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Report: „Sein Geiz macht mich wahnsinnig!“


Lisa - epaper ⋅ Ausgabe 14/2019 vom 27.03.2019

Sparen, sparen undnoch mehr sparen – das ist alles, was Daniela von ihrem Mann hört. Dabei war sie nie besonders verschwenderisch


Artikelbild für den Artikel "Report: „Sein Geiz macht mich wahnsinnig!“" aus der Ausgabe 14/2019 von Lisa. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lisa, Ausgabe 14/2019

Bei Daniela und Bernd gibt es oft Streit ums Geld. „Sein Sparzwang verdirbt einem jede Lebensfreude“, sagt Daniela


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Dass ihr Mann sehr aufs Geld achtet, ist für Daniela (45) nichts Neues. Aber nun übertreibt er es – auch vor anderen:

Gestern war es wieder mal so weit. „Das gibt’s doch wohl nicht, wieso ist der Tank denn schon wieder leer?“, ...

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... fuhr Bernd (46) seine Frau an. „Ich war doch gerade erst an der Tankstelle!“ Da war er wieder, dieser vorwurfsvolle Ton. Gerade hatten sich die beiden ins Auto gesetzt und waren auf dem Weg zum Sonntagskaffee bei Danielas* Eltern. „Nach diesem Satz war mir die Lust auf den Familientag gründlich vergangen“, erzählt die Büromanagerin aus Bad Heilbronn. „Es vergeht kein Tag, an dem mein Mann nicht so tut, als würde ich das Geld mit vollen Händen zum Fenster rausschmeißen.“ Sie seufzt und setzt dann hinzu: „Und es wird immer schlimmer!“

Auch Danielas Geburtstag war ein Reinfall. „Ich wurde 45, es war also nicht irgendein Geburtstag, sondern etwas Besonderes“, erinnert sich Daniela an den Abend vor zwei Wochen. Ihr Mann hatte sie zum Essen in ihren Lieblings-Griechen eingeladen, es wurde ein schöner Abend. „Bis zu dem Moment, als die Rechnung kam“, schildert Daniela den peinlichen Moment. Zuerst rechnete Bernd alles genau nach, was auf dem Bon stand. „Dann reklamierte er, dass ein Glas Wein zu viel auf der Rechnung stehen würde.“ Daniela rollt genervt mit den Augen. „Das stimmte aber nicht, der Kellner hatte recht gehabt. Und statt ihm als Entschuldigung ein schönes Trinkgeld zu geben, ließ sich Bernd das gesamte Wechselgeld zurückgeben. Und sagte dann auch noch, dass das Essen ja wohl teuer genug gewesen sei. Ein Trinkgeld könne er sich bei dem Betrag nicht auch noch leisten.“ Daniela wird rot vor Scham, wenn sie nur davon spricht. „Das war mir wirklich megapeinlich – wie kann ein Mann sich in er Öffentlichkeit nur so aufführen?“

Bernd war immer schon ein Sparfuchs. Er kündigte regelmäßig alle Versicherungen und wechselte dann zu einem billigeren Anbieter. Dasselbe machte er mit Strom- und Handy-Verträgen. „Er führt bei solchen Sachen richtig Buch und weiß genau, wann er welchen Vertrag kündigen muss“, erzählt Daniela. „Und wenn irgendeine größere Anschaffung wie ein Fernseher oder eine neue Musikanlage ansteht, dann recherchiert er wochenlang im Internet und besucht alle Vergleichsportale, die es gibt.“ Und wenn sie ehrlich ist, findet Daniela das auch gut so. „Damit sparen wir ja tatsächlich eine Menge Geld“, gibt sie zu. „Und wenn Bernd für den Sommerurlaub ein super Spar-Angebot aus dem Internet fischt, finde ich das prima – gar keine Frage. Aber dass er auch im Alltag immer knausriger wird und das auch noch vor anderen, ist echt schlimm!“

Einfach in ein Geschäft gehen und sich etwas kaufen? Das kommt für Daniela nicht infrage


Vor Kurzem waren Nachbarn zu Gast. „Wirklich ein nettes Paar“, meint Daniela. Gegen 23 Uhr gähnte Bernd und sagte: „Kinder, ich muss ins Bett. Ich treffe mich in sechs Stunden mit meinem Vater, um die Autos zu tauschen. Ich muss eine längere Dienstfahrt machen und kann so mindestens sechs Euro an Sprit sparen.“ Die Nachbarn kicherten und verdrehten die Augen. „In solchen Momenten würde ich Bernd am liebsten gegen sein Schienbein treten“, meint Daniela. „Aber er ist ja sogar noch stolz auf seinen Geiz und merkt gar nicht, wie peinlich er sich aufführt.“ Sie seufzt. „Fehlt nur noch, dass er allen erzählt, wie er im Supermarkt immer zuerst die Krabbelkiste mit den fast abgelaufenen Lebensmitteln ansteuert. Wenn ich alleine einkaufen gehe, legt er mir vorher alle Werbeprospekte hin, damit ich ja die Schnäppchen berücksichtige. Und dann wird abgerechnet, Cent für Cent. Er macht mich wahnsinnig!“


„Er kauft nur Lebensmittel, die schon fast abgelaufen sind“


Als die Nachbarn gegangen waren, stellte Daniela ihren Mann zur Rede. Wieder einmal. „Musste das denn sein?“, fragte sie ihn. „Du verdienst gut, ich arbeite schließlich auch und wir haben genug Geld auf dem Sparbuch. Wo ist denn dein Problem?“ Er sah sie nur verständnislos an. „Ja, aber von nichts kommt auch nichts …“

Ein schickes Kleid kaufen? Oder mal eine schöne Handtasche? „Das gibt jedes Mal endlose Diskussionen, also lasse ich es lieber gleich bleiben – oder ich schmuggle die Sachen heimlich in die Wohnung und hoffe, dass Bernd nichts merkt.“ Daniela weiß selbst, dass das nicht der richtige Weg ist und das Problem auch nicht lösen wird. „Aber ich habe schon so oft mit ihm diskutiert – es hat keinen Sinn.“ Daniela schüttelt den Kopf und sagt dann leise: „Irgendwann zerstört sein Geiz noch unsere Liebe!“

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Beim Geld hört die Freundschaft auf – und manchmal auch die Liebe. Verschiedene Studien kommen zu dem Ergebnis, dass sich an den Finanzen die meisten Paarkonflikte entzünden.

Geizig oder sparsam? Der Übergang von Sparsamkeit zu Geiz ist fließend, jeder hat in Sachen Geld einen anderen Maßstab. Sich im Lokal für den günstigeren Wein zu entscheiden, ist nicht geizig. Nach dem Umtrunk so lange zu warten, bis der andere die Rechnung übernimmt, dagegen schon. Vor allem, wenn dieses Verhalten öfter vorkommt. Psychologen sagen: Sparsamkeit hört auf, wenn man sich oder anderen damit schadet – dann geht es um Geiz! Woher das Verhalten kommt? Geiz ist häufig erlernt, wurde von der Familie vorgelebt. Waren Mutter, Vater oder andere Bezugspersonen sehr kleinlich, wenn es um Geld ging, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch der Nachwuchs später sehr geizig ist.

Geiz tut keinem gut Forscher der University of Queensland (Australien) fanden heraus, dass Geiz enormen Stress auslöst. Sowohl bei der Person, die knausrig ist, als auch bei ihrem Gegenüber, das deshalb zu kurz kommt. Die Forscher erklären den Stress damit, dass der Geizkragen unter einer großen psychischen Belastung steht – denn eigentlich weiß er, dass sein Verhalten unfair ist.

Auswege aus der Knausrigkeit Für den einen bedeutet Geld Freiheit, für den anderen Sicherheit. Solche Einstellungen lassen sich kaum ändern. Wer gerade jemanden kennengelernt hat, sollte schnell herausfinden, wie der neue Partner zum Thema Geld steht. Bei ganz unterschiedlichen Vorstellungen sollte man überlegen, ob es eine gemeinsame Zukunft geben kann. Das Wissen um die Einstellung des Partners kann aber auch helfen, Verständnis für ihn aufzubringen. Oft führen Sorgen wie z. B. drohender Jobverlust zu übertriebener Knausrigkeit. Bringt ein ruhiges, offenes Gespräch nichts, kann auch eine Paartherapie helfen, den Ursachen auf den Grund zu gehen und eventuelle Ängste zu entkräften.

* Name von der Redaktion geändert; Fotos: iStock (3)