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REVIEWS


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Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 14.06.2022

PLAYLISTS

SEBASTIAN KESSLER

1. Arch Enemy DECEIVERS

2. Rxptrs LIVING WITHOUT DEATH’S PERMISSION

3. Mantar PAIN IS FOREVER AND THIS IS THE END

Enttäuschung: Dampf

Überraschung: Rxptrs, Heart Attack, Horizon Ignited

Vorfreude auf: Open Airs, Amon Amarth

Der/die witzigste Heavy Metal-Musiker/in:

Devin Townsend

KATRIN RIEDL

1. Arch Enemy DECEIVERS

2. Paganizer BEYOND THE MACABRE

3. Rxptrs LIVING WITHOUT DEATH’S PERMISSION

Enttäuschung: Jorn

Überraschung: Rxptrs, Goldsmith

Vorfreude auf: Amon Amarth

Der/die witzigste Heavy Metal-Musiker/in:

Steve „Lips“ Kudlow (Anvil)

MATTHIAS WECKMANN

1. Grey Daze THE PHOENIX

2. Arch Enemy DECEIVERS

3. Porcupine Tree CLOSURE/CONTINUATION

Enttäuschung: Corvus Corax

Überraschung: Schandmaul

Vorfreude auf: Amon Amarth

Der/die witzigste Heavy Metal-Musiker/in:

Jack Black

FRANK THIESSIES

1. Porcupine Tree CLOSURE/CONTINUATION

2. Greg Puciato MIRRORCELL

3. Dan Reed Network LET’S ...

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3. Dan Reed Network LET’S HEAR IT FOR THE KING

Enttäuschung: Nichts

Überraschung: Rxptrs Vorfreude auf:

Die The Black Crowes-Tournee

Der/die witzigste Heavy Metal-Musiker/in:

Lemmy Kilmister (Motörhead, R.I.P.)

PETRA SCHURER

1. Belphegor THE DEVILS

2. Werewolves FROM THE CAVE TO THE GRAVE

3. Porcupine Tree: CLOSURE/CONTINUATION

Enttäuschung: Dampf

Überraschung: Goldsmith, Temple Of Void

Vorfreude auf: Dismember

Der/die witzigste Heavy Metal-Musiker/in:

Abbath (Ex-Immortal).

RAPHAEL SIEMS

1. Arch Enemy DECEIVERS

2. Motionless In White SCORING THE END OF THE WORLD

3. Rxptrs LIVING WITHOUT DEATH’S PERMISSION

Enttäuschung: Milking The Goatmachine = gar nicht sooo ekliger Grindcore

Überraschung: Traitor verthrashen George Michaels ‘Careless Whisper’

Vorfreude auf: Soulfly

Der/die witzigste Heavy Metal-Musiker/in:

Kein reiner Schwermetaller, aber Grenzgänger: Jack Black.

ALESTORM

Seventh Rum Of A Seventh Rum

Folk Metal 4

NAPALM/UNIVERSAL (11 Songs / VÖ: 24.6.)

Man schwankt wie an Deck eines wellengepeitschten Segelschiffs: Einerseits klingt das siebte Album von Alestorm vollkommen erwartbar. Andererseits macht SEVENTH RUM OF A SEVENTH RUM durchaus Laune. Dann wieder haben andere Alben der verhaltensauffälligen Piratenmetaller (darunter der direkte Vorgänger CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT) vorbehaltloser am Schopf gepackt und auf die Feier mitgerissen. Vielleicht liegt es am einsetzenden Gewöhnungseffekt? Für diese steile These spricht, dass es mit den dichten Schotten immer dann am meisten Spaß macht, wenn sie einen überraschenden Haken schlagen. Die musikalischen (Nintendo-Sounds treffen auf Folk-Fanfaren) und textlichen Grenzüberschreitungen („Stick a cannonball up your cunt, yoho“) eines ‘Cannonball’ reizen kaum noch zu mehr als einem müden Lächeln. Im Gegensatz etwa zu ‘Under Blackened Banners’, das sich von einer Synthie-Einleitung hin zum Rock’n’Roll-Höhepunkt mit Schweineorgelsolo entwickelt, ‘Return To Tortuga’, das zum aufgekratzten Metal-Finale aufdreht, oder wenn ‘Magellan’s Expedition’ lateinische Chöre aufführt. Folgerichtig punktet das Album gegen Ende, wo ‘Come To Brazil’ Hardcore-Geschütze auffährt und ‘Wooden Leg (Part III)’ majestätisch-balladesk in den Hafen fährt. Geht doch. Und live sowieso noch mehr.

SEBASTIAN KESSLER

ALEXISONFIRE

Otherness

Postcore 6

DINE ALONE/MEMBRAN (10 Songs / VÖ: 24.6.)

13 Jahre (wenn man das letzte Studiowerk OLD CROWS / YOUNG CARDINALS von 2009 zählt) beziehungsweise zehn Jahre (wenn man die EP DEATH LETTER von 2012 hernimmt) lang nichts von sich hören zu lassen, ist ganz schön krass. Klarsänger Dallas Green war offensichtlich zu sehr mit seiner Indie-Kapelle City And Colour beschäftigt. Es ist, wie es ist: Die fünf Kanadier machen auf jeden Fall dort weiter, wo sie aufgehört haben – und erforschen weiterhin ihre experimenteller Ader, die zuletzt unter anderem in ‘The Northern’ und ‘The Burial’ auf OLD CROWS / YOUNG CARDINALS zutage getreten ist. Und das steht ihnen extrem gut. Repetitive Riffs und Rhythmen (‘Committed To The Con’), betörende Melodien (‘Blue Spade’), aufrüttelnde Growls – Alexisonfire verstehen es wie keine andere Band, Postcore mit Pop-Einschlag (‘Dark Night Of The Soul’) zu spielen. Und durch den Ansatz, nicht vornehmlich auf Tanzflurfüller zu setzen, sondern auf sich aufbauende, stimmungsvolle Stücke, ist diese Band noch einmal unheimlich gewachsen. Die Pause hat Alexisonfire merklich gutgetan.

LOTHAR GERBER

ALTARIA

Wisdom

Melodic Metal 5

REAPER (11 Songs / VÖ: 8.7.)

Nach einer mehr als eine Dekade andauernden Pause kehren die finnischen Melodiemeister Altaria mit einem neuen Studioalbum zurück. Und das in gewohnter Besetzung, also mit unter anderem Ghost Machinery-Sänger Taage Laiho am Mikrofon. Verlernt hat die Truppe seit dem letzten Album UNHOLY (2009) nichts, der Fünfer hat noch immer ein außergewöhnliches Gespür für eingängige Melodien, die nur in Ausnahmefällen in Klischees verfallen. Songs wie ‘Diablo Rojo’‚ (Anspieltipp), ‘Without Warning’ oder ‘Victory Of Winter’ schmeicheln sich schon beim ersten Durchlauf in die Gehörgänge – und wollen dort auch nicht mehr weg. Als besonderes Bonbon für Fans der ersten Stunde haben die Finnen den Song ‘History Of Times To Come’ vom Debüt INVITATION neu eingespielt, und als Bonus wurde vom selben Album ‘Kingdom Of The Night’ neu vertont. Damit schlagen die Skandinavier eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, was nichts anderes bedeutet, als dass dieses Album sowohl für gestandene Fans als auch für Neueinsteiger funktioniert.

MARC HALUPCZOK

ANDY BRINGS & BAND

Süden

Rock 2,5

METALVILLE/RTD (11 Songs / VÖ: erschienen)

Süden – das klingt nach Strand, Meer und Urlaub, und eigentlich gar nicht nach Rock. Trotzdem schafft es SÜDEN, das neue Album von Andy Brings & Band, irgendwie, die sommerlichen Assoziationen mit härteren Klängen zusammenzubringen. Nachdem der ehemalige Sodom-Gitarrist für den Auftritt seiner Band Double Crush Syndrome im ‘ZDF-Fernsehgarten’ 2019 einige Häme einstecken musste, schreit SÜDEN förmlich: „Jetzt erst recht!“ Er scheint mit Humor zu nehmen, dass man ihn einen Szeneverräter nannte. Denn SÜDEN ist ... anders. Es gibt die Rock-Gitarren, die man von ihm erwartet, es gibt hartes Schlagzeug und schnelle Passagen, aber durch New Wave-Klänge (‘Tik Tak’) und Schlager-Anleihen (‘Tut mir leid’) gibt es eben auch eine gehörige Portion Neue Deutsche Welle. Der Achtziger-Sound wird sich auch eingestanden, das beweist eine Referenz an den Filmklassiker ‘Breakfast Club’ im sonst harten Opener ‘Rock’n’Roll’. SÜDEN traut sich was, das ist nicht zu leugnen, und da die poppigen Songs allesamt Ohrwurmcharakter haben, wurde auch grundsätzlich etwas richtig gemacht. Das heißt allerdings nicht, dass sich einem bei vielen der durchweg deutschen Texte nicht die Fußnägel hochrollen. „Das wird so geil, ja weil wir gehen zusammen jetzt so richtig steil“ aus ‘Rette mir’ ist nur ein Beispiel. Vielleicht spielt Brings inzwischen nur noch mit seinem Image – aber egal, wie ernst SÜDEN gemeint ist: Beim nüchternen Hören klingt der Norden nach einem besseren Ziel.

ANNIKA EICHSTÄDT

ARCH ENEMY

Deceivers

Melodic Death Metal 6

CENTURY MEDIA/SONY (11 Songs / VÖ: 12.8.)

Wenn man so will, lässt sich DECEIVERS als „Make it or break it“ in Arch Enemys zweitem Frühling ansehen – handelt es sich doch um das dritte Werk mit Alissa White-Gluz, die den 1995 in Schweden formierten Melodic Death-Metallern neuen Aufwind, wenn nicht gar (Kunstleder-)Flügel verlieh. Ihr Einstieg mit WAR ETERNAL (2014) wirkt seltsamerweise bis heute präsenter als das folgende WILL TO POWER (2017) – umso mehr drängt sich die Frage auf, wo sich DECEIVERS einsortieren wird. Doch bereits dessen Beginn überrascht: Zwar faucht ‘Handshake With Hell’ gewohnt angriffslustig vor sich hin, beinhaltet im Verlauf aber auch tollen Klargesang der Vokalistin – ein ungewöhnliches, aber richtig gelungenes Stück! Auch im Quasi-Titel-Track ‘Deceiver, Deceiver‘ sowie bei ‘In The Eye Of The Storm’ kommen Fans melodischer Aggressivität und Riff-Gewalt voll auf ihre Kosten. Zu wahrer Höchstform läuft das Quintett im wüst ballernden, im Refrain hymnischen ‘The Watcher’ auf – in diesem Albumhöhepunkt spielt die Truppe all ihre Stärken aus und präsentiert sich in unwiderstehlicher Form. Ähnliches gilt für das orchestriert-harmonisch eingeleitete ‘Poisoned Arrow’. ‘Sunset Over The Empire’ und das mit Chören ausgeleitete ‘Spreading Black Wings’ ziehen indes richtig pompöse Saiten auf und empfehlen sich nicht zuletzt dank ihrer „Hey“-Passagen als künftige Kandidaten zur Live-Interaktion. Etwas weniger offensiv, aber dennoch spannend klingt die dazwischen platzierte Single ‘House Of Mirrors’. Nach dem atmosphärischen Gitarren-Intermezzo ‘Mourning Star’ leiten mit ‘One Last Time’ und ‘Exiled From Earth’ zwei melodisch-melancholische Nummern den 45-Minüter aus und laden zur Reflexion des Gehörten ein – obwohl nicht alles gleich im ersten Anlauf zündet, beginnt man spätestens ab Durchgang zwei zu begreifen, mit welchem Monster von Album man es hier zu tun hat. Nachhall garantiert.

KATRIN RIEDL

ASTRONOID

Radiant Bloom

Shoegaze 4

CENTURY MEDIA/SONY (9 Songs / VÖ: erschienen)

Schon mal das Gefühl gehabt, vor deinen Augen wird gerade eine Galaxie geboren, in Echtzeit? Im Opener ‘Admin’ passiert genau das. Die Musik schillert, wirbelt, gewaltige Dampfwolken steigen auf. Die helle Stimme von Brett Boland, die ploddernden Synthies, die lichternden Gitarren – alles strahlt kosmischen Aufbruch aus. Leider schwindet diese Euphorie von Track zu Track; ein Problem, das bereits den Vorgänger ASTRONOID kennzeichnete. Aus proggiger Erregung wird allzu schnell unverbindliche Flauschigkeit, und man muss schon sehr im Thema drin sein, um die Song-Ideen der Post Metal-Shoegazer aus Boston zu differenzieren. Die Versatzstücke sind bekannt: die Stimmung in Pastellfarben, schön wulleweich gewaschen. Die schwebenden Melodien, die im Ungefähren verlaufen. Die rührige Doublebass und die ab und zu doch recht schrabbeligen Gitarren. Die einzelne Sologitarre, die sich gniedelnd aus dem Nebel hebt. Die Vocals, verträumt wie aus Wolkenkuckucksheim. Unterschwellig spürt man hier und da Aggression (‘Human’, ‘Sedative’), aber rasch kehren Astronoid zurück zum durchgecoachten Emo-Gaze. Die Band sagt, dies sei ihr persönlichstes Album und handle vom „Strudel des Lebens“. Mir würde schon reichen, wenn es etwas mehr vom Strudel des Openers hätte.

MELANIE ASCHENBRENNER

BELPHEGOR

The Devils

Death/Black Metal 5,5

NUCLEAR BLAST/RTD (9 Songs / VÖ: erschienen)

Die Österreicher Belphegor lassen es mit THE DEVILS ordentlich krachen. In jeder Hinsicht: Der sehr druckvolle Sound wurde in den Fascination Street Studios von Jens Bogren (unter anderem Amon Amarth, Kreator) abgemischt, die Schlagzeugaufnahmen von David Castillo (unter anderem Carcass, Sepultura) betreut, das imposante Cover von Septicfleshs Seth Siro Anton beigesteuert... Und die Songs? Die für Belphegor ungewöhnlich lange Pause von fünf Jahren seit dem letzten Studioalbum TOTENRITUAL hat THE DEVILS scheinbar gutgetan. Die neun Songs setzen konsequent die bisher konsequent eingeschlagene Linie fort, schlagen eine Brücke zwischen Death und Black Metal und loten dabei diverse Extreme aus. Rasante Blastbeats, exzessives Tremolo-Picking und diabolischer Kreischgesang treffen auf Death Metal mit leichtem Neunziger Jahre-Vibe. So könnte Morbid Angels BLESSED ARE THE SICK klingen, wenn man die Scheibe auf 45 Umdrehungen abspielen, aber gleichzeitig tiefer stimmen würde. Spaß beiseite, THE DEVILS ist eine imposante und düstere Scheibe, musikalisch komplex, aber dennoch leicht konsumierbar und eingängig. Neben acht neuen Titeln (die übrigens teils in deutscher, teils in englischer Sprache verfasst sind) ist mit ‘Blackest Sabbath 1997’ noch ein Medley aus ‘Blackest Ecstasy’ und ‘Blutsabbath’ des gleichnamigen Albums enthalten, das sich im neuen Sound-Gewand nahtlos in den Rest des Albums einfügt und mit seinem schleppendem Ausklang einen gelungenen Abschluss bildet. Sehr starke Scheibe, an der man als Death/ Black Metal-Fan kaum herumkommen wird.

MARTIN WICKLER

BLIND CHANNEL

Lifestyles Of The Sick & Dangerous

Nu Metal 1,5

CENTURY MEDIA/SONY (11 Songs / VÖ: 8.7.)

Es tut weh, die Musik von Blind Channel mit Nu Metal zu kategorisieren. Denn dies ist eine Beleidigung für all die guten Songs, die das Genre in den Neunzigern und frühen Zweitausendern hervorbrachte. LIFESTYLES OF THE SICK & DANGEROUS ist bestenfalls Pop mit etwas Gitarrenbeisetzung. Mit dem zweiten Song ‘Dark Side’ traten die Finnen beim Eurovision Song Contest auf, den sie auf wundersame Weise nicht gewannen. Die Texte sind dermaßen voller weinerlichem Herzschmerz, dass er nur noch für Teenager mit arg viel Liebeskummer taugt. Oder sie sind einfach plump und dämlich: „Put your middlefingers up, take a shot, throw it up and don’t stop.“ In der Mitte des Albums, bei ‘Alive Or Only Burning’, wird dann doch mal etwas Härte gewagt, aber die meisten Songs werden zu ungewollten Ohrwürmern. Auch wenn wirklich alle Versuche unternommen wurden, den jungen Herren etwas abzugewinnen: Das ist ausgelutschter Pop der ganz üblen Sorte, bestenfalls noch für die Leute passabel, welche die neuen, allzu verweichlichten Alben von Bring Me The Horizon feiern. Bei dieser Festival-Fraktion wird das Ganze vielleicht gut ankommen, auch wenn der bei Hörerinnen beliebte „Charme“ eines Oliver Sykes fehlt. Blind Channel sind das beste Beispiel dafür, in welche Richtung sich die harte metallische Musik bitte nicht entwickeln sollte.

FLORIAN BLUMANN

BREATHE YOUR LAST

Apocalypse

Death’n’Roll 4

BLOOD BLAST/BELIEVE (10 Songs / VÖ: 1.7.)

Drei Jahre nach ihrem Debüt KARMA BITCH führt die in Hamburg gegründete Band Breathe Your Last den „Death’n’Roll“ weiter. Will heißen: Eine Mischung aus Punk, Hardcore, Thrash und Death Metal. In diesem Genrecocktail stecken fast mehr harte Stoffe als in einem Long Island Ice Tea, er bereitet aber weniger Kopfschmerzen als das Erfrischungsgetränk. Dafür will APOCA-LYPSE jedoch nicht sofort schmecken; der Opener ‘Frail’ und das folgende ‘Enemy’ blubbern noch harmlos vor sich hin. In Letzterem wird es zudem mit den Hardcore-typischen Gangshouts etwas übertrieben. Ab Track drei ergibt die Mixtur Sinn: ‘Born From A Tomb’ vereint knackige Thrash-Riffs mit Rock’n’Roll-Attitüde und überrascht mit Breaks, die für fette Moshpits sorgen sollten. Die Death-Growls von Sänger Javier Garcia runden das Ganze ab und haben sich im Vergleich zum Vorgänger glücklicherweise verbessert. Hin und wieder packt er passablen Klargesang aus (‘Rotting’). Breathe Your Last schnuppern mit APOCALYPSE erneut in mehrere Musikstile hinein und sollten all jenen Spaß machen, die keine Genre-Grenzen kennen. Diese Gratwanderung verlangt dem Hörer jedoch einige Toleranz ab. Spätestens mit der zweiten Albumhälfte können die drei Herren jedoch überwiegend überzeugen. Wohl bekomm’s!

FLORIAN BLUMANN

ARTHUR BROWN

Long Long Road

Art Rock 5

PROPHECY/SOULFOOD (9 Songs / VÖ: 24.6.)

Er ist der God Of Hellfire, und er bringt uns: Fire! Einsatz Schweineorgel, ab geht die Post, you’re gonna burn! 1968 bekam die Welt mit diesem Hit einen ersten Vorgeschmack von Schock-Rock. Wobei – stimmt nicht ganz; Dr. Johns GRIS GRIS kam fünf Monate früher, aber The Crazy World Of Arthur Brown schaffte es in die Charts. Die Formatradios bezeichnen Arthur seither als One-Hit-Wonder, doch der Grandseigneur hat nie aufgehört, relevante Musik zu machen – solo oder mit Kollegen wie Alan Parsons, Klaus Schulze oder The Pretty Things. Zu seinem 80. Geburtstag am 24.6. schenkt er uns ein wunderbar schräges, apokalyptisches Grusel-Blues-Album. Aus der Zeit gefallen und brandaktuell, spielt LONG LONG ROAD in einer Liga, die man ohne viele Jahrzehnte im Rock-Geschäft nicht erreicht: Referenzen fallen Arthur nur so zu, Song-Ideen setzt er kompromisslos um, lässig wandert er zwischen Blues, Americana, Gospel, Rock und genuiner Heavyness. Seine wandlungsfähige Stimme hat kaum Patina angesetzt, versprüht anarchischen Humor, Voodoo und Weisheit. Dieses LONG LOND ROAD ist eine Erzählung, die man tunlichst von Anfang bis Ende hören sollte, denn hier regiert das Gesamtkunstwerk. Highlights der narrativen Achterbahn sind: der rabenschwarze Doom-Blues ‘Going Down’ (klingt wie The Animals meet Alice Cooper, 2022), ‘I Like Games’ mit Blues Harp, Slide-Gitarre und knochentrockener Atmosphäre, ‘Shining Brightness’ (The Doors betreiben eine Cocktailbar in der Hölle) und der elegische Titel-Track, mit dem Arthur die Nachgeborenen bittet, den Planeten nicht vor die Hunde gehen zu lassen. Weiß der Teufel, der alte Herr kann’s noch!

MELANIE ASCHENBRENNER

BRUNHILDE 27

Hard Rock 4

SAOL/H’ART (13 Songs / VÖ: erschienen)

Kurt Cobain, Jim Morrison, Amy Winehouse – die Liste der mit 27 Jahren verstorbenen Musiker ist lang genug, um einen Namen für dieses Phänomen zu finden: Der „Club 27“ inspirierte die Hard Rock-Band Brunhilde zu ihrem zweiten Album, doch beim Titel hört der Bezug auch schon wieder auf. Statt von Rock-Stars erzählen die Fürther lieber Geschichten normaler Menschen. Ein verunglückter Rennfahrer und ein gefallener Soldat sind zwei der Helden dieser Konzeptplatte. Trotz Todesthema klingt sie nicht traurig: 27 hat Power, Sängerin Caro Loy haucht den Songs mit ihrer kratzigen Stimme eher Leben ein, als dass sie in Trauerstimmung verfällt. Zum rauen Ton gibt es energische Unterstützung, die ersten Songs preschen nur so an einem vorbei. Hier Metal, dort Punk, und ‘The Winner Takes It All’ fällt durch elektronische Elemente auf. Es wird viel angeboten – und alles gut ausgeführt. Brunhildes kraftvolle Art erinnert an In This Moment (‘Girl With 1000 Scars’) oder Halestorm (‘Friendly Fire’). Nur zum Schluss büßt 27 seine Energie ein. Das The Doors-Cover ‘The End’ spielt tatsächlich auf den „Club 27“ an und wäre ein ebenso passender runder Abschluss gewesen wie das danach folgende gesprochene Outro, das einen Bogen zum ähnlich gestalteten Intro schlägt. Der letzte Titel ist allerdings eine schnelle Version von ‘House Of The Rising Sun’, die mit dem Schlussgefühl bricht. Trotz starkem Anfang steht sich 27 am Ende selbst im Weg.

ANNIKA EICHSTÄDT

CABIN BOY JUMPED SHIP

Sentiments

Metalcore 4,5

AFM/SOULFOOD (11 Songs / VÖ: erschienen)

Electronicore, der die Tanzflächen der Clubs weltweit in pulsierende Moshpits verwandelt. Das klingt auf dem Infoblatt klinischer, als SENTIMENTS in der Seele tatsächlich ist. Das zweite Album der Briten ist ein modern inszenierter Metalcore-Brocken mit vielen Melodielinien und mitunter spleenigen Arrangement-Ideen, schmeckt aber nie nach Plastik. Im Vergleich zum Debüt THE HEARTLESS (2019) gerät SENTIMENTS viel organischer. Wurden beim Vorgänger noch alle synthetischen Regler auf zwölf gedreht, unterstützen sie jetzt das metallische Fundament beiläufig, anstatt es aufdringlich zu dominieren. Eine sehr gute Entscheidung, denn so kommen die eigentlichen Stärken des Quartetts aus Leicestershire viel besser zur Geltung – und die liegen definitiv im Songwriting und nicht in schrillen Kaugummiklangeskapaden. SENTI-MENTS kommt in dieser Ausrichtung auch einige Ecken härter rüber als der Vorgänger, krass fetzende Breakdowns inklusive. Die zweite Scheibe von Cabin Boy Jumped Ship ist beileibe nicht perfekt, aber die eingeschlagene Richtung ist definitiv richtig, zumal der Mix aus harscher Herangehensweise und harmonischen Hits stimmig wirkt. Hier kann noch was gehen.

MATTHIAS WECKMANN

PLAYLISTS

LOTHAR GERBER

1. Mantar PAIN IS FOREVER AND THIS IS THE END

2. Alexisonfire OTHERNESS

3. Billy Howerdel WHAT NORMAL WAS

Enttäuschung: Arch Enemy

Überraschung: Alexisonfire

Vorfreude auf: Festivals

Der/die witzigste Heavy Metal-Musiker/in:

Brent Hinds (Mastodon)

EIKE CRAMER

1. Belphegor THE DEVILS

2. Werewolves FROM THE CAVE TO THE GRAVE

3. Motionless In White SCORING THE END OF THE WORLD

Enttäuschung: Zu viel Mittelalter-Gedüdel im Soundcheck!

Überraschung: Arch Enemy, Werewolves, Rxptrs

Vorfreude auf: Rammstein live

Der/die witzigste Heavy Metal-Musiker/in: Corey Taylor (Slipknot, Stone Sour)

ROBERT MÜLLER

1. White Ward FALSE LIGHT

2. Incandescence LE COEUR DE L’HOMME

3. Wallfahrer DEN MENSCHEN SO FERN

Enttäuschung: Arch Enemy weiterhin Plastikmüll.

Überraschung: Nichts

Vorfreude auf: Spiritus Mortis, Fallujah

Der/die witzigste Heavy Metal-Musiker/in: Jeff Walker (Annihilator)

MATTHIAS MINEUR

1. Jorn OVER THE HORIZON RADAR

2. Porcupine Tree CLOSURE/CONTINUATION

3. Journey FREEDOM

Enttäuschung: Im Soundcheck viel Gebrüll, aber wenig Tiefgang...

Überraschung: Alexisonfire

Vorfreude auf: Def Leppard-Tour

Der/die witzigste Heavy Metal-Musiker/in:

Oderus Urungus alias Dave Brockie (Gwar, R.I.P.)

FLORIAN KRAPP

1. Motionless In White SCORING THE END OF THE WORLD

2. Alexisonfire OTHERNESS

3. Municipal Waste ELECTRIFIED BRAIN

Enttäuschung: Alestorm

Überraschung: Horizon Ignited

Vorfreude auf: Amon Amarth

Der/die witzigste Heavy Metal-Musiker/in:

Olavi Mikkonen (Amon Amarth)

MARC HALUPCZOK

1. Mantar PAIN IS FOREVER AND THIS IS THE END

2. Traitor EXILED TO THE SURFACE

3. Michael Monroe TOO FAST TO DIE YOUNG

Enttäuschung: Brunhilde

Überraschung: Michael Monroe

Vorfreude auf: Sinner

Der/die witzigste Heavy Metal-Musiker/in:

Bobby Schottkowski (Tank, Ex-Sodom)

CANDY

Heaven Is Here

Extreme Metal 4

RELAPSE/RTD (10 Songs / VÖ: 24.6.)

Ein Album wie ein Waldbrand: Wild und unberechenbar. Der Titel HEAVEN IS HERE ist dabei allzu zynisch gemeint, genauso wie die Texte. Diese handeln von den Ängsten in jedem Menschen, unserem durch die Gesellschaft auferlegten zwanghaften Denken. Akustisch wird mit einer dermaßen harten Gewalt aufs Ohr gehauen, dass lediglich Momente, in denen die wilde Raserei etwas gebündelt wird, kurze Atempausen bieten. Doch selbst diese kurzen Stellen in ‘Price Of Utopia’ und ‘Hysteric Bliss’ sind unberechenbare Biester, können aber dank ihrer punkigen Beats überzeugen. Manche Songs wie ‘Mutilation’ oder ‘World Of Shit’ bleiben unter der Zwei-Minuten-Marke und können die rohe Power der fünf Amerikaner am besten bändigen. Leider experimentieren Candy in gut der Hälfte des Albums zu stark mit elektronisch verzerrten Störgeräuschen. ‘Kinesthesia’ sorgt somit leider höchstens für einen Hörsturz – oder bei Fans solcher Klänge für einen Exorzismus. In ‘Transcend To Wet’ wird ein Techno-ähnlicher Bass verwendet, um auf den Hörer einzuprügeln. Das Schlusslicht ‘Perverse’ beschreibt den Song-Inhalt vortrefflich und ist ein zehnminütiges, super anstrengendes Dauerrauschen. Ignoriert man diese nervenden Passagen, bekommt man ein perfektes Ventil für die ganz finsteren Momente, in denen die nähere Umgebung unter den Energieausbrüchen des Hörers leiden wird.

FLORIAN BLUMANN

CIRCLE OF SILENCE

Walk Through Hell

Power Metal 4,5

MASSACRE/SOULFOOD (13 Songs / VÖ: erschienen)

Die Ursprünge dieser Baden-Württemberger gehen ins Jahr 2006 zurück; eigenen Angaben zufolge huldigen sie mit ihrem Schaffen Bands wie Iced Earth, Mystic Prophecy oder Vicious Rumors. Auf dem Viertling des Quintetts lassen sich diese Vergleiche nachvollziehen: Der energetische, hier düster angehauchte Power Metal der Truppe beinhaltet findige Gitarrenarbeit, dringt stimmlich (manchmal etwas gepresst) in erstaunliche Höhen vor und wartet mit mehrstimmigem Hintergrundgesang, aber auch Heavy- und Thrash-Akzenten auf. Neben starken Stücken wie dem wuchtigen ‘United’, dem hymnischen ‘At War With Yourself’ oder dem treibenden ‘Far Beyond The Sun’ bewegen sich Circle Of Silence auch aus ihrer furios ballernden Komfortzone hinaus, wie das nachdenkliche ‘Triumph Over Tragedy’ wie die Stampfer ‘I Want More’ und ‘God Is A Machine’ zeigen. WALK THROUGH HELL birgt Ecken und Kanten – die (inklusive hörenswerter Bonustracks) 57 Minuten lassen sich aber meist gut hören und Fans der genannten Idole weiterempfehlen. Kurz vor Release gab die Band den Tod Björn Boehms bekannt, dessen Texte das Werk bestimmen. Ein würdiges Vermächtnis – ruhe er in Frieden!

KATRIN RIEDL

CIVIL WAR

Invaders

Power Metal 4,5

NAPALM/UNIVERSAL (10 Songs / VÖ: 17.6.)

Eines hat sich auch in ihrem zehnten Jahr (und sechs Jahre nach dem vorherigen Album) nicht geändert: Man kann kaum über die Band sprechen, ohne Vergleiche zu ziehen. Gemein, wo sie sich musikalisch doch einigermaßen aus dem Schatten von Sabaton (der früheren Heimat von Schlagzeuger Daniel Mullback, Keyboarder Daniel Mÿhr und Gitarrist Thobbe Englund) freigeschwommen haben: Civil War gehen auf INVADERS über weite Strecken vielfältiger und dynamischer vor als ihre manchmal etwas schematisch erscheinenden großen Waffenbrüder. Da klappern Tribal-artige Drums (‘Heart Of Darkness’), treffen Stakkato-Riffs auf Synthies (‘Soldiers And Kings’), übernimmt ein Chor den Refrain (‘Slaughterhouse 5’) und bricht sich Verzweiflung Bahn (‘Andersonville’). Dabei heißt die Geheimwaffe: Kelly Sundown Carpenter. Der US-Sänger (früher bei Darkology und Beyond Twilight) tritt in die Fußstapfen von Nils Patrik Johansson – und klingt (erneut geht es nicht ohne direkte Vergleiche) seinem Vorgänger oft verblüffend ähnlich: zwar etwas weniger hinterhältig, aber enorm ausdrucksstark. Dadurch gewinnt der voranpreschende, dramatische und epochale Power Metal eine gewisse Düsternis und den Kriegsthemen angemessene Ernsthaftigkeit. Anhänger hochmelodischen Metals wie von Masterplan, Astral Doors oder auch Dio werden sich abgeholt fühlen. Allerdings geht INVADERS die unmittelbare Eingängigkeit und Ohrwurmqualität sowohl von Sabaton als auch seiner drei Vorgängeralben ab.

SEBASTIAN KESSLER

CLASSLESS ACT

Welcome To The Show

Hard Rock 4

BETTER NOISE (12 Songs / VÖ: 24.6.)

Wenn eine junge Band gleich in den ersten beiden Songs ihres Debütalbums Gastauftritte von Mötley Crües Vince Neil und Justin Hawkins von The Darkness ins Feld führt, heißt das, dass sie entweder gerne mit der Tür ins Haus fällt oder prominente Schützenhilfe gleich doppelt nötig hat. Bei den Amerikanern Classless Act liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen (und übertrumpft Hawkins’ Beitrag selbstredend den von Tequila-Verkäufer und Gerade-Töne-Schreck Neil). Entsprechend lassen sich die Qualitäten des Quartetts auf sich allein gestellt erst bei der dritten Nummer, dem ‘Sweet Child O’ Mine’, Buckcherry und Alternative Rock vermengenden ‘Time To Bleed’, genauer überprüfen. Weiß Sänger Derek Day stimmlich auch ohne Backup seinen Job zu machen, ist seine Darbietung aufgrund von tendenziellem Oversinging jedoch gewöhnungsbedürftig. Dafür lässt sie in den gelungen Passagen durchaus an Saigon Kicks Matt Kramer, Kik Tracees Stephen Shareaux oder Devin Townsends Leistung auf Steve Vais SEX & RELIGION denken. Referenzen, die sich übrigens auch auf den Gesamt-Sound übertragen lassen, der als Genre-Gemischtwarenladen sämtliche Rock-Tropen der Siebziger, Achtziger und Neunziger in der Auslage hat, auch wenn das Band-Herz hörbar für den einst glamourösen Sunset Strip schlägt. Unterm Strich sind Classless Act also zwar weit davon entfernt, ihrem Namen alle Ehre zu machen, jedoch sollte die Band ihr zweites Album etwas weniger überambitioniert angehen, um ihr durchaus vorhandenes Potenzial besser auszuschöpfen.

FRANK THIESSIES

CONJURER

Páthos

Post Sludge 4

NUCLEAR BLAST/RTD (8 Songs / VÖ: 1.7.)

Mit ihrem Debüt MIRE (2018) gelang den Briten Conjurer ein viel gelobter Erstling, der ihnen gemeinsame Tourneen mit hohen Tieren des Genres wie Primitive Man oder Jucifer bescherte. Rund vier Jahre später sorgt PÁTHOS erneut für ein besonders schwermütiges und dunkles Hörvergnügen. Dabei spielen Conjurer wieder mit brachialer Härte. Bereits im Opener ‘It Dwells’ erschrickt man ob der spontan reinkrachenden Gewaltausbrüche. Diese Brutalität sowie der Kontrast von Leise zu Laut (besonders explizit in ‘Rot’) verdeutlicht den Mix von Aggression und Traurigkeit in ihren Songs. Speziell vor den Sängern Brady Deeprose und Dan Nightingale ist der Hut zu ziehen, denn sie sorgen abermals für eine duale Sogwirkung, die einen noch tiefer in das schwarze Loch ihrer Musik zieht. Auf Dauer kann diese Kompromisslosigkeit vor allem ungeübte Ohren anstrengen; ihr Stil ist zu repetitiv, als dass er Neulinge direkt überzeugen könnte. Dennoch: Freunde finsterer Klangpaläste werden abermals bedient: PÁTHOS zeigt angesichts der Erwartungen keine Anzeichen von Schwäche. Kein neuer Meilenstein ihres Schaffens, sondern eine gelungene Weiterführung ihres bewährten Spiels.

FLORIAN BLUMANN

CORVUS CORAX

Era Metallum

Folk Metal 4,5

BEHSSMOKUM/TONPOOL (12 Songs / VÖ: 24.6.)

Eigentlich sollte ERA METALLUM schon 2020 durch die Boxen dröhnen. Aber eine Albumveröffentlichung ohne anschließende Live-Auftritte? Noch dazu von einer Band, die quasi für die Bühne lebt? Undenkbar! Dafür erscheint das 17. Studio- album nun als Doppel-CD in einer Limited Edition und wartet mit hochkarätigen Gaststimmen von unter anderem Blind Guardian, Holy Moses und Doro auf. Doch damit nicht genug: Überraschten Corvus Corax auf ihrem letzten Album SKÁL erstmals mit Texten auf Frühneuhochdeutsch, dürfen sich Fans nun auf ein metallisches Upgrade altbekannter Songs gefasst machen. ERA METALLUM ist ein erstklassiges Metal-Projekt gemeinsam mit Gitarrist Sami Yli-Sirniö (Kreator) und verleiht bereits bekannten Stücken von SVERKER (2011), GIMLIE (2013) und SKÀL (2018) ein stählernes, kraftvolles Gewand. Seltsam vertraut und doch unverfälscht neu preschen ‘Gjallarhorni’, ‘Ragnarök’ und ‘Béowulf is mín nama’ berserkerhaft und voller Kampfeslust in Richtung Schlacht. ‘Sverker’, ‘Havfru’ und ‘Lá í mbealtaine’ fordern stampfend mit treibender Rhythmik zum Tanze. Insbesondere mit ‘Na láma-sa’ findet ERA METALLUM seinen krönenden, beschwörend-schönen Abschluss. Kann der Gesang auch nicht durchgängig die gleiche Durchschlagskraft wie die musikalische Untermalung entwickeln, stehen die Chancen gut, dass Corvus Corax mit ERA METALLUM ihren Dunstkreis erweitern und neue Fans dazugewinnen. Gerne mehr davon!

BIANCA HÄRTZSCH

THE CRUEL INTENTIONS

Venomous Anonymous

Hard Rock 4,5

INDIE/SOULFOOD (11 Songs / VÖ: erschienen)

Parallel zum Erscheinen des Band-betitelten Hardcore Superstar-Albums machten Mitte der Nuller-Jahre Vains Of Jenna allen Sleaze Rock-Fans Hoffnung, dass dieses Genre tatsächlich (wieder) eine Zukunft haben könnte. Vorübergehend sogar in die USA emigriert, schafften es die Schweden um Sänger Lizzy DeVine über mehr als zwei vollwertige Alben jedoch nicht hinaus – und das guten Beziehungen zu Gilby Clarke, Bam Margera und Tuffs Steve Rachelle zum Trotz. Mit VENOMOUS ANONYMOUS präsentiert DeVine das zweite Album seiner neu rekrutierten Band The Cruel Intentions. Stimmlich zwar immer noch schön sleazy (und partiell an Tim Skold zu SECOND COMING-Zeiten erinnernd), ansonsten aber eher auf dem Pop Metal-Terrain von Reckless Love unterwegs, wirken deren von Eclipse-/ W.E.T.-Sänger/Song-Schreiber Erik Martensson produzierte musikalische Party-Rock-Bestrebungen leider recht bemüht und angestrengt. Die direkt bei ‘Born To Be My Baby’ geborgten „Nanana“-Vokalisen des Titel-Tracks, das schwedischsprachige, wie ein Eurovision-Beitrag wirkende ‘Salt I Ditt Sår’ gar nicht erst in die Waagschale geworfen, klingt die Band über weite Strecken, als hätte sie sich nicht mehr primär Faster Pussycat oder Mötley Crüe, sondern eher die seligen Blessed By A Broken Heart zum Vorbild genommen. Allerdings ohne deren Vergangenheit im Metalcore vorweisen zu können, welche bei den Cock-Rock-Mutationen besagter Kanadier einst für den nötigen Kniff zu sorgen wusste.

FRANK THIESSIES

DAMPF

The Arrival

Pop Metal 2

GRAMOPHONE FINLAND/ADA (11 Songs / VÖ: erschienen)

Wenn sich ein Newcomer als „Metal-Phänomen“ vorstellt, lässt das nichts Gutes erahnen. Dampf ist immerhin ein cooler Name – also Scheuklappen abgesetzt, und ran! Hinter dem Projekt steht der Schwede Martin „E-Type“ Erikson, der hier als „A-Tron“ auftritt. Er begann als Thrasher, ist heute aber eher als Dance-Musiker, Komponist diverser Sport-Eventsongs (‘Campione’, ‘Olympia’) und ESC-Teilnehmer bekannt. Dampf fußt auf der Idee, Metal und Pop zu vereinen – und fällt entsprechend schwierig aus. Die Songs klingen sehr eingängig, aber auch extrem cheesy: Rammstein-Riffs treffen auf liebliche Gesänge (‘Winterland’), wüste Growls grätschen in poppige Feelgood-Melodien (‘Goeie Mie’, ‘Twilight Eyes’), und stellenweise übernimmt Theatralik das Ruder (‘Borne On The Wind’). Dieser Spagat fällt über weite Strecken deutlich zu gewagt aus. Besonders schlimm klingt jedoch das teildeutsche Stück ‘Steinhaufen’ (sic). Trotz allem ist es dem von einer vierköpfigen Band unterstützten Protagonisten gelungen, die halbe schwedische Metal-Szene zu rekrutieren – darunter Tommy Johansson (Sabaton), Pontus Norgren (Hammerfall), Fredrik Melander (Bathory) und Johan Hegg (Amon Amarth). Leider hilft auch das nicht weiter, sondern erzeugt nur neue Fragezeichen. Auf dem Papier mag THE ARRIVAL funktionieren, doch am Ende stellt sich eine wichtige Frage: Wem soll das gefallen? Hoffentlich zumindest den Beteiligten selbst – die meisten Fans genannter Bands dürften schreiend Reißaus vor diesem „Phänomen“ nehmen.

KATRIN RIEDL

DAN REED NETWORK

Let’s Hear It For The King

Rock 5

DRAKKAR/SOULFOOD (13 Songs / VÖ: 17.6.)

Als Ende der Achtziger die Fusion von Funk und Hard Rock ihre kurzlebige Blütezeit genoss, waren Dan Reed Network vorne mit dabei. Als Europa-Support auf Bon Jovis „New Jersey“-Tour sowie mit Bruce Fairbairn respektive Nile Rodgers als Albumproduzenten und dem Def Leppard- und Metallica-Management von Q Prime im Rücken in der Tat gut vernetzt, verschafften die ersten beiden Platten den Portlandern dennoch nicht den großen Durchbruch. Entsprechend war 1991 nach Album Nummer drei auch (vorläufig) Schluss. Seit 2016 ist man in nur leicht veränderter Originalbesetzung nun auch wieder im Studio aktiv. Auf dem neuen und sechsten Album wurde der Funk-Faktor zurückgeschraubt und besinnt sich die Band vor allem auf ein Genre, das nach Künstlern wie John Farnham oder Robbie Williams heute fast als ausgestorben gilt: Pop Rock. Dabei haben Reed und Co. erkannt, dass sich Pop heutzutage stark aus kontemporären HipHop- und R&B-Einflüssen speist und LET’S HEAR IT FOR THE KING eine angenehm moderne Hochglanzproduktion angedeihen lassen. Mit nahezu ausnahmslos starkem Song-Material, Reeds treffsicherem, manchmal an Phil Collins gemahnendem Timbre (‘Starlight’ leugnet eine latente ‘Land Of Confusion’-Verwandtschaft nicht), einem Solosaxofon in der Heim-Hanfanbau-Hymne ‘Homegrown’ sowie Sitar-Anklängen in ‘Unfuck My World’ versteht es Reed jedenfalls ziemlich gut, sich und seinen Sound (auch textlich) zwischen Hippietum, Rock, Pop, HipHop und zeitgenössischer afroamerikanischer Musik im Hier und Jetzt zu positionieren und dabei Songs abzuliefern, die in einer gerechteren Welt mühelos große (Elektro-)Auto-Werbekampagnen oder ProSieben-Events untermalen könnten.

FRANK THIESSIES

DARKANE

Inhuman Spirits

Thrash/Melodic Death 3,5

MASSACRE/SOULFOOD (10 Songs / VÖ: 24.6.)

Die Schweden Darkane vermischen schon seit 1998 Thrash mit Melodic Death-Metal. INHUMAN SPIRITS ist, wie seine Vorgänger, ein unentschlossenes, zweischneidiges Schwert. Manche Titel sind reiner Thrash Metal, wie etwa das wenig überzeugende Titelstück, welches das Album eröffnet und bestenfalls solide Genre-Kost bietet. Andere Songs wiederum bedienen den deutlich stärkeren Melodic Death-Anteil, höre etwa ‘Spirits Awakening’. Die Kontraste sind dabei anfangs sehr hoch. Während der Thrash also lahmt, graben sich die Growls von Frontmann Lawrence Mackrory schön tief ins Knochenmark. Ein Gefühl, das der Klargesang nicht auslösen kann. Der thrashige Teil ihres siebten Studioalbums ist aufgrund dessen jedoch keinesfalls misslungen: Speziell die schnellen, messerscharfen Riffs wie in ‘Embrace The Flames’ oder die Gitarrensoli in ‘Conspiracies Of The Flesh’ können sich hören lassen. Diese Momente sind aber zu rar, was den Unterhaltungswert der Gesamtspielzeit schmälert. Zudem lässt INHUMAN SPIRITS trotz der Genre-Vermischung etwas an Abwechslung vermissen. Jeder Interessent, der sich nicht an den etwas uninspirierten und austauschbaren Passagen stört, bekommt einige schöne Melodic Death-Kracher präsentiert.

FLORIAN BLUMANN

DAWN OF DESTINY

Of Silence

Symphonic Metal 3

EL PUERTO/EDEL (13 Songs / VÖ: 24.6.)

Mangelnde Leidenschaft kann man Dawn Of Destiny nicht vorwerfen: Die Bochumer Symphonic-Metaller veröffentlichen ihr achtes Album innerhalb von weniger als zwanzig Band-Jahren. Ganz ausgereift wirkt OF SILENCE allerdings nicht. Stiloffenheit in allen Ehren, aber die Mischung aus Avantasia, Savatage und Die Apokalyptischen Reiter läuft zu oft auseinander statt zusammen. Bereits der Opener ‘We Are Your Voice’ kommt in acht Minuten nicht auf den Punkt, ‘White Mystery’ entwickelt sich von nautisch angehauchtem Doom über operesken Melodic Metal zu grollendem Death Metal, und ‘Run’ verschenkt seine großen Melodien beim abrupten Wechsel zwischen Achtziger-Hard Rock und aufgedrehtem Amaranthe-Refrain; die Band will zu viel, und landet damit im Nirgendwo. Dass es auch anders geht, zeigen kompakte Nummern wie der schwungvolle Gothic Metal-Ohrwurm ‘Childhood’ (mit Chris Harms, weil kein Release-Monat ohne vergehen darf), oder ‘Say My Name’ und ‘Not The Way It Is’ mit hymnischer Power Metal-Schlagseite und starken, eingängigen Refrains. Ein großes Plus verdienen sich Dawn Of Destiny außerdem mit Sängerin Jeanette Scherff, die nicht fortwährend zu operesken Gesangslinien aufstrebt, sondern vor allem mit ihrer bodenständigen, angerauten Rock-Stimme überzeugt. Jede Menge Potenzial also, dem der dringend nötige Grobschliff fehlt.

SEBASTIAN KESSLER

DEATHSPELL OMEGA

The Long Defeat

Black Metal 5,5

NOEVDIA (5 Songs / VÖ: erschienen)

Deathspell Omega zu hören, hat schon immer ein paar unbequeme Entscheidungen vorausgesetzt – und bei denen geht es nicht nur darum, Künstler in sein Leben zu lassen, die als Menschen für Dinge stehen, mit denen man vielleicht nichts am Hut haben möchte. Bei Deathspell Omega gilt es vor allem immer wieder zu akzeptieren, dass es keine Gewöhnung an ihren singulären Zugang zu extremem Metal gibt. Komfortzonen lassen sich immer erst nach der Akzeptanz des Andersartigen, nach dem „Saltus Fidei“ aufbauen – und das trifft auf THE LONG DEFEAT noch mehr zu als auf frühere Werke. Dieses Album markiert den vielleicht endgültigen Abschied vom chaotischen, dissonanten, Mathcore-inspirierten Black Metal, für den sie berühmt sind. Es ist ein „softes“ Werk, getrieben von reduzierten Arrangements rund um eher filigran gespielte Gitarren, mit einem organischen Feeling, bei dem die Aggression fast ausschließlich aus den harschen Gesängen kommt – offenbar, wenn auch nicht bestätigt, von mehreren renommierten Stimmbandquälern aus dem Umfeld der Band. Am ehesten lassen sich Anknüpfungspunkte zu den „Prayers“ von SI MONUMENTUM REQUIRES, CIRCUMSPICE erkennen, aber ohne den sakralen Anstrich. Wie ihr an dem späten Review erkennt, braucht es seine Zeit, das alles zu verdauen – gleichwohl ist THE LONG DEFEAT sicher das zugänglichste Album der Band, und ‘Our Life Is Your Death’ ihr eingängigster Song bisher.

ROBERT MÜLLER

AUS DEM PIT

DIE NEUESTEN LIVE-ALBEN

POWERWOLF

The Monumental Mass – A Cinematic Metal Event

Power Metal 6

NAPALM/UNIVERSAL (19 Songs / VÖ: 8.7.)

Dass eine reine, sterile Streamingshow ohne Publikum kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervorlockt, haben Powerwolf richtig und rechtzeitig erkannt: Ende vergangenen Jahres luden sie nicht zu einem herkömmlichen Online-Konzert, sondern einer großgedachten Show, bei der sich die spektakuläre Bühneninszenierung mit aufwändigen Filmsequenzen vermischte – ein Spektakel, das jetzt im Heimkino erneut zu erleben ist. Dass DVD und Blu-ray in exzellenter Bild- (produziert von Jörg Michael) und Tonqualität (verantwortet von Kristian „Kohle“ Bonifer) daherkommen, versteht sich von selbst. Auf THE MONUMENTAL MASS – ACINEMATIC METAL EVENT arrangiert die deutsch-transsilvanische Wolfsbande 17 Songs (darunter Pflichtstoff wie ‘We Drink Your Blood’, neues Material wie ‘Glaubenskraft’ und Raritäten wie ‘Venom Of Venus’ plus In- und Outro) in vier Kapiteln, sodass sie einen Handlungsbogen erzählen. Nach dem alten Filmemachermotto „show, don’t tell“ wird die Geschichte sowohl in kurzen kinoreifen Szenen als auch durch zahlreiche Schauspieler, Statisten und ganz viel Feuer sowie Bühnenzauber vorangetrieben. Steril und statisch ist hier nichts – fortwährend wird in der beeindruckenden sakralen Kulisse gebrannt, gerannt, gesündigt und gerockt. Keine Sekunde entsteht der Eindruck, dass hier etwas fehlt (Publikum) – im Gegenteil bannt speziell die intensive Inszenierung perfekt die Magie und Macht einer authentischen Powerwolf-Show. Der Wacken-Gig von 2019 ergänzt manche Albumvarianten und entflammt erst recht Sehnsucht nach einem Powerwolf-Konzert.

SEBASTIAN KESSLER

BLACK STONE CHERRY

Live From The Royal Albert Hall... Y’All

Rock 5

MASCOT/RTD (19 Songs / VÖ: 24.6.)

Irgendwie gelten Black Stone Cherry noch immer als Jungspunde, dabei haben sie bereits sieben Studioalben auf dem Buckel, von denen sich drei in den Top Ten der US-amerikanischen Billboard Charts platzieren konnten. Anlässlich des zwanzigsten Band-Jubiläums verwirklichte sich das Quartett aus Kentucky den Kindheitstraum, einmal in der altehrwürdigen Royal Albert Hall in London auftreten zu können, in der unter anderem bereits Pink Floyd, Deep Purple, Eric Clapton oder Opeth die Mauern erzittern ließen. Die Setlist liest sich entsprechend wie ein Best Of der Band-Geschichte: ‘Lonely Train’ fehlt ebenso wenig wie ‘Blind Man’, ‘White Trash Millionaire’, ‘Blame It On The Boom Boom’, ‘In My Blood’ oder ‘Me And Mary Jane’. Das Konzert dokumentiert bestens, warum Black Stone Cherry in ihrer Heimat so geschätzt werden. Sie haben den Blues, sie haben den Soul, sie haben die dicken Eier, moderne Umsetzung und unbändige Spielfreude. Manches Mal würde man sich wünschen, Black Stone Cherry könnten aus ihrem Korsett ausbrechen, um etwas mehr Dynamik (oder Geschwindigkeit und Härte) zu entfachen, aber im Zusammenspiel aus Gefühl, klassisch inspiriertem, aber zeitgeistig umgesetztem US-Rock und extrem sattem Liveklang verbreitet LIVE FROM THE ROYAL ALBERT HALL... Y’ALL über knapp 90 Minuten stimmig-unterhaltsame Konzertstimmung.

MATTHIAS WECKMANN

KISS

Off The Soundboard – Live At Donington 1996

Hard Rock 5

UNIVERSAL (17 Songs / VÖ: erschienen)

Ist es bei Jam-Bands seit The Grateful Dead Tradition, das Bootleggen offiziell zu fördern und zudem auch jede gespielte Show entweder für sich selbst zu konservieren oder die Fans aufzeichnen zu lassen, gehen Kiss nicht den späteren Weg von Pearl Jam oder Gov’t Mule, die dem geneigten Hörer online eine Gig-Mediathek offerieren. Der dritte Teil der OFF THE SOUNDBOARD-Reihe präsentiert nach 2000er-Aufnahmen aus Tokyo und Virginia Beach nun einen Festival-Auftritt beim 1996er- ‘Monsters Of Rock’ im britischen Castle Donington. Kiss-ologen dürften auf Grundlage dieser Eckdaten schnell deduzieren, dass wir es hier mit dem Original-Line-up auf Reunion-Tour zu tun haben. Von einem ersten Stapellauf in den Staaten gut einund noch weit entfernt von totgespielt, offeriert dieses Live-Album ein Kiss-Klassiker-konsistentes Set sowie eine durchaus aufgeweckte und agile Band, auch wenn Stanleys Stimme zum Teil schon hier ins Höhenschwindeln zu geraten droht. Interessant gestaltet sich die Abmischung: Im zunächst gewöhnungsbedürftigen, separierten Mix schön heraushörbar, lassen sich Simmons’ Bass sowie die Gitarrenarbeit von Frehley (und Stanley) klar gefiltert genießen. Was genau Peter Criss am Schlagzeug weiter hinten macht, muss man sich dagegen streckenweise dazudenken.

FRANK THIESSIES

DEATHWHITE

Grey Everlasting

Dark/Doom Metal 4

SEASON OF MIST/SOULFOOD (11 Songs / VÖ: erschienen)

Zehn Jahre nach ihrer Gründung gelingt es den Pittsburgher Untergrundlern Deathwhite noch immer zuverlässig, Gänsehaut zu erzeugen. Auf ihrer vom Intro ‘Nihil‘ eingeleiteten dritten Studioplatte trägt die weiterhin anonym agierende Band ihren meist schleppend doomigen, mit hellem (teils mehrstimmigem) Gesang veredelten und stellenweise sanft orchestrierten Dark Metal mit emotionaler Tiefe und glaubwürdiger Attitüde vor, erschafft stimmungsvolle Momente und eine unter die Haut gehende Atmosphäre. Bewegt sich die Musik – abgesehen vom flotten Einstieg von ‘Earthtomb’ – anfangs noch in recht ähnlichen Spektren, fallen mittig Unterschiede auf: Besonders ruhig und zurückhaltend klingt etwa der Titel-Track, während einige Passagen im folgenden ‘White Sleep’ derbe dazwischengrätschen und in ‘Immemorial’ sogar Growls zu hören sind. GREY EVERLASTING mag mit seinen fast 50 Minuten etwas ausladend ausfallen und Längen beinhalten, Fans empfindsamer Gruppen wie Katatonia, Paradise Lost oder Swallow The Sun kommen jedoch nach wie vor auf ihre Kosten.

KATRIN RIEDL

DEFIATORY

Apokalyps

Thrash Metal 4

BLACK LION/RTD (9 Songs / VÖ: erschienen)

Der Titel APOKALYPS trifft es ganz gut, denn das dritte Album der Schweden Defiatory macht kurzen Prozess: Alle neun Songs ballern ausnahmslos im Maximaltempo durch, um nichts als Schutt und Asche zu hinterlassen. ‘Let Them Burn’ ist das beste Beispiel dafür – und zwar nicht allein wegen seines Titels: Warum einen instrumentalen Einstieg wählen, wenn ein Stück auch mit 220 bpm direkt in der brüllenden Strophe beginnen kann? Zwischendurch folgt eine kleine solistische Spielerei auf der Gitarre, dann geht’s weiter mit purer Brutalität. Das Ganze wird sicher auch auf Konzerten funktionieren: Schon im Auftakt könnte man mit einem Circle Pit ansetzen und bräuchte erst wieder aufhören, wenn das Konzert vorbei ist – denn solange die Musik spielt, ist da nichts, was einen ausbremsen könnte. Für die hartgesottensten Thrash Metal-Fans ist APOKALYPS somit das perfekte Album. Allen Leuten wiederum, die zumindest hin und wieder gerne nach Luft schnappen wollen, wird die Platte womöglich zu stumpf erscheinen. Ein kleines bisschen Dynamik – und sei es nur eine Atempause von zwei Sekunden – dürfte sich die Truppe ruhig erlauben. Auf der anderen Seite: Die Abwechslung mag unter dem genannten Punkt zwar leiden, aber immerhin kann man sich bei Defiatory gewiss sein, dass das Album die Boxen ordentlich herausfordern wird.

RAPHAEL SIEMS

DEVIL’S TRAIN

Ashes & Bones

Hard Rock 3

ROCK OF ANGELS/SOULFOOD (12 Songs / VÖ: 24.6.)

Was der Band-Name Devil’s Train an Kraft verspricht, kann das dritte Album nicht halten. Technisch betrachtet ist kein Song auf ASHES & BONES schlecht. R.D. Liapakis’ Stimme klingt kraftvoll, und auch die internationale Truppe rund um den Mystic Prophecy-Sänger macht gut mit; die Gitarrensoli passen, und dazu scheppert das Schlagzeug – Hard Rock, eben. Devil’s Train liefern ab, was man von ihnen erwartet, nehmen dabei aber nicht richtig Fahrt auf. Ab dem ersten Ton klingt die Platte nach einem altamerikanischen Klischee – tiefergelegte Autos, Whiskey und Stripclubs. Wo es hingeht, steht früh fest, und überrascht wird man beim weiteren Hören auch nicht mehr. Nach der Hälfte des Albums kommt der Punkt, an dem ein „Yeah“ zu viel eingeworfen und besungene Frauen zu häufig als „babe“ bezeichnet wurden – und so fließt alles zu einer Einheit zusammen. Die Musik geht ins Ohr, nur ist fraglich, ob sie dort nachhaltig klebenbleibt. Mitwippen funktioniert, mitgrölen auch, aber der Noch-mal-Hören-Faktor fehlt beim wenig innovativen ASHES & BONES. Es ist fast erstaunlich, dass das Album nicht – um wirklich alle Klischees abzudecken –eine Ballade am Schluss stehen hat (‘You Promised Me Love’ kommt einer solchen noch am nächsten), sondern ein Cover des Cameo-Songs ‘Word Up’. So sehr, wie Devil’s Train auf ASHES & BONES auf Nummer sicher gehen, ist es schwer, wirklich ‘More’ davon zu wollen.

ANNIKA EICHSTÄDT

DONNA CANNONE

Donna Cannone

Rock 4

DESPOTZ/RTD (10 Songs / VÖ: erschienen)

Melodic Death Metal, AOR, und jetzt auch noch Rock mit Glam-Einschlag – was kann Soilwork- und The Night Flight Orchestra-Frontmann Björn Strid eigentlich nicht? Gitarre spielen, vielleicht? Doch, genau dem geht der 43-Jährige nämlich bei Donna Cannone nach. So drängte sich der vielseitige Sänger Gitarristin Giorgia Cateri, Schlagzeugerin Tilda Stenqvist (beide vormals bei Thundermother aktiv) und Bassist sowie Sänger Luca D’Andria als Lead-Gitarrist auf. Durch übermenschliche Virtuosität am Sechssaiter fällt Strid beim Debüt dieser neu gegründeten Formation zwar nicht auf, dennoch verziert er die tendenziell eher simpel angelegten Tracks routiniert mit ansprechenden Licks. Ansonsten Punk-, Garagen- und Indie-rocken die Donna Cannone-Songs zwar ganz nett durch die Gehörgänge, aber wie wir wissen, ist nett oft nur die/der kleine Schwester/ Bruder von – sagen wir – langweilig. Bei ‘The North’ hat sich Björn dann doch das Mikro geschnappt – und schon wird es spannender. So bleibt nicht viel hängen – außer, dass Strid ein weiteres musikalisches Ventil hat. Wenn sich der hauptberufliche Vokalist noch mehr ins Songwriting einbrächte, könnten Donna Cannone noch interessanter werden.

LOTHAR GERBER

DOWNSET

Maintain

Rap Metal 5

NUCLEAR BLAST/RTD (12 Songs / VÖ: erschienen)

Positive Überraschungen sind die besten. Dazu zählt, dass Rey Oropeza und Co. nach acht Jahren Funkstille neuen Stoff anreichen. Für die jüngeren Jahrgänge, die sich fragen, wer denn diese Downset sind, die da so dreist bei Rise Of The Northstar klauen, gibt es mit der nunmehr sechsten Platte der Crossover-Veteranen eine kleine Lehrstunde. Es verhält sich nämlich genau andersherum – das Original hat sich (offenbar während der Pandemie) wieder zusammengefunden. Ein Update hin zu modernem Sound gibt es zum Glück nicht. Das Quartett aus Los Angeles ballert wie eh und je die feinsten Bollo-Grooves und -Riffs raus. Das liegt sicher auch daran, dass Originalgitarrist Rogelio Lozano seit 2019 wieder mit von der Partie ist und wunderbar mit dem zeitgleich eingestiegenen Schlagzeuger Bobby Blood harmoniert. Darüber legt Frontsau Rey wie gewohnt seine inspirierenden Botschaften. Zu vorzüglichen Tracks wie ‘New Respect’, ‘Won’t Forget’, ‘The Place To Be’ oder ‘Hear Me Now’ bounct der geneigte Hörer dann like it’s 1996. Tolles Comeback.

LOTHAR GERBER

DRAGGED UNDER

Upright Animals

Punk Rock 5,5

MASCOT (12 Songs / VÖ: erschienen)

Das im Jahr 2020 veröffentlichte Debütalbum THE WORLD IS IN YOUR WAY verhalf der Gruppe Dragged Under bereits zu Millionen Streams sowie einigen guten Chart-Platzierungen in den USA – die Messlatte für zukünftige Werke setzte sich das Quintett dadurch schon sehr hoch. Es stellt sich nun die Frage, ob sich die Amerikaner mit ihrer neuen Scheibe übertreffen konnten. Klare Antwort: Ja! Mit UPRIGHT ANIMALS liefern sie einen eindrucksvollen Mix aus melodischem Punk Rock, Hardcore und Metalcore. Wie auf ihrem Vorgängerwerk schaffen sie auch hier eine ideale Balance zwischen harten und soften Sounds. Die Jungs scheinen mehrere Stärken zu haben; eine sticht jedoch besonders hervor – und zwar die eingängigen und mitsingbaren Refrains. Allein der explosive Opener ‘Upright Animals’ macht richtig gute Laune, stimmt einen perfekt ein und bleibt bereits nach dem ersten Anhören im Kopf kleben. Neben diesem Stück verankern sich zudem ‘All Of Us’, ‘Never Enough’ und ‘Suffer’ in Nullkommanichts in das Langzeitgedächtnis – ob man will oder nicht. Die Halbballade ‘See You Alive’ tanzt im Vergleich zu den anderen elf Songs etwas aus der Reihe, ist gesanglich betrachtet aber dennoch gut. Dafür, dass die Punk-Rocker seit 2019 aktiv sind und UPRIGHT ANIMALS ihr erst zweiter Langspieler ist, klingen sie sehr reif und bewegen sich auf hohem Niveau. Weiter so!

AMANDA DIZDAREVIC

EINVIGI

Yö Kulje Kanssani

Blackgaze 3,5

EINHEIT/SOULFOOD (7 Songs / VÖ: erschienen)

Stimmungsalchemisten, musikalische Nebelkrähen, kaskadierende Kosmiker... Einvigi können was. Das ist auch gar nicht das Problem des zweiten Albums YÖ KULJE KANSSANI. Das größte Problem der finnischen Blackgaze-Band ist eine viel zu große Anlehnung an die frühen Großtaten von Alcest – die bittersüßen akustischen Gitarren, die klirrenden Ausbrüche, die nostalgische Stimmung und der verwehte Gesang. Und wo es einerseits verständlich ist, von jener wegweisenden Band beeinflusst zu sein, ist eine allzu werkgetreue Annäherung an das offensichtliche Vorbild zu wenig, um auf künstlerisch autarken Füßen zu stehen. Das Songwriting auf YÖ KULJE KANSSANI fußt auf einem ähnlich wackeligen Fundament, ist in diesem frühen Stadium der Band eher die Aneinanderreihung einzelner atmosphärischer Parts. Für sich genommen stimmungsvoll und gut, aber von selbst wird nun auch kein Song daraus. Mit Album drei wird sich für Einvigi zeigen, ob sie das Zeug zum eigenen Stil haben, oder eine (sehr gute) Alcest-Tribute-Band bleiben. Aber vielleicht gibt es ja Hoffnung: Der Schlussakt ‘Hirviöiden Valtakunnassa’ lässt mit finnischen Shoegaze-Anleihen und verhuschter Post Punk-Tristesse aufhorchen.

BJÖRN SPRINGORUM

ENTRAILS

An Eternal Time Of Decay

Death Metal 5

HAMMERHEART/SPV (11 Songs / VÖ: 24.6.)

Bei näherem Bedenken des Umstands, dass Entrails zunächst zehn Jahre lang ohne Veröffentlichung blieben, weil Mastermind Jimmy Lundqvist mit dem ursprünglichen Demo-Sound unzufrieden war, und dann weitere zehn Jahre auf Eis lagen, sind sieben Alben in den letzten zwölf Jahren dann doch noch eine respektable Ausbeute einer mit maximaler Verspätung gestarteten Karriere. Auch das Umfeld hat sich für AN ETERNAL TIME OF DECAY verändert, denn nach vier Alben für Metal Blade sind die Schweden nun bei Hammerheart gelandet. Musikalisch bieten Entrails nicht nur den neuen Schlagzeuger Arvid Borg auf (der zum Beispiel mit Carneus in knapp zwanzig Jahren auch nur vier Demos herausgebracht hat – passt ja ins Bild), sondern feuern elfmal ihre Interpretation von schnörkellosem, geradlinigem Death Metal schwedischer Machart heraus – mal räudig-punkig riffend, mal mit dicken Grooves wuchernd, wie es sich gehört. ‘Open Casket Feast’ zum Beispiel hätte sich auch auf den Stockholm-Klassikern der anderen „E-wie-Entombed-Band“ gut gemacht, und der wuchtige, Bassdrum-lastige Sound von Entrails macht auch die anderen Songs des im positiven Sinne grundsoliden AN ETERNAL TIME OF DECAY zu einem feinen HM-2-Sägewerk-Festival, das sich natürlich trotzdem nicht für die ein oder andere feine Melodie schämt.

THOMAS STRATER

GOLDSMITH

Of Sound And Fury

Heavy Metal 4,5

MDD/SOULFOOD (8 Songs / VÖ: 24.6.)

Schon ein bisschen verrückt, dass darauf noch niemand gekommen ist: Das Power-Trio Goldsmith wirft auf OF SOUND AND FURY mal so eben Classic Rock und Thrash Metal in einen Topf. Gut, jetzt nicht den heftig rumpelnden Thrash von Sodom, sondern eher die dezidiert musikalischere Variante von Megadeth. Aber dennoch: Die Mischung macht irgendwie Laune. Sänger, Gitarrist, Frontmann und Bandboss Michael Goldsmith kennt der ein oder andere vielleicht noch von Blackend – dieser Band, bei der man sich immer fragte, ob sie so heißen wollten wie ein Metallica-Song, aber einfach ein E vergessen haben. Und ein wenig knüpft er mit seiner neuen Bande durchaus an diese Zeiten an, durchwirkt von Blues, Classic Rock und ein wenig zaghafter Annäherung an Alternative Metal. Alles in Maßen, natürlich: Das Riff regiert, der Sound ist dick, die Soli jaulen, und Goldsmith singt noch immer wie eine Mischung aus James Hetfield und Ivan Moody. Griffige Songs, gute Hooks, internationales Flair: Bleibt alles nicht großartig hängen, macht aber jede Menge Spaß.

BJÖRN SPRINGORUM

GREY DAZE

The Phoenix

Modern Rock 6

LOMA VISTA/UMG (10 Songs / VÖ: 17.6.)

Nachdem Grey Daze bereits mit AMENDS (2020) eine bemerkenswerte Replik auf ihre Arbeit mit Chester Bennington veröffentlicht hatten, gibt es jetzt den Nachschlag. Der Ansatz bleibt grundsätzlich derselbe: Songs aus den beiden Veröffentlichungen vor Benningtons Einstieg bei Linkin Park, WAKE ME (1994) sowie ... NO SUN TODAY (1997), werden klanglich aufgemöbelt, teilweise umarrangiert und in einen modernen Kontext gesetzt. Das klappt auch auf THE PHOENIX wieder wunderbar – und, meine Fresse, verfügte dieser Junge damals schon über eine unfassbare Stimme. Die Single ‘Saturation (Strange Love)’ wird Ende 2022 zum Besten zählen, was im modernen Rock-Bereich dieses Jahr veröffentlicht wurde. Diese pulsierende Emotion, der stete Wechsel aus Bruch und Stärke, die starke Reichweite, das immense Volumen: Gänsehautgarantie! Und das Beste – der Rest des Albums steht diesem Opener und Zugpferd qualitativ in nicht viel nach. In einem Mix aus modernem Rock, leichten New Metal-Elementen, Grunge, Balladen und Alternative Rock gerät THE PHOENIX (mit dem ausdrücklichen Segen von Benningtons Witwe Talinda) zu einer stets unterhaltsamen und mitreißenden Hörerfahrung, auf der sich mit Dave Navarro (Jane’s Addiction) und Richard Patrick (Filter) zwei namhafte Gäste finden. Natürlich steht aber vor allem der Mann am Mikro im Mittelpunkt. Oder, wie es die Band ankündigt: „Wenn du Chester magst, wirst du diese Platte lieben.“ Korrekt.

MATTHIAS WECKMANN

CHARLIE GRIFFITHS

Tiktaalika

Progressive Metal 4,5

INSIDEOUT/SONY (9 Songs / VÖ: 17.6.)

Sein Bankkonto und den Inhalt seines Kühlschranks füllt der englische Gitarrist Charlie Griffiths normalerweise mit den Gagen der Prog Metal-Band Haken, die seit ihrem Erscheinen vor 15 Jahren als Zukunft dieser Musikrichtung gefeiert wird. Lockdown und ein scheinbar kaum versiegender Kreativitätsquell haben Griffiths nun dazu veranlasst, sein erstes Soloalbum aufzunehmen. Dieses hört auf den ungewöhnlichen Namen TIKTAALIKA und besteht aus einer wilden Mischung aus Thrash-Roots, Prog- & Death Metal inklusive virtuoser Gitarrensoli, die in puncto Geschwindigkeit und Tonhöhe gelegentlich den guten alten Yngwie Malmsteen zitieren. Das abwechselnd derbe Todesmetallgebrüll und der feine, poppig-sphärische Gesang stammen von Tommy Rogers (Between The Buried And Me), Danïel De Jongh (Textures), Vladimir Lalic’ (Organised Chaos) und Neil Purdy (Luna’s Call), einige Keyboards hat Jordan Rudess (Dream Theater) beigesteuert, das Saxofon stammt von Rob Townsend (Steve Hackett). Wer Haken kennt und die Liste der hier involvierten Könner liest, kann sich vorstellen, dass TIKTAALIKA auf höchstem technischen Niveau proggt – kleine jazzige Widerhaken inklusive.

MATTHIAS MINEUR

HEART ATTACK

Negative Sun

Thrash Metal 4,5

ATOMIC FIRE/WARNER (10 Songs / VÖ: erschienen)

Nach einer EP von 2009 und zwei darauffolgenden Alben liefern die französischen Heart Attack mit NEGATIVE SUN ihre dritte vollwertige Platte. Und was man von dem Quartett bereits kannte, setzt es darauf in aller Härte fort: Brisante Rhythmen legen das tonnenschwere Fundament, auf dem sich die wütende Stimme von Kévin Geyer – im wahrsten Sinne – breitmacht: Denn ob Growls, Screams oder zorniger wie melodischer Rufgesang – der Frontmann deckt mit seinen verschiedenen Techniken ein breites Spektrum ab! Womit NEGATIVE SUN zudem überzeugt, ist die Art und Weise, wie Dynamik geschaffen wird, ohne dass die Härte dabei einbüßen muss: Nachdem etwa die pure Thrash-Keule ‘Twisted Sacrifice’ mit ihren schwermetallischen Gitarren-Riffs und der rasenden Doublebass zu ihrem Schluss kommt, beginnt das darauffolgende ‘Bound To This Land’ mit weitaus gemächlicherem Tempo und vergleichsweise melodischem Gesang. Für den Verlauf der Platte macht diese Entwicklung viel aus, doch die Härte und Energie bleiben dabei bestehen – allein schon durch das andauernde Solo gegen Ende besagter Nummer. Zugegeben: Im Vergleich zu den zahllosen Genre-Kollegen, gegen die sich Heart Attack durchsetzen müssen, sind sie im Grunde nur eine Band von vielen anderen, was aber nicht bedeutet, dass sie ihre Sache nicht gut machen würden. Denn mit NEGATIVE SUN liefern sie ein solides Werk ab, das in vielen Gehörwegen bleibende Spuren hinterlassen könnte.

RAPHAEL SIEMS

HORIZON IGNITED

Towards The Dying Lands

Melodic Death Metal 4,5

NUCLEAR BLAST/RTD (10 Songs / VÖ: 1.7.)

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Finnland gilt nach wie vor als „das Land des Metal“ und schickt regelmäßig beeindruckende Musikgruppen in die Welt hinaus. Dieses Mal ist es die Melodic Death Metal-Formation Horizon Ignited, die 2019 mit AFTER THE STORM debütierte; TOWARDS THE DYING LANDS ist somit ihr zweiter Langspieler. Mit ‘Beyond Your Reach’ legt die Truppe einen starken Start hin: Die Riffs sind feurig, die Melodien groovig, das Schlagzeug ist rasend und der Gesang kraftvoll– dasselbe gilt auch für die restlichen Stücke der Scheibe. Mal sind die Jungs schneller unterwegs (‘Servant’, ‘Guiding Light’), mal schalten sie einen Gang zurück (‘Death Has Left Her Side’, ‘Eventide Of Abysmal Grief’). Songs wie ‘Aching Wings’, ‘Fall Apart’ oder ‘Reveries’ heben sich eindeutig von den anderen ab und zählen mit Sicherheit zu den Favoriten dieser CD. Das Sextett liefert mit seinem Neuling alles, was man von melodischem Death Metal erwartet, und baut zusätzlich vereinzelte Elemente des Metalcore ein. Ungeachtet davon schaffen sie es jedoch nicht, einen von Anfang an in ihren Bann zu reißen. Es braucht daher ein bis zwei Durchläufe, bis man richtig warm damit geworden ist. TO-WARDS THE DYING LANDS ist zwar nichts Bahnbrechendes, doch der ein oder andere Genrefan wird mit diesem Tonträger bestimmt Freude haben.

AMANDA DIZDAREVIC

BILLY HOWERDEL

What Normal Was

Indie Rock 5,5

ALCHEMY/RISE/BMG (10 Songs / VÖ: erschienen)

Was für eine Wundertüte dieser unendlich talentierte Glatzkopf doch ist! Man hätte mit allerlei rechnen können, wenn der A Perfect Circle-Gitarrist 14 Jahre nach seinem ersten Alleingang unter dem Ashes Divide-Banner nun wieder auf Solopfaden wandelt. Aber hiermit? Fast durchgehend wähnt man sich auf WHAT NORMAL WAS in purem New Wave. Auffallende oder fett dröhnende Gitarrenarbeit wie bei A Perfect Circle oder vormals Ashes Divide? Fehlanzeige. Stattdessen geht es dem 52-Jährigen um Grooves, Stimmungen und Emotionen. Zeilen wie „You’ll never find what you seek in these selfish hearts / You’ll never find what you seek in these human hearts“ (‘Selfish Hearts’) komplettieren das, stehen exemplarisch dafür und gehen ganz tief rein. Der Sound ist selbstredend überragend – glasklar, funky und im Achtziger-Chic gehalten. Mal zirpt es, mal fiept es, und über allem schwebt Howerdels sanfte, vereinnahmende Stimme. So entpuppt sich WHAT NORMAL WAS einerseits als große Überraschung, und andererseits als Album zum Reinlegen.

LOTHAR GERBER

ICONIC

Second Skin

Hard Rock 4

FRONTIERS/SOULFOOD (11 Songs / VÖ: 17.6.)

Eine derartige Selbstbeweihräucherung im Band-Namen ist oft ein schlechtes Omen – was muss hier ausgeglichen werden? Ein Blick auf das Line-up dieses brandneuen All-Star-Projekts lässt allerdings aufatmen: Die Ikonendichte ist tatsächlich ziemlich hoch. Mit Tommy Aldridge, der sich bei Ozzy und Whitesnake einen Legendenstatus hinter dem Drumset erspielt hat, Marco Mendoza, vormaliger Bassist von The Dead Daisies, und Michael Sweet, Frontmann der Bibel-Glamer Stryper, an der Gitarre ist eine hochrangige Personalliste vorhanden. Nur der Name des Lead-Sängers – Nathan James – ist noch relativ unbekannt. Aber auch dieser konnte mit der britischen Band Inglorious bereits ordentlich Wind machen (in ihrer Heimat landen ihre Alben regelmäßig in der unteren Top 50-Region der Charts). Die Besetzung lässt etwa vermuten, wie das Debüt der Supergroup klingt: Kraftvoller Hochglanz-Hard Rock mit Stadioncharakter ist über die gesamte Spielzeit hinweg angesagt. Songs wie ‘Ready For Your Love’, ‘Nowhere To Run’ oder ‘It Ain’t Over’ folgen dabei haargenau der erprobten Achtziger-Formel: Vorrangig im Midtempo angesiedelter, gitarrenbetonter Rock mit eingängig-kitschigen Hooks. Das funktioniert zwar, ist aber nichts, was unbedingt hängenbleibt. Richtig gut wird es jedoch, sobald Michael Sweet ebenfalls sein süßes Stimmchen einsetzt, wie etwa im Opener ‘Run (As Fast As You Can)’ – davon hätte es ruhig mehr sein dürfen!

SIMON LUDWIG

INTOXICATED

Watch You Burn

Death/Thrash 5

SEEING RED (10 Songs / VÖ: 24.6.)

Mit ihrem lückenhaften Lebenslauf verkörpern Intoxicated den Alptraum jeder Personalabteilung: 1992 in Florida gegründet, veröffentlichte die Band 1996 mit DRAIN ein Demo, 1997 mit METAL NECK ein Album, und anschließend über zwei Jahrzehnte ... nichts. Erst 2020 gaben sie mit der WALLED-EP ein neues Lebenszeichen von sich. Seither scheint Sänger/ Gitarrist Erik Payne wieder Blut geleckt zu haben. Zum 30. Geburtstag legt er mit seinen Kollegen ein Langeisen vor, das nahtlos an seine Jugendzeit anknüpft. Schnörkellos-rotzig produziert, zelebrieren die Musiker auf WATCH YOU BURN die extreme Seite der Neunziger und verschmelzen Death-, Thrash- sowie weitere Metal-Spielarten auf eine noch heute funktionierende Art. Sägende Stimmen und Leads knien in Songs wie dem Titelstück oder ‘Grovel’ vor den benachbarten Obituary und Death nieder. Doch Intoxicated schauen auch regelmäßig über den Florida-Tellerrand – mit dem sludgig eröffnenden, triolisch ausbrechenden ‘Revelation Denied’ beispielsweise gen New Orleans und Bay Area, als wollten sie voller Gotteshass Lichter mit einer Brechstange töten. Ihre dicksten Banger züchtet die Formation wiederum durch die Hinzunahme von Crossover-Grooves und -Riffs: Lieder wie ‘Majestic Eyes’, ‘Force Fed’ oder ‘Dumpster Dive’ verpassen dem Death-/ Thrash-Rohbau eine dynamische Legierung, die kaum ein Nacken ignorieren kann. So machen Vorstellungsgespräche Spaß – auch ohne Streber-Vita!

DOMINIK WINTER

JORN

Over The Horizon Radar

Heavy Metal 4,5

FRONTIERS/SOULFOOD (11 Songs / VÖ: 17.6.)

Eines muss man den Norwegern Jorn definitiv lassen: Mit ihren 15 Platten sowie den drei zusätzlichen Live-Alben, die sie in ihren 22 Jahren Band-Bestand veröffentlicht haben, sind sie deutlich fleißiger als der Durchschnitt. Nun also die nächste Platte, und wieder mal zeigt sich dabei schnell: Trotz der großen Menge, die die Band in all den Jahren auf den Markt geschmissen hat, geht es ihr dennoch nicht um Quanti-, sondern Qualität. Die Songs berufen sich auf guten, alten Heavy Metal, wie er in den Achtzigern klang. Vor allem durch den Schlagzeug-Sound fühlt man sich teilweise sehr in eine frühere Zeit zurückversetzt (man höre die Fills im Einstieg von ‘In The Dirt’). Im Mittelpunkt steht wie immer angenehm melodischer Gesang (wobei die Melodieführungen in ‘Believer’ oder ‘Winds Of Home’ hervorstechen). Dieser bewegt sich stets in hohen Lagen, die jedoch zugleich ausreichend Abstand zum Power Metal erlauben. Die Instrumente bringen eine satte Härte ins Spiel, bei der insbesondere die Gitarrensoli einen hohen Stellenwert tragen (etwa am Schluss von ‘My Rock And Roll’). Leider entsteht durch den immerzu sehr melodischen Charakter in meist ähnlich langsamen Tempi nach einer Weile der Eindruck, man habe das Werk schon einmal gehört. OVER THE HORIZON RADAR offenbart nicht unbedingt Neues, ist aber dennoch insgesamt die würdige Fortsetzung eines großen und gelungenen Gesamtwerks.

RAPHAEL SIEMS

JUNKYARD DRIVE

Electric Love

Hard Rock 3,5

MIGHTY MUSIC/TARGET/SPV (10 Songs / VÖ: erschienen)

Innerhalb von acht Jahren haben sich die Dänen in Hard Rock-Kreisen einen Namen gemacht, der bereits auf dem Line-up des Sweden Rock Festival oder als Support auf den Tour-Postern von Eclipsed stand. Wer im Zusammenhang mit dem vergleichsweise jungen Quartett Sound-Vergleiche aus der Hard Rock-Blütezeit verlangt, kommt um Asphalt Ballet oder Kik Tracee nicht ganz herum, auch wenn sich Junkyard Drive keinesfalls des allzu offensichtlichen Epigonentums bezichtigen lassen. Solides Songwriting, kompetente Darbietung und die patente Produktion von Søren Andersen (Glenn Hughes, Jesper Binzer, Mike Tramp) sind jedenfalls dazu imstande, die eingangs erwähnten Live-Lorbeeren oder auch die im Begleitschreiben hervorgehobenen fünf Millionen Streams, die bislang auf das Konto der Band gegangen sind, zu erklären. Echte Begeisterungsstürme wollen sich beim Hören von ELECTRIC LOVE dennoch nicht einstellen. Dafür gestaltet sich das Werk unterm Strich als zu beliebig und fehlt Junkyard Drive neben den zwingenden Hits das gewisse Etwas oder der gewisse Dreh, den man zu oft gehörten Hard Rock-Standards einfach verpassen muss, um heute noch wirklich herausstechen zu können.

FRANK THIESSIES

KARDASHEV

Liminal Rite

Progressive Death 4

METAL BLADE/SONY (11 Songs / VÖ: erschienen)

Kardashev stammen aus Arizona und wurden vor ziemlich genau zehn Jahren gegründet. Seitdem hat das Quartett drei EPs und einen Longplayer veröffentlicht, mit LIMINAL RITE liegt nun das zweite komplette Al- bum vor. Wie sein Vorgänger PERIPETY lebt auch das aktuelle Werk ein gutes Stück vom ausgefeilten thematischen Konzept. LIMINAL RITE ist getrieben von Emotionen aus der Perspektive eines Mannes, der im Alter und im Zuge seiner einsetzenden Demenz feststellt, dass Wahrnehmung und Realität, insbesondere rückblickend, nicht immer übereinstimmen. Harter Stoff, der in Extremen wandelt. Ob wilde Blastbeats, verträumte, jazzige Passagen, mal gekreischt, mal zaghaft gesungen – der Musik einfach einen Stempel aufzudrücken, ist nur schwer möglich. Death Metal, Freeform-Jazz, Prog Rock, Shoegaze, Post-irgendwas, Deathcore und Ambient... Etwas aufgeschlossen sollte man sein, wenn man LIMINAL RITE nicht nur partiell etwas abgewinnen will. Oder, anders gesagt: Man sollte den elf Songs einige Durchläufe gönnen, denn eingängige Strophe-Refrain-Schemen sind hier Fehlanzeige. Zu entdecken gibt es einiges, wenn man die nötige Geduld mitbringt. Und die Aufmerksamkeit, denn als Hintergrundmusik eignet sich das sehr verschnörkelte LIMI-NAL RITE eher weniger. Wer auf einen sehr überzeugend und spieltechnisch beeindruckenden, wilden, emotionalen Stilmix steht, sollte hier reinhören.

MARTIN WICKLER

KHOLD

Svartsyn

Black Metal 4

SOULSELLER/MEMBRAN (10 Songs / VÖ: 24.6.)

Acht Jahre sind vergangen seit TIL ENDES, welches damals schon ein später Nachläufer zur intensiven, fünf Alben in sieben Jahren umfassenden Karriere der norwegischen Black’n’Roller war. Nachdem lange die nach dem „Nom de guerre“ des Schlagzeugers benannten Sarke der einzig aktive Name aus dem Umfeld der Truppe war, gab es zuletzt massiv Nachschub an allen Fronten: Erst OLD OLD DEATH der Ursprungs-Band des Ganzen, Tulus, dann Sarkes ALLSIGHR, und jetzt SVARTSYN. Allen drei ist gemein, dass sie sich aufs jeweilige Kerngeschäft konzentrieren, was für Khold bedeutet: ein weiterer Reigen eher schlichter Riffs, Sverre „Gard“ Stoklands eigenwillig artikulierter norwegischer Gesang, der die Ästhetik des Ganzen prägt, und eine gute Portion Hüftschwung bei den Songs, die anders als ‘Helligdom av døde’ halbwegs aus dem Quark kommen. Braucht die Welt noch so ein Khold-Album? Nicht wirklich – aber es verspricht nicht mehr, als es liefern kann, und sollte allen, die mit der Band etwas anfangen können, Spaß machen. Stärker als TIL ENDES ist es allemal.

ROBERT MÜLLER

KRAANIUM / EXISTENTIAL DISSIPATION

Polymorphic Chamber Of Human Consumption

Death Metal 5

CDN (12 Songs / VÖ: erschienen)

Manche Zufälle können nur als Wink des Schicksals verstanden werden: Da holst du dir gerade das Kraanium/Analepsy-Split- Shirt für nach der Dusche aus dem Schrank, kommt eine E-Mail mit dem Hinweis, dass doch das neue Kraanium-Split-Album mit Existential Dissipation auch auf diesen Seiten erscheinen solle. Aber klar! Was auch klar sein dürfte: Mats Funderud und sein mittlerweile komplett international besetztes Quintett Kraanium rücken kein Stück weit von ihrem Erfolgsrezept ab und nutzen den ein oder anderen Blastbeat- oder Doublebass-Einschub lediglich dazu, um hin und wieder einen Hauch Abwechslung in ihren konzeptionellen Dauer-Slam zu integrieren – bestialisch groovend und mit tiefsten Gurgel-Vokills versehen, entfachen Kraanium den totalen Slam, um dann am Ende mit dem Deicide-Cover ‘Kill The Christian’ zu überraschen. Aus Toronto stammen Existential Dissipation und klingen partiell etwas chaotischer als Kraanium, da sie einen etwas technischeren Ansatz verfolgen. Hat man sich an den anderen Sound gewöhnt, erschließen sich die Songs der Kanadier jedoch ebenfalls – auch hier wird mit der groben Slam-Kelle gemörtelt, wenn nicht zwischendurch mal samt Gravity Blasts auf die Tube gedrückt wird. Interessant übrigens, dass die Band erst seit 2016 besteht und bereits jetzt kein Gründungsmitglied mehr dabei ist. Dies ist auch dem Umstand geschuldet, dass es die Abschiedsveröffentlichung von Sänger Bob Shaw ist, der mit nur 32 Jahren an Leukämie verstorben ist. Die Kanadier beweisen am Ende mit ihrem Cover ‘Scum, Fuck The Weak’ ebenfalls Geschmack, wenngleich der Song selbst jetzt nicht zu den größten Hits von Dying Fetus gehört. Gewidmet ist das Album den verstorbenen Slam-Meistern Martin Funderud von Kraanium, dem bereits erwähnten Bob Shaw sowie Bill Toley von Internal Bleeding.

THOMAS STRATER

LORD VIGO

We Shall Overcome

Doom Metal 4,5

HIGH ROLLER/SOULFOOD (11 Songs / VÖ: 1.7.)

Nach einem gen Achtziger Jahre schielenden Synthesizer-Intro halten im zweiten Stück ‘The Heart Of Eternal Night’ verzerrte Gitarren und epischer Klargesang Einzug, ohne jedoch, dass Lord Vigo den elektronischen Klängen dabei gänzlich entsagen würden. Vielmehr verschmelzen Synths und traditioneller Epic Doom zu einer Einheit. Beim Folgetitel ‘Natural Habitat’ mimen erstere orchestrale Elemente, welche im Hintergrund Platz nehmen – ebenso bei ‘Since The Sun Was Gone’, einem Stück, das stellenweise wohlige Erinnerungen an In Solitude wachruft und mit einem ziemlich mächtigen Refrain auftrumpft. Der nächste Titel macht abermals deutlich, dass es sich die Band nicht zu lange im selben Subgenre bequem machen möchte: So steht ‘From Our Ashes We Will Rise’ nach dem Synth-Intro erkennbar mit mindestens einem Bein im Gothic Rock, was in Symbiose mit dem metallischen Grundgerüst an die Senkrechtstarter Unto Others erinnert. Der Titel-Track schwingt gelungen die Prog-Keule, ‘A Necessary Evil’ spickt bei der NWOBHM – und auch in der zweiten Hälfte ist es die Vielzahl der Einflüsse, die den Reiz von WE SHALL OVERCOME ausmacht.

KONSTANTIN MICHAELY

NEU AUFGELEGT

TROUBLE

Plastic Green Head

Hard Rock

HAMMERHEART/SPV (12 Songs / VÖ: erschienen)

Eric Wagner ist leider von uns gegangen, doch seine Musik wird weiterleben. Sei es durch sein erst kürzlich erschienenes erstes und einziges Soloalbum IN THE LONELY LIGHT OF MOURNING, oder durch die Werke der verschiedenen Bands und Projekte, in denen der Musiker über die Jahre hinweg aktiv war. Mit Troubles PLASTIC GREEN HEAD (erstmals 1995 erschienen) wird nun eine der maßgebendsten Platten darunter neu veröffentlicht. Das Ding hat damals für große Aufmerksamkeit gesorgt und die vorherigen Werke der Band geradezu in den Schatten gestellt. Der Doom- und Stoner-Rock der Vorgängeralben verschwand dabei zwar nicht spurlos, ist aber der neuen Richtung gen Hard Rock ein großes Stück gewichen. Insbesondere den energischen Songs der Platte – etwa der Titel-Song, ‘Below Me’ oder ‘Long Shadows Fall’ – ist diese Tendenz stark anzumerken: Hier sorgen hohe Tempi, virtuose Gitarrensoli sowie der etwas an Led Zeppelin erinnernde hohe Gesang von Wagner für Aufsehen und Begeisterung. PLASTIC GREEN HEAD ist und bleibt ein Meilenstein der Rock-Geschichte, was sich auch darin bestätigt, dass die Musik bis heute kaum gealtert ist. Wessen Vinyl über die Jahre zu viele Kratzer abbekommen hat, der möge nun zugreifen und die guten alten Stücke der damaligen Zeit laut aus den Boxen schallen lassen.

RAPHAEL SIEMS

MILKING THE GOATMACHINE

Nach uns die Grindflut

Death Metal 4,5

REAPER/UNIVERSAL (14 Songs / VÖ: 24.6.)

Mit Ziegen und Metal ist es so eine Sache – wohl kein Tier steht so sehr für die ach so düsterste aller Musikrichtungen. Aber sie muss nicht immer das satanistische Opfer sein: Für Milking The Goatmachine ist die Ziege ein Nutztier der anderen Art. Sie ist ihnen augenzwinkerndes Motiv und Inspirationsquelle zugleich, und so prügeln sich die maskierten Musiker um Goatfreed und Goatlieb Udder ohne Rücksicht auf Verluste auch durch ihr achtes Album. Dass die direkten Ziegenwortspiele auf NACH UNS DIE GRINDFLUT etwas zurückgefahren wirken, liegt vielleicht an der deutschen Sprache. Zu lange gemolken haben Milking The Goatmachine den Spaß offenbar nicht, und so nutzen sie mit ‘Raus mit die Viecher’ und ‘Warum liegt hier Stroh’ außerdem ihre Chance, sich Memes zu widmen, die ihnen auch ohne die Erwähnung von Ziegen wie auf den Leib geschneidert scheinen. So bleiben sie sich selbst treu – zehn zahme Ziegen und deren Zucker sucht man auch auf NACH UNS DIE GRINDFLUT vergeblich. Das Ziegentheater ist laut, wild und absurd, aber überraschenderweise ist der vom Grind beeinflusste Death Metal weniger chaotisch als auf vorherigen Alben. Daher macht es Bock auf mehr.

ANNIKA EICHSTÄDT

MICHAEL MONROE

I Live Too Fast To Die Young

Hard Rock 5

SILVER LINING/WARNER (11 Songs / VÖ: erschienen)

Dass es auch das zehnte Studioalbum des Hanoi Rocks-Frontmanns nicht schaffen würde, sein Solomeisterwerk SENSORY OVER-DRIVE aus dem Jahr 2011 (welches diesen Sommer übrigens seine feierliche wie verdiente Vinylauflage spendiert bekommt) in den Schatten zu stellen, war klar. Schließlich ist Ginger Wildheart nicht mehr (Begleit-)Band-Mitglied und Co-Komponist und bekommt man Gäste wie Lemmy Kilmister oder Lucinda Williams eben auch nicht alle Tage (und heute sowieso nicht mehr) zusammen. Dass Monroe und seine inzwischen angestammte wie kompetente Band-Besetzung aus den Gitarristen Steve Conte (New York Dolls) und Rich Jones (Amen), Bassist Sami Yaffa (New York Dolls, Hanoi Rocks) und Drummer Karl Rockfist (The Chelsea Smiles) seitdem aber auch kein einziges schlechtes Album veröffentlicht haben, ist ebenso bekannt. I LIVE TOO FAST TO DIE YOUNG stellt dabei keine Ausnahme dar. Im heimischen Finnland von der Band mit Unterstützung von Erno Laitinen (Indica, Lovex) produziert, bleibt Monroe der personifizierte Jungbrunnen des Glam Punk, der Alice Cooper das Wasser reichen (‘Derelict Palace’) und Slash mal eben für einen Fernstudiogitarrenbesuch im Titel-Track verpflichten kann. Ob es nun der Pandemie oder dem fortschreitenden Alter geschuldet ist, dass I LIVE TOO FAST TO DIE YOUNG etwas nachdenklicher klingt und sich eher im mittleren bis langsamen Temposegment bewegt, ist schwer zu sagen. Uninteressanter macht die etwas grüblerische Facette das ewige Energiebündel jedoch nicht.

FRANK THIESSIES

KURZ & HART

DIE NEUES TENEPS

Baest JUSTITIA (Century Media/Sony)

Die Dänen Baest setzen mit JUSTITIA ein gewohnt tief-brutales Monster in die Welt. Wer die Band noch nicht kennt und nicht weiß, was ihn erwartet, dem seien mit den Gastmusikern auf dieser EP zwei stilistische Hinweise gegeben. So schleicht sich in den Songs ‘Gargoyles’ The Black Dahlia Murder-Sänger Trevor Strnad ein, während im Titel-Track Sven de Caluwe von Aborted zu hören ist. JUSTITIA ist ein düsteres Ungetüm, das als vollwertiges Album umso mächtiger wäre. (RAPHAEL SIEMS / 4,5 PUNKTE)

Tombs EX-OBLIVION (Season Of Mist/Soulfood)

Sie wollen keine Pause machen: Seit 2007 liefern Tombs zuverlässig und regelmäßig ab. Die neue EP kommt dabei absolut mächtig daher (der Titel-Song setzt einen brachialen Auftakt; ‘Killed By Death’ überzeugt mit gnadenloser Gitarrenarbeit), ist aber leider viel zu schnell vorbei: Wenn von nur fünf Tracks zwei rein atmosphärisch sind und einer nicht mal zwei Minuten dauert, wünscht man sich, die Band hätte sich mehr Zeit genommen. Dennoch: Was sie kreieren, zeigt Wirkung. (RAPHAEL SIEMS / 4 PUNKTE)

MOTIONLESS IN WHITE

Scoring The End Of The World

Metalcore 4,5

ROADRUNNER/WARNER (13 Songs / VÖ: erschienen)

Platz 25

SCORING THE END OF THE WORLD ist natürlich ein reichlich dick aufgetragener Albumtitel. Aber genau das ist es schließlich auch, was die eingefleischten Horrorfans Motionless In White hören wollen: massentauglicher Metalcore mit filmischem Gruselfaktor. Die Eröffnung ‘Meltdown’ trifft titeltreu den Nagel in den Sarg. Getrieben von Drum’n’Bass-Beats und durchtränkt von alarmierenden Synthesizern atmet aus dunkler Riff-Gewalt ein luftiger Chorus auf, der die Welten des Metalcore nicht besser hätte einfangen können. Die Amis setzen auf ein bewährtes Prinzip, das mit dem obligatorischen Tempowechsel vorm deftigen Breakdown diese so seltsam wohltuende Brutalität loslässt. Ja, ganz klar, Motionless In White beherrschen ihr Handwerk. Wie die dissonante Deathcore-Retrospektive in ‘Slaughterhouse’ mit Knocked Loose-Sänger Bryan Garris. Dem entgegen zeigt ‘Werewolf’, wie cinematisch sie wirre Gefühlswelten umsetzen können, und ‘Porcelain’ enthüllt schließlich ungefiltert ihre zarten, zerbrechlichsten Seiten. Hier öffnet sich ein Emo-Musical, das nicht besser in die alten My Chemical Romance-Zeiten passen könnte. Viel Pathos, große Gesten im Gesang, das ist Geschmackssache. So strickt sich ihre sechste Scheibe weiter: Der Schunkelfaktor in ‘We Become The Night’ erschlägt, bevor das opernhafte ‘B.F.B.T.G.: Corpse Nation’ ertönt. Ab dann bleiben Motionless In White im mürbe machenden Midtempo. Es stechen noch die gewaltige Komposition in ‘Cyberhex’ heraus sowie das nach Marilyn Mansons ‘The Fight Song’ klingende ‘Red, White & Boom’, bei dem Beartooths Caleb Shomo brüllen darf. Alles ist wirklich solide konstruiert, nur in der Summe einfach recht wenig originell.

VINCENT GRUNDKE

MUNICIPAL WASTE

Electrified Brain

Thrash Metal 5

NUCLEAR BLAST/RTD (14 Songs / VÖ: 1.7.)

Platz 13

Fünf Jahre nach dem großartigen SLIME AND PU-NISHMENT melden sich Virginias Oberhektiker Municipal Waste zurück. ELECTRI-FIED BRAIN macht genau da weiter, wo der Vorgänger aufhörte. Schnelle, kurze Thrash-Eruptionen ohne überflüssigen Ballast. 14 Songs in nicht mal 34 Minuten sprechen eine deutliche Sprache. Frontmann Tony Foresta klingt noch ein bisschen angepisster als sonst (man höre ‘The Bite’), das Cover wirkt noch schriller, aber von den ersten Tönen an ist klar, wer hier musiziert. Okay, in diesem Genre sind musikalische Quantensprünge schwierig, und im Fall von Municipal Waste auch überflüssig, denn das Konzept funktioniert und hat sich bis jetzt auch nicht abgenutzt. Also Bandana auf die Rübe geschnallt, in die Basketballstiefel geschlüpft und mit Songs wie ‘High Speed Steel’, ‘Restless And Wicked’ (Albumhöhepunkt) oder ‘Ten Cent Beer Night’ im Ghettoblaster locker-flockig durchs Viertel gestreift. Die Nachbarschaft soll doch wenigstens einmal im Leben vernünftige Musik hören.

MARC HALUPCZOK

NIGHTBEARER

Ghosts Of A Darkness To Come

Death Metal 5

TESTIMONY/CARGO (10 Songs / VÖ: 24.6.)

Da sind sie wieder: die Geister, die Nightbearer bereits 2019 auf TALES OF SORCERY AND DEATH riefen. Genauer gesagt: die Geister der (vorwiegend) skandinavischen Neunziger-Todesschule. Mit dem Boss-HM2-Pedal unter den Füßen und weiteren Markenzeichen in den Händen und Stimmbändern, für die schon Tausende Elche ihr Leben lassen mussten. Altbekanntes, also. Aber spannend aufbereitet. Denn zum einen fokussieren sich Nightbearer mit GHOSTS OF A DARKNESS TO COME auf die Stärken ihres Debüts: prägnante Gitarrenmelodien und Dynamik. Zum anderen hat die Band aus Nordrhein-Westfalen einige Überraschungen in petto. Zusammen ergibt das ein zwar weiterhin (noch) nicht wirklich eigenes, aber größtenteils eingängiges Gesamtbild. Mal Seelen schlachtend (‘Wolves By My Side’), mal gespenstisch groovend (‘Forever In Darkness’), mal technisch verspielt (‘A Conquest In Blood’), mal episch mit Abstechern ins verlorene Paradies (‘Ghosts Of A Darkness To Come’), mal mit traditionellen (Iron Maiden-) Momenten (‘Blood And Bloody Ashes’). Zu guter Letzt wirbeln gesangliche und instrumentale Black Metal-Ausbrüche den Old School-Death Metal immer wieder mit frischen Brisen auf.

DOMINIK WINTER

ODD CREW

Dark Matters (Part I)

Dark Rock 4

DRAKKAR (8 Songs / VÖ: 27.5.)

Was 1998 als Kaskadiori begann, wurde zehn Jahre später Odd Crew. Auch die Musik hat sich über die Jahre entwickelt: Zunächst thrashig/groovig, wandelte sich der Stil mehr in Richtung Alternative und wurde zunehmend ruhiger. Bis heute gleich geblieben ist die Besetzung. Die vier Bulgaren sind seit Kindertagen befreundet, zusammen gewachsen und gereift. Das spiegelt sich auch auf ihrem aktuellen Werk wider. Inzwischen weit weniger metallisch, ist die Einheit des Quartetts in melodisch-rockigen Klängen zu hören. Mal melancholisch schwerfällig (‘In Your Brain’), dann wieder hoffnungsvoll und mit einer gewissen Leichtigkeit (‘Farewell’). Die Eröffnungsnummer ‘Morning Lights’ vereint die verschiedenen Facetten gekonnt: Das gut zweiminütige Gitarrenintro erzeugt eine Art Schwebezustand, welcher sich mit den ersten Tönen von Sänger Vasil Raykov auflöst und zu einer gehaltvollen Nummer wird. Etwas mehr Schwung kommt mit der ersten Single-Auskopplung ‘The Moment’ einher. Die gesamte Klangwelt bewegt sich in einer fast schon wohligen Dunkelheit mit wenigen Lichtblicken. Das ist keineswegs negativ gemeint! Einem Motto gleich findet sich diese Stimmung auch auf dem Cover und in den bereits veröffentlichten Musikvideos. Obendrein verströmt die Stimme Raykovs, die in Nuancen an Dave Draiman erinnert, ein gewisses Wohlgefühl. Wo Lob ist, kommt meist noch ein „aber“ – so auch hier. DARK MATTERS (PART I) wirkt einerseits als Gesamtwerk, anderseits wird es dadurch leider irgendwann langweilig. Vielleicht kommt ja noch ein Part II mit etwas mehr Abwechslung.

HEIDI SKROBANSKI

ONI

Loathing Light

Metalcore 3,5

IRONSHORE/BLOODBLAST (11 Songs / VÖ: 17.6.)

Platz 19

Keine Lust mehr auf Prog – nach sechs Jahren bringen Oni einen Nachfolger zu ihrem Debütalbum IRONSHORE (2016) heraus, und stilistisch hat das Ganze wenig mit der ersten Platte gemein. Die Musik der kanadischen Band um Namensgeber und Mastermind Jake Oni erinnert auf LOATHING LIGHT stark an Metalcore-Vertreter wie In Flames oder Lamb Of God, wobei der Sänger letzterer Band zudem erneut mit Oni zusammengearbeitet hat. Bei der Single-Veröffentlichung ‘Secrets’ sind sowohl Randy Blythe als auch Iggy Pop und Oni selbst zu hören (beziehungsweise im Video zu sehen). Anstatt allzu verspielter Riffs bleibt die neue Platte eher bei eingängigen Rhythmen und Refrain-Melodien. In der Tracklist gibt es außerdem immer mal wieder unerwartete Ausreißer. Sehr viel Groove mit Rap-Einlage bringt ‘War Ender’ – und im Anschluss ein kompletter Stilbruch mit einer im Zweitausender-Stil gehaltenen Rock-Hymne. ‘Golden’ platziert sich schließlich als echte Ballade ans Ende des Albums. Djent-Fans werden immerhin mit ‘Battery Tomb’ glücklich, ansonsten entfernen sich Oni weit von ihren ursprünglichen Progressive-Einschlägen und driften dafür lieber in Old School-Metalcore ab. Die musikalische Frische wirkt auf LOATHING LIGHT leider etwas erzwungen. Auch wenn hier kein Lied wirklich enttäuscht oder gar schlecht ist, hat man dennoch das Gefühl, dass dieses Album nicht richtig weiß, wo es hinmöchte.

CELIA WOITAS

PAGANIZER

Beyond The Macabre

Death Metal 5

TRANSCENDING OBSCURITY (10 Songs / VÖ: 24.6.)

Platz 4

Rogga Johansson, der Herr der tausend Projekte (was vielleicht noch untertrieben ist), kehrt knapp drei Jahre nach THE TOWER OF THE MORBID mit seiner Stammformation zurück – eine für seine Verhältnisse ziemlich lange Zeit. Doch während die Qualität seiner diversen Bands sonst schwankt, ist auf Paganizer in der aktuellen Besetzung Verlass: BEYOND THE MACABRE atmet puren Old School-Death skandinavischer Prägung, wartet gewaltig grollend mit Knurrgesang, aggressiven Riffs sowie treibenden Rhythmen auf und beinhaltet einen stimmigen, melodischen Unterbau. Viele Stücke stürmen zackig-feierbar voran und regen die Nackenmuskulatur an (etwa ‘Left Behind To Rot’, ‘Meatpacker’, ‘Succumb To The Succubus’); in Songs wie ‘Raving Rhymes Of Rot’ oder ‘Menschenfresser’ fallen aber auch verzögernde Passagen auf. Extrem langsam kriecht das schwere Finale ‘Unpeaceful End’ mit Gastgesang von Karl Willetts (Bolt Thrower, Memoriam) dahin. Als besonderer Höhepunkt entpuppt sich jedoch die mächtige Hymne ‘You Are What You Devour’ – in dieser bestechenden Form machen Paganizer Hit-Garanten wie ihren Landsleuten Demonical oder (mit etwas Fantasie) sogar Amon Amarth Konkurrenz.

KATRIN RIEDL

PATRIARCHS IN BLACK

Reach For The Scars

Hard Rock 4

MDD/ALIVE (9 Songs / VÖ: 1.7)

Platz 23

Trocken, geradeaus und schnörkellos: Auf REACH FOR THE SCARS drücken sich gleich mehrere Hochkaräter die Klinke in die Hand – allen voran Dan Lorenzo (Hades, Non-Fiction) und Johnny Kelly (Danzig, Type O Negative) –, um eine erstklassige Hommage an Black Sabbath abzuliefern. Das Resultat: Neun unverwechselbare, kurzweilige Songs, die mit Authentizität und eigenständiger Charakteristik rocken. Nicht zuletzt, weil sich das Duo mehrerer Gastmusiker bedient, die ihre eigene Note einbringen. Wer sich im akustisch-lieblichen Einstieg von ‘I’m The Dog’ verliert, wird direkt von schleppenden Riffs und Karl Agells (Ex-Corrosion Of Conformity) trockener Stimmgewalt zurück ins Hier und Jetzt katapultiert. Düster-kräftig stampft die Hard Rock-Hymne ‘Sing For The Devil’ mit John Kosco (Ex-Dropbox) weiter, bevor ‘Mourning This Life’ mit Dewey Bragg (Kill Devil Hill) ordentlich Dynamik und Power in die Platte bringt. Mit dem Led Zeppelin-Cover ‘Kashmir’ und Jimmy Gnecco am Mikro finden Patriarchs In Black den herrlich unaufgeregten Abschluss für ihr Debütalbum. Simpel. Solide. Stilvoll. REACH FOR THE SCARS greift zwar nicht unmittelbar nach den Sternen, liefert dafür aber einen rotziggroovigen Sound mit jeder Menge Headbang-Potenzial. Reinhören lohnt sich!

BIANCA HÄRTZSCH

PHILOSOPHOBIA

Philosophobia

Progressive Metal 4,5

SENSORY/ALIVE (8 Songs / VÖ: 17.6.)

Den Mitgliedern dieser Truppe zufolge ist Philosophobia eine über Jahre hinweg entstandene Band, die nun mit ihrem Debüt an die Oberfläche dringt. Die Musiker sind allesamt in der Szene etabliert und aus verschiedensten Projekten bekannt – etwa von Perzonal War, Pain Of Salvation, Kamelot oder Wastefall. Während die genannten Bands unterschiedliche Richtungen ansteuern, haben sich die Mitglieder mit Philosophobia auf progressiven Metal geeinigt, der in seiner erzählerischen Form stark an Ayreon erinnert. Dass dieser Vergleich naheliegt, bestätigt auch die Tatsache, dass sich die Band für ihre Platte Damian Wilson als Gastsänger ins Boot geholt hat, der regelmäßig sowohl auf Ayreon- als auch Star One-Alben vertreten ist. Durch die besagte Erzählform wirkt die Musik stark auf den Text zugeschnitten, wodurch jegliche standardmäßige Struktur entfällt (gut zu hören in ‘I Am’). Das hat einerseits etwas Erfrischendes an sich, erzeugt aber auch Einbußen bei der Eingängigkeit: Dem Hörer wird mehr abverlangt, um dem Ganzen zu folgen. Weiterhin besonders an diesem Album ist, dass der erzählerische Charakter selbst dann mitschwingt, wenn der Gesang entfällt. So setzt sich im fünfminütigen ‘Thirteen Years Of Silence’ die Erzählung rein instrumental fort – allein durch seine Dramaturgie aus Härte und Melodie, Orgel- und Gitarrensoli, Taktund Tempowechsel. PHILOSOPHOBIA ist ein spannendes Werk für Prog-Anhänger, das sich allerdings nicht jedem erschließen wird.

RAPHAEL SIEMS

PORCUPINE TREE

Closure/Continuation

Progressive Rock 5,5

MFN/SONY (10 Songs / VÖ: 24.6.)

Platz 3

Manch einer hatte Porcupine Tree schon fast abgeschrieben und sich damit abgefunden, dass 2009 mit THE INCIDENT das letzte Werk der ungewöhnlich begabten britischen Formation das Licht der Öffentlichkeit erblickt hätte. Dabei: Für Steven Wilson bedurfte es lediglich besonderer Ereignisse, bevor er sein Einverständnis in ein neues, elftes Album seiner Band gab. Lockdown, Krieg, Donald Trumps weiterhin penetrantes Wühlen im Sumpf demokratiefeindlicher Verstöße: Da konnte jemand wie Wilson, dessen Texte wie Brandmale oder – je nach Gemütszustand und Aktualität – wie Wundpflaster sein können, natürlich nicht zur Tagesordnung übergehen. Und genau das gehen Porcupine Tree mit CLOSURE/ CONTINUATION auch tatsächlich nicht. Sie ziehen und zerren an bewährten Prog Rock-Mustern, sie lärmen und wüten, um schon im nächsten Augenblick (besser: im direkt anschließenden Song) wundersame Melodien voller Melancholie und Tiefenschärfe auszubreiten. Das klingt mal heimelig und anschmiegsam, wunderbar romantisch und herzerwärmend, dann wieder verstörend, widersprüchlich und ruppig bis widerhakend. Aber: Es ist nie belanglos, nie nur reine Unterhaltung, sondern immer anspruchsvoll – manche sagen sogar: intellektuell. Solch eine Einschätzung würden Wilson und seine Mitstreiter Richard Barbieri sowie Gavin Harrison allerdings vermutlich genauso unkommentiert lassen wie den in perspektivischer Hinsicht höchst nebulösen Albumtitel.

MATTHIAS MINEUR

GREG PUCIATO

Mirrorcell

Alternative Metal 5

FEDERAL PRISONER (9 Songs / VÖ: 17.6.)

Um Greg Puciato herum fällt erstaunlich oft das Wort „super“. Der Frontmann von The Dillinger Escape Plan war 16 Jahre lang der geniale, vokale Superchaot, seit dem Ende der Band tummelt er sich bei diversen Supergroups (den elektronischen Black Queen oder Killer Be Killed mit unter anderem Max Cavalera), und mit Federal Prisoner hat er ein Kunstkollektiv der Superklasse gegründet. Er gilt (völlig zu Recht) als einer der besten Sänger seiner Generation, der die markanten Skills von Mike Patton und Layne Stayley in sich vereint. Und sein zweites Soloalbum MIRRORCELL: auch alles super? Für Genrehopper schon mal mehr als für Schubladenpuristen (egal, welcher Couleur); Letztere werden oft weiterskippen. Schließlich packt Greg fast alle seine aktuellen musikalischen Interessen in die neun neuen Songs: pathetischen Gniedel-Grunge (‘Rainbow Underground’), kreischenden Noise (‘All Waves To Nothing’), elegischen Wave-Pop à la Depeche Mode (‘Never Wanted That’, ‘We’), dynamische, zweistimmige Mosher (‘No More Lives To Go’ und ‘Reality Spiral’), und ein bisschen von allem in ‘Lowered’, einem Chart-tauglichen Duett mit Reba Meyers, das an die U2 und Simple Minds der Achtziger erinnert. Alles in allem verströmt MIRRORCELL seine Versiertheit und Intensität querbeet, was zwar oft gefällig, aber nie berechnend wirkt. Und das ist tatsächlich super.

MELANIE ASCHENBRENNER

RXPTRS

Living Without Death’s Permission

Alternative Metal 4

METAL BLADE/SONY (10 Songs / VÖ: 17.6.)

Platz 4

Das Langspieldebüt der fünf Bristoler Burschen ist genau das Richtige für diejenigen, die nicht genau wissen, worauf sie gerade Lust haben. Metal, Alternative Rock, Hardcore Punk – Rxptrs (den Namen spricht man übrigens „Raptors“ aus) schmeißen alle möglichen Subgenres in einen Topf und rühren dabei ordentlich um. Das Resultat: Gar nicht so übel. Irgendwie funktioniert dieses musikalische Potpourri, wobei das nicht zuletzt auch das Verdienst von Frontmann Simon Roach ist. Dieser hat einen erstaunlichen stimmlichen Umfang und kann sowohl angepunkte, an Billy Talent erinnernde Nummern wie ‘The Frail’ oder ‘Demons In My Headphones’, als auch rauen Metal mit aggressivem Geschrei, und zudem Melodic-Rocker und Balladen zum Besten geben. Letztere sind leider arg kitschig geworden. Der Rausschmeißer des Albums, ‘Let Me Die How I Want’, ist mit seiner erzwungen wirkenden Emotionalität einfach etwas drüber, genauso wie der mit einem grausamen Radio-Pop-Klavier verzierte Song ‘Cold Ground’. Da hätten die Briten lieber mehr von metallischen Klängen der ersten Hälfte der Platte spielen können. Oder noch so eine Überraschung wie ‘The Death Rattle’: Der groovige Blues-Banger mit Kinderchor ist definitiv das Highlight von LIVING WITHOUT DEATH’S PERMISSION.

SIMON LUDWIG

SCHANDMAUL

Knüppel aus dem Sack

Folk Rock 5,5

NAPALM/UNIVERSAL (13 Songs / VÖ: erschienen)

Platz 26

Mit über zwanzig Lenzen gehören Schandmaul zwar schon beinahe zum alten Eisen, von einer Staubschicht ist jedoch weit und breit keine Spur. Es scheint sogar, als ob die Münchener Formation mit den Jahren immer besser wird. Kollege Sauermann verglich die Band einst mit einem guten Rotwein. Es mag vielleicht nicht jedem munden, Gourmets werden die Qualität dieser Platte jedoch zu schätzen wissen. Durch und durch geprägt von eingängigen Melodien, treibenden Rhythmen, hervorgerufen von der Liaison aus akustischen und elektronischen Instrumenten sowie dem unverwechselbaren Organ von Thomas Lindner, kann sich KNÜPPEL AUS DEM SACK echt hören lassen. Einige Oho-Momente (wie zum Beispiel in ‘Irgendwann’) hätten sich die Schandmäuler zwar sparen können – aber gut, die gehen live eben immer. Äußerst positiv tun sich Nummern wie ‘Niamh’ oder ‘Der elfseitige Würfel’ hervor: Mal beschwingt, mal verträumt – diese musikalischen Märchen bleiben in Erinnerung. Das Zusammenspiel des Sextetts ist derart harmonisch, dass die Gastmusiker in ‘Glück auf!’ (Fiddler’s Green) und ‘Königsgarde’ (Saltatio Mortis und Feuerschwanz) fast nicht auffallen. Die Texte sind kunstvoll erzählte (vielmehr gesungene) Geschichten, die in drei bis vier Minuten aufregend und wunderschön dargeboten werden. Wer mit dieser Art von Musik bisher nichts anfangen konnte, wird das sicher auch weiterhin nicht. Wer aber ein Faible für Volkssagen wie die über den ‘Tatzelwurm’ hat, sollte durchaus einen Lauscher wagen.

HEIDI SKROBANSKI

DEREK SHERINIAN

Vortex

Progressive Metal 5

INSIDEOUT/SONY (8 Songs / VÖ: 1.7.)

Derek Sherinian ist bekanntlich ein musikalischer Tausendsassa. Der amerikanische Keyboarder hat schon für unter anderem Dream Theater, Black Country Communion, Billy Idol, Alice Cooper, Kiss oder auch Sons Of Apollo gespielt. Und er veröffentlicht, wann immer es seine Zeit erlaubt, in unregelmäßigen Abständen Soloscheiben. Diese sind bemerkenswert schwermetallisch und haben in der Regel überaus prominente Gitarristen an Bord. Auf seiner neuesten Scheibe VORTEX sind dies Steve Stevens, Nuno Bettencourt (Extreme), Joe Bonamassa, Zakk Wylde (Black Label Society, Ozzy Osbourne), Steve Lukather (Toto) und Michael Schenker. Zudem hat Sherinian mit Schlagzeuger Simon Phillips (Toto, Judas Priest, MSG) und Basskoryphäe Tony Franklin (Blue Murder) zwei weitere Virtuosen an seiner Seite. Es verwundert also nicht, dass handwerklich aus vollen Rohren geschossen wird. Kaum eine Melodie, die dem Zuhörer nicht in atemberaubendem Tempo um die Ohren pfeift, kaum ein Groove, eine Taktart, bei der nicht kleine Gimmicks oder hochkomplexe Breaks implantiert wurden. Das alles wäre schwer verdauliche Kost, würde Sherinian nicht abermals eine kompositorisch erstaunlich leichtfüßige Mischung aus Metal, Rock, Fusion, Jazz und Blues zelebrieren. Deshalb kann man diese Scheibe (fast) durchgehend genießen, auch wenn sie komplett ohne Gesang ist.

MATTHIAS MINEUR

TEMPLE OF VOID

Summoning The Slayer

Death Doom 6

RELAPSE/RTD (7 Songs / VÖ: erschienen)

Platz 6

Temple Of Void machen keine halben Sachen. Seit ihrem Debüt OF TERROR AND THE SUPERNATU-RAL (2015) steht die Death-/Doom-Gewalt aus Michigan für schwermütige Nackenbrecher. Auch SUMMONING THE SLAYER ist in diesem Punkt kein Durchhänger. Im Gegenteil: Mit der Erhabenheit von Candlemass und der grummelnden Aggression von Asphyx stapfen Temple Of Void routiniert durch einen dunklen Sumpf emotionaler Zeitlupenkompositionen, die zwischen Höllengrollen (‘A Sequence Of Rot’) und zarten Black Sabbath-Anleihen (‘Dissolution’) nicht selten die Grenze zu Winters INTO DARKNESS streifen oder Ausflüge in rockige Gefilde (‘Engulfed’) wagen. Lediglich die Passagen langwierig-ausharrender Wiederholungen nehmen einen Hauch zu viel der Spannung raus, die es zur Perfektion gebraucht hätte. Doch das tut dem Gesamtwerk keinen wirklichen Abbruch. SUMMONING THE SLAYER besticht durch seine geballte Atmosphäre – eine Ultha’sche Sound-Wand, die von markerschütternden, tonnenschweren Riffs getragen wird und nur von dezent gesäter todesmetallischbrodelnder Wut durchbrochen wird: Pathetisch, brutal und unbändig bösartig. Kurzum: Temple Of Void liefern ein absolutes Pflichtprogramm für alle leidenschaftlichen Doom-Anhänger ab, das zum Jahresende zweifelsohne in manch einer Bestenliste seinen Platz finden dürfte!

TOM LUBOWSKI

THEN COMES SILENCE

Hunger

Dark Rock 5

NEXILIS/SCHUBERT (11 Songs / VÖ: 1.7.)

Platz 11

Die schwedischen Dark-Rocker können auch auf ihrem sechsten Album nicht umhin, sich vor den Größen des Gothic-Genres zu verbeugen. Gleich zu Beginn zeigt ‘Tickets For Funerals’ mit The Sisters Of Mercy-Drive sowie direkt aus der Wayne Hussey-Trickkiste geborgten, Patchouli-Räucherstäbchenduft versprühenden Sitarklängen und Melodiebögen, was die unverneinbaren Ursprünge und Stärken dieser schwarzgetünchten, kühlen, genauso aber auch wohlkomponierten Musik sind. Während im direkten Anschluss ‘Rise To The Bait’ The Cure-Melancholie tonal mit der Tristesse von Bronski Beats ‘Smalltown Boy’ vermählt, ‘Chain’ etwas später frühe U2 auf den Plan ruft und The Mission noch mindestens ein weiteres Mal in ‘Weird Gets Strange’ grüßen, zeigt sich das von Sänger, Bassist, Keyboarder und Co-Produzent Alex Svenson mit samtenem Bariton geführte Quartett insbesondere auf dem eine gewisse präapokalyptische Grave Pleasures-Neon-Coolness ausstrahlenden ‘Days And Years’ so eigenständig wie nie. Und auch die an die finale (Album-)Arbeit von Mark Lanegan in Form der Projektkollaboration Dark Mark vs. Skeleton Joe gemahnenden elektronischeren Exkurse in die finsteren Untiefen der schwarzen skandinavischen Seele (‘Worm’, ‘Pretty Creatures’) wissen zu begeistern.

FRANK THIESSIES

TRAITOR

Exiled To The Surface

Thrash Metal 5,5

VIOLENT CREEK/SOULFOOD (11 Songs / VÖ: 8.7.)

Platz 8

Passend zum Filmstart der Dokumentation ‘Total Thrash’ veröffentlichen Traitor aus Balingen ihr neues Album. Gemeinsam mit Tom Angelripper von Sodom haben die Jungs quasi den Titel-Song des Streifens aufgenommen. Dieser befindet sich ebenso auf dem Album wie die Neueinspielung von ‘Teutonic Storm’, das ebenfalls zum Soundtrack des Films gehört. Aber auch die anderen Songs auf diesem Album unterstreichen einmal mehr, dass Traitor zu den stärksten jungen Thrashern der Republik gehören. Schlagzeuger und Sänger Andreas Mozer scheint seinen Gesang mit blutigen Stimmbändern ins Mikro zu bölken, und die Riffs des Gitarrenduos Koch/Hery sind mindestens rasiermesserscharf. Anders als einigen Kollegen der jüngeren Generation gelingt es den Schwaben, Melodien in ihr Riff-Massaker einzubauen. Wie einst bei den frühen Exciter, die sich auf mehreren Ebenen als Referenz anbieten, entsteht somit ein tödliches Gebräu. Als weitere Beispiele seien die wunderbare ‘Akte X’-Verneigung ’66 Exeter Street’ und das manchen vielleicht schon von der gleichnamigen Compilation bekannte ‘Decade Of Revival’ hervorgehoben. Einzig das Cover der George Michael-Schnulze ‘Careless Whisper’ (natürlich eingethrasht) dürfte Geschmackssache sein. Ansonsten wird hier ganz großer Sport geliefert.

MARC HALUPCZOK

URFERD

Resan

Ambient Folk 5,5

BLACK LODGE/RTD (8 Songs / VÖ: erschienen)

Eine Wanderung durch die weiten Wälder des Nordens; Innehalten und der Symphonie der Natur lauschen, aber auch Kraft schöpfen und diese zum Ausdruck bringen. So hört sich das Debüt von Urferd an. Hinter dem Projekt steckt kein Geringerer als der Schwede Daniel Beckmann, seines Zeichens Musikproduzent sowie Mitglied von Twilight Force und Ages. Nun soll es also mal atmosphärischer zugehen. Und das ist sehr wohl gelungen. Bei der Anhängerschaft von Wardruna, Heilung oder auch Loreena McKennitt dürfte RESAN sehr wohl auf Anklang stoßen. Wie immer bei dieser Art von Musik gilt auch hier: Man muss sich darauf einlassen, um die Stimmung erfassen zu können. Dank der mitunter sogar tanzbaren Nummern (wie zum Beispiel ‘Envig’ oder ‘Vaka’), fällt dies auch erstaunlich leicht. Nur hier und da ist subtiler Gesang zu hören. Die Ausnahme bildet das finale ‘Dvala’, welches komplett besungen wurde. Insgesamt ist das Klangspektrum breit gefächert und reicht von ruhig über feierlich bis beinahe epochal. Eingesetzt werden natürliche Umgebungsgeräusche (dominierend besonders im Opener ‘Gryning’), ebenso wie traditionell folkloristische Instrumente und sicher auch der ein oder andere technisch generierte Ton, sodass sich letztlich alles zu einem sehr schönen Gesamtbild fügt. Wem eine physische Auszeit in der Natur nicht so schnell vergönnt ist, kann dies mit RESAN zumindest auf akustischem Weg nachholen. Die Pagan- und Folk-Gemeinde kommt hier definitiv auf ihre Kosten. Hoffentlich bleibt es nicht nur bei diesem Debütalbum!

HEIDI SKROBANSKI

VENUS 5

Venus 5

Metal Pop 2,5

FRONTIERS/SOULFOOD (11 Songs / VÖ: erschienen)

Mit gleich fünf international besetzten Frontfrauen, die ihre nicht abzusprechenden stimmlichen Qualitäten bislang sowohl in echten Bands als auch fragwürdigen TV-Castingshows unter Beweis gestellt haben, hört das Namedropping dieses extrem stark nach Reißbrettentwurf duftenden Projekts nicht auf. Schließlich stehen hinter besagten Damen Namen wie Jake E. (Ex-Amaranthe-Sänger und -Gründungsmitglied), Within Temptation-Gitarrist Stefan Helleblad, Aldo Lonobile (Archon Angel, Secret Sphere, Sweet Oblivion) plus Produzent Per Aldeheim (Nick Carter, Lambretta, Shiraz Lane). Den Vorwurf, mit der Beschreibung Hupfdohlen-Metal-Pop Gefahr zu laufen, der Gruppe gegenüber despektierlich zu wirken oder den verborgenen charakterstarken Qualitäten dieses Unterfangens nicht gerecht zu werden, entkräftet das Begleitschreiben des Albums gleich selbst: Darin ist völlig unverblümt die Rede davon, dass Venus 5 doch als „Metal“(sic!)-Version von Kollektiven wie The Pussycat Dolls ersonnen worden seien. Stilistisch sowohl die Freunde der Kombination „stumpfe Discobeats treffen auf E-Gitarren“ als auch vermeintlich sinfonisch interessierte Hörerschaften ansprechend, ist dieses Plastikprodukt letztendlich in gut sortierten Drogeriemärkten oder an den Kassen kostengünstiger Modetrend-Ausstatterketten durchaus besser aufgehoben als in einem respektablen Plattenladen.

FRANK THIESSIES

VICTORIUS

Dinosaur Warfare Pt. 2 – The Great Ninja War

Power Metal 4

NAPALM/UNIVERSAL (12 Songs / VÖ: 24.6.)

Platz 31

Bei manchen Albumtiteln fragt man sich: Will die Band mit einem irrwitzigen Namen die schlechte Musik kaschieren, oder verbirgt sich ein spaßiger Kracher für die Festivalsaison dahinter? DINOSAUR WARFARE PT. 2 – THE GREAT NINJA WAR hat zwar einen „originellen“ Titel, bedient aber letzteres Feld. Denn der epochale Power Metal von Victorius braucht sich trotz der albernen Texte nicht vor anderen im Genre zu verstecken. Songs wie ‘Mighty Magic Mammoth’ oder ‘Jurassic Jetfighters’ sind musikalisch und lyrisch zwar ziemlich drüber, machen aber genau deswegen Laune. Das Dauergeholze von Schlagzeuger Frank „Pteranodon“ Koppe sorgt für einen schönen Trieb, der im richtigen Aggregatzustand ordentlich Betriebstemperatur im Publikum erzeugen dürfte. Vor allem die seit einigen Jahren praktizierte Extravaganz in puncto Albumthemen sowie Auftreten steht den Jungs aus Leipzig besser als der sich viel zu ernst nehmende Power Metal, den sie noch vor fast zwanzig Jahren bei ihrer Band-Gründung gespielt haben. Klar, es gibt auch andere Bands, die es mit der Ernsthaftigkeit nicht so streng nehmen und einen ähnlichen Spielstil raushauen. Dennoch schaffen es Victorius, auf kurzer Strecke zu befriedigen. Für einen kompletten Durchlauf ist ihr sechstes Album jedoch zu eintönig und lang. Auf den Bühnen sollten die zwölf Titel allerdings für viel Spaß sorgen.

FLORIAN BLUMANN

WEREWOLVES

From The Cave To The Grave

Death Metal 5,5

PROSTHETIC/CARGO (9 Songs / VÖ: 24.6.)

Platz 11

Dieses Trio will keine Zeit verlieren: Werewolves legen einen Blitzstart hin und bringen im dritten Jahr ihr drittes Album heraus. Schlagzeuger Dave Haley (Psycroptic), Gitarrist Matt Wilcock (Abramelin) und Bassist/Sänger Sam Bean (The Berzerker) klingen dabei unglaublich angepisst und pöbeln gegen alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist – die Texte versprühen spitzzüngigen Hass, der problemlos zwischen „Fuck you“ und „Die“ auf der einen Seite, und Shakespeares Ophelia auf der anderen Seite eskalieren kann. Musikalisch geht es auf FROM THE CAVE TO THE GRAVE ebenso kompromisslos zu Werke: Werewolves stehen für eine technisch versierte, aber super-aggressiv und geradlinig vorgetragene Melange aus Death Metal mit dezentem Thrash-, Grind- und Black Metal-Einschlag. Das äußert sich nicht nur in sirrenden Gitarrenläufen, sondern auch hier und da in atmosphärischen Midtempo-Einschüben wie bei ‘Self-Help Book Burning’, das Satyricon 1996 wohl auch auf NEMESIS DIVINA gepackt hätten, oder ‘Harvest Of The Skulls’, das an die erhabenen Momente von Immortal erinnert. ‘We Are Better Than You’ hingegen ist des aggressiven Riffings von Slayer würdig. Passend dazu variiert Sam Bean auch stimmlich zwischen tiefen Growls und aggressiven Schreien. Bei aller Rotzigkeit scheint auch die technische Brillanz der beteiligten Musiker oft genug durch, sodass sich ein jeder den australischen Werwölfen widmen sollte, der kein Problem damit hat, wenn seine knüp- pelnde Vollbedienung ein wenig Abwechslung mit sich bringt, wie sich zum Beispiel in ‘Crushing Heaven’s Mandate’ gut hören lässt. Macht Bock!

THOMAS STRATER

WHITE WARD

False Light

Black Metal 6,5

DEBEMUR MORTI (8 Songs / VÖ: 17.6.)

Mit ihrem Zweitwerk LOVE EXCHANGE FAILURE hatten sich die Ukrainer White Ward eine einzigartige Klangpalette angeeignet: vom Saxofon getriebener, federleichter, urbaner Jazz (eher Bohren & der Club Of Gore als John Zorns Painkiller), vermischt mit rasendem, hochemotionalem Post Black Metal, also eine Art Fusion aus Yakuza und Regarde Les Hommes Tomber. Was tun damit? Für diese Band mit ihrem breiten Kreis von Kollaborateuren gab es nur eine Option: Alles auf die ganz große Leinwand bringen. FALSE LIGHT entstand vor der heißen Phase des Konflikts mit Russland, doch die Verzweiflung mit Blick auf die Welt, die der Mensch zerstört, und die Liebe, die den Menschen zerstört, wird durch die aktuelle Katastrophe noch überwältigender. FALSE LIGHT ist ein Kaleidoskop aus episch aufgebauten, Aggressivität und Melancholie atmenden Black Metal-Hymnen und Abgründe aufreißenden Post-Jazz-Liedern – das eröffnende Duo aus ‘Leviathan’ und ‘Salt Paradise’ hat bei mir gereicht: Ich musste beim ersten beiläufigen Durchhören erst mal innehalten und mich setzen. Neben Fall Of Efrafa-Vibes gibt mir FALSE LIGHT vor allem eine Assoziation: So sollte PERDITION CITY als Black Metal-Album klingen. Ganz großes Kino.

ROBERT MÜLLER

WIND ROSE

Warfront

Power Metal 6

NAPALM/UNIVERSAL (10 Songs / VÖ: erschienen)

Platz 28

Die härtesten Zwerge der Musikwelt sind zurück – und lassen es ordentlich krachen. Anfangs ist von dieser Härte allerdings noch nichts zu hören, was jedoch keineswegs negativ gemeint ist. Der Opener ‘Of War And Sorrow’ könnte gut und gerne als Intro für ein Fantasy-Epos durchgehen. Ein Abdriften in eine Parallelwelt ist beim Hören beinahe unausweichlich. Nahtlos schließt – nun in gewohnter, aber auch eingängiger Härte – ‘Army Of Stone’ an und zieht allerhand Ohrwurmpotenzial hinter sich her. Von vorne bis hinten mehr als solide, wird das Ganze nur noch vom atmosphärischen ‘Tomorrow Has Come’ getoppt. Nach der Schlacht am Lagerfeuer sitzend, besingt die Zwergenarmee das, was noch kommen möge. Selbst Hörerschaft, die dem Power Metal nicht besonders zugetan ist, kann an WARFRONT durchaus Freude haben. Die Titel sind Genre-typisch bombastisch arrangiert, werden jedoch zu keinem Zeitpunkt nervig. Dies liegt nicht zuletzt an der markanten Stimme von Francesco Cavalieri, welche sich sehr angenehm in den Hörgang schmiegt. Nicht nur der heroische Chorgesang, auch die Keyboards sind passend und wohldosiert eingesetzt. Hierbei ist die Gefahr der Reizüberflutung normalerweise groß, aber nicht so auf WARFRONT: Das italienische Quintett weiß die einzelnen Stücke gekonnt aufzubauen, das Tempo an den richtigen Stellen anzuziehen oder zu drosseln. Davon dürfen sich ähnlich geartete Combos gerne eine fette Scheibe abschneiden. Manchmal ist weniger eben doch mehr – auch im Power Metal. Molto bene!

HEIDI SKROBANSKI

YATRA

Born Into Chaos

Sludge Metal 3,5

PROSTHETIC/CARGO (8 Songs / VÖ: erschienen)

Da hat es jemand eilig, auch wenn die Musik nicht gerade frenetisch getaktet ist: Der Dreier aus Maryland veröffentlichte 2019 sein Debüt DEATH RITUAL, mit BORN INTO CHAOS liegt jetzt schon Album Nummer vier vor. Wenn man sich das neue Teil vornimmt, verwundert das nicht: BORN INTO CHAOS klingt annähernd so, als hätten sie alles live eingetrümmert – und an den Nummern hat sich auch niemand totkomponiert. Dreckiger Sludge mit leicht geifernden Death Metal-Anleihen und Hack’n’Slay-Lyrics, einem Hang zum kruden Solo, bevor sich der Song absentieren darf... Das alles hat seinen Charme und hält nach knapp 40 Minuten auch wieder die Klappe. Aber verschrobenen Wikinger-auf-Dope-Krach (selbst wenn die Hörnerhelmthemen im Vergleich zu den vorigen Alben kaum mehr im Vordergrund stehen) gab’s 2006 mit Teeth Of The Hydras GREENLAND schon deutlich besser – und damals sind daraus auch nicht die neuen High On Fire geworden...

ROBERT MÜLLER

ZINNY ZAN

Lullabies For The Masses

Rock 5

WILD KINGDOM/SOUND POLL. (9 Songs / VÖ: erschienen)

20 Jahre nach dem Solodebüt CITY BOY BLUES sowie dazwischengeschobenen Platten mit der Band Zan Clan und einem schwedischsprachigen Album unter seinem bürgerlichen Namen Bo Stagman ist Zan zurück mit neuer Mannschaft. Parallelen zu den anfänglichen Alleingängen von Steve Jones und Michael Monroe sind durchaus vorhanden, auch wenn LULLA-BIES FOR THE MASSES die Bandbreite noch etwas großzügiger spannt. Neben dem gelungenen Eröffnungszug mit dem lässigen Melodic-Rocker ‘Heartbreak City’ überrascht Zan schon auf Track-Position drei mit dem ULTRA-lässigen Depeche Mode-Cover ‘It’s No Good’, bevor er sich in die schöne Akustikballade mit Western-Touch (‘Heel The Pain’) schwingt, mit ‘Nobody Gets Out Of Here Alive’ einen imaginären Soundtracksong zu wahlweise einem Spätachtziger-Ridley Scott-Thriller respektive einer ‘Miami Vice’-Episode abliefert, auf ‘Let It Rock’ den Funk-Verrückten gibt oder mit ‘Goodbye To Yesterday’ an Enuff Z’Nuff gemahnendes The Beatles-Bewunderer-Terrain betritt.

FRANK THIESSIES

VINYL COUNTDOWN

SOULFLY

The Soul Remains Insane: The Studio Albums 1998 To 2004

BMG/WARNER

Bevor in Kürze das zwölfte Soulfly-Studioalbum TOTEM erscheint, kann man sich noch einmal mit den Anfängen der Band beschäftigen – in Form dieser Vinylfassungspremiere, versteht sich. Bis auf PRIMITIVE und die Bonusscheibe SOULFIRE allesamt aufgrund ihrer überwiegend üppigen regulären Spielzeiten (das zusätzliche Material der limitierten Digipak-Editionen hätte den handelsüblichen Vinylboxrahmen wohl gesprengt) im 180 Gramm schweren Doppel-LP-Format gepresst, macht das Band-betitelte Debüt den Anfang mit einem gleich zu Beginn schon höchst imposanten Gästereigen, zu dem unter anderem Dino Cazares und Burton C. Bell, Fred Durst, Chino Moreno oder Benji Webbe zählen. Stilistisch zugleich sinnbildlich für Max Cavaleras scheuklappenbefreite Metal-Vision ist SOULFLY ebenso, werden hier doch Tribal-Trommeln und Dub-Sounds inkludiert. Der Nachfolger PRIMITIVE gibt sich vornehmlich etwas basischer, bedient aber Cameo-Bedürfnisse (diesmal mischen unter anderem Corey Taylor, Lennon-Spross Sean oder Tom Araya mit) und ethnische Klangausflüge ebenso gleichermaßen. Und während Album drei dezent festgefahren wirkt, geht Sänger und Band-Kopf Max Cavalera mit abermals veränderter Musikerbelegschaft auf dem pulsierend frischen und energetischen PROPHECY die Sache wieder visionärer und inspirierter an. Erweitert um ein 40 Seiten starkes Fotobuch mit Linernotes sowie erwähnte Bonus-LP, die Raritäten und abenteuerliche Remixes enthält, dürfte dieses Plattenpaket Vinylliebhaber sowie analoge Einsteiger in das Soulfly-Universum durchaus zufriedenstellen.

FRANK THIESSIES

Ebenfalls erschienen: V.A. ALMOST FAMOUS OST (Geffen/Universal)

Einer der besten (fiktionalen) Musikfilme über das Rock’n’Roll-Leben in seiner Siebziger-Blütezeit ist der des ehemaligen Rolling Stone-Autors Cameron Crowe, der in ‘Almost Famous’ quasi autobiografisch seine ersten Gehversuche als Musik-Journalist aufarbeitet. Der Soundtrack ist nicht minder gelungen, werden in der Doppelvinylausgabe doch auserwählte Songs der Ära von The Who über Lynyrd Skynyrd bis hin zu Elton Johns ultimativem Tourbus-Szenerührmoment ‘Tiny Dancer’ präsentiert. Sogar die für den Film eigens, lose auf Crowes Erfahrungen mit Bands wie Led Zeppelin oder The Allman Brothers basierend ersonnenen Stillwater sind mit einem Track vertreten.

Stone The Crows STONE THE CROWS/ODE TO JOHN LAW (Repertoire)

Die Neuauflage der ersten beiden Alben der Glasgower Blues Rock-Band, deren Debüt mit einer ungewöhnlichen Veröffentlichung am ersten Januar die Siebziger einleitete. Mit Soul-Schlagseite und Psychedelia-Einschüben, Sängerin Maggie Bells an Janis Joplin gemahnendem, rauem Timbre verwundert es nicht, dass sich Led Zeppelin-Manager Peter Grant partiell der geschäftlichen Geschicke der Gruppe annahm. Dass Gründungsgitarrist Leslie Harvey 1972 bei einem Auftritt der Band aufgrund eines Stromschlags verstarb, überschattet aufgrund der tragischen Absurdität dieses Bühnentods fast das durchaus respektable musikalische Erbe der tollen Truppe, die man nicht mit den singulären Schwaben ähnlichen Namens verwechseln sollte.

V.A. LEGACY – ATRIBUTE TO LESLIE WEST (Mascot/RTD)

Mit Mountain-Gitarrist, -Sänger und -Song-Schreiber Leslie West verstarb am 23. Dezember 2020 eine Classic Rock-Legende. Das kurz vor seinem Tod geplante Vorhaben, mit ein paar Musikerkollegen eine Werkschau neu einzuspielen, konnte West leider nicht mehr verwirklichen. Für die Errichtung eines posthumen Denkmals haben sich nun Bewunderer wie Zakk Wylde, Joe Lynn Turner, Dee Snider, Marty Friedman, Robby Krieger, Ronnie Romero, Steve Morse oder auch Slash und Yngwie Malmsteen zusammengetan, um Wests Schaffen Tribut zu zollen. Ein geschmackvolles, auf silbernes Vinyl gepresstes, letztes musikalisches Geleit.

Brian May ANOTHER WOLRD (Virgin/Universal)

Das zweite Soloalbum des Queen-Gitarristen ist erstmalig seit seinem Erscheinungsjahr 1998 auf Vinyl erhältlich. Ursprünglich als Cover-Kollektion begonnen (drei Remakes, darunter Mott The Hooples ‘All The Way From Memphis’ finden sich noch darauf), gewann neues May-Material letztlich die Oberhand. Gelöster als auf seinem Debüt glänzt der Lockenkopf mit flamboyanten Queen-Referenzen, frönt aber auch mal sumpfiger (gelungen) rudimentärerem Blues wie in ‘The Guv’nor’ oder (weniger gelungen) pseudomodernen Maschinen-Sounds (‘Cyborg’).

Kiss MUSIC FROM THE ELDER (Universal)

Ist es Zufall, dass drei der am kontroversesten diskutierten Alben der Rock-Geschichte die Gemeinsamkeit aufweisen, dass Lou Reed seine Finger im Spiel hatte? Während Reed in seiner Diskografie METAL MACHINE MUSIC als ungeliebtes Werk vorweisen kann, war sein Beitrag zu Kiss’ 1981er-Konzeptalbumtraum mit unverwirklichter Kinoverwertung eher gering und beschränkte sich lediglich auf ein paar Songs. Natürlich ist dieses mit allerhand The Who- und The Beatles-Referenzen gespickte Album hochgradig überambitioniert. Aber sieht man davon ab, dass Kiss Pyro- und eben keine Prog-Techniker sind, ist dieses Album künstlerisch doch unterbewertet. Und LULU darüber hinaus um einiges schlechter. Die limitierte und nummerierte Vinylauflage erscheint als transparente Pressung und ist im hochwertigen Half-Speed-Mastering-Verfahren gefertigt.