampel schaltete gerade auf Gelb. Rita trat aufs Gaspedal. „Plötzlich gab es einen dumpfen Knall, etwas prallte gegen die Windschutzscheibe und ich hörte Glas zersplittern.“ Der Airbag platze vor ihrem Gesicht und erstickte ihren grellen Schrei. Sie hatte einen Fußgänger angefahren, der die Straße bei Rot überquert hatte. „Ich drehte mich sofort nach Mats um. Er weinte, aber ihm war nichts passiert.“ Dann stieg sie wie in Trance aus dem Auto. „Ich hatte das Gefühl, als sei ich in einem Horrorfilm und nicht im wirklichen Leben.“ Sie beugte sich über den Mann am Boden. „Er war blutüberströmt und hatte graues Haar. Mehr konnte ich nicht erkennen.“ Denn sofort versammelten sich Menschen um ihr Auto. Jemand packte sie am Arm und brachte sie zurück in den Wagen.

Wenige Minuten später traf der Krankenwagen ein. „Ich sah das Blaulicht, hörte aber keine Geräusche. Ich stand total unter Schock.“ Rettungssanitäter kümmerten sich auch um sie und ihr Baby. Rita fragte immer wieder nach dem Mann, wie es ihm gehe, nahm die Antwort aber gar nicht richtig wahr. „Später sagten mir die Polizisten, dass er noch am Unfallort für tot erklärt wurde.“

LISAGRAM

Getrennte Zwillingsgeburt

Liana ist 97 Tage älter als ihre Zwillingsschwester Leonie. Sie kam mit nur 900 Gramm im November zur Welt, dann verschloss sich der Muttermund wieder und die Wehen gingen zurück. Rund drei Monate später ließ sich Leonie schließlich blicken. Beide Kölner Mädchen sind gesund.

Ups …

Städte brauchen mehr Grün, findet auch Koblenz und hat neue Bäume gepflanzt – einen mitten auf dem Radweg. Der Grund: Früher stand dort eine Kastanie, die gefällt werden musste. Man gibt zu: Grundsätzlich gibt es bessere Plätze. Der Baum bleibt trotzdem.


„Ihre Vorstellungskraft ist ein Paradies, aus dem man Sie nicht vertreiben kann.“
Carsten Maschmeyer wird am 8. Mai 60 Jahre alt


Tiefe Schuldgefühle Sie machte noch am selben Abend eine Aussage bei der Polizei. „Die Beamten waren viel zu freundlich zu mir. Das hatte ich in diesem Moment überhaupt nicht verdient. Schließlich hatte ich gerade einen Mann getötet.“ Immer wieder beteuerte Rita ihre Schuld. Sie wollte alles über den Mann wissen, dessen Familie nun unendliche Qualen litt. Aber niemand gab ihr Auskunft. Stattdessen wurde ihr ein vorläufiges Fahrverbot erteilt und wurde nach Hause geschickt. „Das war’s! Doch für mich war hinter mein bisheriges Leben ein Punkt gesetzt worden.“

An die nachfolgenden Tage erinnert sich Rita nur verschwommen. Sie weinte sehr viel, verließ das Bett kaum und redete mit niemandem. Ihr Ehemann Torben nahm sich Urlaub und kümmerte sich um Söhnchen Mats. „Ich war überzeugt, dass ich kein Recht dazu hätte, nach dieser schrecklichen Tat weiterzuleben.“ In ihrer Heimatgemeinde war der Unfall Stadtgespräch – auch in allen Medien. „Ich las alles, was ich in die Finger bekam, um mehr über den Mann herauszufinden.“ Er war 80 Jahre alt, hinterließ Frau und drei Kinder sowie fünf Enkel. „Ich hatte einer ganzen Familie große Schmerzen zugefügt.“

Vor Gericht bekannte sich Rita offiziell schuldig, wegen gefährlichen Fahrverhaltens einen Menschen getötet zu haben. Sie erhielt lediglich eine satte Geldstrafe. „Während andere vielleicht erleichtert gewesen wären, erdrückten mich die Schuldgefühle beinahe.“

Der lange Weg zurück Rita konnte nicht aufhören zu grübeln, wie der Unfall passieren konnte. Warum war ausgerechnet an dem Tag Mats so quengelig, sie so unkonzentriert im Verkehr und Torben erst spät zu Hause? Sie wollte wissen, was der Mann, den sie getötet hatte, für ein Mensch war. „Ich dachte daran, Kontakt zur Familie des Toten aufzunehmen. Torben sagte, das sei ziemlich eigennützig von mir – und viel zu schmerzhaft für die Familie des Toten.“

Es dauerte Monate, bis Rita ihre Lebensenergie wiederfand – auch dank ihrer Familie. „Mats gab mir mein Lachen zurück“, erinnert sie sich. „Und Torben nahm mir die Angst vor dem Gerede der Leute.“ Weil die Blicke und das Getuschel in ihrer kleinen Heimatgemeinde nicht aufhören wollten und Rita sich deswegen kaum vor die Tür traute, machte ihr Mann Nägel mit Köpfen. „Er beschloss einfach, dass es Zeit für einen Ortswechsel wurde. Also zogen wir in eine Gegend, wo man meine Geschichte nicht kannte.“ Auch wenn er nun einen längeren Arbeitsweg hatte. Auch Rita fuhr irgendwann wieder Auto. „Nur bei Dunkelheit traue ich mich bis heute nicht ans Steuer.“


Ich hatte einer ganzen Familie große Schmerzen zugefügt


Viele Therapiestunden später Obwohl der Unfall nun schon sechs Jahre zurückliegt, geht Rita weiterhin jede Woche zu einer Therapeutin. Sie hilft ihr, mit dem Trauma besser umzugehen. Denn immer wieder gibt es diese Momente. „Wenn eine Ampel auf Gelb schaltet, ist das ein Schock, der durch meinen ganzen Körper fährt. Und die Schuldgefühle sind plötzlich wieder da.“ Aber sie lernt langsam, damit zu leben. „Immer im April, wenn sich der Unfall jährt, zünde ich eine Kerze für den Mann und seine Familie an.“

2018 gab es 3 265 Verkehrstote in Deutschland. 85 mehr als im Vorjahr


Infos und Fakten

Zahl der Verkehrstoten in Deutschland gestiegen

Insgesamt weniger Unfälle, aber mehr Verkehrstote – das ist die Bilanz der Unfallstatistik 2018, die jüngst vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht wurde.

• Mangelnde Verkehrssicherheit Die häufigsten Ursachen für Verkehrsunfälle sind unangepasste Geschwindigkeit, ungenügender Abstand oder Unachtsamkeit, etwa durch Smartphones am Steuer.

Erstmals wegen Mordes verurteilt Im März 2019 bestätigte der Bundesgerichtshof das Urteil, das einen 24Jährigen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilte. Der Mann hatte betrunken und ohne Führerschein mit bis zu 155 km/h einen Menschen getötet und zwei weitere schwer verletzt. Das Landgericht Hamburg argumentierte, dass der Angeklagte mit bedingtem Tötungsvorsatz gehandelt, den Tod anderer billigend in Kauf genommen habe.

Noch immer vor Gericht Ein weiterer Fall in Berlin: Die sogenannten „Ku’dammRaser“ haben mit 170 km/h bei einem nächtlichen Autorennen einen Mann totgefahren. Der Bundesgerichtshof hatte deren Verurteilung wegen Mordes aufgehoben, weil die Richter den Tötungsvorsatz als nicht ausreichend belegt ansahen. Jetzt wird der Fall noch einmal neu auf gerollt, denn die Anklage rückt vom Mordvorwurf nicht ab.

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für vegane Haustiere

Mehr als ein Drittel der Katzen- und Hundehalter liebäugeln damit, ihre Vierbeiner vegan zu ernähren. Die meisten haben aber Bedenken, ob sie ihren Tieren damit schaden. Viele Wissenschaftler sehen diese Gefahr ebenso.

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Süße Capybaras

Im brasilianischen Pantanal leben die niedlichen Wasserschweine. Sie gehören zur Gattung der Meerschweine, werden aber bis zu 90 Kilo schwer und 60 Zentimeter groß. Sie lieben es, in Flüssen zu planschen und fühlen sich in der Herde am wohlsten.

Joggen für einen klaren Kopf

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* Name von der Redaktion geändert; Fotos: fotolia (2), iStock, Instagram/sospantanal, picture alliance/Thomas Frey