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REZEPTE FÜR HUNGRIGE GÄRTNER


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Lust auf Natur - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 09.12.2022

D ie deutsche Leidenschaft für „etwas Warmes“ zum Mittagessen finde ich, nach über 20 Jahren in Deutschland, immer noch etwas seltsam. Großartig, aber seltsam. Zu Hause haben wir manchmal am Wochenende warm zu Mittag gegessen, aber unter der Woche gab es nur ein Vesperbrot. So war ich nicht darauf vorbereitet, als ich bei meiner ersten Arbeitsstelle auf einem Winzerhof in Deutschland mit Bergen von Fleisch und Spätzle zu Mittag konfrontiert wurde. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Das Essen war wirklich fantastisch, aber nach einer ausgiebigen Mahlzeit wollte ich eigentlich nur schlafen. Während der Winzer sich für ein Mittagsschläfchen hingelegt hatte, stürzten sich seine kleinen energischen Kinder auf mich und meine Mittagsruhe, bevor die Nachmittagsarbeit losging. Heute geht es mir immer noch so. Ich möchte etwas Leichtes zum Mittag. Sandwiches sind sehr praktisch zum Mitnehmen, aber man ...

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Bildquelle: Lust auf Natur, Ausgabe 1/2023

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... wünscht sich doch auch mal etwas Abwechslung. Die folgenden Rezepte, außer dem Trifle, lassen sich gut in eine Vesperdose packen. Das Trifle ist bestens geeignet als Nachtisch am Wochenende, nachdem die ganze Familie bei der Gartenarbeit mitgeholfen hat.

APPLE CHARLOTTE

ZUTATEN FÜR 4 WECK-STURZGLÄSER à 200 ml:

400 g Brioche

50 g Butter

ca. 500 ml Apfelmus

Sultaninen je nach Geschmack

2 EL brauner Rohrzucker

1. Apple Charlotte wird üblicherweise „am Stück“ in einer großen Glasschüssel gebacken. Ich verwende lieber WECK-Sturzgläser (200 ml), in denen man dieses verführerische Dessert in Miniatur kreieren kann. Die Brioche reicht für vier bis zum Rand gefüllte Gläser. Brioche in Scheiben schneiden und mit einem scharfen Messer entranden. Die Randstücke hebt man auf.

2. Butter schmelzen und die Gläser innen großzügig bestreichen. Anschließend presst man die randlosen Briochescheiben hinein bis jedes Glas

bis zum Rand mit Brioche ausgekleidet ist. Jetzt fügt man das Apfelmus hinzu. Ich verwende eingemachtes Mus vom letzten Herbst mit einer Handvoll Sultaninen, weil ich Sultaninen mag. Cranberrys oder gezuckerte Ingwerstücke könnte ich mir auch gut vorstellen. Frisch gekochtes Apfelkompott geht natürlich auch.

3. Den Deckel macht man aus den abgeschnittenen Randstreifen, die man dicht nebeneinander in die Apfelmasse legt, als würde man einen Gartenweg aus alten Schieferplatten konstruieren. Die Schieferplatten werden mit der restlichen Butter bestrichen und mit einer dicken Schicht Rohrzucker für maximale Knusprigkeit bestreut.

4. Den Backofen auf 150 °C vorheizen, und die kleinen Charlottes etwa 20 Minuten oder bis sie leicht gebräunt sind, backen. Serviert werden sie nach Belieben heiß oder kalt mit Vanillesoße, Eis oder Schlagsahne.

Meine Interpretation eines alten Rezepts von Constance Spry (1886– 1960), Königin der britischen Manifestation der französischen Küche. Constance Spry war erfolgreich und vielseitig, führte Dekorationsgeschäfte in London und New York, gründete eine Floristikund eine Hauswirtschaftsschule und veröffentlichte Bücher. Die Floristin kreierte unter anderem den Blumenschmuck anlässlich der Hochzeit von Prinzessin Elizabeth mit Philip Mountbatten.

Die Geschichte des Trifles (gesprochen Treifl) reicht mindestens bis in die Zeit der ersten Königin Elisabeth zurück. Diejenigen, die es sich leisten konnten, freuten sich nicht nur über Fleischgerichte, die damals aus allem, von Amseln, Schnepfen und Lerchen über Hechte, Hasen und Hammelfleisch bis zum Wildschwein und Rind, zubereitet wurden. Die Feinschmecker der Tudorzeit ließen sich gerne auch mit Süßspeisen verwöhnen. Oft wurde Mandelmilch verwendet, aber auch viel Sahne. Das erste Trifle war nichts anderes als eine Schale voll mit gewürzter Sahne auf einem Bett von in Alkohol getauchtem Kuchen. Das moderne Trifle bleibt dieser Idee treu, wurde aber über die Jahrhunderte mit einigen Ergänzungen versehen. Eine selbst zubereitete Vanillecreme ist unerlässlich für das volle Trifle-Erlebnis. Um das Gericht kindertauglich zu machen, kam im Laufe des 20. Jahrhunderts eine Schicht Götterspeise dazu. Puristen betrachten die Götterspeise als Symbol des moralischen Verfalls. Ich finde, je mehr Schichten, desto besser. Deshalb ist es wichtig, das Trifle in einer Glasschale zuzubereiten. Trifle wird oft als Sommerdessert verspeist, passt aber genauso an Weihnachten, ist eine beliebte Nachspeise an Geburtstagen oder auf Büfetts.

Für kleine Gärtner, die tapfer im Garten geholfen haben, habe ich diese kleinen Trifles in WECK-Gläsern vorbereitet. Selbstverständlich wurde hier auf Sherry verzichtet. Da wir alle gerne Shortbread essen, habe ich die Löffelbiskuits durch Shortbread ersetzt.

TRIFLE

ZUTATEN:

Für die Vanillecreme:

1 Vanilleschote

100 g Zucker

40 g Speisestärke

4 Eigelbe

500 ml Milch

Außerdem:

1 Beutel Götterspeise (für 500 ml Flüssigkeit)

2 Tassen Himbeeren oder anderes

Obst

200 g Sahne

6 Löffelbiskuits oder Shortbread

Sherry

Mandeln gehobelt oder Streusel

1. Die Vanilleschote längs halbieren und das Vanillemark mit einem Messer herausschaben. In einer Glasschüssel Zucker, Vanillemark und Speisestärke vermischen und mit dem Eigelb zu einer Paste verrühren. Währenddessen erhitzt man die Milch mit der ausgenommenen Vanilleschote. Bevor sie kocht, nimmt man sie vom Herd, lässt sie ein paar Minuten ziehen und holt sie dann heraus.

2. Eine Tasse der warmen Milch mit der Eipaste vermischen und dann zu der restlichen Milch geben. Die Vanillemilch bei schwacher Hitze und unter ständigem Rühren zum Kochen bringen. Kurz köcheln lassen. Sobald die Mischung dick wird, die Vanillecreme vom Herd nehmen. Für extra Dekadenz kann man einen Esslöffel Butter unterrühren. Abkühlen lassen. Ein Stück Backpapier auf der Oberfläche verhindert die Bildung einer Haut.

3. Die Götterspeise nach Packungsanleitung zubereiten. Die Himbeeren kurz abbrausen und gut abtropfen lassen. Die Sahne steif schlagen.

4. Traditionsgemäß wird Trifle in einer großen Kristallschüssel serviert. Die erste Schicht besteht aus mit Sherry beträufelten Löffelbiskuits. Darauf die Himbeeren oder anderes Obst legen. Die Götterspeise darüber gießen. Nachdem sie fest geworden ist, kann man eine großzügige Lage Vanillecreme und zum Schluss eine schöne Schicht Schlagsahne darauf geben. Verziert wird das Ganze mit weiteren Obststücken, gehobelten Mandeln oder bunten Streuseln.

MRS MCLEANS SCHNELLES FRÜCHTEBROT

ZUTATEN:

1 Tasse Rohrohrzucker

350 g Dörrobst (ich verwende Sultaninen, Feigen und Cranberrys)

200 g Butter

½ TL Zimt

1 Tasse helles Mehl

1 Tasse Vollkornmehl

2 TL Backpulver

1 Prise Salz

2 Eier Saft einer halben Zitrone

1. Zucker, Dörrobst, Butter und Zimt werden in einen Kochtopf gegeben und mit einer Tasse Wasser unter ständigem Rühren zum Kochen gebracht. Die Mischung sollte 10 Minuten lang köcheln. Vor dem nächsten Schritt etwas abkühlen lassen.

2. Mehl, Backpulver und Salz in einer Schüssel mischen. Die Dörrobstmischung unterrühren. Die Eier verrühren und mit dem Zitronensaft dazugeben. Falls der Teig zu wässrig ist, noch etwas Mehl hinzufügen. Er sollte ähnlich wie ein Muffinteig sein, gießbar, aber nicht so flüssig wie Pfannkuchenteig.

3. Den Backofen auf etwa 120 °C vorheizen. Den Teig in eine Backform geben. Ich verwende eine runde Form, aber es funktioniert genauso gut in einer Kastenform. Im Ofen etwa 45 Minuten backen. Wenn die Mitte des Kuchens dem Probefinger Widerstand bietet, ist das Früchtebrot fertig.

Früchtebrot oder Fruitcake ist sehr beliebt in Großbritannien. Es gibt zahllose Variationen, und da es gut haltbar ist, wird es oft in den Souvenirläden historischer Parks und Gärten verkauft. Die opulenteste Art des Fruitcakes, die unter anderem als Basis für den Weihnachtskuchen dient, verschlingt kiloweise in Brandwein oder Whisky eingelegtes Dörrobst, Berge von Butter und ganze Batterien von Eiern. Die hier beschriebene Version ist wesentlich einfacher, leichter und deshalb auch viel schneller zu machen. Sie stammt von einer zierlichen, aber schlagfertigen Schottin, einer Nachbarin aus meiner Kindheit, die alleine drei Kinder und einen hübschen Bauerngarten erzogen hat. Anders als Sahnetorte, kann man Stücke von diesem Kuchen sehr gut mit in die Vesperdose packen. Die Mengenangaben sind die von Mrs Mcleans Originalrezept. Die Tasse, die ich verwende, fasst etwas mehr als 200 ml Flüssigkeit.

WÜRZIGE GÄRTNER-PASTIES

ZUTATEN FÜR 11 Pasties:

Für den Teigmantel:

350 g Dinkelmehl (hell)

175 g Butter

3 Eigelb

1 Prise Salz

1 TL Kurkuma (Nicht unbedingt notwendig. Ich mag aber die Farbe!)

etwas Wasser

Für die Füllung:

1 Zwiebel Suppengemüse

800 g Rinderhack Öl zum Anbraten eingeweckte Tomaten nach Belieben: Curry, Chili, Gartenkräuter 

1 Ei

1. Aus den Zutaten einen Knetteig herstellen und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen, bevor man ihn ausrollt.

2. Für die Hackfleischsoße die Zwiebeln würfeln und das Suppengemüse klein schneiden. Das Rinderhack in einer Pfanne anbraten. Zwiebelwürfel, Suppengemüse und eingeweckte Tomaten zufügen und alles bei niedriger Hitze lang köcheln lassen, bis die Soße schön sämig, aber nicht zu flüssig ist.

3. Den Teig mit dem Nudelholz ausrollen, bis er etwa 3 Millimeter dick ist. Ich habe aus dieser Menge Teig 11 Kreise geschnitten mit einem Durchmesser von etwa 18 cm. Etwa 3 Esslöffel der abgekühlten Hackfleischsoße in die Mitte jedes Kreises geben. Den Rand mit einem verrührtem Ei einstreichen.

4. Dann schließt man die Kreise jeweils zu einem Halbkreis. Den Rand zusammendrücken, sodass die Füllung nicht herausquellen kann. Der Teigrohling ähnelt jetzt einem Stegosaurier. Die Stegosaurier werden mit Ei bepinselt und bei 160 °C gebacken, bis sie schön gebräunt sind. Pasties kann man warm oder kalt essen. Als Picknick-Snack oder Gärtnervesper sind sie, durch ihre strukturelle Stabilität, bestens geeignet. Und vergesst bitte die „Knockers“ nicht!

FLAPJACKS

ZUTATEN:

225 g Butter

225 g Rohrzucker

75 g Zuckerrübensirup

275 g zarte Haferflocken ca.

100 g Trockenfeigen

 1 Prise Salz

Obwohl Pasties mindestens seit dem 13. Jahrhundert bekannt sind und sicherlich überall auf den Britischen Inseln in verschiedenen Variationen zu bekommen waren, ist heutzutage der Cornish Pasty (ausgesprochen Pasti) der beliebteste Vertreter dieser Art. Traditionsgemäß wird der Cornish Pasty mit Rinderhack, Kartoffeln, Zwiebeln und Karotten hergestellt. Er wurde in der Grafschaft Cornwall den Bergbauarbeitern als herzhaftes Morgenvesper mitgegeben. Die letzte Ecke des Pasty sollte man nicht verspeisen, sondern den „Knockers“ zuwerfen, den Gespenstern, die die Zinngruben bewohnten, um den Schutz der Bergbauarbeiter sicherzustellen. Man kann die Hackfleischsoße verwenden, die man am liebsten isst. Ich mag beides, Curry und Chili. Selbstverständlich sind vegetarische Varianten möglich, zum Beispiel mit Pilzen oder Kastanien.

1. In einem großen Topf werden Butter, Zucker und Zuckerrübensirup bei schwacher Hitze geschmolzen. Wenn man ungesalzene Butter verwendet, ist eine kleine Prise Salz auch hier empfehlenswert. Die Haferflocken mit den grob geschnittenen Feigen dazugeben und alles gut vermischen.

2. Ein Backblech (18 x 24 cm) mit Backpapier auslegen, die Masse auf das Blech geben und fest andrücken. Den Backofen auf etwa 150 °C vorheizen. Der Ofen darf nicht zu heiß sein.

3. Die Flapjacks etwa 15 Minuten backen, bis der Rand Farbe annimmt. Die Mitte der Masse wird sicherlich noch etwas weich sein. Doch das ist kein Grund zur Beunruhigung. Die Masse härtet beim Abkühlen! Das Blech aus dem Ofen nehmen, und nach etwa 10 Minuten die etwas abgekühlte Masse leicht anschneiden und bis zum völligen Abkühlen stehen lassen. Nach dem Erkalten kann man die angeschnittene feste Masse in Einzelstücke auseinanderbrechen.

Tipp: Selbstverständlich kann man auf Dörrobst ganz verzichten oder jede beliebige Alternative verwenden, wie zum Beispiel Nüsse. Die Haferflocken können auch durch Müsli ausgetauscht werden. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Ich bevorzuge aber die schlichte Topografie der Haferflocken.

Einfach und unwiderstehlich, endlos variabel und ideal zum Mitnehmen, Flapjacks sind schnell gemacht und die Ursache vieler neidischer Blicke beim Großen Preis der Vesperdosen in der Mittagspause.