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Report: „Sie haben uns Louna einfach weggenommen“


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 44/2019 vom 23.10.2019

Von einer Minute auf die andere stürzt Familie Bombarde in einen dunklen Albtraum. Den Eltern wird vorgeworfen, ihre drei Monate alte Tochter Louna geschlagen und gequält zu haben. Es beginnt ein Kampf gegen die Behörden, der fast vier Jahre dauern sollte


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Bildquelle: Lea, Ausgabe 44/2019

Wieder vereint: Yoan und Sabrina Bombarde mit Léo und Louna


D rei Jahre und acht Monate haben Sabrina und Yoan auf ihre kleine Tochter Louna verzichten müssen. Sie haben verpasst, wie aus einem kleinen Baby ein quietschfideles kleines Mädchen wurde. „Man hat mich um ihre ersten Worte und um ihre ersten Schritte gebracht“, erzählt Sabrina Bombarde mit ...

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... leiser Stimme, „ich habe keine Kerzen auf ihren Geburtstagskuchen gesteckt und wusste nicht, ob sie lieber Schinken und Käse oder Erdbeermarmelade isst.“ Denn Louna war bei einer Pflegefamilie untergebracht – fast ihr ganzes Leben lang. Weil die Ärzte die seltene Erkrankung des Babys nicht erkannt haben und die Symptome für die Anzeichen von Gewalt hielten. Ein folgenschwerer, fataler und schrecklicher Irrtum … Rückblick: Sabrina und Yoan leben im französischen Nancy. Sie sind jung, voller Ideale und Wünsche für die Zukunft, als sie sich kennen und lieben lernen. Sie ist 17, er 21 Jahre alt. Sabrina leidet an einer extrem seltenen Erbkrankheit, dem so genannten „Hereditäres Angioödem“ – in Frankreich sind nur 1.500 Fälle bekannt. Die Medikamente, die sie nehmen muss, verhindern eine Schwangerschaft. Aber das Wunder geschieht: Mit 18 bekommt sie ihr erstes Kind, die kleine Louna. Die beiden sind überglücklich mit dem kleinen Mädchen und kümmern sich liebevoll. Aber dann wird Louna krank. Drei Monate ist sie alt. Plötzlich wird sie apathisch, hat große Flecken auf der Haut, die wie Blutergüsse aussehen. „Im Krankenhaus kam man zu dem Schluss, dass wir unser Kind misshandelt haben“, erzählt die heute 26-Jährige, „die Ärzte informierten das Jugendamt, und die Mitarbeiterinnen vom Amt sahen das genauso.“ Nach der wahren Ursache für die blauen Flecken und Schwellungen wird nicht geforscht. Sabrina fleht die Ärzte an, bei Louna einen Bluttest zu machen – vielleicht hat sie die Krankheit von ihrer Mama geerbt. Die Symptome sind ähnlich: Auch Sabrina leidet immer wieder an schmerzhaften Schwellungen und Flecken auf der Haut, dazu kommt massive Übelkeit.

Aber davon wollen die Ärzte nichts wissen. Ein Bluttest sei unnötig, das Baby könne die Krankheit nicht haben, denn für einen akuten Ausbruch sei es noch viel zu klein.

„Ich habe immer und immer wieder um diesen Bluttest gebeten – dann wäre das Ergebnis klar gewesen. Natürlich haben wir Louna nichts getan! Es war wirklich schrecklich, dass uns damals kein Mensch geglaubt hat.“ Louna schwebt wegen der Schwellungen in höchster Lebensgefahr, sie wird für zwei Wochen ins künstliche Koma versetzt. Das Baby wird komplett durchgecheckt.


Sabrina und Yoan kommen für 48 Stunden in Haft, ohne Grund, ohne Anklage


„Aber sie haben nichts gefunden, keine Brüche und keine inneren Verletzungen, die ja auf Misshandlungen hindeuten“, erzählt Sabrina, und Yoan fügt hinzu: „Die Ärzte fanden es auch überhaupt nicht weiter verwunderlich, dass die blauen Flecken auf der Haut plötzlich verschwanden.

Wenn unsere Louna wirklich Blutergüsse gehabt hätte, dann hätten die sich beim Abklingen doch noch grün und gelb verfärbt.

Das war bei ihr aber nicht der Fall.“ Die Eltern müssen es ertragen, dass sie im Krankenhaus mit eisiger Verachtung und Misstrauen betrachtet werden. Noch schlimmer: Das Jugendamt ruft die Polizei, Sabrina und Yoan kommen für 48 Stunden ohne Anklage in Untersuchungshaft. Das ist in Frankreich erlaubt und üblich.

Sie werden getrennt verhört und wieder freigelassen, weil es natürlich keinen Anhaltspunkt für eine Straftat gibt. Das Allerschlimmste für die Eltern: Nachdem das kleine Mädchen wieder aufgewacht ist, kommt es in eine Pflegefamilie. Der Bluttest, der sofort hätte Aufklärung bringen können, wird nach wie vor verweigert.

Nach einem halben Jahr flattert den beiden dann eine Anklage ins Haus, die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter: „Ich glaube, die haben sich so in den Fall verbissen, weil niemand den Irrtum zugeben wollte“, sagt Sabrina.

Dann werden die beiden völlig unerwartet erneut Eltern: Im Februar 2013 kommt Léo auf die Welt. Nach ein paar Monaten müssen sie feststellen: Auch der kleine Junge hat die Krankheit geerbt. Und in diesem Fall kommt niemand auf die Idee, dass Léo misshandelt wird. Die Familie ist inzwischen nach Grenoble gezogen – in der Hoffnung, dass ein anderes Jugendamt für sie zuständig ist, einen Bluttest anordnet und klar wird, dass Louna krank ist. Und dass ihre Eltern sie wieder in die Arme schließen können.

Denn noch immer dürfen sie Louna nur unter Aufsicht sehen.

Drei Jahre und zwei Monate später wird der Fall verhandelt – und die Eltern freigesprochen. Ein Bluttest bringt schließlich Klarheit. Louna hat dieselbe Krankheit wie ihre Mutter.

Aber es dauert noch mal sechs Monate, bis Louna wieder ganz nach Hause darf. Und selbst dann noch kommen regelmäßig Sozialarbeiter vorbei, um zu prüfen, ob die Familie auch wirklich klarkommt. Wie geht es Louna heute? „Gut!“, sagen Sabrina und Yoan einstimmig. Sie sprechen offen mit ihr über alles, was passiert ist, arbeiten ihre Familiengeschichte gemeinsam auf. Sieben Jahre alt ist das Mädchen heute. Haben sich die Ärzte, das Jugendamt irgendwann für den Irrtum entschuldigt? „Nein. Das wird auch nicht passieren. Wir haben die Klinik verklagt. Unsere Aussichten stehen ausgesprochen gut.“

Damals

Baby Louna

Drei Monate ist die kleine Louna alt, als die seltene Erbkrankheit „Hereditäres Angioödem“ ausbricht. Die Ärzte erkennen das nicht

Mit vier Jahren

Nach der langen Zeit strahlt das kleine Mädchen über das ganze Gesicht – endlich darf es zu ihren leiblichen Eltern zurück

Heute

Glücklich

Louna ist heute sieben Jahre alt. Ein aufgewecktes Mädchen, sehr wissbegierig und fröhlich

UNSER BUCH-TIPP:
Ein erschütternder Bericht über die fatalen Folgen eines Ärzte-Irrtums: Plötzlich finden sich Lounas Eltern in einem Albtraum aus Anschuldigungen wieder.
10 Euro. Bastei-Lübbe

Wie ist die Rechtslage bei uns?

TIPPS UND INFOS ZUMi THEMA

Ü ber 48.000 Kinder haben die deutschen Jugendämter im vergangenen Jahr aus ihren Familien genommen.

Zu ihrem Schutz. Das ist ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren.

In 20 Prozent der Fälle lag ein Verdacht auf Gewalttätigkeit vor.

Bei der Inobhutnahme gemäß § 42 des SGB VIII hat das Jugendamt die Möglichkeit, jederzeit ein Kind aus einer Familie zu nehmen und in einer Pflegefamilie oder im Heim unterzubringen.

Ohne dass ein Richter eingeschaltet werden müsste. Das kann immer dann erfolgen, wenn das Jugendamt das Kindeswohl gefährdet sieht – durch wen oder was auch immer.

Nach einer anonymen Anzeige oder einem Hinweis von den Nachbarn kommen in der Regel Mitarbeiter vorbei und schauen sich die Wohnung und die Familie an. Wenn entschieden wird, das Kind woanders unterzubringen, stellt das Jugendamt beim Familiengericht einen Antrag auf Entzug des Sorgerechts oder eines Teilbereichs des Sorgerechts. Das Gericht beauftragt nach Anhörung der Beteiligten einen Gutachter. Dieses Gutachten soll Aufschluss darüber geben, ob wirklich eine Kindeswohlgefährdung vorliegt. Das dauert Monate, in manchen Fällen sogar Jahre, wenn das Oberlandesgericht eingeschaltet wird.

Während dieser Zeit entscheiden wieder die Jugendämter, ob die Eltern ihre Kinder sehen dürfen. Aber das Jugendamt bietet auch Hilfe an und betreut Familien, die mit der Erziehung überfordert sind.


Fotos: Bastei Luebbe, Le Dauphine Libere/Etienne Bouy (2), Privat (2)