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REZEPT AUS DER NATUR: DER MUNTERMACHER


Landlust - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 19.06.2019

Erfrischender Rosmarin! Das duftende Heilkraut aktiviert den Kreislauf, fördert die Konzentration und die Durchblutung.


Artikelbild für den Artikel "REZEPT AUS DER NATUR: DER MUNTERMACHER" aus der Ausgabe 4/2019 von Landlust. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Landlust, Ausgabe 4/2019

Im Garten mag das mediterrane Kraut einen sonnigen, geschützten Platz und sandigen, durchlässigen Boden. Häufig wird die immergrüne Pflanze als Topfpflanze auf dem Balkon gehalten.

Die Blätter des Rosmarins erinnern an Tannennadeln. Charakteristisch sind die festen, schmal-linealen Blätter mit nach innen leicht eingerolltem Rand. Die helle Unterseite ist filzig behaart.

Aromatisches Würzkraut und wärmendes Heilmittel: Die Blätter mit dem intensiven Duft enthalten viel ätherisches Öl. ...

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... Oleum rosmarini steckt in den Drüsenschuppen auf der Blattoberfläche.

Ein intensiver Wohlgeruch umgibt den Rosmarin – würzig, harzig, kräftig. Sowohl die nadeligen Blätter als auch die himmelblauen Blüten verströmen den Duft heißer Sommertage. Das Würzkraut ist in der Küche vielseitig verwendbar (Rezepte auf ab Seite 52) und als Heilpflanze wissenschaftlich erforscht.

Meertau oder Brautkraut
„Tau des Meeres“ heißt die am Mittelmeer heimische Pflanze, wenn man den Namen Rosmarin aus dem Lateinischen ableitet: „ros“ = Tau und „marinus“ = zum Meer gehörig. Landläufig wurde Rosmarin bei uns früher auch als „Weihrauchkraut“ bezeichnet. Mit seinen ätherischen Ölen verwendete man ihn oft anstelle des teuren Weihrauchs für Räucherungen. Als immergrüner Strauch war er von jeher ein Symbol für immerwährende Liebe und Treue. Das „Brautkraut“ war traditionell Teil des Brautstraußes oder Brautkranzes.

Aus dem Süden
Der mehrjährige Halbstrauch kann in seiner Heimat bis etwa 1,5 Meter groß werden. Bei uns gedeiht Rosmarin im Garten oder Topf an einem sonnigen, trockenen Standort. Inzwischen gibt es winterharte Züchtungen. Rosmarin erinnert im Wuchs an heimische Koniferen, und auch die schmal-lanzettlichen, ledrigen Blätter ähneln Tannennadeln. Typisch ist deren nach innen leicht eingerollter Rand, was die Pflanze vor Austrocknung schützt. Die Blattoberseite ist dunkelgrün und glänzend, die Unterseite hell und filzig behaart. Zwischen den Blättern sitzen die blassblauen bis blauvioletten Blüten des Lippenblütlers, oft schon im März und bis in den September. Die Zweige können ganzjährig geschnitten oder einzelne Blätter abgezupft werden. Die meisten Wirkstoffe enthalten junge Triebspitzen zu Blühbeginn, am besten erntet man sie an einem trockenen, sonnigen Vormittag.

Wirkstoffreich
Rosmarinus officinalis ist eine anerkannte Heilpflanze. Wirksam ist das Kraut vor allem durch den hohen Anteil ätherischen Öls in den Blättern (bis zu 2,5 Prozent). Ätherisches Rosmarinöl Oleum rosmarini enthält unter anderem den durchblutungsfördernden Inhaltsstoff Campher und als Hauptkomponente (45 %) den ebenfalls campherartig riechenden Stoff Cineol. Cineol wird auch Eucalyptol genannt, weil er in Eukalyptus reichlich vorkommt. Er wirkt stark durchblutungsfördernd, schleimlösend, entzündungshemmend und antibakteriell. Daneben gehören Flavonoide, Bitter- und Gerbstoffe wie Rosmarinsäure zu den wertvollen Inhaltsstoffen.

Das Adjektiv officinalis in der botanischen Bezeichnung Rosmarinus officinalis L. drückt aus, dass es sich um eine Arzneipflanze handelt. Eine „Offizin“ ist eine Apotheke bzw. deren Verkaufsraum.


Das Kraut kann frisch oder getrocknet, innerlich und äußerlich verwendet werden.


Für einen wachen Geist
Schon Hippokrates, der berühmte Arzt des Altertums, wusste um die durchblutungsfördernde Wirkung. Studierende sollen damals Rosmarinkränze um den Kopf getragen haben, um Konzentration und Gedächtnis zu stärken. Inzwischen wurde in Studien nachgewiesen: Rosmarin verbessert die Durchblutung der Kapillargefäße, was die Hirnfunktion anregt. Die enthaltenen Carnosol- und Rosmarinsäuren sind wichtige Antioxidantien, die die Nervenzellen gesund erhalten sollen. Als „Wachmacher“ am Morgen macht eine Tasse Rosmarintee den Kopf klar und den Geist munter.

Anregend und stärkend
Wissenschaftlich nachgewiesen wurde auch die innerliche Wirkung bei Verdauungsstörungen. Als Tee, Wein oder tropfenweise als Tinktur aktiviert Rosmarin die Magensaft- und Gallensekretion. Damit beugt er bereits als Gewürz im Essen Blähungen und Völlegefühl vor und regt den Appetit an. Durchblutungsfördernd und wärmend kräftigt er das Herz-Kreislauf- und das Nervensystem. Rosmarin hilft vor allem bei niedrigem Blutdruck und wirkt aufbauend bei Erschöpfung oder in der Genesungszeit nach einer Grippe.

Äußerlich angewandt lockert Rosmarin verspannte Muskulatur, wirkt lindernd bei Schmerzen und Muskelkater und auch bei Rheuma und Gicht. Zur Wahl stehen hier Badezusätze oder Einreibungen bzw. Auflagen mit Öl, Salbe oder Rosmarintinktur, auch „Rosmarinspiritus“ genannt. Auch ein konzentrierter Teeaufguss kann äußerlich verwendet werden. Dazu 1 Esslöffel getrocknete oder 2 Esslöffel frische, fein geschnittene Blätter mit etwa 40 ml siedendem Wasser aufbrühen und 15 Minuten ziehen lassen. Kosmetisch ist Rosmarin ebenfalls zu verwenden: Ein Bad wirkt desodorierend, Hautöl gewebekräftigend. Als Haarwasser soll er die Hautdurchblutung und damit das Haarwachstum fördern.

REZEPTE

ROSMARINTEE

1 TL fein geschnittene Rosmarinblätter (frisch oder getr., ca. 2 g) mit etwa 150 ml heißem Wasser übergießen. Bedeckt ziehen lassen. Nach etwa 8 Minuten abseihen.

WIRKUNG UND ANWENDUNG
Drei- bis viermal täglich 1 Tasse Tee frisch zubereiten und zwischen den Mahlzeiten trinken. Regt den Kreislauf und die Verdauung an.

ROSMARINWEIN

6 gehäufte Esslöffel frische fein geschnittene Rosmarinblätter in 750 ml Weißwein geben. 2 bis 3 Wochen an einem warmen, aber nicht sonnigen Platz stellen. Abseihen.

WIRKUNG UND ANWENDUNG
Täglich 1 bis 2 Schnapsgläschen bei niedrigem Blutdruck oder Schwächezustand. Zur Förderung der Verdauung etwa 1 Esslöffel 30 Minuten vor der Mahlzeit einnehmen.

ROSMARIN-TINKTUR

Frischen Rosmarin fein schneiden und in ein Schraubglas füllen. Diedoppelte Menge Alkohol aufgießen. Dazu mit einem Lineal die Rosmarinhöhe messen (z. B. 2,5 cm). Höhe verdoppeln und mit Fettstift eine Markierung am Glas anbringen (hier bei 7,5 cm). Bis dahin mit Alkohol aufgießen. 3 Wochen dunkel gestellt ziehen lassen. Anfangs alle 2 Tage, später einmal pro Woche umrühren. Abseihen. Hält sich dunkel im Schrank aufbewahrt 2 Jahre.

TIPP: Man kann Doppelkorn (38 %) verwenden. In 50- bis 70%igem Alkohol (aus der Apotheke) ziehen die ätherischen Öle noch besser aus.

WIRKUNG UND ANWENDUNG
Innerlich bei niedrigem Blutdruck, Schwächezuständen und zur Förderung der Verdauung zwei- bis dreimal täglich 7 bis 15 Tropfen (anfangs 7 Tropfen, falls nötig bis auf 15 steigern) in Wasser oder Tee. Äußerlich wird der „Rosmarinspiritus“ seit Langem für Einreibungen verwendet (die Haut nachher einfetten!). 200 ml Tinktur reichen für 10 Haarwasser- und mehrere Badesalz-Rezepte (siehe nächste Seite).

HINWEISE: Mit seiner anregenden Wirkung soll Rosmarin nicht abends verwendet werden. Wegen der Durchblutungsförderung innerlich nicht bei hohem Blutdruck, während der Schwangerschaft und bei starker Menstruation. Das ätherische Öl ist nicht für Schwangere, Babys und Kleinkinder geeignet.

MASSAGEÖL

Für etwa 200 ml

5 EL frischer, fein geschnittener Rosmarin ,
200 ml Jojobaöl, Oliven- oder Mandelöl ,
40 Tropfen ätherisches Rosmarinöl

Rosmarin in einem Schraubglas mit Öl bedecken und etwa 3 Wochen dunkel stellen. Täglich umrühren. Um Schimmelbildung zu verhindern, den Deckel nur auflegen oder das Glas mit Gaze abdecken. Verdunstungswasser tropft vom Deckel sonst wieder in das Öl. Leichte Wärme begünstigt das Mazerieren (z. B. in der Nähe des Heizkörpers), dann reichen 10 Tage. Abseihen und dunkel aufbewahren.

WIRKUNG UND ANWENDUNG
Belebend bei Erschöpfung und Kreislaufstörungen und durchblutungsfördernd bei Muskelschmerzen und Verspannungen. Auch als Körperöl für straffe Haut.

ROSMARIN-BÄDER

Wer das Salz verschenken möchte, legt zur Dekoration einen getrockneten Rosmarinzweig darauf.


BADESALZ

Für 3 Bäder

500 g grobes
Meersalz oder
Totes-Meer-Badesalz ,
2 EL Rosmarintinktur ,
20 Tropfen ätherisches
Rosmarinöl

Etwa die Hälfte des Salzes in ein Schraubglas schichten. Auf 1 knappen EL Tinktur 10 Tropfen ätherisches Rosmarinöl tropfen und vorsichtig mischen. Die Mischung möglichst gleichmäßig auf das Salz tropfen lassen und sofort umrühren. Die zweite Hälfte Salz einstreuen und ebenso verfahren. Umrühren.

BADEZUSATZ

Für 1 Bad

Etwa 50 g geschnittenen Rosmarin in 1 Liter Wasser
bis zum Sieden erhitzen. Vom Herd nehmen, 30 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abseihen und den Sud dem Vollbad zugeben.

WIRKUNG UND ANWENDUNG
Einmal täglich, nicht am Abend, etwa 20 Minuten baden. Wirkt belebend bei Kreislaufstörungen und lindernd bei rheumatischen Beschwerden und Gicht. Der Sud wirkt zudem desinfizierend, und er kann den Heilungsprozess bei schlecht heilenden Wunden fördern.

KRÄFTIGENDES HAARWASSER

Für etwa 150 ml

100 ml Apfelessig, 4 EL frischer (oder 2 EL getr.) fein geschnittener Rosmarin, 30 ml stark konzentrierter Rosmarintee (1 EL auf 40 ml), 20 ml Rosmarin-Tinktur, eventuell 15 Tropfen reines ätherisches Rosmarinöl (um die Wirkung zu intensivieren)

HERSTELLUNG: Den Essig aufkochen, Rosmarin zugeben. Vom Herd nehmen und zugedeckt 30 Minuten ziehen lassen. Durch ein feines Sieb abseihen. Abkühlen lassen. Tee und Tinktur gut untermischen. In eine Flasche füllen. Ätherisches Öl zugeben (15 Tropfen; 1 Tr. auf 10 ml). Verschließen und im Kühlschrank aufbewahren. Das Haarwasser wird immer für 2 bis 3 Wochen frisch hergestellt.

ANWENDUNG: Das Haarwasser portionsweise in Tropfflaschen umfüllen, so kann es direkt gezielt auf den Kopf gegeben werden. Vorher die Flasche gut schütteln. Etwa die Menge von 1 Esslöffel täglich in die Kopfhaut einmassieren. Über Nacht können die Wirkstoffe gut einziehen, und der leichte Essiggeruch verfliegt bis zum Morgen.

WIRKUNG: Fördert die Durchblutung der Kopfhaut und damit auch das Haarwachstum, vermindert Schuppenbildung, Hauttrockenheit und Juckreiz.

■ Umsetzung und Text: Birgit Brokamp, Fachliche Beratung: Ellen Huber/Heilpflanzenschule Millefolia Fotos: Heinz Duttmann, Marion Nickig (1), Zoonar (1), Flora Press (1)