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REPORTAGE SÜD-NORWEGEN: Nah am Wasser


Alpentourer - epaper ⋅ Ausgabe 6/2020 vom 26.10.2020

Hohe Berge, weite Täler, kleine Fischerdörfer und Postkarten-Natur, wohin man schaut: Der Süden von Norwegen ist für Motorradreisende einigermaßen leicht zu erreichen, sehr abwechslungsreich und vor allem wunderschön zu befahren.


Artikelbild für den Artikel "REPORTAGE SÜD-NORWEGEN: Nah am Wasser" aus der Ausgabe 6/2020 von Alpentourer. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Alpentourer, Ausgabe 6/2020

Der Hardangerfjord ist der zweitlängste und zweittiefste Fjord Norwegens.


Ein schweres Gewitter geht über der Küste von Stavanger nieder (gr. Bild).


Das Ausschiffen gestaltet sich deutlich langsamer, als ich das erwartet hätte. Nach einer halben Stau-Stunde wird klar, was die Verzögerung verursacht: Es ist die Polizei, die freundlich, aber bestimmt zur Atem-Alkoholkontrolle ...

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... bittet. Jeden Fahrzeuglenker. Ausnahmslos. Obwohl die alkoholhaltigen Getränke auf der Fähre der Color Line in einer mitteleuropäisch geprägten Wahrnehmung zu Abstinenz-fördernden Preisen ausgeschenkt werden, ist für norwegische Verhältnisse eine Art Sommerschlussverkauf ausgerufen. Daher ist es wenig verwunderlich, dass manche Passagiere ziemlich tief in Glas schauen und die Überfahrt feucht-fröhlich hinter sich bringen.

0,2 Promille ist der in Norwegen tolerierte Alkoholgrenzwert, woran einen die Ordnungshüter als Empfangskomitee unmissverständlich erinnern. Endlich bin ich dran zum Pusten. Die linke Hand schmerzt schon vom dauernden Kuppeln. Die von mir erwartete Doppelnull steht am Display des Messgeräts. Der Polizist lächelt, wünscht eine gute Fahrt, und ich lächle freundlich zurück. Gut, dass er nicht geschaut hat, welcher Reiseproviant in den Seitenkoffern einreist – die Amtshandlung hätte bei penibler Inventarisierung der Getränkevorräte deutlich länger gedauert. Platz im Seitenkoffer ist jedenfalls genug, denn neben der notwendigen Schutzkleidung habe ich noch in meiner Kabine auch die Regenkombi vollständig über den Körper gehüllt.

Ihr ahnt es wahrscheinlich schon: Von der norwegischen Landschaft haben wir am ersten Nachmittag nicht sehr viel gesehen. In ihrer skandinavischen Zurückhaltung versteckte sie sich oft hinter dunkelgrauen Wolken und manchmal hinter hellgrauen Wolken – und die Tropfen am Visier haben die Sicht auch nicht gerade verbessert. Erst gegen Abend wird es trocken, und dann auch beeindruckend. Es ist ziemlich lange hell, aber trotz der warmen Lichtstimmung fühlt sich der Wind schattig an. Irgendwas ist hier komisch mit der Sonne.

Dick eingepackt sitzen wir im goldenen Abendlicht. Wir holen den Chianti und das Kellnermesser aus dem Seitenkoffer und lassen uns einerseits die kühle Brise um die Nase wehen, andererseits den (etwas untertemperierten) Rebensaft schmecken. Ein kurzer Check am Smartphone vermeldet für das bereits im Dunkel der Nacht liegende Berlin eine Tageshöchsttemperatur von 35 Grad.

Norwegen bietet Postkartenmotive, wohin man auch schaut (links), aber auch viel Kurvenspaß wie zwischen Lysebotn und Suleskard (unten).

Schneebedeckte Mondlandschaft

Bei uns bleibt die digitale Quecksilbersäule dagegen im einstelligen Bereich. Wärmer wird es nur bei einem Blick aufs Navi: Da stehen 60 Grad, gemessen allerdings in nördlicher Breite statt Celsius. Willkommen im hohen Norden – der andererseits so hoch auch wieder nicht ist.

Denn der höchste Pass Norwegens, der Sognefjellsveien, liegt lediglich 1434 Meter über den Schaumkronen der Nordsee. Klimatechnisch gilt das freilich bereits als Hochgebirge. Jenseits der tau send Höhenmeter stemmen sich hier nur mehr vereinzelte Zwergsträucher sowie Moose und Flechten gegen den schneidigen Wind, der über die Fjell oder Vidda genannten Hochebenen pfeift und die ohnehin bescheidenen Temperaturen noch frischer wirken lässt. Oft enden die dichten, auf Meeresniveau beginnenden Laub- und Nadelwälder schon auf 500 Meter Seehöhe.

Die Hochebene Hardangervidda ist im Frühsommer oft noch schneebedeckt.


Die karge Mondlandschaft der Hardangervidda, Europas größter Hochebene, ist bei unserem Besuch Anfang Juni noch großzügig mit Schnee bedeckt, der Ørteren-See weitgehend zugefroren. Einige Mitreisende sind ebenfalls nicht das erste Mal im Land der Mitternachtssonne – umso beeindruckender ist deren Mimik, als wir gemeinsam ein paar Schritte über das blanke Eis wagen, während am Hauptwohnsitz die Klimaanlage gegen brütende Sommerhitze kämpft. Zehn Monate Winter, zwei Monate kalt – kein Wunder, dass sich die Polarforscher Fridtjof Nansen und Roald Amundsen hier auf ihre Strapazen in Arktis und Antarktis vorbereiteten.

Am Ende der als „Märchenstraße“ vermarkteten Route quer über die Hochebene, deren Ausmaße das Saarland deutlich in den Schatten stellen, liegt der Vøringsfossen, Norwegens vielleicht bekanntester Wasserfall. Er donnert gewaltige 182 Meter von der Hochebene in die Tiefe – Tiroler würden die Fallhöhe mit der Europabrücke der Brennerautobahn vergleichen. Straßenbautechnisch ist das zwischen Hardangervidda und Eidfjord gelegene Måbødalen eine besondere Herausforderung, der man mit den üblichen Segnungen moderner Technik begegnet: Die spektakuläre, allerdings durch Erdrutsche und Steinschläge gefährdete Straße wird mittlerweile durch langweilige, weil aussichtsraubende Tunnelbohrungen entschärft.

Buntes Treiben in Bergen, Norwegens zweitgrößter Stadt, und Einsamkeit am Fonngefoll Gletscher (von oben nach unten).


Gewaltige Tunnel löchern das Land

Überhaupt ist „Tunnel“ ein gutes Stichwort: Insgesamt laufen in Norwegen gut 800 Kilometer Straße und Bahngleise unterirdisch, weitere sind in Bau oder Planung. Der längste Straßentunnel der Welt, der Lærdalstunnel, misst satte 24,51 Kilometer – zum Vergleich: Die fünf längsten Tunnel Deutschlands schaffen diese Strecke zusammengerechnet. Ein weiterer berühmter Wasserfall ist der Steinsdalsfossen.

Seine Fallhöhe beträgt „nur“ 50 Meter, aber man kann auf einem kleinen Spazierweg hinter dem Wasserfall durchgehen, ohne nass zu werden.

Zumindest theoretisch – bei unserem Besuch waren wir bereits bei der Ankunft am Parkplatz der Sehenswürdigkeit befeuchtet.

Diese charakteristische Eigenschaft der pittoresken Fjordküste lernen wir bei der Fahrt nach Bergen gut kennen. Mitunter erweisen sich unauffällige Halbsätze im Reiseführer als die eigentliche Schlüsselinformation: „Wer dann auch noch das Glück hat, einen Sonnentag zu erwischen …“.

Bergen also. Die zweitgrößte Stadt Norwegens zählt zu den teuersten Regionen der Welt. Die land-schaftlich wahrlich gesegnete Stadt liegt von vorgelagerten Inseln gut geschützt am Meer, vom unwirtlichen Hinterland durch sieben Berge abgeschirmt. Kein Vorteil ohne Nachteil: Die schwierige Verkehrsverbindung ins Landesinnere war der Grund, dass die einst führende Handelsstadt in ihrer wirtschaftlichen und politischen Bedeutung hinter Oslo zurückfiel. Hat man einen legalen Parkplatz ergattert, steht dem Citybummel nichts mehr im Weg.

Nicht versäumen sollte man das Kaufmannsviertel Bryggen direkt am Hafen, UNESCO-Welterbe und an statistisch 85 Tagen im Jahresverlauf perfekter Insta-Background – die anderen 280 Tage gibt sich die Luftfeuchtigkeit hemmungslos der Schwerkraft hin. Auch der Fischmarkt gleich ums Eck ist einen Besuch wert, die restliche Altstadt ebenfalls fußläufig zu erreichen.

Zum Lysevegen gehören 27 Haarnadelkurven (links) sowie feinste Panorama- Ausblicke über die Hochebene (gr. Bild).


Zeitraffer-Reise durch die Klimazonen

Strahlend weiße, mit Schiefer gedeckte Holzhäuschen prägen das Gesicht des kleinen Ortes Jondal. Vom Fjordufer sind es nur 20 Minuten mit dem Motorrad, bis wir an der Kante des Folgefonna-Gletschers, des drittgrößten Norwegens, im gleichnamigen Nationalpark stehen. Aber diese 20 Minuten sind eine atemberaubende Zeitraffer-Reise durch die Klimazonen. Hinter dem Dorf tanzen Schmetterlinge über blühenden Wiesen. Dann folgt Wald, der immer lichter wird und in eine buckelige Felslandschaft ausfranst, die wenig später von jungfräulichen Schneef lächen bedeckt wird. Reißende Bäche fangen das Schmelzwasser der meterhohen Schneewände und stürzen gurgelnd talwärts, dem Meer entgegen. Die Sonnenstrahlen auf der Nasenspitze wärmen das Herz, doch der den restlichen Körper kühlende Wind lässt uns nur kurz am oberen Endpunkt der Stichstraße ausharren. So sitzen wir bald darauf hinter unserem Hotel in der Abendsonne, schauen auf das stille Wasser des Fjords und genießen einmal mehr italienischen Rebensaft, bis uns die Dämmerung daran erinnert, dass in einer Stunde schon der nächste Tage eingeläutet sein wird.

Die Straße entlag des Jøsenfjords erinnert an den Highway 6 auf der Südinsel Neuseelands – oder ist es umgekehrt (gr. Bild)? Trolle gehören zu einem Norwegen-Trip einfach dazu (li. Seite).


Der zweifellos schönste Teil unserer Rundfahrt durch den Südwesten Norwegens ist nah am Wasser gebaut und führt an diverse Fjorden vorbei – oder drüber. Die bekanntesten heißen Hardanger, Øyne und Høgs. Wir wechseln an einem unvergesslichen Fahrtag zwischen schmalen Wegen, die über die sanften Bergrücken direkt von einer Uferstraße zur nächsten führen und den breiteren Straßen direkt am Wasser.

85 auf dem analogen Tacho ist ein gutes Tempo, um die atemberaubende Schönheit des Landes genießen zu können. Ein Hauch von Oberitalien, dann funkelt karibisch-türkises Meer im Gegenlicht.

Gleichzeitig erinnern die meeresnahe Straßenführung und die nicht nennenswerte Verkehrsdichte an die Südinsel Neuseelands.

Dann wieder ist das Meer bei geändertem Lichteinfall Tiefblau, die verschneiten Spitzen der Höhenzüge grüßen von der anderen Seite des Fjordes und wecken Erinnerungen an die Provinz Última Esperanza der nicht minder spektakulären chilenischen Westküste. Es ist eine Weltreise im Kleinen, die wir an diesem Tag erleben dürfen.

Fähren kürzen lange Wege ab

Die zahllosen, sich tief ins Landesinnere verästelnden Meeresarme können natürlich ziemlich tricky sein, falls man dem Navi blind vertraut – wenn für die nächste Tankstelle sieben Kilometer Luftlinie angezeigt wird, können das durchaus 150 Kilometer Fahrt auf direktem Weg werden. Also dürfen auch Fähren nicht fehlen, um die langen Wege abzukürzen.

Hol Gamle Kirke, die Stabkirche in Hol (li. Seite). Panorama an der Schärenküste von Kristiansand nach Tønsberg (unten).


Die tabellarisch gereihten Abfahrtszeiten liegen zuoberst im Tankrucksack – zehn Minuten vor der Zeit ist des Schlauen Pünktlichkeit, denn wer das erste Schiff verpasst, kommt mit dem restlichen Tagespensum leicht ins Strudeln. Doch nicht immer gibt es strikte Fahrpläne: Kleinere Fähren fahren bei Bedarf, andere sind einfach im Pendelverkehr zwischen den Ufern unterwegs.

Egal, ob wir über baumlose Hochebenen fahren, durch grüne Täler oder entlang der Nordsee: Überall treffen wir auf die typischsten Holzbauwerke Norwegens, rostrot gestrichene Hütten, die ihre charakteristische Farbgebung nicht der leichteren Auffindbarkeit im Winter, sondern einem ausgesprochen praktischen Pigment aus dem Abraum der Erzgewinnung verdanken.

Die Kupfermine von Falun in Schweden verhalf der billigen, leicht auf unbehandeltem Holz aufzubringenden und nahezu unbegrenzt verfügbaren Far-be zu ihrem Namen. Größere Holzhäuser sind im Regelfall schneeweiß lackiert, was durch die leicht unterschiedliche Fassadengestaltung und die liebevoll gepf legten Vorgärten dennoch keineswegs uniform oder langweilig wirkt.

Gotteshäuser aus Holz

Deutlich seltener sind die bis heute erhalten gebliebenen Stabkirchen anzutreffen. Sie stehen auf einem Steinsockel, um die kunstvolle Holzkonstruktion vor der Bodenfeuchtigkeit zu schützen. Die von einem neuen, weiß getünchten Gotteshaus f lankierte Stabkirche in Torpo gehört zu den ältesten ihrer Art, sie wurde Mitte des 12. Jahrhundert errichtet.

„Einen Moment bitte, ich ziehe mir nur schnell die Schuhe an“, ruft die Dame, bei der wir wegen eines Blicks in den Innenraum anklopfen – und schnallt sich eine Unterschenkel-Prothese an. Sichtlich stolz erzählt sie uns viele Einzelheiten über die Bauweise, verweist auf die in einem Modell veranschaulichte ursprüngliche Größe und erklärt die bunten Gemälde im Altarraum.

Das Landesinnere ist reich an Wasserläufen, und Elche sind, zumindest auf Straßenschildern, allgegenwärtig.


Auf einer weiteren unvergesslichen Fährfahrt nimmt uns die Schönheit des Lysefjords im Handumdrehen gefangen. Der südlichste der großen Fjorde reicht, links und rechts von steilen Bergf lanken gesäumt, 40 Kilometer ins Landesinnere. Die bekannteste Sehenswürdigkeit am Fjord ist der Preikestolen, zu Deutsch Predigtstuhl.

Das rund 25 mal 25 Meter messende Felsplateau ist gut 600 Meter vom Meeresarm entfernt – allerdings Höhenmeter, senkrecht und ansatzlos von der Felskante in die Tiefe abfallend. Von unten betrachtet schaut das übrigens weniger bedrohlich aus. Im jüngsten Mission-Impossible-Einsatz kämpft Tom Cruise am Preikestolen gegen seinen bösen Widersacher; im Film findet die Action allerdings in Kaschmir statt. (Spoiler-Alarm: Tom Cruise gewinnt.)

Haarnadelkurven, die begeistern

Die ersten, die es schaffen, am Ende der Panorama- Kreuzfahrt den Bauch der Fähre zu verlassen, haben den vollen Genuss der unmittelbar folgenden Lysevegen- Straße: Sie schraubt sich mit einem nicht übertrieben breiten, aber 1100 Meter langen Kehrentunnel und 27 Haarnadelkurven bis ins Hochgebirge.

Von eiszeitlichen Gletschern buckelig geschliffene Granitfelsen ragen aus den schütter bewachsenen Hochalmen, gesprenkelt mit kleinen Seen, und das ganze Arrangement noch überzuckert mit Schnee.

Zwischen den strohigen Matten und saftigem Grün liegen aber wie immer nur wenige Höhenmeter. Bis kurz vor Kristiansand bleiben wir im sanft an die natürlichen Gegebenheiten der Landschaft angepassten untergeordneten Straßennetz, auf dem außer uns nahezu niemand unterwegs ist. Mal sind es breite, unbefestigte Straßen zur Holzgewinnung, die durch dichten Wald führen, dann wieder schmale Asphaltstraßen, die kleine Siedlungen kurvenreich verbinden – und plötzlich bist du wieder am Meer.

Entlang der norwegischen Schärenküste führt die weitere Route zurück zum Ausgangsort Oslo, wo anderntags die Fähre nach Deutschland ablegen wird. Die ersten Worte der norwegischen Nationalhymne können wir mittlerweile bedingungslos unterschreiben: Ja, vi elsker dette landet – ja, wir lieben dieses Land.

INFORMATIONEN

Die Tourismuszentrale von Norwegen bietet eine gut strukturierte Webseite mit vielen Urlaubsinformationen.

Hilfreich für die Planung ist die auch deutschsprachige Webseite der norwegischen Landschaftsrouten.

Zur Berechnung der erlaubten (und zur Verzollung der darüber hinausgehenden) Mengen empfehlen wir die Smartphone-App „Toll“ von KvoteAppen – Nichtraucher dürfen Zigaretten in Bonus- Bier umrechnen.

ANREISE

Aus dem Süden bieten sich Autoreisezüge, etwa ab Lörrach, München oder Wien, an. Die Endstation ist jeweils Hamburg. Von dort geht es auf Achse zu den Fähren in Kiel oder Hirtshals (Dänemark) mit täglichen Verbindungen an die Süd- und Westküste. Zielorte sind unter anderem Oslo, Kristiansand, sowie Stavanger oder Bergen.

CHARAKTERISTIK

Die Küstenstraßen entlang der Fjorde zählen ebenso wie die menschenleeren Hochebenen zu den beeindruckendsten Abschnitten dieser Tour. Die Zeit, um die grandiose Naturkulisse zu genießen, sollte man sich nehmen, denn die erlaubten Höchstgeschwindigkeiten sind ziemlich niedrig: Innerorts 50 km/h, außerhalb 80 km/h, auf Schnellstraßen und Autobahnen 90 bis 100 km/h. An den Hauptrouten wird oft kontrolliert, die Strafen sind ziemlich hoch.

ÜBERNACHTUNG

Das Quality Hotel in Tønsberg liegt in strategisch günstiger Lage – direkt am Wasser und neben einer kleinen Gastronomie-Zeile.

Das Hotel Parken in Kristiansand grenzt direkt an die Fußgängerzone. Geparkt wird in der riesigen Tiefgarage unter der Stadt.

Hinter dem Hotel Sandven in Norheimsund liegt ein stiller Fjord-Seitenarm mit schönem Ausblick auf die umgebende Bergwelt.

ESSEN & TRINKEN

Die Küstenlänge beträgt (ohne Inseln!) unglaubliche 25 000 Kilometer, was sich in den Speisekarten widerspiegelt: Der Geschmack und die Qualität eines Fischs, der frisch aus dem kalten, klaren Wasser gezogen wurde, sind unschlagbar. Hausgemachter Räucherlachs, frische Krabben, Heilbutt und Möweneier sind nur einige der Spezialitäten, die man hier bekommt.

Fleisch-Tiger freuen sich auf Elch, Rentier, Hirsch oder Raufußhuhn (eine Fasanenart). Aber auch heimische Getreide- und Gemüsesorten, Lamm und Geräuchertes sowie wilde Beeren gehören zu den Grundnahrungsmitteln in Norwegen. Der braunen Käse „Brunost“ – karamellisierter Molkekäse, der wie ein Karamellbonbon aussieht – ist nicht jedermanns Sache: Viele Besucher probieren ihn nur einmal.

Einheimischen Wein wird man in Norwegen nicht lang suchen, regionale Bierspezialitäten sind hingegen häufig anzutreffen: Das Interesse an Craft Beer ist in Norwegen geradezu explodiert. Die norwegischen Lebenshaltungskosten sind grundsätzlich hochpreisig, alkoholische Getränke sind im Vergleich zu Deutschland sogar äußerst teuer.