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Reportage: Ob Kontostand, Online -Shopping oder: So werden Sie übers Internet: AUSGESPÄHT


Funk Uhr - epaper ⋅ Ausgabe 36/2019 vom 30.08.2019

Das Netz kennt inzwischen unsere intimsten persönlichen Daten. Die sind für FirmenBARES GELD wert. Auch Behörden wissen von uns immer mehr Privates. Was steckt hinter der Überwachung?


Artikelbild für den Artikel "Reportage: Ob Kontostand, Online -Shopping oder: So werden Sie übers Internet: AUSGESPÄHT" aus der Ausgabe 36/2019 von Funk Uhr. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Funk Uhr, Ausgabe 36/2019

BEOBACHTUNG Egal wo und wie wir uns online bewegen: Unsere Daten werden meist gespeichert


Es war an einem Oktobermorgen vor fünf Jahren, als Sarah M. (42) aus Berlin plötzlich schreckliche Nachrichten in ihrem Posteingang hatte. "Wissen deine Eltern, dass du eine Schlampe bist?", "Schick mir Geld oder ich schicke die Fotos an deinen Boss" und mehr. Nach dem ersten Schock begann Sarah zu recherchieren und merkte schnell: ...

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... Sie war Opfer eines Hacker-Angriffs geworden! Jemand hatte sich Zugang zu ihrem Facebook- und E-Mail-Konto beschafft, freizügige Fotos geklaut, die sie an ihren damaligen Freund geschickt hatte - und diese auf zig Internet-Portalen hochgeladen. Mit ihrem vollen Namen. "Jeder konnte sie sehen, ich war am Boden zerstört", erzählt Sarah. Ständig schickte der Erpresser neue E-Mails, in denen er immer höhere Summen forderte. "Da reichte es mir, ich ging zur Polizei." Sie Ob Kontostand, Online -Shopping oder erstattete Anzeige, doch der Täter konnte nie ausfindig gemacht werden. Und die Bilder geistern immer noch im Netz herum …

Lukrative Geschäfte mit den Daten der Internetnutzer

Leider ist Sarah kein Einzelfall: Jeder zweite Deutsche wurde bereits einmal Opfer von Cyberkriminalität. Datenschützer wundert das nicht. Denn Fakt ist, dass wir häufig recht unbedarft private Daten weitergeben. Sei es beim Online-Shopping, Internet-Banking, beim Buchen von Hotels etc. Dabei übermitteln wir bereitwillig Kontodaten, Konfektionsgröße, Vorlieben und Interessen. Darauf haben es nicht nur Kriminelle abgesehen - auch Google & Co. machen sich diese Daten zunutze. "Die Internetgiganten erstellen anhand der Daten detaillierte Nutzerprofile, um passende Werbung zu platzieren", weiß Christine Steffen von der Verbraucherzentrale NRW. "Das Wissen um die Interessen der Nutzer ist bares Geld wert, denn: Unternehmen zahlen pro Klick auf ihre Werbung!" Um dem entgegenzuwirken, rät die Expertin, regelmäßig über die Einstellung des Browsers ("Fenster" auf dem Bildschirm zum Surfen) die gespeicherten "Cookies" zu entfernen. Sie merken sich Daten und Surfverhalten der User. "Oder man stellt den Browser so ein, dass die Cookies nach jeder Sitzung automa- tisch gelöscht werden." Zudem empfiehlt sie, die Informationen zu Privatleben, Interessen und Finanzen aufs Notwendigste zu beschränken. "Natürlich entstehen durch die Digitalisierung viele neue und nützliche Dienste. Egal ob das Apps sind, die das Leben organisieren, Sprachassistenten, die das "Smart Home" regeln, oder Fitness-Armbänder, die den Blutdruck messen und die Schritte zählen. Trotzdem fallen überall unweigerlich personenbezogene Daten an, das darf man nicht vergessen", so die Expertin.

REISKORNGROSSE RFID-CHIPS
In Schweden tragen sie die Menschen unter der Haut, bei uns sind sie "nur" in Kleidung


FACEAPP
Auch die beliebte App "FaceApp", die uns zeigt, wie wir wohl im Alter aussehen, steht im Verdacht, Daten weiterzugeben


Datenchip in Kleidung wird im Vorbeigehen ausspioniert

Einen großen Schritt weiter in Sachen Datensammlung ist übrigens Schweden. Fast jeder tausendste Bürger hat hier bereits ein reiskorngroßes, elektronisches Implantat unter der Haut. Dieses ist voller scanbarer Daten - man kann sich damit ausweisen, die Wohnungstür öffnen, bezahlen oder Bahn fahren. Auch bei uns sind diese RFIDChips ("Radio-Frequenz-Identifikation") auf dem Vormarsch. Allerdings werden sie (noch) nicht unter der Haut getragen, sondern befinden sich zum Beispiel in einigen Kleidungsstücken. Die Mini-Chips enthalten nicht nur den Identifikationscode des Produkts, sie senden ihn auch: Die Daten können im Vorbeigehen ausgelesen werden. So kann theoretisch das Konsumverhalten eines Kunden dokumentiert werden. Wenn es also beim nächsten Mal an einer Ladentür piepst, obwohl Sie - natürlich - nichts geklaut haben, könnte das am Chip in Ihrer jüngst gekauften Jacke liegen. Deswegen der Tipp der Verbraucherschützerin: Beim Kauf von Kleidung nachfragen, ob diese mit einem RFID-Chip versehen ist, und ihn gegebenenfalls entfernen lassen.

Ungewöhnliches Verhalten löst sofort einen Alarm aus

Auch Behörden setzen immer häufiger auf digitale Überwachung. Jüngstes Beispiel ist eine Software, die am Bahnhof Südkreuz in Berlin zum Einsatz kam. Die Bundespolizei testete dort, wie gut ein Programm Gesichter in einer Menschenmenge erkennen und mit Datenbanken abgleichen kann. Das Ziel: Straftäter aufspüren. Die Polizei ist mit dem Testlauf mehr als zufrieden: Nur 0,1 Prozent der Gesichter wurden falsch erkannt. Doch allein am Berliner Südkreuz sind täglich 160.000 Menschen unterwegs. Es würden also 160 zu Unrecht ins Visier geraten - und das jeden Tag! Mittlerweile ist sogar schon Phase II in Gang: Die Systeme sollen Personen identifizieren, die sich "verdächtig" benehmen. Unruhig auf der Bank sitzen, plötzlich aufstehen, Gepäckstücke stehen lassen. Datenschutz-Experte Peter Schaar fordert ein Gesetz, dass die automatische Gesichtserkennung klar regelt. "Man weiß ja schließlich nicht, was mit den Aufnahmen geschieht!"

In China herrscht eine neue Dimension der Überwachung

Wer jetzt aber denkt, dass wir in Deutschland unter Beobachtung stehen, hat noch nicht nach China geschaut: Die Volksrepublik entwickelt sich nämlich zum digitalen Überwachungsstaat und baut in einigen Großstädten, wie etwa in Shenzhen, ein sogenanntes" Sozialkreditsystem" auf, das das komplette Leben digital überwacht: Wer schaut heimlich Pornos? Wer lästert in den sozialen Netzwerken über die Partei? Wer fährt bei Rot über die Ampel? Wer pflegt seine Eltern nur halbherzig? Jedes Vergehen wird mit Minuspunkten bestraft. Personen mit schlechten Bewertungen werden öffentlich angeprangert, können keine Flüge mehr buchen oder die Kinder nicht auf gute Schulen schicken. Bis 2020 möchte China das System im ganzen Land aufbauen. Erschreckend: Ein Großteil der Chinesen befürwortet das Ganze laut Umfrage! Oder haben die nur Angst vor Minuspunkten?

UNSERE EXPERTIN
Christine Steffen, Juristin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e. V., Infos: www.verbraucherzentrale.nrw


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