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Richtig essen: verändert alles


myself - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 15.01.2020

Sandra Ludes interessierte sich eigentlich nie fürs Kochen. Dann musste sie ihre Ernährung umstellen – und erfand sich nebenbei neu


An den Tag, an dem ihr Herz Ruhe gab, kann sie sich noch gut erinnern: Sandra Ludes stand in der Küche und blickte durch die bodentiefen Fenster in den Garten. Die beiden Söhne waren noch in der Schule, die Hunde schliefen nach einem langen Spaziergang. Das Haus war still.

„Da fühlte ich es“, sagt sie, „das Stolpern war weg.“ Stattdessen: ein ruhiger und gleichmäßiger Herzschlag. Zwei Jahre später lehnt die 41-Jährige wieder an der Beton-Arbeitsplatte in ihrer Küche und ...

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Bildquelle: myself, Ausgabe 2/2020

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... blickt in den Garten: eine große Frau, knapp 1,80 Meter, schmal und sanft in ihren Bewegungen. Sandra Ludes hebt die Hände und legt sie auf ihren Brustkorb. Jahrelang hatte sie Herzrhythmusstörungen, suchte Rat bei unzähligen Ärzten. Die bestätigten ihre Aussetzer und das Holpern, konnten aber weder Ursache noch Lösung finden.

Was hatte Sandra Ludes’ Herz plötzlich zur Ruhe gebracht? „Ich hatte etwa drei Wochen zuvor angefangen, meine Familie und mich glutenfrei zu ernähren“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. Früher hätte sie selbst gedacht, wie bekloppt das klingt. Sie ist Grafikdesignerin, ein „optischer Mensch“, nie hatte sie sich mit Nahrungsmitteln, Inhaltsstoffen oder Diäten beschäftigt. „Wenn mir jemand prophezeit hätte, dass ich mal Rezepte erfinden und einen Food- Blog machen würde, hätte ich laut gelacht.“ Aber genau das hat Sandra Ludes getan.

@@Gesund kochen mit Tricks: An Salat (mögen Kinder eher nicht) einfach ein paar Beeren geben – dann schmeckt es besser.


Dabei waren die Auslöser für die Ernährungsumstellung nicht mal ihre eigenen Beschwerden. Die Ärzte schätzten sie als ungefährlich ein, also arrangierte sich Sandra Ludes damit. Aber ihr Ältester litt immer wieder unter heftigen Kopfschmerzen und Schwindelanfällen. Der Kinderarzt schob es auf den Beginn der Pubertät, da könne man nichts machen. Sandra Ludes ließ trotzdem einen Bluttest machen. Das Ergebnis: Der Elfjährige hat Zöliakie. Er verträgt das Klebereiweiß nicht, das in Weizen, Roggen oder Dinkel enthalten ist. Bei vielen Menschen führt diese Unverträglichkeit zu Darmentzündungen, Magenschmerzen und Durchfall. Aber etliche Patienten haben auch ganz andere Beschwerden wie Abgeschlagenheit oder Migräne.


„Bauch und Herz gehören immer zusammen“, sagt Sandra Ludes


Nach der Diagnose war klar: Das Kind muss seine Ernährung umstellen. Mit dem Verzicht auf bestimmte Getreidesorten ist es bei einer Glutenunverträglichkeit allerdings nicht getan. Weizenstärke wird in vielen Fertiggerichten eingesetzt, auch Soßen, Eis oder Chips können Gluten enthalten.

„‚Oh Gott‘, war mein erster Gedanke, ‚von jetzt an verbringst du dein Leben am Herd‘“, sagt Sandra Ludes und lässt den Blick durch ihre Küche schweifen. Der Raum ist hell, mit weißem Holzfußboden und sparsam skandinavisch eingerichtet. An der Wand hängt das Wort „lächeln“. Ein geschmackvolles kleines Altbauhaus in Erftstadt bei Köln. Auf Inneneinrichtung hätte sie schon immer viel Zeit verwendet, sagt die Grafikdesignerin. Aber aufs Kochen? Nein, das entsprach ihr nicht. Um es sich nach der Diagnose möglichst einfach zu machen, entschied sie Folgendes: Alle in der Familie essen das Gleiche, also wird ab sofort auf Gluten verzichtet. So müsse sie nicht mehrere Gerichte kochen, und ihr Mann sei „sowieso der Smoothie-Typ“. Außerdem sollten die Gerichte schnell zubereitet sein. Und: Sie müssen den Kindern schmecken.

Sandra Ludes besorgte sich Clean-Eating- Kochbücher und vereinfachte die Gerichte. Je länger sie sich damit beschäftigte, desto faszinierter war sie: wie wichtig der Darm für den gesamten Körper ist! Was Ernährung alles bewirken kann! Irgendwann ließ sie auch sich und ihren jüngeren Sohn auf Zöliakie testen. Tatsächlich vertragen sie ebenfalls kein Gluten. Sie fing an, sich für das Thema zu interessieren.

Seit zwei Jahren studiert Sandra Ludes nun sogar ganzheitliche Ernährungsberatung in der Schweiz. Per Fernstudium, anders würde es nicht in den Alltag passen. Parallel ging sie mit ihrem Blog glutenfrei-mit-kids.de online, teilt dort ihre Rezepte und Erfahrungen. Aber auch ihre Ängste, wie etwa die Frage, ob sie überhaupt noch in Restaurants gehen können. Mittlerweile weiß sie: kein Problem! Der Anteil an Gerichten, auf die man verzichten müsse, sei verhältnismäßig klein. Auch weil bewusste Ernährung heute kein Nischenthema mehr ist. Immer häufiger werden auch Gerichte mit Linsen- oder Kichererbsennudeln angeboten. Der Blog ist inzwischen so erfolgreich, dass Sandra Ludes ihr erstes eigenes Kochbuch „My healthy happy Family“ herausbrachte. Und zwar in Eigenregie. Mit ihren Ersparnissen gründete sie einen Verlag, die Rezepte stammen von ihr, genau wie die Fotos und das Layout. Zudem kümmert sie sich um Vertrieb und Marketing. Zurzeit tourt sie mit ihrem Kochbuch durch Deutschland, erzählt ihre Geschichte, will anderen Mut machen. Es geht dabei um mehr als nur eine Ernährungsumstellung. Sandra Ludes hat ihr Leben umgekrempelt. Sie ist gesund, hat eine neue Leidenschaft gefunden. Es ist so viel mehr möglich, als man denkt, lautet ihre Botschaft. Ihr Herz sei ein gutes Beispiel dafür: Wer hätte vermutet, dass der Verzicht auf Gluten es beruhigen kann? Sandra Ludes lächelt. „Andererseits, Bauch und Herz hängen immer zusammen, ist ja eigentlich klar.“

Leben ohne Süß? Möglich, sicher – aber auch hart für Kinder. So erfand Sandra Ludes Snacks ohne Zucker und Gluten.


Fotos: Frederike Wetzels