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RICHTIG REITEN: Richtig Reiten mit Helmut Hartmann: Richtig vorbereitet auf das Turnier


Reiterjournal - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 20.03.2020

Helmut Hartmann erklärt, wie er seine Reiter ‒ in diesem Fall die Albführen-Bereiter Marian Müller und Nina Lange ‒ in einem Trainingsparcours fit für das Turnier macht.


Artikelbild für den Artikel "RICHTIG REITEN: Richtig Reiten mit Helmut Hartmann: Richtig vorbereitet auf das Turnier" aus der Ausgabe 4/2020 von Reiterjournal. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Reiterjournal, Ausgabe 4/2020

Grundlegendes

Ob ich ein A-Springen reite oder ein S-Springen reiten will - die Reiterei ist eigentlich immer gleich, im Sinne von klassisch. Die Hilfen müssen über kleinen wie großen Sprüngen gleichermaßen sitzen. Ich muss unterscheiden, ob ich ein junges oder ein altes Pferd habe, aber ich kann nicht für jeden Reiter in jedem Betrieb immer die Arbeitsparcours umbauen. Deswegen baue ich so auf, dass jeder was lernt. Ich versuche in jeder ...

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aus dieser Ausgabe

... Stunde etwas vom Pferd abzuprüfen. Bei einem jungen Pferd muss ich dabei beachten, dass es die Landestelle sieht, damit es gerne nach oben und vorne springt. Bei einem älteren Pferd kann ich dann auch mal eine Planke einbauen, dass es die Landestelle nicht sieht. Dass Pferd muss nach dem Sprung so lange geradeaus gehen, wie der Reiter es will - bis eine Hilfe kommt. Das gilt es zu erlernen, auch schon im Trab in der Lösephase. Wenn ich Wassergräben oder andere optische Klippen mit einbaue, dann zeige ich die erstmal den Pferden, indem ich daran vorbei reite.

Über die Stangen Aussitzen und Leichttraben

Nach der ersten Lösungsphase fangen wir an, über Stangen, die in Dreiecke gelegt sind, auszusitzen und leicht zu traben. Die Pferde haben so einen leichten Einstieg beim Taxieren der Stangen. Nach dem Handwechsel kann man das Pferd im Dreieck anhalten lassen. Es geht darum, die Pferde immer zu beschäftigen, immer mal wieder im Alltag etwas anderes zu machen, dass keine Eintönigkeit reinkommt und die Pferde den Spaß behalten. Deswegen biete ich den Pferden jeden Tag eine andere Art von Lösephase an. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten.

Gegen die Eintönigkeit im Training: Arbeit über Stangen


Lösephase

Locker vorwärtsabwärts ist wichtig als vorbereitende Arbeit.


Nach zehn Minuten Schrittreiten beginnen wir mit dem klassischen Leichttraben, lockerem VorwärtsAbwärts bei Takt, Losgelassenheit und Anlehnung. Das ist als Vorbereitung für die kommende Arbeit sehr wichtig. Die Pferde sollen sich vorwärts-abwärts an beide Zügel heranstrecken. Dabei sollte man immer wieder einen Handwechsel einbauen und gebogene Linie reiten. Wichtig ist es, gut zu sitzen, in der Mitte des Pferdes, auf dem richtigen Fuß zu traben und die Pferde leicht in Stellung zu reiten.

Tipp:

Die gelegten Dreiecke eignen sich auch später für die Arbeitsphase, um darin das Rückwärtsrichten zu üben. Die Pferde bekommen durch die Abgrenzung etwas mehr Halt.

Galopparbeit

Die Galopparbeit auf gebogener Linie gehört zur Vorbereitung.


Ich fange an der unteren Grenze vom Galopp an, damit kein Stress aufkommt. Der Reiter soll darauf achten, dass der Dreitakt erhalten bleibt bei guter Anlehnung. Das Pferd soll gestellt und gebogen sein - im Gegensatz zum Schritt und Trab, wo das Pferd geradeaus und nur gestellt ist. Das heißt: Die Vorhand vor die Hinterhand nehmen, den äußeren Schenkel leicht zurücklassen und nicht nur zum Angaloppieren zurücknehmen und das äußere Hinterbein schön gerade dranhalten. Im nächsten Schritt legen wir dann ganz weich zu und wechseln die Hand ganz spielerisch, nehmen auch schon mal einen fliegenden Galoppwechsel dazu. Dabei den Wechsel spät machen, vor der Bande, nicht so früh. Und dann wieder locker galoppieren.

Kleine Sprungreihe auf gerader Linie

Vom Cavaletti geht es über den kleinen Sprung und dann weiter im Galopp auf das nächste Cavaletti.


Ich habe als kleine Reihe zwei Cavaletti mit einem niedrigen Sprung dazwischen aufgebaut, bei dem die Galoppsprünge nicht vorgegeben sind. Die Cavaletti lege ich etwa 20 Meter vor und nach den Sprung, da kann man einen Galoppsprung mehr oder weniger machen - das spielt bei der Höhe keine Rolle. Wichtig ist es nur, den Galopp zu halten. Die Pferde sollen die Übung gerne und locker machen.

Sprungreihe mit Stangen auf Boden

Ich habe zwei kleine Sprünge mit jeweils etwa 20 Metern zum Sprung in der Mitte aufgebaut. Der Sprung in der Mitte ist von Dreiecken eingerahmt - die geraden Stangen der Dreiecke liegen etwa 6,20 bis 6,30 m zum Sprung davor und dahinter weg. Die Vs kann ich variieren: Bei einem jüngeren Pferd lege ich sie weiter auseinander, bei einem älterem weiter zusammen, dass sie auch schön zur Mitte gehen und das Hindernis gut mit einem Galoppsprung lösen. Wichtig ist wieder der Rhythmus in den Galoppsprüngen und gleichlange Zügel. Und: Vor dem Sprung, nach dem Sprung und in der Wendung - immer das Gesäß an den Sattel! Wenn ich unterwegs bin, kann ich den leichten Sitz einnehmen und die Pferde fleißig machen.

Mit den Vs kann man je nach Alter des Pferdes variieren.


In-Out

Das In-Out ist eine versammelte Lektion. Ich habe hier jeweils drei Sprünge in Folge aufgestellt, die ohne Galoppsprünge dazwischen zu nehmen sind. Man sollte gar nicht so sehr darauf achten, ob das Pferd mal nach außen oder innen springt. Wichtig ist, dass der Galopp und der Takt erhalten bleiben sowie die Anlehnung und dass das Pferd schön vor den Hilfen ist. Im nächsten Schritt können wir die Sprünge ein klein wenig erhöhen. Wir fragen mit dem In-Out die Reaktionsschnelligkeit ab, das Pferd wird vorsichtig und nimmt schön den Rücken mit.

Beim In-Out gilt es, den Takt zu halten.

Der Ausbilder

Der gebürtige Oberschwabe Helmut Hartmann, der heute im badischen Hilzingen wohnt, ist der Cheftrainer auf dem Hofgut Albführen. Als Berufsreiter, internationaler Richter und Steward sowie Reitlehrer FN und Ausbilder hat er sich weit über die Grenzen hinaus einen Namen gemacht. Der „doppelte“ Berufsreiter - er hat „Zucht und Haltung“ genauso wie „Reiten“ gelernt - und Träger des Goldenen Reitabzeichens ist ebenso Regionaltrainer Württembergs für den Nachwuchs U16.

Gebogene Linien

Nach einem kleinen Steilsprung aus der Rechtswendung (o. l.) heißt es, sich an der langen Seite geradezurichten (o.) und dann geht es auf das überbaute Wasser (l.).


Nach den geraden Linien folgen die gebogenen Linien. Hier wähle ich von rechts einen kleinen Steilsprung und dann geht es links rum auf ein überbautes Wasser. Wichtig ist jetzt ein fleißiger Galopp, also ein gutes Grundtempo zwischen den Sprüngen. Das Pferd muss geradegerichtet sein, die Zügelführung ist gleichmäßig. Vor dem Sprung nehme ich Platz, vor der Wendung auch, nach der Wendung gehe ich als Reiter in den leichten Sitz - aber nicht zu weit raus aus dem Sattel! Während der Reihe muss ich mich immer selbst überprüfen: Kann ich etwas verbessern? Bleibt es so gut? Es geht nicht darum, die Reihe einmal zu springen und gleich mit dem nächsten weiter zu machen. Und letztlich wollen wir auch das Gute bestätigen!

Tipp: Immer schauen! Den Kopf in Richtung Sprung - in die Wendung - drehen, damit der Oberkörper in die richtige Position kommt.

Aus gebogener Linie geraderichten

Als nächstes will ich die Pferde aus einer gebogenen Linie geraderichten und dann die Pferde springen lassen. Dafür gehen die Pferde von der linken Hand über ein Cavaletti, dann folgt ein Oxer, ein weiteres Cavaletti und die Triple-Barre. Es ist wichtig, den Pferden die Sprünge rechtzeitig deutlich zu machen. Und nach den Sprüngen immer mindestens zwei Wendungen reiten und die Pferde ausgaloppieren lassen. Nachdem ich den Oxer in der nächsten Runde etwas breiter mache, lasse ich den Reiter darauf achten, dass er nicht auf den ersten Hufschlag geht, sondern den Oxer gerade fertig springt und er auf dem zweiten Hufschlag bleibt. So kann ich die äußeren Hilfen überprüfen.

In der Sprungabfolge aus der gebogenen Linie sollen die Pferde die Sprünge rechtzeitig wahrnehmen.


Entspannungsphase

Wenn wir die Arbeitsphase hinter uns haben, traben wir die Pferde aus. Nie nach dem Springen gleich aufhören, sondern die Pferde locker fünf bis zehn Minuten vorwärts-abwärts weiter traben, ruhig auch mal aussitzen und aus dem Bügel rausgehen. Nach einer Weile parieren wir durch zum Schritt und reiten mit hingegebenem Zügel. Eigentlich werden sie nur an der Schnalle angefasst, dass sich die Pferde wirklich strecken. Dann merke ich, ob ich richtig gearbeitet habe.


Fotos: Doris Matthaes