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Revells: Leopard 1 zivilisiert Schrottplatz könig


ModellFan - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 16.12.2019

Nachdem man unter Freunden einen „Gruppenbau“ plante, war der Autor mehr oder weniger gezwungen, sich auch mal dem Thema Bundeswehr zu widmen. Ein ausgefallenes Sonderfahrzeug ist das Ergebnis


Die Bundeswehr gehört nicht gerade zu meinen Schwerpunktthemen. Ein Grund dafür ist, dass mein Augenmerk eher auf stark gebrauchten Fahrzeugen liegt, was bei der Bundeswehr bekanntlich weniger der Fall ist – so dachte ich zumindest bisher. Auf der Suche nach einem passenden Vorbild für das „Gruppenbau“-Projekt wurde ich nach kurzer Zeit im Heft Militärfahrzeug Spezial No 5014 von Tankograd fündig. Auf Seite 50 ...

Artikelbild für den Artikel "Revells: Leopard 1 zivilisiert Schrottplatz könig" aus der Ausgabe 1/2020 von ModellFan. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ModellFan, Ausgabe 1/2020

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... stach mir sofort das „Bugsierfahrzeug“ ins Auge. Die Beschreibung weist auf einen Leopard 1A2 hin, allerdings finden sich auch Merkmale anderer Varianten. Einsatzort war Rockensußra (Panzerverschrottungsanlage), das Foto lieferte seinerzeit Frank Lobitz an Tankograd, mehr Infos gab es nicht. Ein Freund erzählte mir dann von einer Reportage über den Panzerfriedhof in Rockensußra, einem Ortsteil der Stadt Ebeleben in Thüringen, wo sich dieses Fahrzeug noch befinden sollte. Nach der Sichtung von Filmen und Fotos kam ich aber zu keinem befriedigenden Ergebnis. So hatte ich also nur dieses eine Foto zur Verfügung.

Welcher Bausatz?
Da den Leopard 1 mittlerweile mehrere Hersteller anbieten, hat man die Qual der Wahl. Ich entschloss mich durch ein Ausschlussverfahren, den richtigen zu finden. Als Sieger ging Revells Leopard 1A1 hervor. Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich einen Re- vell-Bausatz auf dem Tisch hatte, umso gespannter war ich auf die Qualität dieses Kits.

Die Planungsphase
Nach der ersten Durchsicht der Spritzlinge war ich positiv von der Qualität überrascht, aber Zurüstteile mussten trotzdem sein. Ein „Rundum-zufrieden-Paket“ in Sachen Ätzteile, zumindest was den Umfang betrifft, liefert Voyager Models. Das Set mit der Nummer PE35631 ist zwar eigentlich für den Leopard 1A3 von Meng vorgesehen, da es aber die Standardteile wie Werkzeughalterungen, Staukisten, Spritzlappen hinten, Rohr und weitere universelle Teile enthält, die bei allen Varianten die gleichen sind, ist dieses Set vielseitig einsetzbar und nicht nur für den Meng-Leopard zu empfehlen.

Ein einziges Foto lieferte die Basis für einen besonderen Leopard-1- Umbau, ein „Bugsierfahrzeug“, eingesetzt auf einem Schrottplatz


@Die Bauphase
Ich begann, wie üblich, mit der Unterwanne. Diese ist in fünf Teilen aufgebaut. Am Heck stieß ich auf ein kleines Manko: Die Rückleuchten sind in je einem Schutzrahmen eingebettet, hier waren noch die Schweißnähte zu ergänzen (1). Ein positiver Punkt ist, dass die Dämpferteile auf der Rückseite die Spritzling-Nummer aufweisen (2). Das schützt vor Verwechslungen. Ich bin ein Freund der Dynamik und freue mich immer, wenn sich ein Fahrwerk beweglich gestalten lässt. Leider ist das bei diesem Bausatz nicht so leicht umzusetzen, aber da es diesmal nicht nötig war, hier eher ein Pluspunkt. Und bevor ich Ober- mit der Unterwanne verkleben konnte entfernte ich die dicken angegossenen Spritzlappen an der Front und fertigte neue aus Bleifolie an (3). In diesem Arbeitsschritt schloss ich auch sämtliche nicht benötigte Löcher. Die riesigen Auspuffgitter ersetzte ich durch zwei Meng-Teile, welche mir optisch besser gefielen. Ganz perfekt waren diese auch nicht und ich detaillierte hier noch etwas nach (4).

Die Flecken auf den Betonplatten durch Ölverlust, der Moosansatz zwischen den Fugen und Laub brechen das monotone Grau


Dieser Leopard ist etwas modifiziert und seinem neuen Aufgabengebiet angepasst. Das bedeutet, die am Heck befindliche Werkzeugkiste ist, eventuell schon bei der Truppe, nach unten versetzt worden und fiel später ganz weg. Der Grund dafür dürfte die Halterung für die Schleppschere sein. Auch das Feldtelefon, das sich in dem runden Behälter befand, war etwas verschoben. Wahrscheinlich löste man nur eine der Befestigungsschrauben und drehte den Behälter nach unten (5). Für die Schleppseile brachte man auf dem Heck neue Halterungen an, der Grund ist mir unklar. Die Voyager-Ätzteile peppte ich etwas auf. So besserte ich zum Beispiel die Scharniere an den Kisten, diverse Schraubenköpfe und Unterlegscheiben nach (6) und änderte danach die Frontscheinwerfer durch Ausfräsen, lackierte innen silbern und setzte jeweils ein neues Glas aus der Restekiste ein (7). Dazu kam je ein Anschlusskabel aus MS-Draht. Den Flaschenzug samt Halterung hinten am aus Plasticsheet erstellten Ausleger, an Winkeln starr auf dem Motordeck montiert (nicht beweglich an der Kanonenblende), baute ich auch „Pi mal Daumen“ nach (8). Und da ich zu der deutschen Schleppschere ausgesprochen wenig im Internet fand und auch kein Original zur Hand hatte, schätzte ich die Maße von Fotos ab (9).

Arbeiten am Turm
Der Turm zeigt ursprünglich eine etwas eigenartige Oberfläche, die wohl den Eindruck einer groben Gussstruktur erwecken soll. Ich fand das gar nicht zufriedenstellend, deswegen schliff ich die Bereiche an und tupfte Mr. Surfacer 1200 (Flüssigspachtel) mit dem Pinsel auf (10, 11). Nachdem alles trocken war, erhielt ich so eine Oberfläche, die der eines Gussturmes eher entspricht (12).

Das Vorbild: Leopard 1

Basis für das Modell: Im Original umgebauter Leopard 1 in Rockensußra Foto: Frank Lobitz


Nachdem in den 1950er-Jahren mehrere Prototypen entstanden, stellte man unter der Bezeichnung „Standardpanzer“ das erste Fahrzeug am 11. Juli 1963 der Öffentlichkeit vor. Am 4. Oktober 1963 wurde der Kampfpanzer auf den Namen „Leopard“ getauft. Das erste Serienfahrzeug trat am 9. September 1965 bei der 4. Kompanie des Panzerlehrbataillons 93 seinen Dienst an.

Der Leopard 1 war und ist in zwölf anderen Staaten auf vier Kontinenten ein Erfolgsmodell, von dem diverse Abarten, etwa vom kanadischen stark zusatzgepanzerten Leopard C1A1 bis hin zum Leopard 1A5 und zum Flakpanzer, existieren. Die letzten Leopard 1A5 standen noch bis 2003 im Dienst der Bundeswehr.

Details wie Fass, Kanister und Getränkeflasche bilden Eyecatcher. Die Flasche ist von unten ausgefräst und mit Farbe „befüllt“


Auch am Turm finden sich wieder einige Änderungen. Die bemerkenswerteste ist meiner Meinung nach die Stoffabdeckung zwischen Turm und Kanonenblende. Die erstellte ich mit „Magic Sculp“ (2K-Spachtel). In die noch nicht ausgehärtete Masse habe ich u-förmige Ösen gesteckt. Durch diese zog ich nach dem Durchtrocknen der Masse einen Nähfaden. Anschließend benetzte ich diesen noch mit einem Wasser-Holzleim- Gemisch. Das bewirkte, dass der Faden seine Starrheit verlor und in der gewünschten Position verblieb. Hinzu kamen dann noch weitere Verfeinerungen wie die Winkelspiegel und die Endkappen des E-Messers (13).

Tarnen und altern
Auf die mattschwarze Grundierung (14) spritzte ich einen Grünton, gemischt aus mehreren Tamiya-Farben (15). Die Basis hellte ich nach jedem Durchgang ein biss- chen mehr auf, da auch das Original ausgebleicht ist (insgesamt drei bis vier Mal je nach eigenem Gefallen). Die Schritte setzte ich auch bei dem darauf anstehenden Bearbeiten von Braun und Schwarz um. Die Tarnflecken deckte ich dabei mithilfe von Maskierknete (MBK) ab (16).

Nach dem Trocknen der Tarnung brachte ich die Markierungen mittels Schablonen von Stencilit auf (17, 18) und malte mit Weiß nach (19). Schablonen sind für mich das beste Mittel, um Markierungen aufzubringen.

Bei Decals läuft man Gefahr, dass sie Ränder hinterlassen, an denen sich die spätere Alterung eventuell festsetzt.

Nun konnte auch schon das Altern beginnen, und zwar mit Ölfarben. Alle benötigten Fläschchen stellte ich auf einer Palette (Pappe, Sheet) bereit. Als Verdünner verwende ich nur White Spirit von AK Interactive, da dieser „sanft“ ausläuft und keine Ränder bildet (20). Bei der Plastik-Einzelgliederkette griff ich allerdings auf Shell Sol T als Verdünner zurück, da dieser weniger aggressiv ist und die Verbindungen nicht angreift.

Nach dem „Einölen“ stand das Einstauben mit Pigmenten an (21). Sollten Schmutz beziehungsweise Effekte nicht zufriedenstellend ausfallen, kann man über die Staubschicht logisch erklärbare Spritzer oder Tropfen, wie zum Beispiel Öl, verteilen (22).

Da dieses Fahrzeug mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nie einen Fronteinsatz erlebte und während seiner Bundeswehrzeit immer top gepflegt war, findet man nicht allzu viele Kratzer und Schrammen. Ein paar kleinere Macken konnte ich mir dennoch nicht verkneifen, schließlich macht es ein Fahrzeug optisch interessanter (23).

Kleine Details, die auch am Original zu sehen sind, wie das blaue Ölfass, der sehr gebrauchte gelbe Eimer und der grüne Kanister, wollte ich unbedingt übernehmen. Solche farblichen Abwechslungen freuen das Auge und machen das Fahrzeug (die Szene) interessant (24).

Nach Foto ist vor allem das Heck umgebaut, der übrige Panzer entspricht weitgehend einem „normalen“ Leopard 1


Die passende Base
Styrofoam ist ein Werkstoff, der bei fast jedem meiner Modelle zum Einsatz kommt. Ich schnitt zuerst eine Platte mit den Maßen des Sockels zurecht. Nach dem Aufkleben und Aushärten zeichnete ich mit Bleistift die Fugen der Betonplatten auf, schnitt diese mit dem Skalpell vor (25) und brachte sie mit einer Graviernadel in Form (26). Bei diesem Schritt kann man auch gleich diverse Beschädigungen wie Risse in die Platten ritzen (27). Die betontypische raue Oberflächenstruktur ließ sich mit einer kleinen Drahtbürste erzeugen (eindrücken) (28). Als diese Arbeitsschritte erledigt waren, standen der Auftrag einer schwarzen Grundierung und einer blaugrauen Betonfarbe an, hier in fünf Schritten aufgehellt (29, 30). Eine gelbe Bodenmarkierung bricht die monotone Oberfläche auf (31). Es fand hier die gleiche Prozedur der Alterung statt wie für das Fahrzeug beschrieben (32). Joefix lieferte Grasbüschel in verschiedensten Farbtönen. Ich schnitt aus diesen Büscheln dünne Streifen heraus und klebte sie in die Fugen (33). Kleine Pfützen ließen sich leicht mithilfe von Puddels (AK) erzeugen. Für weitere Abwechslung sorgten Laubblätter, die aus bemaltem Majoran und Birkensamen bestehen (34).

Resümee
Erstaunlich, was aus so einem „Gruppenbau“- Projekt entstehen kann: Ein einziges Foto als Grundlage, ein guter Bausatz als Basis, etwas Logik, Recherche und Eigeninitiative, ein paar Details aus dem Zubehör und eine selbst gebaute Base ergeben ein äußerst interessantes Panzerfahrzeug in 1:35, das außerdem Seltenheitswert hat. Das nächste Projekt kann kommen …

David Strauß Mit dem Modellbau hat der 38-Jährige Dresdner schon in jungen Jahren begonnen. Anfänglich in 1:72 unterwegs, wuchs der Maßstab auf 1:35. Der Schwerpunkt lag lange Zeit bei deutschen 1939er- bis 1945er-Fahrzeugen. Mittlerweile hat sich das Spektrum sehr erweitert. Moderne Fahrzeuge sowie Science-Fiction, etwa Modelle aus Star Wars, bringen David Abwechslung ins Hobby und sorgen für mehr Experimentierfreudigkeit.