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REPORTAGE BAYERISCHER WALD: Zweite Chance


Alpentourer - epaper ⋅ Ausgabe 2/2021 vom 23.02.2021

Was für ein Revier: Der Bayerische Wald zählt nicht umsonst zu den schönsten Flecken Deutschlands. Das grüne Paradies verwöhnt gleichermaßen Landschaftsgenießer sowie Schräglagenfreaks mit unzähligen Kurven und eindrucksvollen Bergstrecken.


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Bildquelle: Alpentourer, Ausgabe 2/2021

Stille Nebenstrecken erlauben stressfreies Touren durch den Patchworkteppich des ostbayerischen Dreiländerecks.


Der Felsenquelle des Klosters St. Oswald werden heilende Kräfte nachgesagt.


Vom Dreisesselberg wandert der Blick ungehindert über den südlichen Bayerischen Wald.


Als echtes Küstenkind kenne ich natürlich die maritime Wetterweisheit „Abendrot macht Seemann ...

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... tot.“ Binnenländler halten mit der Bauernregel „Abendrot, gut Wetterbot“ positiv dagegen. Bei meinem letzten Aufenthalt im südöstlichen Bayern, das bekanntlich nicht am Meer liegt, tauchte die Abendsonne den Himmel am Anreisetag in ein kräftiges Rosa. Drei Tage fieser Nieselregen folgten.

Jeder verdient eine zweite Chance, auch Regionen, dachte ich mir, als ich mich intensiver mit dem Böhmerwald beschäftigte, jener bewaldeten Bergkette, die sich entlang der tschechisch-deutsch-österreichischen Grenze erstreckt. Der zur Bundesrepublik zählende Teil ist besser bekannt als Bayerischer Wald.

Ein optimistisch stimmender, weiß-blauer Himmel lockt mich schon früh aus den Federn. In den kommenden Tagen will ich all das sehen, was vor vielen Jahren unter einer bleigrauen Wolkendecke verborgen blieb. Erste Panoramen tun sich auf, als ich meinen Boxer von Spiegelau zum Wallfahrtsort Sankt Oswald lenke. Dem dortigen schneeweißen Gotteshaus und seiner einzigartigen Felsenquelle wurden einst heilende Kräfte für Mensch und Tier zugeschrieben.

Ostbayerns Urwald fordert Adrenalin

Gut zu Tieren ist man auf jeden Fall im benachbarten Neuschönau: Das dortige Infozentrum Nationalpark Bayerischer Wald verfügt über ein riesiges Freigelände, auf dem sich Wölfe, Wildschweine, Bären und Luchse tummeln. Was die Begegnung mit den Vierbeinern nicht an Adrenalin verbraucht hat, fordert später die schmale, verwinkelte Straße durch Ostbayerns Urwald. Das auf tausend Höhenmetern gelegene Mitterfirmiansreut bietet den einzigen, dafür aber einzigartigen Ausblick ins nahe Tschechien, bevor ich wieder im finsteren Forst verschwinde.

Mit Passieren der stark frequentierten B 12 bei Philippsreut nehmen Teerbreite und Belagqualität ab, während Kurvendichte und Landschaftsbilder deutlich zulegen. Hinter Haidmühle beginnt die schmale Auffahrt zum über 1300 Meter aufragenden Dreisesselberg. Ich presche an unzähligen Granitblöcken vorbei, bis nichts mehr geht, weil der restliche Weg den Kniebundhosenträgern vorbehalten ist.

Der multitalentierte Künstler Adalbert Stifter war von der rauen Schönheit und der unglaublichen Fernsicht stets aufs Neue begeistert. Sein Zitat „Sag niemals, dass etwas schön ist, bevor du nicht den Bayerischen Wald gesehen hast“ hat auch heute noch eine gewisse Berechtigung. Kurz darauf findet die dünne Asphaltader zurück an die Grenze, diesmal ist es allerdings die österreichische.

Halt am Heimatmuseum

In den Ausläufern des mächtigen Höhenzuges zwischen Donau und Moldau wartet das Mühlviertel. Im kleinen Örtchen Schwarzenberg am Böhmerwald mache ich Halt am Heimatmuseum, das Adalbert Stifter gewidmet ist. 1805 in Böhmen in einfachen Verhältnissen geboren, durchläuft der Begabte Schule und Studium. Als Pädagoge und Künstler tätig, treiben ihn eine unglückliche Liebe und eine kinderlose Ehe, zusammen mit einer ungesunden Lebensweise und wiederkehrenden Nervenleiden, 1868 in den Freitod.

Das kleine Museum in Schwarzenberg informiert über das Leben und Wirken von Adalbert Stifter.


In sanften Wellen geht es vorbei am Höhenzug Hoher Bogen.


Stärkung in der rustikalen Jausenstation am Moldaublick vor 137 Stufen Aufstieg


Zum Aussichtsturm am Moldaublick

Stifters ganze Seele hing an dieser bezaubernden Gegend, die bis heute von Dörfern und Wäldern geprägt ist. Durch sie kurve ich bis Ulrichsberg, biege in Richtung Grenze ab und folge der Ausschilderung Moldaublick. Vor rund 50 Jahren wurde auf dem Sulzberg ein 24 Meter hoher Aussichtsturm errichtet, dessen 137 Stufen von mir erklommen werden müssen, bevor sich der Blick nach Tschechien auf einen der größten Stauseen Europas öffnet. In rund zehn Kilometern Entfernung liegt am östlichen Ufer Horní Planá, Stifters Geburtsort.

Nach einer ganzen Weile und einem kleinen Imbiss im angeschlossenen Bistro steige ich wieder auf die Maschine und gelange am Urlsee vorbei zurück in den Bayerischen Wald. Die sich anschließende Etappe Breitenberg - Wegscheid gehört zum Aller-feinsten, denn sie legt sich mächtig ins Zeug und ich mich mit ihr in die Kurven. Fahrfreude und Interesse schwinden allzu schnell mit dem Wandel zur Bundesstraße, doch zum Glück kommt die Abzweigung nach Hauzenberg daher und lässt mich wieder freudig grinsend über die zahlreichen Kuppen des südlichsten Waldzipfels hüpfen. Ich bin mit meinem alten Spezl Armin verabredet, der ganz in der Nähe wohnt und die Region wie seine Westentasche kennt. Als überzeugter GS-Treiber lässt er es sich nicht nehmen, mir sein Passau zu zeigen. Wir treffen uns auf der Maxhöhe in Kellberg, die ein besonders schönes Panorama für uns bereit hält. Ruck zuck finden wir uns einige Etagen tiefer an der Donau wieder, die hier die Grenze zu Österreich bildet.

Dreiflüsse-Eck und Stephansdom

An ihrem nördlichen Ufer entlang brummen wir in die Ilzstadt, einem historischen Passauer Ortsteil, der seinen Namen der hier mündenden Ilz verdankt. Mein ganz persönlicher Fremdenführer weist auf die Veste Niederhaus, eine strategisch gut platzierte Burg, die linker Hand auf einer Landzunge liegt. Um das bedeutend größere Gegenstück, die Veste Oberhaus, zu erreichen, müssen wir ordentlich am Kabel ziehen und den über 400 Meter hohen Georgsberg erklimmen. Von den mächtigen Mauern der im 13. Jahrhundert gegründeten Festung lässt sich Passau bestens überblicken.

Durch Armin mit unzähligen Informationen versorgt, möchte ich mir die Altstadt näher anschauen. Auf der Schanzlbrücke geht es über die Donau ins Herz des „bayerischen Venedigs“, das nach einem Großbrand im Jahre 1662 von italienischen Architekten neu gestaltet wurde. Mittendrin der barocke, dreikuppelige St. Stephansdom, der zu den größten Gotteshäusern nördlich der Alpen zählt. Ich will es heute auf die Spitze treiben und bitte meinen Tourguide, mich zum Dreif lüsse-Eck zu führen. Dort strömen Ilz, Donau und Inn eindrucksvoll zusammen. Je nach Herkunft weisen die drei Ströme unterschiedliche Farben auf, die Ilz zeigt sich schwarz, die Donau braun und der Inn grün. Er stammt aus den Alpen und prägt den dritten historischen Stadtteil, die Innstadt.

Im Mittelalter führte ein wichtiger Handelsweg über Passau nach Böhmen, auf der heutigen B 12 folge ich der historischen Route des goldenen Steiges. Vom Schnellstraßencharakter gelangweilt, schlage ich mich schon bald in die Büsche und nehme Reißaus nach Waldkirchen. Die dortige Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul ist zwar nicht ganz so groß und bedeutend wie das Passauer Pendant, wird aber aufgrund ihrer imponierenden Ausmaße trotzdem gerne als „Dom des Bayerischen Waldes“ betitelt. Doch damit nicht genug: Das nächste ehrwürdige Gemäuer ist nicht weit entfernt.

Kaum habe ich die Gänge ein paar Mal rauf und runter gespielt, taucht im Luftkurort Freyung Schloss Wolfenstein am linken Lenkerende auf. Dass die Ursprünge auf eine wehrhafte Burg aus dem 13. Jahrhundert zurück gehen, lässt sich nicht leugnen, der Bau kommt eher schlicht daher. Was das Schloss an Schnörkeln vermissen lässt, findet sich auf dem kurvenreichen Abschnitt in die Bärenstadt Grafenau: Eine Motorradstrecke, die sich sehen lassen kann, denn der grüne Beistrich auf der Generalkarte hält, was er verspricht!

Je nach Sichtweise verbindet oder trennt der „Pfahl“ den Hinteren vom Vorderen Bayerischen Wald. Der Pfahl ist eine Bruchlinie in der Erdkruste, die sich 150 Kilometer in nordwestlicher Richtung durch die Mittelgebirgsregion zieht. Mit Querung der B 85, der berühmten Bier- und Burgenstraße, die bis Cham parallel zum Höhenzug verläuft, gelange ich auf eine herrliche Feldwaldundwiesenstrecke.

Für Gerstensaft- Genießer führt der einzige Weg in die älteste Stadt des Bayerischen Waldes durch das Chamer Biertor.


Verkehrsarm und abwechslungsreich erlebe ich bucklige Topografie zwischen Kirchdorf und Ruhmannsfelden. Dort schwenke ich für ein kurzes Intermezzo auf die B11 ein und hüpfe hinter Teisnach über die Wasserader des Schwarzen Regen. Mit reichlich Schwung lasse ich meine Maschine am Südwesthang des Arbermassivs aufsteigen. Die Bergstrecke von Arnbruck nach Arrach windet sich über nicht zu enge Serpentinen stetig bergan und findet ihren Scheitelpunkt auf 800 Meter Höhe zwischen den Tausender- Gipfeln von Großer Riedelstein und Mühlriegel.

Wer noch mehr Schräglagen möchte, sollte wie ich die Spezialitäten-Brennerei Drexler in Arrach besuchen. Vor einem 1200 Liter fassenden Steingutfass lasse ich meine GS ausrollen und schaue mich aufmerksam im Ladengeschäft um. 1980 begann das Familienunternehmen mit einem kleinen Repertoire, den Klassikern Bärwurz und Blutwurz, es folgten Liköre und seit geraumer Zeit werden auch Gin und Whisky gebrannt. Nur für den Fall, dass mich zu Hause das Fernweh packt, wandert etwas Hochprozentiges in die Aluboxen.

Mit den nassen Schleifen des Weißen Regen lasse ich mich bis an den Rand des Kneippheilbades Bad Kötzting spülen. Der Blick auf die Straßenkarte verspricht einen reizvollen Umweg und verleitet mich, vom rechten Weg abzuweichen. Leichtfüßig ziehe ich durch ein mit kleinen Weilern gespicktes Tal bis in die Nähe von Arnbruck.

Tadelloser Teer schmiegt sich an die weiten Radien des Wasserlaufs

Auf der sich anschließenden Trasse über Viechtach zurück nach Bad Kötzting offeriert sich mir eine Palette landschaftlicher Vielfalt, die noch lange nicht abreißt. Tadelloser Teer schmiegt sich an die weiten Radien des Wasserlaufs bis nach Pulling, wo durch das Zusammentreffen von Weißer und Schwarzer Regen der eigentliche Fluss Regen entsteht, der nach gut hundert Kilometern in die Donau münden wird.

Der Wegweiser auf dem Gelände des Motorradzubehöranbieters Hornig in Chammünster lässt mich nachdenklich werden: Reizvolle, globale Reiseziele sind kilometergenau ausgeschildert, doch für mich sind sie momentan unerreichbar. Zum Greifen nahe sind jedoch die zahllosen Teile, die in den Regalen lagern, um die eigene BMW fernreisetauglich auszurüsten.

Nach einem Bummel durch den hauseigenen Showroom und einem Becher Kaffee träume ich von der großen weiten Welt, nehme aber gerne mit der hiesigen Region Vorlieb. Als durch und durch positiv gestimmter Zeitgenosse bin ich mir sicher, heute nicht im Regen zu stehen, weil eine stabile Brücke mich mit trockenen Reifen hinüber ins benachbarte Cham führt. In der ältesten Stadt des Bayerischen Waldes rolle ich durch das Biertor, denn bekanntlich ist die Kunst des Brauens seit Jahrhunderten untrennbar mit der Region verwoben. Statt die B 20 nach Furth im Wald abzuspulen, wähle ich den kurzweiligen Weg über die Dörfer Weiding und Arnschwang, umrunde den Drachensee und stoppe an den Großskulpturen des Kunstwanderweges hoch über Eschlkam. Der abkühlende Motor knistert leise vor sich hin, die Grillen zirpen - eine in wohltuende Stille gebettete Bilderbuchlandschaft umgibt mich.

Eine gänzlich andere Kunst erlebe ich von nun an auf der sogenannten Glasstraße, die 1997 ins Leben gerufen wurde und auf 250 Kilometer Länge Werkstätten, Ateliers und Verkaufsräume im Bayerischen, sowie im angrenzenden Oberpfälzer Wald verbindet. Im 14. Jahrhundert begann man die scheinbar unendlichen Holzvorkommen zum Betrieb von Schmelzöfen zu nutzen. In den Glashütten entstanden anfangs Trinkgläser, Spiegel und Fensterscheiben sowie Glasschmuck. Später folgten dann hochwertige optische Gläser für Mikroskope und Brillen.

Wie nur soll man dieses kleine Mitbringsel aus der Bärwurzerei Drexler in den Aluboxen der Adventure unterbringen?


Wer auf Großskulpturen steht, ist am Eschlkamer Kunstwanderweg gerade richtig.


Das Arberseehaus mit seiner Terrasse und den kostenlosen Motorradparkplätzen ist ein stets gut besuchter Bikertreff.


Mit Erreichen des Lamer Winkels, der alles andere als lahm daher kommt, schraubt sich die Straße langsam, aber doch unaufhörlich in eine grandiose Bergwelt hinauf. Hinter Lohberg knacke ich am Hexenfelsen die Tausendmetermarke und gelange in weiten Schleifen zum König des Bayerischen Waldes, wie der 1456 Meter hohe Große Arber liebevoll betitelt wird.

Der ungekrönte Monarch steigt eindrucksvoll aus dem wildromantischen Arbersee auf, an dessen Ufer das an die Kaiserzeit erinnernde Gasthaus - und kostenlose Motorradparkplätze zur Audienz bitten. Nach der Pause spuckt mich ein ausgedehnter Forst deutlich tiefer in Regenhütte an der B 11 aus. Vom Großen Regen lasse ich mich nach Zwiesel, dem Geburtsort des Kristallglases, begleiten.

Was man alles aus Glas gestalten kann, erlebe ich im nicht weit entfernten Frauenau. In den „Gläsernen Gärten“ rund um das dortige Glasmuseum ziehen mich zahlreiche Skulpturen in den Bann. Viel zu spät bemerke ich die bleigraue Wolkenwand über der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt; Eile ist geboten. Von einer Schräglage in die nächste scheuche ich meine Maschine im gestreckten Galopp durch lichtlose Tunnel, bis Klingenbrunn sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Chance verdient - und genutzt

Als die ersten Tropfen eines typischen Sommergewitters auf den sonnenheißen Asphalt klatschen, erreiche ich Franz Tremls Hotel Waldfrieden in Spiegelau. Mit einem Willkommensbier in der Hand lasse ich den Regen prasseln und verbreite eine kleine Portion Optimismus mit der norddeutschen Weisheit „da hinten wird’s schon heller“. Und tatsächlich wird im abendlichen Wetterbericht wieder Kaiserwetter prophezeit. Der Bayerische Wald hatte seine zweite Chance verdient und genutzt.

INFORMATIONEN

Der Bayerische Wald samt Nationalpark, sowie die Glasstraße stellen sich auf gut gemachten Internetseiten umfangreich und detailliert dar.
bayerischer-wald.de
nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de
die-glasstrasse.de

ANREISE

Aus Nord- und Ostdeutschland bieten sich die A 9 und A 93 an, aus dem Ruhrgebiet die A 3. Aus dem Raum Karlsruhe die A 8 bis München und weiter über die A 92 ins Tourengebiet.

CHARAKTERISTIK

Der Böhmerwald, das „Grüne Dach Europas“, ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas. Es zieht sich über eine Länge von rund 120 Kilometern entlang der tschechisch-deutschösterreichischen Grenze. Die nördlichen Ausläufer des mächtigen Höhenzuges bilden den Bayerischen Wald, der sich mit dem Nationalpark und zwei Naturparks gleich drei Schutzgebiete leisten kann. Der Vordere Bayerische Wald steigt im Westen von der Donau moderat an und geht in den bis zur Grenze reichenden Hinteren Bayerischen Wald über, dessen Gipfel vom Großen

Arber (1456 Meter) markiert wird. Die von unzähligen Wasserläufen geprägte Region ist auch von einem dichten Netz unterschiedlich anspruchsvoller Straßen durchzogen. Für die Tour sollten mindestens drei Tage eingeplant werden. Die Gastronomie bietet hohe Qualität zu moderaten Preisen. Und Motorradfahrer sind hier gern gesehene Gäste.

ÜBERNACHTUNG

Gepflegte Gastlichkeit ist für Franz Treml und das Team des Hotel Waldfrieden kein Fremdwort. Das familiär geführte Haus bietet neben komfortablen Zimmern und einer abwechslungsreichen Küche einen großzügigen Wellnessbereich mit Sauna und Hallenbad. hotelwaldfrieden.de

ESSEN & TRINKEN

Nach der Rundfahrt durch Passau noch eine Kaffeespezialität genießen, einen tollen Blick auf die Altstadt haben und dabei das Motorrad nicht aus den Augen lassen. Das etwas andere Kaffeewerk am Kirchenplatz in der Innstadt bietet alles. Täglich geöffnet. kaffeewerk.eu

Das Arberseehaus mit seiner Sonnenterrasse, dem Tretbootverleih und den kostenlosen Motorradparkplätzen ist bei schönem Wetter die erste Adresse für eine unvergessliche Auszeit am Ufer des wildromantischen Gewässers. Täglich ab 10 Uhr geöffnet. arberseehaus.de

ATTRAKTIONEN

In den südlichen Böhmerwald-Ausläufern zwischen Donau und Moldau informiert eine Dauerausstellung im österreichischen Heimatmuseum Schwarzenberg über das Leben und Wirken des multitalentierten Adalbert Stifters. Besuch ganzjährig nach telefonischer Voranmeldung +43 7280 255-0 möglich, Eintritt 5 Euro. schwarzenberg.co.at

Zu Zeiten des „Kalten Krieges“ wurde auf dem österreichischen Sulzberg (1041 Meter) der Aussichtsturm Moldaublick errichtet, um den Vertriebenen die Sicht auf die ehemalige Heimat rund um den riesigen Lipno-Stausee zu ermöglichen. Feste Straße bis zur dazugehörigen Jausenstation mit Parkplatz. Öffnungszeiten sind witterungsbedingt. Eintritt Turm 2 Euro. boehmerwald.at

In der Bad Kötztinger Bärwurzquelle wird im hauseigenen Museum anschaulich über die Historie der regionalen Brennkunst berichtet, im gläsernen Schnapsparadies die Produktion gezeigt und in der urigen Probierstube Hochprozentiges zur Verkostung angeboten. Anfang Mai bis Ende Oktober täglich geöffnet. Eintritt frei. baerwurzquelle.de