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REPORTAGE: LIVE BEI DER FREISPRUCH!-TOUR: Männer, wir alle wissen, wer die Staatsgewalt ist. Frauchen”


Martin Rütter Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 24.01.2019

Martin Rütter füllt regelmäßig Hallen und Arenen. Auch bei der aktuellen Tour ist die Begeisterung der Zuschauer riesig. Wir waren bei seiner Show in Leipzig, um zu ergründen: Was ist das Erfolgsgeheimnis dieses Mannes?


Schon eineinhalb Stunden vor Show-Beginn herrscht großer Andrang. Die Menschen strömen in die Arena und es ist alles vertreten: jung, alt, Männer, Frauen, Familien mit Kindern, schicke Großstädterinnen und Naturburschen in Funktionskleidung.

Martin Rütters Fanbase ist also breit aufgestellt, und trotzdem spüre ich während der Show: Bei allen Unterschieden gibt es einen riesigen gemeinsamen ...

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... Nenner. Und zwar einen, der die Zuschauer nicht nur mit Martin Rütter, sondern auch untereinander verbindet: Alle lieben Hunde. So einfach ist das. Und wenn ich vorher noch dachte, einige Menschen würden sich die Show vielleicht „einfach so” anschauen, weil sie Martin Rütter aus dem Fernsehen kennen, dann werde ich jetzt eines Besseren belehrt. Sie sind Hundemenschen, und das mit ganzem Herzen.

Im aktuellen Bühnenprogramm fungiert Martin Rütter als Anwalt der Hunde, der für sie fordert: FREISPRUCH!


So wie die vier Damen, die ich vor der Show am Haupteingang treffe. Sie mögen Martin Rütter wegen der guten Erziehungstipps, die er gibt, fügen aber gleich hinzu, dass sie seine Sendung nur gucken können, wenn sie gerade ausnahmsweise mal nicht auf dem Hundeplatz sind. Als ich sie frage, ob sie auf einem Foto in der Reportage vorkommen wollen, lehnen sie empört ab: Ja, wenn sie ihre Hunde dabeihätten, die dürften natürlich gerne aufs Foto, aber sie selbst? „Die Hunde sind doch viel interessanter!”

„Im Idealfall bist du immer einen Hauch intelligenter als dein Hund”
Bereits wenn Martin Rütter die Namen und Rassen der Hunde nennt, von denen er gleich berichten wird, gibt es kleine „Ahs” und „Ohs” im Publikum. Weil sich jetzt garantiert jemand denkt „Ach, wir haben doch auch einen Labrador” oder „Mensch, unserer heißt ja auch Buddy!”. Die Zuschauer nicken sich gegenseitig bestätigend zu, lächeln sich an, applaudieren gemeinsam spontan, wenn es um Themen geht, die sie als Hundehalter alle nerven (etwa beim Thema „Kacke aufsammeln”). Das Publikum solidarisiert sich. Mit Martin Rütter und untereinander.

Dieses „Wir”-Gefühl ist mit Sicherheit ein Grund für die gute Stimmung bei der Show. Martin Rütter und sein Publikum – sie werden zwei Stunden lang zu einem eingeschworenen, verschworenen Team. Große Solidarität vermittelt Martin Rütter vor allem den Männern im Saal („Männer, wir alle wissen, wer die Staatsgewalt ist. Frauchen.”), aber es gelingt ihm, dass auch die Frauen jedes Mal über sich selbst lachen können. Martin Rütter spielt mit dem Wir-Gefühl, indem er das Publikum zwar auf die Schippe nimmt („Kennt ihr das, wenn der Hund morgens ans Bett kommt? Nee, kennt ihr nicht, weil der Hund bei euch im Bett gepennt hat.”), sich aber selbst auch immer wieder mit ins gleiche Boot setzt („Wenn meine Hündin bei mir auf der Couch … äh, neben der Couch sitzt …”).

Verena und David bestätigen mir das. Sie holen sich gerade Getränke, natürlich stilecht in den Martin-Rütter-Fanbechern, als ich mit ihnen ins Gespräch komme. Begeistert erzählen sie mir von ihrer Tierschutzhündin Fibi und zeigen mir sofort Fotos auf dem Handy. Was gefällt ihnen an Martin Rütter? „In seinen Geschichten erkennt man sich wieder, und das ist dann doppelt lustig.”

„Hier? Deine Mudder, Alter, ich geh buddeln!”
Doppelt lustig ist es vor allem auch, weil Martin Rütter großes schauspielerisches Talent besitzt. Wenn er Hund und Herrchen bei der Begleithundeprüfung nachahmt, biegen sich die Zuschauer vor Lachen. Wenn er vorspielt, wie sich sein Sohn im Teenager-Alter benimmt, gibt es Szenen-Applaus. Genial ist die Idee, die Gedanken der Hunde auf die Bühne zu bringen. Was denkt der Dackel, wenn er gerufen wird? „Deine Mudder, Alter, ich geh buddeln!” Welcher Hundehalter träumt nicht davon, einmal die Gedanken seines Hundes zu lesen? Und wenn die dann auch noch so witzig sind, umso besser!

Redakteurin Jessica Kremser traf Martin Rütter bei seiner Show in Leipzig


Verena und David zeigen stolz das Foto ihrer Hündin Fibi


Thomas, Anna, Steffen und Carmen (von links nach rechts) sind echte Fans von Martin Rütter


Martin Rütter unterschreibt auf Carmens Arm, Ehemann Steffen assisitiert dabei. Im Bild unten das fertige Tattoo


„ Eine Frau redet mit ihrem Hund dreimal so viel wie mit ihrem Mann. Gut, der Hund kapiert auch mehr! “

Auch Martin Rütter selbst amüsiert sich prächtig, so viel ist klar. „Ich hab hier so einen Spaß in den Backen!”, ruft er, und jeder im Saal glaubt es ihm. Auch dieser Spaß, den er selbst hat, ist ein Teil des großen Erfolgspuzzles.

„Wir müssen lernen, unsere Hunde viel genauer zu beobachten”
Bei allem Spaß will Martin Rütter aber auch ernsthaft der Anwalt der Hunde sein, den er in der FREISPRUCH!-Show verkörpert. Es ist ihm wichtig, dass die Menschen verstehen: „Wenn der Hund etwas falsch macht, ist nicht der Hund Schuld, sondern jemand anders – ich verrate jetzt mal nicht, wer …”

Genaues Beobachten der Hunde, Verständnis für ihr ganz natürliches hündisches Verhalten, ein Eindenken in ihre Sprache: Das sind seine Kernthemen, die ihm am Herzen liegen.

Ganz nebenbei und mit Leichtigkeit erklärt er dem Publikum, warum Hunde jagen und betteln, erläutert Fachbegriffe, beschreibt rassetypische Eigenschaften und gibt praktische Trainingstipps.

Dieser Mix aus Kompetenz und Komik kommt an. „Er erklärt so gut, da merkt man erst, wie doof man sich selbst anstellt”, höre ich aus der Reihe hinter mir.

Das ganze Programm über ist Martin Rütter präsent und aufmerksam. Er greift Reaktionen aus dem Publikum auf, stellt Fragen, gibt einem Paar mit pubertierendem Rüden kurz noch ganz persönliche, praktische Tipps. Er ist für sein Publikum da, und selbst die nicht enden wollende Schlange von Fans, die sich nach der Show ein Autogramm von ihm wünschen, scheint ihn nicht anzustrengen.

Das mögen die Menschen. Denn Fachwissen hin oder her, es zählt eben nicht nur die Kompetenz, sondern auch die Sympathie. Und die ist im Publikum ganz deutlich spürbar, greifbar. Und nicht nur Sympathie, manchmal sogar ein bisschen mehr.

„Wieder keine Schlüpper geflogen. Ich hätte Gitarre lernen sollen!”
Als ich die junge Frau hinter mir frage, ob sie da ist, weil sie sich Tipps zur Erziehung erhofft, antwortet sie fast schon empört: „Nein! Meine Hunde hören doch! Ich bin wegen ihm hier. Ich liebe ihn!” Ich nicke und lächle. Noch weiß ich nicht, wie ernst sie das meint. Sie beugt sich vor. „Ich muss etwas beichten. Morgen lasse ich mir seine Unterschrift tätowieren.” Im ersten Moment glaube ich, mich verhört zu haben. Aber keineswegs. Carmen hat über Rütters Management ein Treffen nach der Show vereinbart. Er soll auf ihrem Arm unterschreiben, und der Termin beim Tätowierer für den nächsten Tag steht bereits. Martin Rütter versucht, ihr die Idee noch auszureden: „Wenn du es nicht machst und noch mal in Ruhe drüber nachdenkst, bekommst du von mir eine ganz große Überraschung”, verspricht er. Carmen schüttelt den Kopf und hält ihm den Arm hin. Er unterschreibt.

„Wieder keine Schlüpper geflogen. Ich hätte Gitarre lernen sollen”, beschwert sich Rütter am Ende seines Programms. Nun ja, Schlüpper gab’s vielleicht keine, aber andere Liebesbeweise durchaus. Und sehr viele begeisterte Fans, die ihn jetzt noch mehr bewundern als vorher,ihren Hundeprofi.

Übrigens: Am Montag hat mir Carmen eine E-Mail geschickt – im Anhang ein Foto ihres neuen Tattoos. Martin Rütter hatte in seiner Show erklärt, dass Hunde, aber auch deren Menschen sehr, sehr emotionale Wesen sind. Und er hat recht behalten: Auch bei Carmen haben die Gefühle über die Vernunft gesiegt.


Fotos: Guido Engels / Mina Entertainment, Jessica Kremser, privat