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Rettung fürs Rebhuhn?


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 21.03.2019

Ein Team aus Wissenschaftlern der Uni Kiel untersucht, wie mit Wildpflanzenflächen die Insektenvielfalt gefördert und dadurch Bodenbrütern geholfen werden kann. Dr. Ulrich Fehlberg und Hannes Hoffmann berichten von ersten Erkenntnissen aus dem laufenden Projekt.


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Foto: Klaus Schneider

für Natur- und Ressourcenschutz der Uni Kiel zusammen mit Jagd- und Landwirtschaft in bislang vier Projekten neue Perspektiven zum Gestalten von Rebhuhn- und Insektenlebensräumen auf Ackerflächen.

Ziel des aktuellen Projekts ist es, mit dem landwirtschaftlichen Anbau spezifischer, mehrjähriger Wildpflanzen-Blühmischungen eine ...

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... nutzbare Lebensraum- und Nahrungsgrundlage für Insekten und Rebhühner zu schaffen und die Populationen zu stärken. Rebhühner dienen dabei als „Anzeiger“ für den Zustand des Lebensraumes. Die Ansaat von naturschutzfachlich positiv wirkenden Wildpflanzenmischungen als ein zusätzliches Fruchtfolgeglied auf Ackerflächen scheint ein dafür geeigneter Weg zu sein. Langfristig soll ein ökonomisch ertragreiches und gleichzeitig ökologisch wirksames Instrument entstehen, das Ackerflächen nachhaltig nutzen lässt.

Die Grundlage bildet seit 1996 ein regelmäßiges, landesweites Monitoring der noch vorhandenen Rebhuhnpopulation durch das „Wildtierkataster Schleswig-Holstein“ (WTK SH). Dieses hat zusammen mit geschulten ehrenamtlichen Mitarbeitern, meist Jägern des Landesjagdverbandes SH, schon 16-mal die Besätze erfasst und einen starken Rückgang der Niederwildart in Schleswig-Holstein belegt. Zwischen 2010 und 2016 hat die Population nochmals um schätzungsweise 25 Prozent (%) abgenommen. Im Jahr 2016 bewegte sich danach die Rebhuhn-Population schätzungsweise nur noch im Bereich von etwa fünf % der ursprünglich in den 50er Jahren vorhandenen Besätze.

Zudem wurde in zwei Vorläufer-Projekten neue Konzepte und Methoden zur wildtierfreundlichen, landwirtschaftlichen Flächennutzung erprobt. Dabei zeigten sich auf Probeflächen mit verschiedenen Wildpflanzeneinsaaten erste Hinweise auf die positiven Wirkungen der Aussaat spezifischer, mehrjähriger Regiosaat-Wildpflanzen-Blühmischung auf Rebhühner und Insekten.

Der Verlust naturnaher Landschaftselemente in modernen Agrarlandschaften führte auch zu einem starken Rückgang von Arthropoden, etwa Insekten und Spinnentieren. Zu ihnen zählen nicht nur viele gefährdete Arten, sondern sie stellen auch eine wichtige Nahrungsressource für zahlreiche Vogelarten und Feldhühner dar. Zudem sind Athropoden an wichtigen Ökosystemleistungen wie dem Bestäuben und der biologischen Schädlingskontrolle beteiligt. Der Rückgang der Bestäuber auf den Äckern führt schon jetzt zu Ertragseinbußen. Eine Bestäuberkrise wird diskutiert. Älterere Untersuchungen zeigten, dass Wildpflanzenflächen die Nahrungsansprüche von Bestäubern decken sowie Nistund Überwinterungsplätze bieten können. Es wird vermutet, dass die Funktion von Wildpflanzenflächen auf die Artenvielfalt eng mit den die Flächen umgebenden Landschaftsstrukturen mit naturnahen oder intensiv bewirtschafteten Landschaftselementen verknüpft ist. Denn dort wo viele Rebhühner überleben, ist die Agrarlandschaft auch aus Naturschutzsicht noch weitgehend in Ordnung. Die Bodenbrüter leben in wildpflanzenreichen Strukturen an Feldrainen (Streifen zwischen Äckern) sowie Brachflächen und Hecken. Erwachsene Feldhühner ernähren sich sowohl pflanzlich als auch von Insekten.

In den ersten 14 Tagen nach dem Schlüpfen sind Rebhuhnküken zwingend auf eiweißreiche Insektennahrung angewiesen.


Foto: Dr. Jörg E. Tillmann

der Rebhühner in Deutschland nach 1950 ist vor allem mit dem Intensivieren der Landwirtschaft einhergegangen. Wesentliche Ursachen sind, dass sich stetig die Lebensräume qualitativ durch intensiviertes Bewirtschaften der landwirtschaftlichen Nutzflächen (Pestizide und Herbizide, Maschineneinsatz) verschlechtert haben und ungenutzte naturnahe Kleinstrukturen verloren gingen. Dadurch fehlten geeignete Brut- und Aufzuchthabitate. Zusätzlich werden große Flächen immer weiter bebaut. Durch den Verlust ursprünglich nutzbarer Lebensräume und der darin vorhandenen Nahrungsressourcen hat sich die Zahl der Bodenbrüter, wie der Rebhühner und der Heckenvögel weiter drastisch reduziert.

Frühere Studien zeigen den Zusammenhang zwischen dem Verschwinden der Rebhühner auf Grund zurückgehender Insekten. Deren Artenzahl und Menge hängt wiederum von den in der Kultur vorhandenen Wildpflanzen ab. Durch den Rückgang der Insekten sind die Küken nicht in der Lage, eine ausreichende Masse zu erbeuten, die als alleinige und unverzichtbare Nahrung für die ersten 14 Tage der Aufzucht von Rebhuhnküken und vielen anderen Bodenbrütern benötigt werden.

Die heute wichtigste Ursache für den Rückgang der Rebhühner ist daher wahrscheinlich, dass die Nahrungskette „Blühende Wildpflanzen – Insekten – Kükennahrung“ (Abbildung 1), unterbrochen wurde und so zu erhöhten Kükenverlusten führt. Auch Beutegreifer und ungünstige Wetterbedingungen tragen zu den Verlusten bei. Großflächige Ackerschläge begünstigen Feinde wie Haarraubwild und Sauen, die Schläge als Nahrungsquelle und Einstand nutzen können. Der Einfluss von Prädatoren in der Brut- und Aufzuchtperiode der Rebhühner hat stark zugenommen, insbesondere durch die Zunahme der Füchse (unter anderem aufgrund der Tollwutimpfung) sowie den verstärkten Schutz einiger als Prädatoren wirkender Vogelarten. Denn ungünstige Wetterbedingungen allein können den deutlichen Rückgang nicht erklären, auch wenn die Rebhuhnbesätze nach dem Schneewinter 1977/78 dramatisch eingebrochen sind.

Projekt des INR („Auswirkungen der Ansaat ressourcenreicher Wildpflanzen-Blühmischungen in Agrarlandschaften auf Bodenbrüter am Beispiel des Rebhuhns, Arthropodendiversität und assoziierte Ökosystem dienstleistungen“) nutzt die gewonnenen 21-jährigen Erfahrungen und Erkenntnisse aus den Vorläuferprojekten. Dabei wird erstmals ein besonderer Schwerpunkt auf die Auswirkungen des Wildpflanzenanbaus auf Arthropodengemeinschaften und deren ökologische Funktion gelegt. Die Effizienz der Flächen für den Arten- und Biodiversitätsschutz wird anhand von Bodenbrütern am Beispiel des Rebhuhns, sowie an Arthropodengemeinschaften und deren ökologischer Funktion bewertet. Zusammen mit Land- und Jagdwirtschaft wird eine ressourcenreiche Blühmischung aus Wildpflanzen-Regiosaatgut auf Ackerflächen in Rebhuhn-Referenzgebieten untersucht. Die Landwirte stellen die Flächen und führen die notwendigen Arbeiten, wie die Einsaat, durch. Die Jägerschaft erfasst die Rebhühner.

Abbildung 2: Artenreiche Wildpflanzenblühflächen im Untersuchungsgebiet


Foto: Dr. Ulrich Fehlberg

Projektzeitraum beteiligte Fläche zum Schutz von Rebhühnern, Wildpflanzen und Insekten beträgt aktuell etwa 300 Hektar (ha) und besteht aus zahlreichen Einzelflächen. Seit 2016 sind auf 162 davon Wildpflanzen-Blühmischungen aus 27 Arten regionaler Herkünfte angesät worden. Dort werden die Entwicklungen der Rebhuhn-, Wildpflanzen- und relevanter Insektenpopulationen mittels eines Geographischen Informationssystems und Flächenbegehungen erfasst und ausgewertet. Davon wurden 30 intensiv untersuchte Wildpflanzenflächen (Abbildung 2) so ausgewählt, dass die sie umgebenden Landschaften entweder mit weiteren Wildpflanzenflächen vernetzen oder davon isoliert sind. In diesen Untersuchungsflächen, wird ihr flächenanteiliges Verhältnis von Wildpflanzenflächen zu angrenzenden „normalen“ landwirtschaftlichen Feldern variiert, und zusätzlich zur Rebhuhn-Erfassung die Anzahl sowie Arten unterschiedlicher Arthropodengruppen. Desweiteren werden Daten zu Ökosystemleistungen erhoben.


„NAHRUNGSKETTE“ – Wildpflanzen–Insekten– Wildvogelküken


Abbildung 1: Wird die für Insekten und das Rebhuhn relevante Nahrungskette geschädigt oder unterbrochen, so führt dies zu steigenden Kükenverlusten beim Rebhuhn.


Fotos: Dr. Ulrich Fehlberg, Reiner Bernhardt, Jörg E. Tillmann

Die untersuchten Arthropodenarten sind beispielsweise Wildbienen, Hummeln und andere agrarwirtschaftliche Nützlinge wie Laufkäfer, Spinnen, Raubwanzen und Schädlinge wie Blattläuse, Heuschrecken, Blattwanzen. Hinzu kommen Arten, die besonders wichtig für die Ernährung von Rebhuhnküken sind – beispielsweise Heuschrecken und Blattläuse. Es wird erwartet, dass sich die Landschaftsstrukturen unterschiedlich auf verschiedene Arthropodengruppen, und die mit ihnen verbundenen Ökosystemleistungen, auswirken. In den kleinflächigen, landesweit verteilten Untersuchungsflächen liegt daher ein Studienschwerpunkt darauf, wie der Wildpflanzenanbau auf Arthropodengemeinschaften und deren ökologischer Funktion wirkt (Abbildung 3).

Die Effizienz der Flächen für den Arten- und Biodiversitätsschutz wird anhand von Veränderungen der Zahl und der Reproduktion von Bodenbrütern sowie von Arthropoden-Lebensgemeinschaften bewertet.

bis heute mit dem Wandel von natürlicher Landschaft zu Ackerflächen mit wenigen Kulturpflanzen verbunden, die hohe Erträge ermöglichen. „Unkraut“ und beginnende Bewaldung gelten in der Landwirtschaft bis heute als starke Feindbilder. Wildpflanzenflächen werden von Landwirten häufig abgelehnt, da Fraßschäden durch Insekten an Kulturpflanzen oder schwer zu beseitigende Pflanzenarten und damit Ertragsverluste in benachbarten Ackerflächen befürchtet werden. Das vorliegende Projekt soll daher auch für ein verbessertes Verständnis der ökologischen Prozesse, die durch Wildpflanzenflächen ermöglicht werden, und wie diese zum Naturund Artenschutz beitragen, sorgen.

Die Landwirte können derzeit im Rahmen der bestehenden EU-Förde- rungen und landesspezifischer Vertragsnaturschutzangebote „Ackerlebensräume SH“ über fünf Jahre direkte Erträge bis zu circa 1100 Euro je Jahr und Hektar erzielen. Trotzdem werden solche Vertragsnaturschutz-Modelle ein „Naturschutzinstrument“ bleiben. Es kann nur für eine gewisse Zeit bestehen und daher in der Landwirtschaft landesweit noch für keine dauerhaften, nachhaltigen Wirkungen auf ausreichend Flächenanteilen in der Agrarlandschaft sorgen.

Es wäre möglicherweise hilfreich, in das Denken und Handeln der konventionellen Landwirtschaft die regelmäßige Ansaat von Wildpflanzen auf Ackerflächenanteilen als Teil einer zukünftigen Fruchtfolge zu integrieren. Das kann jedoch nur gelingen, wenn der betriebswirtschaftliche Deckungsbetrag für die Landwirte ausreichend sein wird. Dabei sollte dessen Höhe mit den Beiträgen, die konventionelle Feldfrüchte wie Raps, Mais, Weizen (oder eine „Mischkalkulation“ daraus) vergleichbar sein. Dazu sind jedoch noch agrarökonomische Studien und Berechnungen auf unterschiedlichen Betrachtungsebenen (Betrieb bis EU) notwendig. Die zukünftige Form dieser „Gemeinwohlprämie“, der „Prämie für gesamtgesellschaftliche Leistungen“ und der staatlichen Förderung auf Ebene der EU, der Mitgliedsstaaten und Bundesländer könnte durch die Erkenntnisse aus dem Projekt gefestigt werden.

Prädatoren wie der Fuchs kommen mit der heutigen Agrarlandschaft bestens zurecht und stellen eine zusätzliche Gefahr für alle Bodenbrüter dar.


Foto Heino Petersen

Abbildung 3: Lage der Einsaatblühflächen (Untersuchungsgebiete) und Arthropodenversuchsflächen (rot) in Schleswig-Holstein.


Foto:Dr. Ulrich Fehlberg

noch unzureichend untersuchter Aspekt sind die positiven Deckungsbeiträge mit dem Wildpflanzenanbau auf Teilen der Gesamtackerfläche eines Betriebes. Denn im Vergleich zu konventionellen Feldfrüchten könnten einige sonst notwendigen Arbeitsgänge beim Anbau von Wildpflanzen sogar wegfallen. Dadurch können Kosten und Arbeitszeit eingespart werden. Gleiches ist möglicherweise durch die Ökosystemleistungen zu erwarten, die durch die Wildpflanzenflächen auf die umgebenden landwirtschaftlichen Fläche wirken. So kann auf den Wildpflanzenäckern auf den Einsatz von Herbiziden und Insektiziden verzichtet werden.

Werden die Ökosystemleistungen betriebswirtschaftlich aufgezeigt, so wird das die Akzeptanz von Wildpflanzenflächen in der Landwirtschaft erhöhen. Ausreichende Akzeptanz ist sowohl bei den Akteuren aus der Land- und Jagdwirtschaft für das flächenwirksame und nachhaltige Nutzen neuer Bewirtschaftungsmethoden (Wildpflanzen als regelmäßiges Fruchtfolgeglied auf konventionellen Ackerflächenanteilen) als auch bei den gesamtgesellschaftlichen Akteuren (Öffentlichkeit, Verbraucher, Politik, Verwaltung) zum Finanzieren erforderlich. Wildpflanzenmischungen bewirken außerdem einen gewissen Schutz vor Bodenerosion und, dass das Landschaftsbild aufgewertet wird. Da auch weniger Agrochemikalien eingesetzt werden, wird das Grundwasser weniger mit Nähr- und Schadstoffen belastet. Somit hilft das aktuelle Projekt, bedrohte Arten in der Agrarlandschaft zu fördern aber auch die Artenvielfalt auf Ackerflächen und die zukünftige landwirtschaftliche Produktion zu sichern.

Das Bestäuben ist nur eine der vielen Leistungen, mit denen Insekten Ökosysteme fördern.


Foto: proxaminder/istockphoto

zur biologischen Vielfalt (NBS) ist eine Zukunftsvision. Das „Aktionsprogramm Insektenschutz“ des Bundes benennt wesentliche Ursachen des Insektenrückgangs und fordert, dass konkrete Maßnahmen zügig umgesetzt werden. In Hinblick auf die Hauptziele der deutschen NBS sollten zukünftige Projekte einen integrativen Ansatz haben. Für eine zukünftige Agrarpolitik ist eine gemeinsame Perspektive von Landwirtschaft und Naturschutz in Form eines „Betriebsziel Naturschutz“ in konventionellen landwirtschaftlichen Betrieben dauerhaft eingesetzt werden. Naturschutzfachlich positiv wirkende Wildpflanzenmischungen als ein zusätzliches, „normales“ Fruchtfolgeglied auf Ackerflächen scheinen ein geeigneter Weg zu sein.

Das langfristige Ziel sollte ein ökonomisch und ökologisch wirksames Instrument zum nachhaltigen Nutzen von Ackerflächen sein. Dazu müssen die eingesetzten Ackerflächen festgelegte naturschutzfachliche Anforderungen dauerhaft erfüllen und ausreichende betriebswirtschaftliche Erträge für die Landwirtschaft durch zielorientierte staatliche Förderung (im Rahmen der GAP?) anbieten. Für den ganzen Projektzeitraum sind darum die betroffenen Zielgruppen der Land- und Jagdwirtschaft einzubeziehen. Auch sollte er wissenschaftlich-fachlich begleitet werden. Dadurch, dass wesentliche Zielgruppen (Flächeneigentümer und -bewirtschafter) beteiligt werden, können konkrete, akzeptable betriebswirtschaftliche und agrartechnologisch umsetzbare Rahmenbedingungen geschaffen werden. Einerseits gilt es praxisrelevante Erfahrungen in der Landwirtschaft zu sammeln und andererseits auch eine gesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen.

Es könnte zielführend sein, zukünftig in möglichst vielen landwirtschaftlichen Betrieben, einen regelmäßigen Anbau von blühenden Wildpflanzen als ertragreiches Fruchtfolgeglied zumindest auf Teilen der Ackerflächen ökonomisch so attraktiv zu gestalten, dass möglichst schnell viele Flächen wirken können.

Die Autoren

M.Sc. Hannes Hoffmann

2010 bis 2013 Bachelorstudium „Landschaftsökologie und Naturschutz“, 2014 bis 2016 Masterstudium „Biodiversität und Ökologie an der Uni Greifswald. Seit 2016 Doktorand an der Uni Kiel.

Dr. med. vet. Ulrich Fehlberg

1978 bis 1984 Studium der Veterinärmedizin, 1986 bis 1994 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wildtierforschung (Tiho Hannover). 1995 bis 1999 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Biogeographie (Uni Saarland & Trier),2014 bis heute wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Kiel (Abteilung Landschaftsökologie).