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Retrospektive


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LinuxUser - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 17.02.2022

Negative digitalisieren

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Bildquelle: LinuxUser, Ausgabe 3/2022

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Der Reiz der analogen Fotografie besteht im Reduzieren aufs Wesentliche, der Mensch übernimmt wieder das Kommando. Diverse Filmtypen besitzen darüber hinaus besondere Charakteristika, die sich nur schwer digital reproduzieren lassen. Daher lohnt es sich durchaus, die analogen Aufnahmen letzlich digital aufzubereiten. In Form des Moduls Negadoctor bietet Darktable dafür das perfekte Werkzeug.

Die digitale Fotografie erlaubt heute Aufnahmen von einer technischen Perfektion, die sich noch vor wenigen Jahrzehnten niemand vorzustellen vermochte. Dass viele Fotografen Wert auf eine teure Ausrüstung mit hochauflösenden Sensoren und großen und schweren professionellen Objektiven legen, liegt dabei nahe. Seit einiger Zeit gibt es aber daneben einen gegenläufigen Trend: Statt auf den Megapixel-Zug aufzuspringen, setzen immer mehr Fotobegeisterte auf die gute alte analoge ...

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... Fotografie.

Pro analog

Zwar lässt sich die Qualität analoger Aufnahmen vom technischen Standpunkt her meist nicht mit der von Digitalfotos vergleichen, insbesondere die Bildschärfe und Auflösung betreffend. Analogfotografen nehmen aber gerade diese vermeintliche Schwäche als Möglichkeit wahr, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen, nämlich die Kunst der Fotografie. Technische Fehler wie Unschärfe oder chromatische Aberrationen nehmen sie dabei teilweise bewusst in Kauf und versuchen, sie durch eine perfekte Bildkomposition oder eine geschickte Motivwahl zu kompensieren.

In zunehmendem Maß kombinieren Fotografen aber auch digitale und analoge Techniken miteinander. Die Aufnahme selbst machen sie mit einer analogen Kamera. Nach dem Entwickeln des Films erstellen sie von den Bildern allerdings keine Abzüge auf Fotopapier oder projizieren sie mit einem Diaprojektor an die Wand, sondern digitalisieren sie. Das geschieht entweder mit einem Filmscanner oder mithilfe einer Leuchtplatte und einer Digitalkamera. Danach gilt es, das Bild mit einem Bildbearbeitungsprogramm zu optimieren.

Analog zu digital

Je nach Filmtyp liegt die Aufnahme dann zunächst als Negativ mit invertierten Farben vor: Dunkle Zonen erscheinen hell, helle dunkel, der blaue Himmel fällt orange aus und Gesichter dunkelgrün.

Deswegen müssen Sie das Negativ nach dem Digitalisieren zu einem Positiv mit realistischen Farben umwandeln, die der menschlichen Wahrnehmung entspricht.

Das Open-Source-Programm, das sich aus unserer Sicht am besten dafür eignet, ist der RAW-Entwickler Darktable . Er besitzt mit dem speziell für diese Aufgabe entwickelten Modul Negadoctor ein verhältnismäßig einfach zu bedienendes, aber dennoch leistungsfähiges Werkzeug, mit dem Sie auch in schwierigen Fällen gute Ergebnisse erzielen.

Selbstverständlich eignen sich die hier beschriebenen Bearbeitungstechniken nicht nur zum Umwandeln kürzlich erstellter Analogaufnahmen: Häufig kommt es ja auch vor, dass man alte Negative digital archivieren möchte.

Vorbereitungen

Um diese Anleitung besser nachvollziehen zu können, laden Sie zunächst die Beispieldateien aus dem Download-Bereich zu diesem Artikel herunter. Starten Sie danach Darktable, importieren Sie die Datei PA051000.ORF ins Leuchttischmodul und öffnen Sie sie mit einem Doppelklick in der Dunkelkammer. Rechts vom großen Vorschaufenster sehen Sie alle aktiven Module. Deaktivieren Sie alle bis auf Drehung, Spitzlicht-Rekonstruktion und Weißabgleich mit einem Klick auf den kleinen Schaltknopf am linken Ende der Titelleiste der Module.

Auch wenn Ihre Negative als RAW-Dateien vorliegen, unterscheidet sich das Umwandeln erheblich vom Standard-Workflow von Darktable. Das Programm geht nämlich davon aus, dass Sie „normale“, also positive Digitalfotos entwickeln möchten. Wir arbeiten jedoch zum Teil mit anderen Modulen. So ersetzt etwa das Modul Negadoctor meist die Tools Belichtung und Filmic RGB.

Weißabgleich einstellen

Als Erstes stellen Sie den Weißabgleich ein. Klappen Sie dazu das Modul Weißabgleich mit einem Klick darauf aus. Klicken Sie anschließend auf das kleine Pipettensymbol und zeichnen Sie im Vorschaufenster an einer Stelle, wo die weiße Hintergrundbeleuchtung zu sehen ist, mit der Maus ein kleines Rechteck 1 . Solche Stellen finden Sie meist bei der Perforation am oberen und unteren Filmrand.

Beim Digitalisieren der Negative sollten Sie immer auch einen Teil des unbelichteten Films in das Bild mit einbeziehen: Das erleichtert das spätere Umwandeln. Benutzen Sie zum Abfotografieren zum Beispiel eine Leuchtplatte, besitzt die Hintergrundbeleuchtung häufig eine Farbtemperatur von 5000 Kelvin.

Nach dem Markieren des Weißpunkts mit der Pipette stellt Darktable daher die Farbtemperatur meist automatisch auf ungefähr 5000 Kelvin. Sie können aber auch andere Werte vorgeben.

Filmmaterial

Um Negadoctor zu aktivieren klicken Sie rechts oben in das Modulsuchfeld und tippen dort „nega“ ein. Daraufhin erscheint darunter das Modul, das Sie mit einem Klick auf den entsprechenden Knopf aktivieren. Die Farben der Aufnahme erscheinen nun invertiert und sehen realistischer aus, aber noch nicht wirklich optimal. Das Beispielfoto wirkt insgesamt zu hell und zu kontrastarm. Mit den Reglern von Negadoctor korrigieren Sie bereits die meisten Bildfehler 2 .

Das Modul gliedert sich in die drei Reiter Filmeigenschaften, Korrekturen und Druckeigenschaften. Am wichtigsten ist die erste Registerkarte Filmeigenschaften. Dort kommt es insbesondere auf zwei Regler an: die kleine Pipette rechts neben dem farbigen (in diesem Fall orangen) Balken in der Gruppe Farbe des Filmmaterials und D max unter Dynamikbereich des Films.

Klicken Sie zuerst auf die Pipette neben Farbe des Filmmaterials, und zeichnen Sie danach mit der Maus ein kleines Rechteck in einem unbelichteten Bereich des Films 3 . Die Aufnahme erscheint daraufhin sehr dunkel. Korrigieren Sie das mithilfe der Pipette neben Dynamikbereich des Films. Klicken Sie darauf und zeichnen Sie ein Rechteck, das einen möglichst großen Teil des belichteten Bereichs umfasst.

Das Foto erscheint jetzt zwar deutlich heller, jedoch verträgt es noch ein bisschen mehr Helligkeit. Das passen Sie mit dem Regler D max manuell an. Das Schieben nach links hellt das Bild auf.

Schieben Sie ihn so weit nach links, bis sich in den hellsten Bildbereichen die Strukturen gerade noch erkennen lassen.

Mit dem untersten Regler Scanner Belichtungseinstellungen passen Sie außerdem den Schwarzpunkt der Aufnahme an, wenn die Hintergrundbeleuchtung beim Scannen oder Fotografieren zu hell oder zu dunkel eingestellt war. Auch hier gibt es eine Pipette zum automatischen Einstellen des Werts. Wie zuvor sollte dabei der ausgewählte Bereich einen möglichst großen Teil des belichteten Bereichs einschließen.

Farbstich

Nach dem korrekten Einstellen der Helligkeit lassen sich eventuelle Farbstiche besser erkennen. Im Beispiel weist das Bild einen leichten Gelbstich auf. Das liegt am verwendeten Filmmaterial (Kodak Portra), das vor allem für warme Hauttöne optimiert wurde.

Hier schadet ein wenig farbtheoretisches Wissen bezüglich der Komplementärfarbpaare Cyan/​Rot, Magenta/​Grün und Gelb/​Blau nicht. Um einen Farbstich zu korrigieren, müssen Sie den Anteil der Komplementärfarbe erhöhen, hier also den von Blau. Setzen Sie daher unter Farbe des Filmmaterials den Wert bei D min blaue Komponente ein wenig herauf, auf etwa 5,25 Prozent. Dadurch bekommt der unbelichtete Bereich des Films zwar einen Blaustich, jedoch fällt die Farbigkeit des belichteten Bereichs insgesamt stimmiger aus.

Weitere Bildoptimierung

Das Umwandeln des Bilds ist damit im Grunde genommen bereits abgeschlossen. Optimieren Sie das Foto nun bei Bedarf mit anderen Bearbeitungsmodulen. Wir empfehlen dafür vor allem die zwei Funktionen lokaler Kontrast und Farbbalance RGB. So eignet sich zum Beispiel lokaler Kontrast, um die Strukturen der Schmetterlingsflügel hervorzuheben.

Farbbalance RGB wiederum bietet in Darktable das derzeit beste Werkzeug, um die Intensität der Farben abzustimmen. Hier verleihen Sie mit den Reglern globale Lebendigkeit beziehungsweise Chroma global aus lineares Chroma Grading dem Bild kräftigere Farben.

Zusätzlich empfiehlt es sich, die Aufnahmen zu schärfen und das Bildrauschen zu reduzieren. Verwenden Sie hierfür die Module Kontrast Equalizer und Entrauschen (Profil). Wenn Sie den Kontrast Equalizer aktivieren, sehen Sie in den Moduleinstellungen eine Art rechteckiges Koordinatensystem, an dessen unterer Kante ein sogenannter Spline liegt. In diesem Koordinatensystem befinden sich rechts die feinsten Strukturen und links die großen Formen.

Zoomen Sie mit [Alt]+[1] in das Bild hinein, um den Schärfungseffekt besser zu sehen. Klicken Sie dann auf das rechte Ende des Spline und ziehen Sie es nach oben. Der Spline hat nun die Form einer steil nach rechts oben ansteigenden Kurve. Da dieses Vorgehen den Kontrast rechts verstärkt, also bei den Details, entsteht ein Schärfungseffekt.

Bei digitalisiertem Film stört häufig vor allem das Farbrauschen. Um es zu mindern aktivieren Sie das Modul Entrauschen (Profil). Es bietet eine Voreinstellung, die nur das Farbrauschen reduziert. Aktivieren Sie sie, indem Sie auf das Icon für die Voreinstellungen am rechten Ende der Titelleiste des Moduls klicken und dort Wavelets: nur Chroma auswählen.

Zuschneiden und begradigen

Nun geht es daran, das Foto auszurichten und zu beschneiden. Aktivieren Sie dafür das Modul Drehen und Perspektive. Um das Bild zu begradigen bewegen Sie den Mauszeiger im großen Vorschaufenster zu einer Linie im Bild, die Sie horizontal oder vertikal ausrichten möchten. Drücken Sie dann die rechte Maustaste, zeichnen Sie die Linie nach und lassen Sie die Maustaste dann los.

Achten Sie darauf, dass es sich bei der Linie nicht um den Bildrand handelt, sondern tatsächlich um die Kante eines Gegenstands im Bild. Es kommt ja durchaus vor, dass Sie sowohl die analoge Kamera beim Fotografieren schief gehalten als auch den Film beim Digitalisieren nicht korrekt ausgerichtet haben. Alternativ nehmen Sie die Begradigung mithilfe des Schiebereglers Drehung vor. Ein negativer Wert dreht das Bild nach rechts, ein positiver nach links.

Schneiden Sie dann den unbelichteten Bereich des Films im Modul Zuschneiden weg. Wählen Sie dafür das Format 3:2 aus, wenn Sie 35mm-Negative digitalisieren. Stellen Sie anschließend die Größe des Zuschneiderahmens ein. Dazu fassen Sie mit dem Mauszeiger nacheinander die Ecken des Rahmens an und ziehen Sie bei gedrückter Maustaste nach innen, bis der unbelichtete schwarze Bereich außerhalb das Rahmens liegt.

Staubflecken entfernen

Abschließend müssen Sie in den meisten Fällen auch Staubflecken von der Aufnahme entfernen. Zoomen Sie dazu in das Bild hinein, damit Sie die Flecken besser sehen. Aktivieren Sie dann das Modul Retusche 4 .

Klicken Sie oben in der ersten Zeile unter Formen auf das kleine Pinselsymbol. Wenn Sie den Mauszeiger nun in das Vorschaufenster bewegen, sehen Sie einen von einem Kreis umgebenen weißen Punkt und daneben ein kleines Kreuz. Es handelt sich hierbei um eine Art Kopierpinsel, mit dem Sie Flecken durch Kopien intakter Bildteile überdecken. Das Kreuz bezeichnet den Quellbereich, den Sie kopieren.

Die Größe des Retusche-Pinsels stellen Sie mit Drehen des Mausrads ein. Um die Härte des Pinsels anzupassen, halten Sie während des Scrollens die Umschalttaste gedrückt. Unter Ubuntu 20.04 und seinen Abkömmlingen funktioniert das jedoch derzeit aufgrund eines Bugs nicht.

Verändern Sie bei diesen Systemen die Härte mit den Tastenkombinationen [AltGr]+[7] beziehungsweise [AltGr]+[0]. Drücken Sie die Umschalttaste und klicken Sie auf die Stelle, die Sie klonen wollen. Lassen Sie die Taste dann los und klicken Sie auf den Fleck, den Sie entfernen möchten. Durch Klicken und Ziehen beziehungsweise Schieben lassen sich auch längliche oder linienförmige Flecke retuschieren, etwa von Härchen.

Standardmäßig befindet sich der Retusche-Pinsel von Darktable im sogenannten Heilen-Modus. Dieser kopiert zwar grundsätzlich den Bildbereich unter dem Kreuz. Das Programm versucht allerdings gleichzeitig, die Pixel, mit denen Sie den Fleck übermalen, den Pixeln in der unmittelbaren Umgebung des Flecks beziehungsweise des übermalten Bereichs anzugleichen. Bei aktiviertem Heilen-Modus erscheint bei den Moduloptionen in der zweiten Zeile unter Algorithmen das Kreuzsymbol ausgewählt.

In manchen Fällen erzielen Sie mit dieser Einstellung jedoch keine guten Ergebnisse. Außerdem benötigt das Werkzeug manchmal viel Rechenleistung und verlangsamt damit die Bearbeitung. Aktivieren Sie dann das einfache Klonen-Werkzeug, indem Sie in der Zeile Algorithmen auf das Symbol mit den kleinen ineinandergreifenden Kreisen klicken. Dabei legt das Modul die Pixel unter dem Kreuz nur über den Fleck, es erfolgt keine zusätzliche Angleichung an die Umgebungspixel.

Korrekturen

Anhand der Umwandlung eines weiteren Beispielbilds erläutern wir die Einstellungsoptionen in der zweiten Registerkarte Korrekturen des Moduls Negadoctor. Öffnen Sie die Datei PA240130.ORF, die eine Gruppe von Steinmännchen zeigt 5 . Die Aufnahme entstand auf einem Film von eher schlechter Qualität, der vermutlich auch nicht optimal entwickelt wurde. Außerdem haben wir das Foto bewusst unterbelichtet, um es nicht zu verwackeln.

Stellen Sie die Farbe des Filmmaterials im ersten Reiter mithilfe der Pipette wie oben beschrieben ein, dann fällt das Foto sehr dunkel und grünstichig aus. Ignorieren Sie den Grünstich vorerst und stellen Sie die Helligkeit der Aufnahme ein.

Klicken Sie nun auf den Reiter Korrekturen 6 . Hier stellen Sie den Farbstich in den hellen und in den dunklen Tonwertbereichen unabhängig von einander ein. Wählen Sie dazu mit den Pipetten je einen dunklen und einen hellen Bildbereich aus, der eine annähernd neutrale Farbe aufweisen sollte, also dunkel-beziehungsweise hellgraue Pixel. Eine dunkle Stelle befindet sich in der verschatteten Zone in der linken unteren Ecke. Für den hellen Bereich wählen Sie einen Teil eines Steinmännchens aus, das sich ja aus hellen Steinen zusammensetzt.

Klicken Sie dafür zuerst auf die Pipette in der Gruppe Farbverschiebung in den Schatten und zeichnen Sie anschließend mit der Maus ein Rechteck in der linken unteren Bildecke. Der Grünstich verschwindet zwar, jedoch zeigt die Aufnahme einen leichten Braunstich. Probieren Sie für den Weißabgleich der Spitzlichter mehrere Stellen aus. Klicken Sie auf die Pipette in dieser Gruppe und zeichnen Sie in mehreren hellgrauen Bereichen ein Rechteck. Wählen Sie zu guter Letzt diejenige Stelle aus, mit der Sie das beste Ergebnis erzielen.

Häufig müssen Sie die Werte in den einzelnen Farbkanälen manuell nachbessern, weil es keine Bildstelle gibt, die eine vollkommen neutrale Farbe besitzt. So kommt es auch in dieser Aufnahme nach dem Einstellen des Weißabgleichs für die hellen Zonen zu einem rötlich-braunen Farbstich. Wenden Sie sich dafür wieder der Gruppe Farbverschiebung in den Schatten zu. Erhöhen Sie den Wert bei Schatten Grün-Offset, um den Rotstich in den dunklen Bildbereichen zu kompensieren. Stattdessen könnten Sie auch den Wert bei Schatten Rot-Offset auf 0,7 herabsetzen.

Wiederholen Sie die Korrektur auch für die Werte bei Weißabgleich der Spitzen.

Übrigens ermittelt Negadoctor diese Werte recht gut automatisch. Klicken Sie dazu auf die Pipetten und zeichnen Sie in der Vorschau ein Rechteck, das einen möglichst großen Teil des belichteten Filmbereichs abdeckt.

Push-Entwicklung

Zuletzt konvertieren wir ein gepushtes Negativ, das einen starken Blaustich aufweist 7 . Bei einer sogenannten Push-Entwicklung belässt man einen unterbelichteten Film absichtlich länger in der Entwicklerflüssigkeit, um die Unterbelichtung zu kompensieren. Damit geht allerdings meist einher, dass der Film zumindest irgendeine Art von Farbstich bekommt. Bei der Beispielaufnahme PA200049.ORF müssen wir dem Farbstich sowohl durch die Einstellungen für die Farbe des Filmmaterials als auch mithilfe der Optionen im Reiter Korrekturen zu Leibe rücken.

Passen Sie zuerst den Weißabgleich, die Farbe des Filmmaterials und die Bildhelligkeit wie oben beschrieben an. Danach fällt das Ergebnis zunächst stark blaustichig aus. Klicken Sie dann auf den Reiter Korrekturen und versuchen Sie mithilfe der bereits erwähnten Pipetten eine automatische Optimierung der hellen und der dunklen Bildbereiche. Die Aufnahme erscheint nun nicht mehr ganz so blau, jedoch zeigt sich immer noch einen Farbstich. Senken Sie den Wert für Schatten Blau-Offset manuell auf die niedrigste Einstellung, da sich der Farbstich in den dunkelsten Bildbereichen am schwersten korrigieren lässt.

Anschließend gilt es, das richtige Verhältnis zwischen den Werten für Minimaldichte von Blau aus dem Reiter Filmeigenschaften | Farbe des Filmmaterials und Lichtquelle Blau-Anhebung aus Korrekturen | Weißabgleich der Spitzlichter zu ermitteln. Nach unserer Erfahrung lässt sich der Blaustich – insbesondere in den Schatten – am effektivsten kompensieren, wenn man die Minimaldichte von Blau etwas herabsetzt. Dadurch erhält das Bild allerdings einen Gelbstich. Setzen Sie danach aber den Wert für Lichtquelle Blau-Anhebung herauf, behebt das den Gelbstich in den hellen Bildzonen.

Mit den Reglern in den Druckeigenschaften des Moduls Negadoctor passen Sie im Wesentlichen die Helligkeit des gesamten Bilds und einzelner Tonwertbereiche an, wie Tiefen, Spitzlichter und Mitteltöne. Wir empfehlen, die Parameter in diesem Reiter unverändert zu belassen. Module wie Farbbalance RGB eignen sich für solche Bearbeitungen besser.

Schwarz-Weiß-Negative

Die Umwandlung von Schwarz-Weiß-Negativen funktioniert ein wenig anders als die von Farbaufnahmen. Fangen Sie damit an, dass Sie das Modul Farbkalibrierung aktivieren und gleichzeitig das Modul Weißabgleich deaktivieren – die Farbkalibrierung ersetzt den Weißabgleich.

Wählen Sie dann im Menü Voreinstellungen von Farbkalibrierung eine der Voreinstellungen für Schwarz-Weiß-Filme aus, zum Beispiel Ilford HP5+.

Klicken Sie dazu auf das Voreinstellungen-Icon, das sich am Ende der Titelleiste des Moduls befindet. Wenn Sie den Namen des verwendeten Films nicht in der Liste finden, wählen Sie die Voreinstellung S/​W Luminanz-basiert. Ohne diesen Schritt wäre das Ergebnis der anschließenden Umwandlung mit Negadoctor kein Schwarz-Weiß-Bild, sondern eine monochrome Farbaufnahme 8 .

Aktivieren Sie dann das Modul Negadoctor und schalten Sie es in den Schwarz-Weiß-Modus. Wählen Sie dazu bei den Einstellungsoptionen des Moduls in der Ausklappliste rechts oben die Option Schwarz-Weiß-Film. Daraufhin sehen Sie in der Gruppe Farbe des Filmmaterials nur mehr einen Schieberegler. Stellen Sie danach die Filmeigenschaften wie oben beschrieben ein, also die Optionen in der ersten Registerkarte des Moduls.

Da Schwarz-Weiß-Aufnahmen viel Kontrast vertragen, empfiehlt es sich außerdem, den lokalen Kontrast zu erhöhen. Aktivieren Sie dafür das Modul Lokaler Kontrast und wählen Sie bei Detail einen relativ hohen Wert wie 200.

Automatisieren

Um nicht bei jeder Aufnahme die unnötigen Module zu deaktivieren und Negadoctor zu aktivieren, empfiehlt sich das Anlegen eines Darktable-Stils.

Öffnen Sie dazu ein beliebiges Negativ in der Dunkelkammer und deaktivieren Sie die drei Module Belichtung, Schärfen und Filmic RGB. Dann schalten Sie Negadoctor ein. Wechseln Sie anschließend mit [L] zum Leuchttisch. In der rechten Seitenleiste finden Sie dort eine Gruppe namens Stile. Indem Sie auf deren Titelleiste klicken, klappen Sie die Optionen des Stil-Moduls aus.

Wählen Sie nun das Foto an, bei dem Sie die betreffenden Bearbeitungsmodule gerade ein- beziehungsweise ausgeschaltet haben, und klicken Sie danach bei den Stile-Optionen auf erzeugen. Im Dialogfenster geben Sie in das oberste Eingabefeld den Namen des Stils ein, zum Beispiel „Negadoctor“.

Weiter unten sehen Sie die Liste der bislang angewendeten Bearbeitungsschritte. Hinter Belichtung, Filmic RGB und Schärfen sollte jeweils (aus) stehen. Klicken Sie nun rechts unten auf speichern.

Der neue Stil erscheint daraufhin rechts bei den Stile-Optionen.

Wählen Sie weitere Aufnahmen mit einem Klick aus, und übertragen Sie den Stil durch einen Doppelklick auf den Namen des Stils auf die ausgewählten Fotos. Außerdem lässt sich der Stil auch im Dunkelkammer-Modus aktivieren. Klicken Sie dazu in der linken unteren Ecke des großen Vorschaufensters auf das mittlere Icon, das aus drei kleinen Kreisen und einem kleinen Dreieck besteht.

Die Stile erlauben es darüber hinaus auch, die Einstellungsparameter der Bearbeitungsmodule zu speichern. Wie viel Sinn das bei dieser Aufgabe ergibt, finden Sie letzten Endes nur durch etwas Experimentieren heraus. Wenn Sie etwa mehrere Aufnahmen umwandeln, die alle von derselben Filmrolle stammen, dann spart es höchstwahrscheinlich Arbeit, auch die Einstellungen zur Farbe des Filmmaterials mitzuspeichern.

Fazit

Mit Darktable wandeln Sie Negative mit wenigen Klicks in Positive um. Doch auch für Aufnahmen, die gröbere technische Mängel wie Farbstiche oder Belichtungsfehler aufweisen, hält das Programm die richtigen Werkzeuge bereit. Insgesamt erweist sich das Modul Negadoctor als eines der leistungsfähigsten Tools für diese Aufgabe, wenngleich es ein wenig Einarbeitungszeit erfordert, um das Maximum aus den Fotos herauszuholen. (tle)