Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

REPORT: Zauber des Advents


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 50/2020 vom 04.12.2020

Alle Jahre wieder? In diesem Jahr ist die Vorweihnachtszeit anders. Aber das kann eine Chance sein, sagt Pater Anselm Grün. Für mehr Nähe, Ruhe, Zuwendung


Artikelbild für den Artikel "REPORT: Zauber des Advents" aus der Ausgabe 50/2020 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 50/2020

Nun soll wieder Magie in unser Leben einziehen. Frischer Tannenduft, helles Kerzenlicht, die Klänge des Weihnachtsoratoriums: „Jauchzet, frohlocket!“ Eine Aufforderung, die im Coronajahr nicht leichtfallen mag. Wie wird wohl die Weihnachtszeit? Anders! Und doch hat das Fest des Lichts auch diesmal die Kraft, ganz besonders zu werden. In HÖRZU geben Pater Anselm Grün und die Diplom-Psychologin Julia Leithäuser Rat, wie wir diesen Advent stimmungsvoll ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,09€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von HÖRZU. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 50/2020 von Liebe Leserinnen und Leser,. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserinnen und Leser,
Titelbild der Ausgabe 50/2020 von FOTO DER WOCHE: Freizeitvergnügen in China: EIN TRAUM AUS EIS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FOTO DER WOCHE: Freizeitvergnügen in China: EIN TRAUM AUS EIS
Titelbild der Ausgabe 50/2020 von HÖRZU TV-THEMA DER WOCHE: Zoff unterm Weihnachtsbaum. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HÖRZU TV-THEMA DER WOCHE: Zoff unterm Weihnachtsbaum
Titelbild der Ausgabe 50/2020 von Haben Tiere Gefühle?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Haben Tiere Gefühle?
Titelbild der Ausgabe 50/2020 von REPORT: Das schaut Europa zum Fest. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
REPORT: Das schaut Europa zum Fest
Titelbild der Ausgabe 50/2020 von TV-AKTUELL: MÖRDERISCHES Mittelalter. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TV-AKTUELL: MÖRDERISCHES Mittelalter
Vorheriger Artikel
HÖRZU TV-THEMA DER WOCHE: Zoff unterm Weihnachtsbaum
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Haben Tiere Gefühle?
aus dieser Ausgabe

... gestalten und intensiv erleben – ob in Familie oder allein. Auch das Fernsehprogramm weckt in dieser Woche schon Vorfreude auf das Fest (siehe TV-Tipps auf Seite 12).

Verzichten und dabei doch gewinnen

„Die Sehnsucht nach Idylle und zwischenmenschlichen Begegnungen ist in diesem Jahr besonders groß“, so Pater Anselm Grün. Wir müssen auf vieles verzichten, etwa auf Weihnachtsfeiern, Glühweinplausch mit Nachbarn, auf gemeinsames Weih- nachtssingen in großer Runde. Aber wir können auch etwas gewinnen in dieser so nie da gewesenen Vorweihnacht: einer Zeit ohne die üblichen vielen Termine, einer Zeit mit weniger Hektik. „Es ist eine entschleunigte Zeit, in der wir zu uns kommen können“, sagt Pater Anselm Grün. „Vieles Äußere fällt weg, etwa die Weihnachtsmärkte. Dem kann man nachtrauern – oder man sieht es bewusst als Einladung, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren und bei sich selbst anzukommen.“


»WER EINE KERZE ENTZÜNDET, TUT SICH GUTES. DAS LICHT STIMMT UNS MILDER.«
Pater Anselm Grün


Zeit für die Familie

Leise rieselt der Schnee: Zeit für einen täglichen Winterspaziergang


Spaß mit Freunden

In der Weihnachtsbäckerei: Plätzchen formen und hinterher verschenken


Liebevolle Geschenke

Morgen kommt der Weihnachtsmann: Mit sorgsam ausgewählten Gaben


Endlich Muße für Briefe

Fröhliche Weihnacht überall! Jeder freut sich über persönliche Zeilen zum Fest


Stiller Genuss

Apfel, Nuss und Mandelkern: Und eine gute Tasse Tee zwischendurch!


»BETRACHTEN WIR DIESE ZEIT ALS EINE EINLADUNG, UNS AUF DAS WESENTLICHE ZU KONZENTRIEREN.«
Pater Anselm Grün


Wo stehe ich im Leben? Weiß ich, was ich möchte, was mir wichtig ist? Wonach sehne ich mich? „Ich persönlich blicke dem Advent positiv entgegen, da ich in diesem Jahr wirklich Zeit habe, die Liturgie im Kloster zu erleben“, sagt der Benediktinermönch der Abtei Münsterschwarzach. Besonders genießt er an den Adventssonntagen die Abendessen mit seinen Mitbrüdern. Gemeinsam schreiten die Mönche in den dunklen Speisesaal und entzünden das Licht am üppigen Adventskranz. Dass sich ein jeder von uns solche wohltuenden Rituale schaffen kann, erklärt der Pater, der Bestsellerautor vieler Ratgeber ist, in „Dein Licht schenkt uns Hoffnung: 24 Rituale für den Advent“ (Vier-Türme-Verlag, 128 Seiten, 16 Euro).

Es ist Zeit für Rituale, die uns Geborgenheit schenken und Erinnerungen an die Kindheit wecken. Etwa Plätzchen zu backen und dabei bewusst den Duft von Zimt und Vanille zu genießen – ohne dabei schon die nächste Einladung im Kopf zu haben. Oder in Ruhe Weihnachtspost zu schreiben statt hastig getippter Handynachrichten. Für jeden, der uns wichtig ist, individuelle Gedanken zu formulieren. Besonders in diesem Jahr der Unsicherheit und Sorge ist es ein wohltuendes Zeichen der Verbundenheit. Ohne einen zu vollen Kalender ist endlich auch der Raum da, um sich Gedanken über passende Präsente zu machen. Und: Schenken macht glücklich. Nicht nur die Beschenkten, sondern auch die Geber. Neurowissenschaftler der University of Chicago und der Northwestern University in Illinois konnten nachweisen: Der Glücksbotenstoff Dopamin wird ausgeschüttet, wenn man anderen eine Freude bereitet. Die Forscher sind überzeugt: Mit anderen Menschen zu teilen stärkt das Gefühl von Zugehörigkeit und Verbindung.

Schon der Dichter Joachim Ringelnatz (1883 – 1934) schrieb: „Schenke dabei, was in dir wohnt an Meinung, Geschmack und Humor, sodass die eigene Freude zuvor dich reichlich belohnt.“ (Das vollständige Gedicht finden Sie auf dieser Seite rechts.)

Endlich bei sich selbst ankommen

Wenn wir an den Adventssonntagen Tee und Spekulatius genießen und Weihnachtsliedern lauschen, entzünden wir nach und nach vier Kerzen. „Licht ist wichtig“, weiß Pater Anselm Grün. „Nicht das Deckenlicht, sondern die Kerze. Sie wirkt viel weicher und stimmt uns milder. Viele Menschen haben zu hohe Ansprüche an sich und gehen streng mit sich ins Gericht. Das Licht der Kerze verbreitet in uns etwas Mildes. Es erlaubt uns zu sagen: Alles darf so sein, wie es ist.“

Spaß kann es dagegen machen, die Wohnung etwas anders zu gestalten: Noch nie haben so viele von uns so viel Zeit zu Hause verbracht wie 2020. Etwas Abwechslung und Veränderung ist da angenehm. Das können Kränze aus Eukalyptus oder Tanne sein, Sterne, Engel oder selbst gebastelte Kreationen, für die man aktuell mehr Muße hat. Anselm Grün rät: „Die Dekoration bewusst wahrnehmen, Plätzchen riechen, Musik hören! Die Sinne sind nun besonders wichtig, weil sie unser tiefstes Inneres berühren.“

Es gibt etliche Wege, diesen Advent mit schönen Stunden zu füllen. „Jeder Mensch hat seine ganz eigenen Bedürfnisse“, weiß die Bonner Diplom-Psychologin Julia Leithäuser. „Es beginnt damit herauszufinden, was jeder Einzelne nun braucht.“ Während die einen Entschleunigung und Ruhe finden, vermissen andere die Abwechslung. „In diesem Fall wäre es gut, nicht alles auf sich zukommen zu lassen, sondern sich zu fragen: Wie kann ich diese Zeit für mich gestalten?“ Unsere Psyche will wissen, was als Nächstes kommt. Ein ständiges Hin und Her macht ihr zusätzlichen Stress.

Den Baum auswählen

O Tannenbaum: Wir verzichten auf vieles, aber auf den Baum? Er verzaubert jeden Raum und weckt Erinnerungen


Alles festlich dekorieren

Wie wird dann die Stube glänzen: Mit Tannengrün duftet sie sogar herrlich


In Ruhe schmücken

O du fröhliche: Ohne Hektik die Rituale des Fests zelebrieren


Vieles ist möglich, auch im Rahmen der Coronabeschränkungen. Etwa ein Adventsspaziergang mit Freunden: Einer bringt heißen Apfelpunsch mit, der andere Baumkuchenspitzen. Oder ein Wohnzimmerkonzert mit virtuellem Publikum: Die Enkel tragen vor, die Großeltern sind am Handy oder Computer zugeschaltet. Auch das traditionelle Wichteln muss nicht ausfallen: Jeder gestaltet ein Päckchen und schickt es ab, dann verabredet man sich über eine Videoplattform zum gemeinsamen Auspacken. Und warum sollte der Adventskalender nicht mal ganz individuell und ungewöhnlich sein, etwa in Form einer persönlichen Botschaft täglich per SMS, WhatsApp oder Mail? Die physische Nähe mag uns verwehrt bleiben, emotionale können wir dennoch schaffen. In dieser außergewöhnlichen Phase sind wir aufgefordert, kreativ zu werden. Die gewohnten „Gleise“, auf denen wir bislang sicher durch den Alltag geleitet wurden, haben sich vollkommen verändert. Es ist an uns, die Weichen neu zu stellen.

Dabei können wunderbare neue Ideen entstehen. Eine Hamburger Firma lädt ihre Mitarbeiter in diesem Jahr etwa zur virtuellen Weihnachtsfeier. Zwei Tage vorher erhält jeder ein Paket mit Snacks und Getränken, die er kalt stellen kann. Am nächsten Tag folgt ein kleines Präsent, das alle am Abend gemeinsam vor dem Computer auspacken. So könnte auch ein festlicher Abend mit Freunden aussehen. „Der Schlüssel ist, in sich hineinzuhorchen, welches Bedürfnis man verspürt“, so Psychologin Julia Leithäuser. „Viele Menschen waren bisher ständig beschäftigt. An mehr Raum für Gedanken muss sich mancher erst gewöhnen. Jedem wird es dabei guttun, täglich bei Tageslicht einen Spaziergang an der frischen Luft zu machen.“


»DER SCHLÜSSEL IST, GENAU AUF DIE EIGENEN BEDÜRFNISSE ZU HÖREN.«
Julia Leithäuser, Diplom-Psychologin


Die große Kraft der positiven Gedanken

Trotz aller guten Ratschläge sorgen sich manche Menschen, dass es einsame Festtage werden könnten. „Wichtig ist zu akzeptieren, was uns zurzeit umtreibt, auch an Schwere oder Ängsten“, so die Psychologin. „Das darf sein! Dann fragt man sich: Was könnte die Situation besser machen?“ Leithäuser hat einen Tipp: „Abgesehen davon, Kontakt zu Mitmenschen aufzunehmen, kann ein Adventstagebuch helfen: Jeden Tag drei Dinge aufschreiben, die Freude machen, für die man dankbar ist.“ Eine wissenschaftliche Studie zeigte: Wer das vier Wochen lang tut, trainiert sein Gehirn, sich auf positive Aspekte zu fokussieren. Und die gibt es auch in diesem Advent. Genießen wir sie! Entdecken wir seinen ganz besonderen Zauber.

TV-TIPPS

ZAUBERHAFTE ADVENTSZEIT SO 13.12.
20.15 | MDR DOKU Eine Reise durch das weihnachtliche Thüringen mit vielen ungewöhnlichen Begegnungen

ABENTEUER GESCHENKEKAUF FR 18.12.
19.3O | BR DOKU Mit einem Augenzwinkern: Ein Blick auf den alljährlichen Geschenkewahnsinn

WEIHNACHTSLAND FR 18.12.
20.15 | RBB DOKU Eine Schlittenfahrt durch die Jahrzehnte: die schönsten Traditionen in deutschen Regionen


FOTOS: S. 8-9: STOCKCREATIONS/SHUTTERSTOCK (GR.), GETTY IMAGES, PLAINPICTURE; S. 10-11: GETTY IMAGES (3), HANGEN/ACTION PRESS (2), SHUTTERSTOCK; S. 12: POPKOVA/TITOVA/NEUHAUS/GETTY IMAGES (3), SHUTTERSTOCK