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REPORTAGE ROSE OF CHARITY: Mission Meeresschutz: PROMI-REGATTA GEGEN DIE PLASTIK-FLUT


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 100/2018 vom 14.09.2018

An der Küste Kroatiens ging diesen Sommer die Promi-RegattaRose of Charity in die fünfte Auflage: Eine Woche lang segelten 30 namhafte deutsche Schauspieler quer durch die dalmatische Inselwelt, um auf die Vermüllung der Meere aufmerksam zu machen. Wir waren an Bord einer der Beneteau-Segelyachten dabei


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Bildquelle: segeln, Ausgabe 100/2018

Sportliches Kräftemessen und Engagement für einen guten Zweck: für Hannes Jaenicke, Daniel Roesner und Co. die perfekte Mischung. Die meisten Schauspieler sind deshalb nicht zum ersten Mal dabei


Three, two, one“, tönt es knisternd aus dem Funkgerät an Deck der Cheeky Lady. Dann: „One minute to start.“ ...

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... Schauspieler Kai Lentrodt hält sich den Apparat dicht ans Ohr, um die vom Wind verzerrte Ansage verstehen zu können, und runzelt lachend die Stirn: „War das jetzt noch gar nicht der Startschuss, oder was? Schade, die Position wäre gar nicht schlecht gewesen.“ Auch wenn er den Vorjahres-Cup im Saronischen Golf sogar gewann, ist er so kurz vor dem Start dann doch nervös.

Den anderen Teilnehmern der fünften Rose of Charity scheint es nicht anders zu gehen. 18 45 bis 51 Fuß große Yachten drängen sich dicht an dicht vor der Marina Baotić unweit der kroatischen Stadt Trogir – darunter drei Stück aus der nagelneuen Oceanis 51.1-Serie. Aus allen Richtungen ist aufgeregtes Rufen zu hören. So richtig einig, wann es nun wirklich losgeht, ist man sich offensichtlich nicht. Der Grund: An Bord befinden sich nicht etwa gut eingespielte, regattaerfahrene Segelteams, sondern bunt zusammengewürfelte fünf- bis sechsköpfige Mannschaften aus Anfängern, Hobbyseglern und Profis – allesamt seit gerade mal ein paar Minuten das erste Mal gemeinsam auf See.

Mit dabei bei dieser karitativen Regatta sind auch dieses Jahr wieder Hannes Jaenicke, Esther Schweins und Rufus Beck – alle begeisterte Segler und in Sachen Rose of Charity klare Wiederholungstäter. Sie erwartet vor der Küste Dalmatiens nicht nur eine segelintensive Regattawoche, mit ihrer Prominenz machen sie dabei auch medienwirksam auf die Organisation One Earth – One Ocean aufmerksam, die sich für eine Säuberung der Ozeane vom Plastikmüll einsetzt. Für viele eine echte Herzensangelegenheit.

Ausgelassene Stimmung im schönen Hafen von Maslinica: Kurz vor dem Start der zweiten Etappe wird das obligatorische Erinnerungsfoto geschossen


»Three, two, one – real start! Jetzt aber. DieCheeky Lady ist ganz vorne im Feld dabei. Die Adria spritzt und schäumt«


Eröffnet wurde die Rose of Charity 2018 bereits einen Tag zuvor. Von Deutschland aus ging es für die meisten Teilnehmer am Nachmittag per Flugzeug bis nach Split und von dort mit einem der Autos aus der Flotte des Mitinitiators DS Automobiles weiter zur modernen Marina Baotić. Das Programm für den Abend: Begrüßungsempfang, Pool-Test der Regattawesten von Bekleidungspartner Marinepool und natürlich allgemeines Kennenlernen der Crews. Schließlich teilt man die kommenden Tage zwar nicht eine Kabine, aber zumindest ein Schiff miteinander. Auch die Segler derCheeky Lady lernten sich jetzt erst kennen. Kasem Hoxha, Heio von Stetten und Kai Lentrodt fanden sich zusammen auf einer Mannschaftsliste. An Bord ihrer zwei Jahre alten Beneteau Oceanis 48 angekommen, machten sie sich fröhlich daran, zusammen Salat zu schnippeln und Pasta für das Abendessen zu kochen, nicht ohne die anderen Teams und ihr Können schon mal abzuschätzen. Mittendrin ein großer Schreck: Die Bugwelle eines vorbeifahrenden Frachters ließ die Boote so kräftig hin und her schaukeln, dass vier von ihnen beschädigt wurden. DieCheeky Lady erwischte es an der Saling. Gerade noch rechtzeitig konnte der Schaden am nächsten Vormittag repariert werden. Für Kasem Hoxha, Heio von Stetten und Kai Lentrodt ging es deshalb direkt vom Liegeplatz an die Startlinie.

Nachdem sich die Crew ein wenig aufeinander eingespielt hat, segelt sie ihre Cheeky Lady schon ganz souverän


»Die drei neuen 51.1 führen souverän das Feld an und kommen mit dem leichten Wind in der kroatischen Adria bestens zurecht«


„Five, four, three, two, one – real start!“ Jetzt aber. DieCheeky Lady ist ganz vorne im Feld dabei. Die Adria spritzt und schäumt. Skipper Lars Reisberg, der für den Sponsor Enjoy Yachting an Bord ist, hat erst einmal das Ruder übernommen und ruft gegen den Wind an: „Das war super, Leute.“ Vier Stunden haben die Teams der Rose of Charity von nun an Zeit, den Hafen von Maslinica auf der Insel Šolta zu erreichen. Hoch in der Luft kreisen mehrere DJI-Drohnen, um die Flotte aus der Vogelperspektive festzuhalten. „Klar zur Wende“, ruft Reisberg, und schon beginnt seine Crew mit der Arbeit: Heio von Stetten nimmt die Genuaschot von der Winsch, Kasem Hoxha zieht das Segel auf die neue Lee-Seite. Es funktioniert, auch wenn alles noch ein bisschen zögerlich und unkoordiniert vonstattengeht. Der Skipper hat allerdings noch etwas anderes zu bemängeln: „Wo war das ‚Ist klar‘?“, ruft er und verdreht scherzhaft die Augen.

Schon auf den ersten Schlägen zeigt sich, dass Beneteau mit der neuen Oceanis-Generation einen großen Sprung gemacht hat. Die drei neuen 51.1 führen souverän das Feld an und kommen mit dem leichten Wind in der kroatischen Adria bestens zurecht. Scheinbar mühelos ziehen die Yachten durch das Wasser. Die etwas ältere Generation der Yachten folgt in einigen Kabellängen Abstand. Der Stimmung an Bord tut es keinen Abbruch. Es wird an den Schoten gezerrt, die Beine baumeln über der Leekante, um die Yachten mit etwas Leetrimm in Schwung zu halten. Gelächter schallt immer wieder über das Wasser. Es wird nicht verbissen um jeden Meter gekämpft, sondern mit viel Freude gesegelt – ein gewisser Ehrgeiz treibt die Crews dennoch an.

Skipper Lars Reisberg hat Kasem Hoxha schnell mit dem Segelvirus angesteckt


Vor der nächsten Wende werden die Positionen durchgetauscht, wichtige Begriffe noch einmal durchgegangen und gemeinsam überlegt, an welcher Stelle die Abläufe noch verbessert werden können. Spätestens jetzt hat alle der Ehrgeiz gepackt. Die kleine Felseninsel mit weißem Leuchtturm, die Backbord an ihnen vorbeizieht, bleibt deshalb unbeachtet. Das nächste Vorhaben des Teams: Die Manöver sollen schneller und reibungsloser funktionieren. Nur eine Frage der Zeit, ist sich Skipper Reisberg sicher. Die Crew müsse sich schließlich erst mal aufeinander einspielen und auch das Boot kennenlernen. Und siehe da: Schon eine Stunde später steht niemand mehr im Weg herum, die Winschkurbel wird genau im richtigen Moment angereicht und jeder weiß, was wann zu tun ist – zumindest ungefähr.

Nicht immer spielt der Wind mit: Heio von Stetten muss sich an Tag 2 richtig ins Zeug legen, damit die Cheeky Lady vorankommt


Und wieder heißt es: „Klar zur Wende“. Aber diesmal setzt das ganze Team rechtzeitig ein und antwortet voller Enthusiasmus: „Ist klar“.

Der Regattaerfolg will sich trotzdem nicht einstellen. Kurz vor Maslinica liegt dieCheeky Lady ein ganzes Stück abgeschlagen hinter den übrigen Booten zurück. Die 51-Fuß-Yachten haben längst ganz bequem im Hafen festgemacht. Der Stimmung auf der Oceanis 48 tut das nach diesem ersten unvergesslichen Tag auf See jedoch keinen Abbruch. An oberster Stelle steht hier schließlich ohnehin der gute Zweck. Außerdem bleibt in den nächsten Tagen ja noch genug Zeit, um das Feld von hinten aufzurollen – vielleicht wenigstens ein Stückchen. Bei der Zieleinfahrt werden die Fäuste jubelnd in die Luft gestreckt. Gemeinsam fühlt sich dieser Moment dann doch fast wie ein Sieg an.

Vor derCheeky Lady eröffnet sich der malerische Hafen des kleinen Fischerortes – samt altem Schloss und schmalem Badestrand mit glasklarem türkisen Wasser. Damit dieser Hafen seine Schönheit behält und seine Atmosphäre nicht durch angeschwemmten Plastikmüll zerstört wird, setzen die segelnden Schauspieler hier und in den folgenden Etappenhäfen mit ihrer Flotte ein Zeichen.


Fotos: DS Automobiles, Christof Arnold

Fotos: DS Automobiles, Christof Arnold; Philine Lehmann

Fotos: DS Automobiles, Christof Arnold; Philine Lehmann