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Report: Zwei Paare stehen vor einem schier unüberwindlichen Problem: : „Wir können uns die räumliche Trennung nicht leisten!“


Lisa - epaper ⋅ Ausgabe 22/2019 vom 22.05.2019

Die einen haben vor der Scheidung ein Haus gekauft – und sitzen auf einem Berg Schulden. Die anderen finden in der Großstadt einfach auf die Schnelle keine neue Bleibe. Für beide Paare gilt: Die Emotionen kochen hoch


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Bildquelle: Lisa, Ausgabe 22/2019

Stefanie und Frank haben inzwischen zwei eigene Kinder: Lara (6) und Sophie (9) kennen nur das Leben mit den Halbgeschwistern und Mamas Ex


Michael (45) findet keine bezahlbare Wohnung für sich


Das Arrangement von Stefanie* (42) und Frank* (43) verwundert auch die Nachbarn

„Mein Ex-Mann wohnt im Keller – und mein neuer Partner mit mir und den Kindern obendrüber“

Stefanies Augen sehen müde aus. ...

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Stefanies Augen sehen müde aus. Franks Lächeln wirkt gequält. Seit zehn Jahren leben sie ihr neues Glück. Und doch merkt man, dass Geldsorgen und das Getuschel auf der Straße Spuren hinterlassen haben. „Ich versuche, alles zu ignorieren“, sagt Stefanie. „Aber die Nachbarn lachen über uns, denn mein Ex-Mann wohnt im Keller – und mein neuer Partner mit mir und den Kindern obendrüber.“

Das Haus Ende 2008 lernt Stefanie Frank in einem Online-Chat kennen. Das Problem? Stefanie ist mit Michael* verheiratet, sie haben drei Kinder und vor nicht allzu langer Zeit ein Haus gekauft. „Der Hauskauf hat uns in eine schlimme finanzielle Lage gebracht. Hier im Badischen sind die Grundstücks- und Immo bilien preise für einfache Leute wie uns viel zu hoch“, sagt die inzwischen fünffache Mutter. Doch die Bäckereiverkäuferin lässt sich von ihrem Mann, einem Maurer, überreden. Sie nehmen einen hohen Kredit auf. Er verspricht, die nötigen Reparaturen und Renovierungsarbeiten auf eigene Faust zu erledigen.

Eine neue Liebe Das Haus der Familie ist über Monate eine Baustelle, die Gehälter rinnen ihnen durch die Finger. Stefanie fühlt sich wie eine Gefangene in der Situation. Sie entfremdet sich von Michael und flüchtet in eine Online-Welt. „Ich weiß, dass es nicht okay war. Aber Frank hat mir zugehört. Es störte ihn nicht, dass ich drei Kinder hatte. Wir verstanden uns einfach“, berichtet Stefanie. Schließlich sehen sie sich zum ersten Mal, verlieben sich. „Wir sprachen lange darüber, was wir nun tun sollten. Es gab keine ‚gute‘ Lösung“, erinnert sich Frank. Stefanie und der angestellte Fliesenleger würden sich niemals leisten können, Michael die Haushälfte abzukaufen. Und Michael? Der Maurer ist geschockt, als er von der Affäre seiner Frau erfährt. Aber er weiß auch, dass er Probleme hätte, die Miete für eine neue Wohnung, den Hauskredit und den Unterhalt für seine Kinder stemmen zu können.

Die Erwachsenen raufen sich zusammen. Besprechen die Lage, lassen sich beraten. Wenn sie das Haus verkaufen würden, bliebe ihnen nichts übrig, dafür sind die Kredite einfach zu hoch. Und dann wäre immer noch die Sorge, eine bezahlbare Wohnung für Michael, aber auch das neue Paar samt Kindern zu bekommen. Zumal Stefanie zu diesem Zeitpunkt wieder schwanger ist. Sie und Frank bekommen ihr erstes gemeinsames Kind.

Der Plan „Irgendwann schlug Michael vor, dass er in den Keller ziehen könnte. Dort würde er sich zwei Zimmer und die Waschküche so herrichten, dass daraus eine Wohnung würde“, sagt Stefanie. Michael selbst will nicht mitLISA sprechen. „Er geht uns aus dem Weg, verständlich irgendwie …“, sagt Frank. Denn kaum wohnt Michael im Keller, zieht Frank in die Räume, die sein Vorgänger mit den eigenen Händen renoviert hat. Heute besteht die Zwangs-Wohngemeinschaft bereits seit zehn Jahren. Drei Jahre nach Töchterchen Sophie* (heute 9) kommt Lara* auf die Welt, das zweite Kind von Stefanie und Frank. „Die Zeit ist einfach so ins Land gezogen“, flüstert Stefanie. Ob sie je etwas ändern können? „Die beiden Großen sind gerade ausgezogen. Mein Sohn mit Michael ist jetzt 15. Vielleicht bekommen wir es hin, alles zu ändern, wenn er mal auf eigenen Beinen steht?“


Zwei Zimmer und die Waschküche


Offene Küche und Galerie, nur ein kleines Schlafzimmer – die Wohnung von Daniela und Maik ist nicht „WG-tauglich“


Daniela* (34) fand nach der Trennung von Maik* (37) einfach keine neue Wohnung

„Ich bin sechs Monate lang durch die Hölle gegangen“

Grandios! So habe ich mich gefühlt, als ich mit Maik in unsere gemeinsame Wohnung gezogen bin. Wir hatten eine zweijährige Fernbeziehung hinter uns und wollten den nächsten Schritt gehen. Was dann kam, will ich nie wieder erleben“, berichtet Daniela derLISA.

Tiefer Fall Die beiden sind weitere zwei Jahre ein Paar, wohnen in ihrer Kölner Maisonettewohnung. „Die war für uns ein bisschen teuer“, sagt die Buchhalterin heute. „Aber sie hatte einen tollen Balkon. Und da wir nicht jeden Urlaub auf Reisen verbringen mussten, haben wir eben daran gespart und es uns in den Ferien zu Hause gemütlich gemacht.“ Wie in vielen Städten leiden auch die Kölner unter hohen Mieten und knappem Wohnraum. „Nachdem wir die Wohnung hatten und mit guten Jobs, sah ich die Zukunft rosarot.“ Dann der Schock. Daniela findet heraus, dass es Maik mit der Treue nicht so genau nimmt. „Eine Freundin hat ihn bei Tinder entdeckt“, erinnert sie sich an den Moment, der alles verändert. Sie spricht ihn darauf an. Und er gesteht ein, dass er hin und wieder One-Night-Stands hat. „‚Keine große Sache‘ waren seine Worte …“

Keine Alternative Daniela ist noch immer erschüttert. Sie ist zu Maik nach Köln gezogen. Ihre Familie wohnt weit weg, neue Freunde hatte sie – aber gleich bei ihnen nach Unterschlupf fragen? „Ich wusste nicht, wohin ich sollte! Und Maik machte keine Anstalten, die Wohnung zu verlassen. Also legte ich sofort mit der Suche los. Doch es war schier aussichtslos. Entweder waren die Wohnungen viel zu teuer oder es kamen so viele Leute zur Besichtigung, dass ich gleich wusste, das wird nichts“, erinnert sich Daniela kopfschüttelnd.

Ein Ausweg In ihrem Zuhause fühlt sich Daniela gar nicht mehr wohl. Die offen gestaltete Wohnung bietet kaum Rückzugsmöglichkeiten. Zwar bringt sie Maik dazu, auf die Galerie zu ziehen. Sie selbst ist meist in ihrem einst gemeinsamen Schlafzimmer. Doch sie laufen sich immer wieder in der Küche oder dem Bad über den Weg. Maik lädt Kumpel ein, feiert und bequatscht mit ihnen seine Eroberungen. „Ich bin sechs Monate durch die Hölle gegangen“, erinnert sich Daniela. „Auch Maik fand nichts, was er sich hätte leisten können – oder sagte das zumindest. Wir hockten eng aufeinander. Und dann hatte er plötzlich eine neue Freundin. Ich weiß noch, wie sie mir eines Tages fast nackt im Bad begegnete …“

Es muss eine Lösung her. Und die findet Daniela schließlich in einem neuen Job in einer anderen Stadt. „Ich habe noch einmal ganz von vorne angefangen“, erzählt sie. „Heute lebe ich wieder in einer Kleinstadt. Hier sind die Mieten erschwinglicher. Und einen neuen Freund habe ich auch. Aber ob ich mit ihm zusammenziehen will, weiß ich echt noch nicht.“


Plötzlich stand seine neue Freundin im Bad


Infos und Fakten

Mein Tisch, dein Bett …

Das Gesetz gibt vor, wie ein scheidungswilliges Paar zu leben hat. Auch Unterhaltszahlungen sind geregelt. Doch gegen die Wohnungsnot scheint aktuell kein Kraut gewachsen

• Trennungsjahr Paare, die sich scheiden lassen wollen, müssen unbedingt das Trennungsjahr einhalten. Das muss nicht zwingend in zwei Wohnungen erfolgen! Allerdings kontrolliert das Gericht, ob die häusliche Gemeinschaft wirklich getrennt wurde. Räume müssen klar aufgeteilt sein, Stundenpläne sollten regeln, wann Bad, Küche und Co genutzt werden, wenn sie nur einmal pro Wohnung vorkommen. Es darf nicht für den anderen eingekauft oder die Wäsche gewaschen werden.

Unterhalt Die Ehefrau muss den Ehegattenunterhalt geltend machen. Bekommt diesen aber nur unter bestimmten Umständen. Es steht ihr dann Betreuungsunterhalt zu, wenn ein Kind unter drei Jahren im Haushalt lebt. Ebenfalls Unterhalt bekommen geschiedene Frauen, die aus Alters- oder Krankheitsgründen nicht selbst arbeiten können, die keine angemessene Arbeit finden oder sich noch in einer Ausbildung befinden.

• Wohnen ist das Thema unserer Tage! Mieten explodieren, Wohnraum ist knapp. Aktuell mischt ein Wort die Politik auf: Enteignung. Ein Beispiel spaltet Köln. Hier existiert seit Jahren eine Baulücke in der Richard-Wagner-Straße. Das Oberlandesgericht verurteilte den Eigentümer wegen Nicht-Bebauung zu einer Vertragsstrafe in Höhe von mehr als 700 000 Euro. Der Eigentümer sieht sich von der Stadtverwaltung schikaniert. Kommunalpolitiker fassten einen spektakulären Entschluss: Sie beauftragten die Verwaltung, ein Enteignungsverfahren gemäß Paragraf 85 Absatz 1 des Baugesetzbuches zu prüfen und einzuleiten. Wie dieser Rechtsstreit ausgeht, ist absolut offen.


Name von der Redaktion geändert; Fotos (Szenen nachgestellt): fotolia (2), iStock, shutterstock