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REVIERGESTALTUNG: Frisches Grün und freie Sicht


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 07.02.2019

Rehwild ist in Waldrevieren oft schwer zu bejagen. Claudia Elbing und Michael Schmid versuchten, aus Rückegassen attraktive Äsungsflächen und Jagdmöglichkeiten zu schaffen.


Artikelbild für den Artikel "REVIERGESTALTUNG: Frisches Grün und freie Sicht" aus der Ausgabe 3/2019 von Wild und Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Wild und Hund, Ausgabe 3/2019

Sämtliche Bearbeitungen müssen zuvor mit dem Waldbesitzer abgeklärt werden. Hier besprechen Jäger und Förster das Rückegassen-Netz.


Polternd und qualmend quält sich das riesige Ungetüm über Reisig, Äste und Fichtenkronen. „380 PS“, erklärt Fahrer Alexander Kromer stolz. Der zum Forstmulcher umgerüstete, ehemalige Maishäcksler wird im Gemeindewald Winterlingen vorwiegend zum Beseitigen von Schlagabraum, zur Kulturvorbereitung und zum ...

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Polternd und qualmend quält sich das riesige Ungetüm über Reisig, Äste und Fichtenkronen. „380 PS“, erklärt Fahrer Alexander Kromer stolz. Der zum Forstmulcher umgerüstete, ehemalige Maishäcksler wird im Gemeindewald Winterlingen vorwiegend zum Beseitigen von Schlagabraum, zur Kulturvorbereitung und zum Anlegen von Rückegassen in Jungbeständen eingesetzt. Aber auch Stockrodungen sind kein Problem. Der Arbeitsauftrag für heute stammt aber nicht vom Förster, sondern vom Jagdpächter.

Die Gemeinde bietet ihren Jägern an, in Absprache mit den Forstbeamten, Rückegassen als Äsungs- und Schussschneisen zu nutzen. Die nicht befestigten, vier bis fünf Meter (m) breiten Erschließungslinien durchziehen den Gemeindewald in Abständen von 20 bis 60 m und dienen in erster Linie Forstmaschinen zum Befahren. Die praktische, seit vielen Jahren bewährte Vorgehensweise für den Jäger ist einfach: In einem ersten Durchgang wird die Rückegasse mit dem Forstmulcher bearbeitet. Dabei zerkleinert die leistungsstarke Maschine Restholz, Astmaterial, Naturverjüngung und gegebenenfalls Wurzelstöcke. Gleichzeitig werden Fahrspuren eingeebnet. Zurück bleibt ein mehr oder weniger dichter Teppich aus Hackschnitzeln, Humus, Laub- und Nadelresten. Ergibt sich dieser erste Arbeitsschritt nicht aus der normalen Waldbewirtschaftung, übernimmt die Gemeinde jährlich die Kosten für die erste jagdliche Einsatzstunde. Gut organisiert (kurze Umsetzstrecken, ortskundiger Begleiter, Karte) lassen sich in ein bis zwei Stunden alle groben Arbeiten in einem Durchschnitts-Waldrevier erledigen.

Der Forstmulcher zerkleinert Reste von forstlichen Eingriffen, Naturverjüngung und sogar Baumstümpfe.


Vorteile Jagd:
► Die Äsungsverhältnisse für Rehwild verbessern sich.
► Rehe treten vermehrt auf den attraktiven Gassen aus und werden wieder sicht- und bejagbar.
► Hochsitze lassen sich gezielt aufstellen.
► Der Zeitaufwand pro erlegtem Stück sinkt.
► freies Schussfeld, keine Hindernisse in der Geschossflugbahn
► Die Gassen lassen sich als Pirschpfad nutzen, aktive Tagjagd ist wieder möglich.
► Die Schneisen sind gute Spür- und Kontrollbahnen bei Schnee.
► Schuss- und Jagdmöglichkeit bei „Sauen fest“ und Drückjagd

Vorteile Forst:
► Eine an die Waldverjüngung angepasste Wilddichte ist leichter zu erreichen.
► Die attraktive Äsung auf den Gassen kann Rehwild von gefährdeten Kulturen und Naturverjüngungen ablenken.
► Waldbestände mit gemulchten Gassen sind übersichtlich strukturiert und gut begehbar.
► Aus Arbeitsgründen kann sich, vor allem in Verjüngungen (Kultursicherung, Jungwuchspflege, Wildschutz, Wildschadenkontrolle), die Anlage eines gemulchten Gassensystems auf Betriebskosten lohnen.
► Dichter Grasbewuchs erhöht die Tragfähigkeit der Rückegasse.

Erster Durchgang/Forstmulcher:
► Um keine Gelege und möglichst wenig Tiere zu gefährden, wird er bevorzugt von Spätsommer bis Winter eingesetzt.
► Die Gassen werden in zwei Schritten bearbeitet: 1. Zerkleinern von stehender Vegetation und Restholz bei Schubfahrt, 2. Einarbeiten des zerkleinerten Materials in den Oberboden bei Zugfahrt.
► Die meisten Gassen erfordern doppelte Arbeitsbreite.
► Die Leistung ist stark von den Gegebenheiten vor Ort abhängig (Material, Hang, Witterung) und kann im Optimalfall bei doppelter Arbeitsbreite bis zu einem Kilometer/Stunde betragen.
► Die Systemkosten liegen bei 140 bis 200 Euro/ Stunde (zuzüglich Mehrwertsteuer).

Folgedurchgänge/Wiesenmulcher:
► Der erste Schnitt erfolgt drei bis vier Wochen nach der klassischen Heuernte im Feld. Die Jungvögel der Bodenbrüter sind flügge, eventuell auf den Gassen gesetzte Rehkitze können flüchten. Ein zweiter Schnitt bietet sich Ende August an. Das danach entstehende Grün hält sich bei moderater Höhe bis in den Winter.
► Zur Bearbeitung der Krautvegetation ist nur ein Fahrdurchgang, meist mit doppelter Arbeitsbreite, erforderlich.
► Bei vorgepflegten Gassen liegt die Leistung unter günstigen Voraussetzungen bei doppelter Arbeitsbreite bei zwei bis drei Kilometern/Stunde.
► Die Systemkosten betragen circa 70 bis 100 Euro/Stunde (zuzüglich Mehrwertsteuer).

Erstbearbeitung mit dem Forstmulcher


Schneisen- und Aufwuchspflege mit dem Wiesenmulcher


Gut für heimliche Dickungsrehe und Drückjagdsauen: Die Schneise bietet Äsung und Schussfeld.


Auf dem Mulchteppich etabliert sich in Folge eine dichte, für Rehwild wenig attraktive Kahlschlagflora aus nährstoffliebenden Pflanzen, wie Disteln, Brennnesseln und Springkraut. Sie lassen sich mit einem landwirtschaftlichen Schlepper leicht abmulchen. Erfolgt der Einsatz regelmäßig – je nach Klima, Licht- und Bodenverhältnissen sind in der Vegetationsperiode ein bis drei Durchgänge erforderlich – entwickelt sich daraus eine vielfältige, standortgerechte Blumenwiese. Vor allem beliebte Äsungspflanzen, wie Luzerne und Süßgräser, profitieren von der Bearbeitung mit dem auf circa fünf Zentimeter (cm) Arbeitshöhe eingestellten Wiesenmulcher.

Kostspielige Saaten und der Einsatz von Kunstdünger erwiesen sich, zumindest auf der Schwäbischen Alb (Höhenlage 700 bis 950 m, Kalkverwitterungslehm), als überflüssig und sind dort zudem vom Waldbesitzer aus Zertifizierungsgründen verboten.

Das zu bearbeitende Gassennetz plant man zusammen mit dem zuständigen Förster am besten anhand der Revierkarte. Besonders geeignet für den Mulchereinsatz sind Gassen in Endnutzungs- und Räumungsbeständen direkt nach dem Hieb. Dann sind die Holzerntemaßnahmen für viele Jahre abgeschlossen. Für das Wild entstehen attraktive Einstände, und es gilt, Verbiss an Kulturen und Naturverjüngungen zu reduzieren. Auch in Dickungen lohnen sich gemulchte Gassen. Sie werden durch den Forstbetrieb wenig befahren, die Äsungsmöglichkeiten werden verbessert, und Rehwild wird dort wieder bejagbar. Weniger geeignet sind mittelalte Durchforstungsbestände. Hier erfolgen in regelmäßigem Turnus Einschläge, die Gassen werden häufig befahren, und der Lichteinfall für die angestrebte Wiesenvegetation ist zu gering.

An jagdlichen Schwerpunkten (Kirrung, hohe Verbissbelastung) bietet sich von Fall zu Fall eine verbreiterte Rückegasse an. Meist genügt die doppelte Breite (acht bis zehn Meter) auf Waldschussentfernung von circa 80 m. Auch die Anlage größerer Äsungsflächen kann in großen, geschlossenen Waldkomplexen sinnvoll sein. Selbstverständlich geht das ebenfalls nur mit Erlaubnis des Waldbesitzers.

Um Waldbesucher nicht in die Bestände zu locken, beginnt man mit dem Mulchereinsatz erst 50 bis 100 m nach der Anbindung an befestigte Forstwege. Bei gut einzusehenden Gassen am Hang möglichst noch später. Selbstverständlich behalten sich die Forstbetriebe auch nach dem Mulchen ein Befahren der Rückegassen vor. Die Schäden halten sich dabei in der Regel in Grenzen. Erst nach einem massiven Holzeinschlag ist ein vollständig neuer Bearbeitungszyklus fällig.

Die enge Kooperation zwischen Waldbesitzer und Jagdpächter hat sich im beschriebenen Revier über viele Jahre bewährt. Das punktuell gemulchte Rückegassennetz erleichtert bei moderaten Kosten die Jagd und die Waldbewirtschaftung. An die örtlichen Gegebenheiten angepasst, sind ähnliche Modelle sicher auch in anderen Revieren denkbar.


Foto: Stefan Meyers

Fotos: Claudia Elbing

Fotos: Claudia Elbing