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„RISKANT WÄRE, NICHTS ZU TUN“


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 16/2022 vom 21.04.2022

INTERVIEW

WIR TREFFEN UNS bei Opel in Rüsselsheim im Design-Center. Was wir dort sehen konnten, dürfen wir (noch) nicht schreiben, was wir geredet haben, schon.

AUTO BILD: Corona-Lockdowns, Halbleitermangel, Lieferketten außer Rand und Band, der Krieg mit allen Folgen, die noch gar nicht vollends absehbar sind – sind es nicht ein paar Krisen zu viel, Herr Hochgeschurtz?

Uwe Hochgeschurtz: Wenn man mir vor fünf Jahren gesagt hätte, dass wir heute mit drei Krisen gleichzeitig konfrontiert sind, dann hätte ich das auch für Schwarzmalerei gehalten. Keiner konnte das voraussehen.

Die Abhängigkeit von Energielie- ferungen ist das, was gerade heftig diskutiert wird. Ist das gefährlich? Steht bald alles still?

Artikelbild für den Artikel "„RISKANT WÄRE, NICHTS ZU TUN“" aus der Ausgabe 16/2022 von Auto Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 16/2022

Man ist ziemlich stolz bei Opel auf den Astra, CEO Hochgeschurtz mit Chefredakteur Drechsler am Vizor-Grill

Bis zu 1634 Liter passen rein, dazu E-Antrieb ab 2023, Plug-in schon dieses Jahr. Startpreis für den Sports Tourer: 23 565 Euro

Ich wäre da vorsichtig, ...

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... in jedem Fall wird es für alle schwierig, wenn wir Gas-und Öllieferungen aus Russland sofort stoppen würden. Die Energiepolitik der letzten Jahre hat unsere Abhängigkeit natürlich nicht gerade reduziert. Wir haben Möglichkeiten mit erneuerbaren Energien teilweise genutzt und teilweise leider nicht. Ich bin nach wie vor der Überzeugung, zum Elektroauto gibt es keine Alternative, keinen Plan B. Es kann auch keinen geben, weil es keinen Plan B für unseren Planeten gibt.

Haben Sie den Eindruck, dass Politiker das verstehen?

In Deutschland haben wir eine lange gewachsene Kultur, die bestimmte Energiequellen bevorzugt. Wenn wir die Klimaziele im Transportsektor erreichen wollen, dann ist die Elektrifizierung unserer Autos ein Muss, und dazu gehört, dass wir den Strom dafür CO2 -frei herstellen. Länder mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien – wie etwa Norwegen – fahren CO2 -reduzierter. Das würde uns viel unabhängiger machen.

Krisen beschleunigen Entwicklungen, Entscheidungen werden radikaler, ist das riskant?

Nein, es wäre riskant, jetzt nichts zu tun. Es wäre riskant, in Westeuropa weiter auf Verbrenner zu setzen. Es gibt keine Alternative. Ich zweifele nicht am Klimawandel, ich habe doch selbst Kinder und Enkel. Es geht nur noch darum, wer am schnellsten ist mit der Elektrifizierung, wer diese Transformation am erfolgreichsten managt. In der nächsten Dekade wird es in Europa nur noch elektrische Neuwagen geben. Das steht fest, nur das genaue Datum noch nicht. Deshalb stellen wir so schnell wie möglich um – ohne eine Hintertür offen zu lassen. Ab 2028 ist bei Opel in Europa Schluss mit Verbrennern. Schon heute haben wir zwölf elektrifizierte Modelle im Angebot – inklusive unseres gesamten Transporter-Portfolios. Und ab 2024 wird unser komplettes Modellangebot elektrifiziert sein, sprich neben konventionellen Verbrennungsmotoren werden wir mindestens einen Hybrid oder einen batterieelektrischen Antrieb anbieten, bei Modellen wie unserem neuen Astra sogar beides – Plug-in-Hybrid und Astra-e.

Der Opel-Chef ist 59 Jahre alt, hat drei Kinder, sitzt, wenn er nicht Auto fährt, gerne auf dem Rennrad. Er spricht fließend Französisch, begann seine Karriere bei Ford, kam über VW und Renault nach Rüsselsheim.

Was sagen Sie denn einem Kunden, der heute einen Opel als Diesel und Benziner kaufen möchte?

Unsere Kunden können ihn kaufen und noch jahrelang fahren.

Unsere aktuellen Diesel und Benziner sind technologisch State of the Art und hoch effizient, aber irgendwann werden alle Autofahrer an dem Punkt angelangen, umsteigen zu müssen. Es ist ja nicht so, dass wir bei Opel uns die Gründe ausdenken. Die EU hat uns CO2 -Ziele gesetzt. Punkt. Das kann man auch nicht drehen, falls das manche denken. Dafür gibt es keine Mehrheiten. Außerdem, wer schon mal ein E-Auto besessen hat, will nichts anderes mehr!

Es gibt ja Ratschläge an Autofahrer, die so lauten: einfach mal weniger zu fahren. Und an die Industrie, einfach mal weniger Autos zu bauen.

Ja, die kenne ich. Ich bin der Meinung, dass wir jedem Menschen die Chance bieten müssen, individuell mobil zu sein und zu bleiben. Sauber und sicher. Das ist individuelle Freiheit. Und es geht ja auch.

Vielen ist unklar, wie es mit der Förderung 2023 weitergeht. Gerade wenn man heute ein Auto bestellt, es aber erst später bekommt.

 Ich fordere, dass alle, die nach den heutigen Rahmenbedingungen bestellen, auch ein Anrecht auf die Prämie im kommenden Jahr haben. Das wäre ein ganz wichtiges Zeichen. Ich kann nur warnen, das zu stoppen. Deutschland erarbeitet sich einen Wettbewerbsvorteil, wenn es der größte E-Auto-Markt in Europa bleibt. Anstatt zu jammern, sollten wir mehr Ladesäulen bauen und sie auch intelligent einsetzen. Nachts haben wir viel Strom, den wir nicht nutzen. Stellen Sie sich vor, der wäre günstiger als tagsüber. Denken Sie an das bidirektionale Laden: Dann könnten wir den teuren Strom fürs Haus tagsüber aus dem günstig geladenen Auto-Akku der Nacht ziehen.

Geben wir die Motorenentwicklung auf, das, was wir doch besonders gut können?

Wenn es einen Technologiewandel gibt, sollte man ihn nicht verschlafen. Sonst ist man weg vom Fenster. Denken Sie an den Teil der Fotoindustrie, der von der Digitalfotografie weggefegt wurde. Wasserstoff wird übrigens auch eine wachsende Rolle spielen. Wir beweisen das mit unserem Vivaro-e Hydrogen gerade: Den können Sie in drei Minuten für die nächsten 350 Kilometer volltanken – und er ist auch ein Elektroauto. Das wird in Zukunft eine große Rolle spielen – vornehmlich bei den Nutzfahrzeugen.

Was zählt künftig bei E-Autos, außer der Verfügbarkeit?

Heute zählen Reichweite und Ladezeit, künftig zählen Ladezeit und Reichweite. Das dreht sich. Weil schon die Begrifflichkeit beim Laden – wie kWh – nicht jeder versteht. Wenn ich dagegen in einer Minute 30 Kilometer nachladen kann, das kann sich jeder ausrechnen. Heißt in zehn Minuten 300 Kilometer Reichweite. Wissen Sie, Erfahrungen sind wichtig: Wenn ich das erste Mal mit einem E‐Auto 300 Kilometer fahre, bin ich nach 200 Kilometern an der Ladestation, dann nach 250, irgendwann bei nur noch zehn Kilometern Restreichweite. Erfahrung bringt Vertrauen in die neue Technologie.

„Unsere Bücher sind voll: Wir haben den höchsten Auftragsbestand aller Zeiten.“

Uwe Hochgeschurtz, Opel-CEO

Was entscheidet künftig – neben Design, Politik und Antrieb – den Kampf um den Kunden?

Es wird immer die Strahlkraft der Marke sein, sicher auch verstärkt die Software und insbesondere die Sprachsteuerung, ohne die irgendwann nichts mehr geht. Sie macht viele Knöpfe überflüssig, auch komplizierte Menüführung. Unterschiedliche Bedienkonzepte sind dann egal: Sprache ist universell. Die Systeme lernen immer besser, uns zu verstehen. In wenigen Jahren erwarten das die Leute als Standard. Im neuen Astra geht das bereits besser als je zuvor bei Opel. „Hey Opel“ – zwei Worte genügen, und der neue Opel Astra ist ganz Ohr, was Fahrer und Passagiere wünschen. Wir setzen dabei konsequent auf die Philosophie von maximalem Komfort bei minimaler Ablenkung.

Der Opel versteht uns?

Ob er Sie versteht (schmunzelt), weiß ich nicht, aber seinen Fahrer.

Was kommt denn von Opel noch? Der Manta als Crossover?

Auf jeden Fall kommt ein rein elektrischer Manta, eine moderne Version der Legende, Mitte des Jahrzehnts. Mit Lösungen, die so keiner erwartet. Mit mehr Platz. Mit neuem Konzept. Und der Nachfolger des Insignia kommt ebenfalls elektrisch. Wir werden weiterhin in allen wichtigen Segmenten vertreten sein. Ohne Stellantis, das sage ich auch sehr deutlich, hätten wir nicht diese Möglichkeiten, diese hervorragenden Zukunftsaussichten – und auch nicht den großen Erfolg heute.

Woran machen Sie das fest?

Unter dem alten Eigentümer hat Opel Milliardenverluste gemacht und hatte auch kein valides Konzept für die Elektrifizierung. Heute sind wir elektrisch. Und nachhaltig profitabel. Zur Erinnerung: 2021 waren wir auf dem wichtigen deutschen Heimatmarkt die wachstumsstärkste Volumenmarke und haben unseren Marktanteil deutlich gesteigert. Der Corsa ist seit mehr als zwei Jahren der meistverkaufte Kleinwagen Deutschlands. Wir sind stolz darauf, dass der Corsa-e und der Mokka-e bei Ihnen das Goldene Lenkrad gewonnen haben. Unsere Bücher sind voll: Wir haben den höchsten Auftragsbestand aller Zeiten. Wir zahlen als Teil von Stellantis unseren Mitarbeitern wieder eine Erfolgsprämie – wie unser Mutterkonzern es bei der Veröffentlichung der Finanzzahlen angekündigt hat.

Wie hoch ist die für die Opelaner in Deutschland?

Unsere Beschäftigten erhalten mit dem nächsten Gehalt eine Gewinnbeteiligung von insgesamt 2000 Euro. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass mit der Gründung von Stellantis nicht nur ein globaler, erfolgreicher Autokonzern, sondern zugleich ein hochattraktiver Arbeitgeber entstanden ist. Und Opel hat innerhalb von Stellantis eine besonders starke Position – als einzige deutsche Marke.