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Revierverschmutzung: Tagebaue zu Windparks


neue energie - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 09.02.2019

Wie geht es mit den Kohlerevieren weiter, wenn der Ausstieg kommt? Ein Weg könntenSolar- und Windkraftanlagen auf ehemaligen Tagebauflächen sein. Das ist technisch nicht ganz einfach, die wahren Hürden liegen aber woanders.


Aktivisten in Baumhäusern, Räumung durch die Polizei, Massendemonstrationen von Kohlegegnern: Der Hambacher Wald im Rheinischen Revier ist zum Symbol der Proteste gegen die Braunkohleverstromung in Deutschland geworden. Umfragen zufolge befürworten die meisten Menschen hierzulande einen baldigen Kohleausstieg. Vier Fünftel fänden auch einen Plan gut, den sich Greenpeace Energy ...

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Bildquelle: neue energie, Ausgabe 2/2019

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... ausgedacht hat: die Braunkohlesparte von RWE kaufen und stilllegen und auf den ehemaligen Tagebauflächen Wind- und Solaranlagen bauen – gut ein Drittel kann sich sogar vorstellen, Geld in dieses Projekt zu investieren, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar Emnid im Auftrag von Greenpeace Energy ergab.

Die Zukunft der Braunkohle? Am Rande des Tagebaus Garzweiler im Rheinischen Revier stehen bereits mehrere Vestas-V80-Anlagen. Weitere Windparks im Revier könnten folgen.


Ende Januar wurde zudem bekannt, dass eine Gruppe von Unternehmen aus dem Energiesektor ein ähnliches Konzept verfolgt. Die Firmen, darunter der Baywa- Konzern und der ehemalige Braunkohlebetreiber Vattenfall, erklärten, ab 2020 könnten Sie in Tagebaugebieten Solar- und Windparks ohne Förderung betreiben – eine Anlagenleistung von mindestens 250 Megawatt vorausgesetzt. Von einer Bürgerbeteiligung ist allerdings im Unterschied zu Greenpeace Energy nicht die Rede.

Wackelige Grundlage

Dass ehemalige Tagebaue sich generell als Standort für Windkraft eignen, beweist unter anderem der Windpark Forst Briesnig. Auf stillgelegten und rekultivierten Flächen des Tagebaus Jänschwalde im Lausitzer Revier drehen sich seit Dezember fünf Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 16 MW. Allerdings war der Bau laut der hessischen Firma Abo Wind, die das Projekt realisiert hat, sehr viel aufwändiger und somit auch deutlich teurer als an anderen Standorten. „Nach dem Fördern der Kohle in 95 Metern Tiefe ist die Erde einfach aufgeschüttet worden und dadurch viel lockerer als normal“, erklärt Pressesprecher Daniel Duben. Abo Wind habe den Boden verdichten sowie 32 Betonpfähle von 15 bis 21 Metern Länge darin einlassen müssen, um die Fundamente der 200-Meter-Mühlen abzusichern.

Nachdem das Unternehmen die technischen Herausforderungen eigenen Angaben zufolge erfolgreich gelöst hat, sieht es sich für weitere Projekte in Bergbaufolgelandschaften gewappnet. „Viele Tagebaue eignen sich extrem gut“, sagt Duben. „Sie sind weit weg von der Wohnbebauung, es gibt dort kaum Natur, und oft liegen auch noch Leitungen in der Nähe.“ Der Windparkbauer sieht dort noch viel Potenzial, trotz der höheren Kosten.

Auch für Photovoltaikanlagen bieten ehemalige Tagebaue reichlich Platz. Im stillgelegten Braunkohletagebau Meuro, ebenfalls im Lausitzer Revier, verteilen sich PV-Module über rund 1000 Hektar Fläche. Der 2011 in Betrieb gegangene Solarkomplex Senftenberg, der aus vier Solarparks besteht, war damals nach Betreiberangaben der größte der Welt und hat heute eine Gesamtkapazität von 246 MW. Die meisten Restlöcher in Deutschland werden allerdings geflutet – bieten als Seen aber wiederum Möglichkeiten für schwimmende PV-Anlagen.


”Viele Tagebaue eignen sich extrem gut.“
Daniel Duben, Abo Wind


Strukturwandel mit Power-to-X

Eine differenzierte Flächenanalyse in drei der vier deutschen Tagebauregionen wurde im Rahmen einer Studie vorgenommen, die das Bundeswirtschaftsministerium beauftragt hatte: im Lausitzer, im Rheinischen und im Mitteldeutschen Revier. Für das Helmstedter Revier lagen nicht genügend Daten vor. Die Studie, die im Oktober 2018 unter dem Titel „Erneuerbare-Energien-Vorhaben in den Tagebauregionen“ veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass überall „signifikante Potenziale“ bestehen. Am besten schnitt das Lausitzer Revier ab: Dort wurde ein Potenzial von knapp zwei Gigawatt (GW) für Windkraft und rund neun GW für Solarenergie ermittelt. Die Autoren sehen besondere Chancen in hybriden Großkraftwerken, die beide Technologien verbinden, und – darauf aufbauend – in einer verstärkten Errichtung von Power- to-X-Anlagen (neue energie 12/2018).

Die Nutzung Erneuerbarer könne zu einem erfolgreichen Strukturwandel beitragen, etwa indem Jobs geschaffen und die Menschen und Kommunen vor Ort wirtschaftlich beteiligt werden. Eine Fallstudie für die Lausitz ergab, dass allein durch Planung, Installation und Betrieb der von 2018 bis 2030 zugebauten Anlagen in der Tagebauregion eine regionale Wertschöpfung von mehr als 120 Millionen Euro und ein Beschäftigungseffekt von mehr als 1000 Vollzeitstellen generiert werden kann. Die Produktion von Erneuerbaren-Anlagen in der Region wurde nicht mit berücksichtigt, da die zukünftigen Entwicklungen bei den Herstellern nicht seriös abzuschätzen seien. Es sei aber von zusätzlicher Wertschöpfung und Arbeitsplätzen auszugehen. Allerdings bedarf es der Studie zufolge einer Reihe von Voraussetzungen, um die ermittelten Potenziale auch zu erschließen. Länder, Kommunen und Planungsträger müssten Flächen sichern, Bund und Länder zielgenaue Förderins trumente und geeignete Rahmenbedingungen schaffen. Beispielsweise empfehlen die Autoren einen speziellen Förderfonds für die Kommunen in den Revieren.

Einige Förderinstrumente gibt es bereits, darunter das Bundesmodellvorhaben „Unternehmen Revier“, das den Strukturwandel mit jährlich vier Millionen Euro unterstützt. Kern des Programms, das seit 2017 läuft, sind Ideen- und Projektwettbewerbe; einzelne Projekte können mit bis zu 200 000 Euro gefördert werden. Ein Ideenwettbewerb läuft etwa noch bis zum 22. Februar im Mitteldeutschen Revier. Förderungswürdig sind unter anderem Energieprojekte zu innovativen Speichern, dezentraler Stromerzeugung oder zur Wärmeversorgung. Letzten Endes gilt dann für alle Ideen, die sich zur Zukunft der Braunkohlereviere in Zeiten der Energiewende gerade finden: Auf die Umsetzung kommt es an.

Tiefschürfend: Auf einer stillgelegten Fläche des Tagesbaus Jänschwalde in Brandenburg hat der Windpark-Planer Abo Wind fünf Anlagen errichtet. Um die Mühlen in dem lockeren Boden fest zu verankern, mussten Spezial maschinen 15 Meter tiefe Löcher in den Grund bohren.


Foto: Ulrich Mertens