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RISSE ERKENNEN: Auf Tätersuche


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 16.05.2019

Wer wars? Kein Räuber verlässt Kadaver und Tatort ohne verräterische Spuren. Wildbiologe Thomas Huber erläutert, wie Luchs, Fuchs, Hund und Wolf erkannt werden können.


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Bildquelle: Wild und Hund, Ausgabe 10/2019

Der Hund hat plötzlich etwas in der Nase und zieht zielstrebig in die kleine Douglasienkultur im Revier. Nach wenigen Metern stehen Hund und Führer vor einem toten Stück Rehwild. Ein erster Blick lässt wenig erkennen, doch beim genaueren Hinsehen finden sich Bisslöcher am Träger und beim vorsichtigen Drehen des Stücks eine Anschnittstelle an den Keulen. Wars der Wolf? Um eine Antwort zu finden, welcher Räuber dort am Werk war, gilt es ...

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Der Hund hat plötzlich etwas in der Nase und zieht zielstrebig in die kleine Douglasienkultur im Revier. Nach wenigen Metern stehen Hund und Führer vor einem toten Stück Rehwild. Ein erster Blick lässt wenig erkennen, doch beim genaueren Hinsehen finden sich Bisslöcher am Träger und beim vorsichtigen Drehen des Stücks eine Anschnittstelle an den Keulen. Wars der Wolf? Um eine Antwort zu finden, welcher Räuber dort am Werk war, gilt es auf Details zu achten. Alle Indizien am Fundort und am Kadaver sollten akribisch gesammelt werden.

Die Vorgehensweise an einem solchen „Tatort“ im Revier ist einer kriminalistischen Arbeit in Teilen durchaus ähnlich. Zunächst gilt es, den Fundort zu sichern. Dies bedeutet, zunächst muss die Umgebung nach möglichen weiteren Hinweisen auf den Verursacher und/oder mögliche Nutzer des Kadavers abgesucht werden. Dabei kann es sich um Haare, Spuren oder Losung handeln. Mitgeführte Hunde sollten von Kadaver und Fundort ferngehalten werden, um nicht eventuelle Hinweise zu verändern. Vor allem am Opfer können Hunde Spuren hinterlassen, die mögliche spätere Probennahmen (DNA) beeinflussen.

Ist die nähere Umgebung abgesucht, folgt eine erste Beurteilung des Kadavers von außen. Genauso wichtig wie das Rissbild ist das Fraßverhalten des Räubers. Es ergeben sich eine Reihe von Möglichkeiten und Variationen, die bedacht werden müssen. Folgende Fragen sind wichtig:

►Wo befinden sich die Bisse, gibt es weitere Körperteile mit Bissverletzungen?

►Wurde das gerissene Stück angeschnitten und falls ja, wo?

►Bei aufgerissener Bauchdecke – fehlt der Verdauungstrakt oder liegt er in der Nähe?

►Wurde der Kadaver bewegt, finden sich Kampf- und/oder Schleppspuren?

►Wurden Körperteile abgetrennt und sind verschwunden?

►Ist das Rückgrat oder sind einzelne Läufe gebrochen?

►Lassen sich die körperliche Verfassung, Alter und Geschlecht des gefundenen Stücks beurteilen?

►Gibt es Anzeichen von Nachnutzern am Kadaver oder in unmittelbarer Nähe?

Je nachdem, wie eindeutig einzelne Punkte und ihre Variationen sind, lässt sich eine erste Zuordnung des Verursachers treffen – vielfach jedoch bedarf es weiterer Nachschau. Es ist bei jeder Rissbeurteilung ein entsprechender Anteil an Selbstdisziplin nötig, um nicht zu sehen, was man sehen will. Einen Sachverständigen hinzuzuziehen, ist nie verkehrt.

Viele Verletzungen, wie kleinere Bisse oder Kratzer, sind durch die Decke verborgen. Unterhautblutungen und Quetschungen sind von außen nicht zu sehen. Das gilt besonders für Stücke im Winterhaar. Für weitere Hinweise ist die Decke abzuschärfen – sofern es der Zustand des Kadavers erlaubt. Dabei sollten erkennbare Bissmuster nicht zerteilt werden. Wichtig ist, die Schnitte in unverletzten Bereichen zu setzen. Es ist empfehlenswert, gleich das ganze Stück aus der Decke zu schlagen, da sonst kleinere Verletzungen, die ermittlungstechnisch elementar sein können, leicht übersehen werden (etwa Bisse in Läufe). Erst wenn die Decke vollständig entfernt wurde, lassen sich weitere wertvolle Informationen sammeln:

Wölfe schleppen oft Beutetiere vom Rissplatz in Deckung. Kleinere Beutetiere wie Rehe können auch als Ganzes getragen werden. Oft sind Schleppspuren sichtbar.


►Wie viele Bisse gibt es im Drosseloder Nackenbereich und wie groß sind diese?

►Gibt es weitere Bisslöcher an anderen Stellen?

►Sind sie an den Rändern gerötet und finden sich darunter Hämatome?

►Sind mehr oder weniger große Unterhautblutungen zu sehen – auch ohne Bisseinwirkung?

►Gibt es Krallenspuren auf der Innenseite der Decke, gehen diese bis ins Wildbret? (Krallenspuren sind stets als Risse erkennbar, nicht als Löcher).

Nachdem von außen angesprochen wurde und die Decke abgezogen ist, lassen sich erste Aussagen zum möglichen Täter treffen. Bevor nun die charakteristischen Rissmerkmale der einzelnen Raubwildarten dargestellt werden, noch einige wichtige grundlegende Anmerkungen: Jedes Riss- und Anschnittmerkmal weist eine gewisse Variabilität auf, daher müssen stets alle Merkmale sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Für einige kommen mehr als ein Verursacher infrage, etwa beim Drosselbiss, der letztlich von Luchs, Fuchs, erfahrenem Hund und Wolf gesetzt wird. Daher sind jene Merkmale besonders wichtig, die nur bei einem Verursacher auftreten und die andere ausschließen.

Wenn die äußeren Merkmale bestimmt und die Decke entfernt wurde, sollte es in den meisten Fällen schon möglich sein zu entscheiden, ob das gefundene Stück überhaupt gerissen wurde. Wildtiere (und oft auch Haustiere) können aus unterschiedlichen Gründen verenden, beispielsweise durch Verkehrsunfälle, Krankheiten oder schwache Kondition. Sie wurden dann erst im Nachhinein angeschnitten und weisen dennoch Bisse auf. Achtung: Bei postmortalen Bissen (z. B. Fuchs schneidet Kadaver an) fehlen die Hämatome, da die Bisslöcher nicht mehr durchblutet sind.

Es sollten die verschiedenen Stufen der Analyse und aller vorhandenen Merkmale so gut als möglich fotografisch dokumentiert werden. Sehr hilfreich ist es, wenn ein Größenvergleich oder Maßstab dabei verwendet wird. Fotos können den Besuch des Tatorts nie ersetzen, aber mit entsprechender Erfahrung und einer detaillierten Dokumentation können viele Verursacher ausgeschlossen werden.

Sollen die klassischen Zahnabstände miteinbezogen werden, ist allerdings Vorsicht geboten. Jede Räuberart weist eine gewisse Variabilität auf. Viel entscheidender jedoch ist der Umstand, dass sich z. B. die Decke während des Bisses verschieben kann und die Zahnabstände nur selten zu sehen sind. Auch sind bei Bissbildern mit mehreren bis vielen Löchern (Fuchs) die zusammengehörenden Bisse nur schwer zuordenbar. Bei der Größe der Bisslöcher ist anzumerken, dass immer von der eigentlichen Größe auszugehen ist. Füchse können auch mehrere größere Löcher produzieren, mehrheitlich sind die Bisslöcher jedoch nur 2 bis 3 mm groß. Bei Wölfen und vor allem Hunden können ebenfalls größere Löcher entstehen, jedoch niemals kleinere als der Zahn (0,5 bis 0,6 mm).

Thomas Huber

Bergbauer und Wildbiologe. Der Umgang mit Großraubwild in der alpinen Kulturlandschaft begleitet ihn seit mehreren Jahrzehnten. Neben diversen Projekten zu Bär und Luchs ist er als Sachverständiger für die Begutachtung von Haustierrissen im Bundesland Kärnten (Österreich) tätig. Zudem ist er passionierter Jäger.

Luchs

Der Drosselbiss bei diesem Luchsriss ist äußerlich nur schwer zuzuord


Die wesentlichen Beutetiere des Luchses sind Schalenwildarten in seiner Gewichtsklasse, also Reh und Gams. Füchse, Hasen und Kleinsäuger werden gelegentlich erbeutet, größeres Schalenwild nur selten. In Rotwildgebieten kann allerdings die Zahl an Kälbern und einjährigen Stücken durchaus einen höheren Anteil am Beutespektrum ausmachen. Pinselohr ist ein Überraschungsjäger, der pirschend oder vom Ansitz aus jagt. Nach einem kurzen Sprint über wenige Meter wird das Beutetier durch einen gezielten Biss in die Drossel getötet. Bisse in den Nacken kommen nur bei kleineren Beutetieren vor. Beim Luchs zeigt das Bissbild wenige, tiefe, sauber abgegrenzte, mittelgroße Löcher. Am restlichen Wildkörper sind keine Bissverletzungen oder großflächige Unterhautblutungen zu finden. Die einziehbaren, sehr spitzen und scharfen Krallen dienen zum Greifen und Halten der Beute. Krallenspuren sind nicht immer vorhanden oder sofort zu erkennen. Wenn sie auftreten, durchschneiden sie die Decke und gehen bis ins Wildbret.

Beim Anschneiden bevorzugt der Luchs das Muskelfleisch. Daher finden sich Fraßspuren zuerst an den Keulen, seltener an den Blättern. Das Beutetier wird innerhalb von vier bis sechs Tagen meist von hinten nach vorn aufgefressen. Die tägliche Fleischmenge liegt bei etwa 1,5 kg. Übrig bleiben die großen Knochen, der Verdauungstrakt, das Haupt und die Decke. Letztere wird oft nach vorne umgedreht. Der Luchs trennt keine einzelnen Körperteile ab. Klassischerweise hängen beim vollständig genutzten Riss alle Skelettbestandteile noch aneinander. Sofern geeignetes Material vorhanden ist, wird der Riss, besonders die Anschnittstelle, gern mit Laub, lockerer Erde oder Schnee verblendet.

►Wenige, tiefe, sauber abgegrenzte, mittelgroße Biss-Löcher.

►Keine großflächigen Unterhautblutungen.

►Wenn Krallenspuren vorhanden sind, gehen sie bis ins Wildbret.

►Beim Anschneiden wird Muskelfleisch bevorzugt (zuerst an den Keulen).

►Meist wird von hinten nach vorne aufgefressen.

►Einzelne Körperteile sind nicht abgetrennt.

►Riss oder Anschnittstelle werden häufig verblendet.

Erst nachdem die Decke aufgeschärft wurde, ist das Bissmuster des Luchses sichtbar.


Fuchs

►Viele kleine, oft tief gehende Bisslöcher (Nähmaschinenbisse) in Läufe, Flanken, Keulen und Bauch.

►Unterhautblutungen an Bisstellen.

►Finale Tötungsbisse im Drossel-, Nacken- und Kopfbereich.

►Anschneiden im Flanken- und Bauchbereich, oft wird auch beim Weidloch begonnen.

►Einzelne Körperteile, häufig das Haupt, sind abgetrennt.

Füchse schneiden gern im Bauchbereich an. Bisse mit Hämatomen finden sich an mehreren Körperstellen und im Kopfbereich.


Die Hauptnahrung des Fuchses bilden Kleinsäuger. Wenn er Schalenwild oder Nutztiere erbeutet, so handelt es sich dabei in der Regel um schwache, kranke oder junge Stücke.

Reineke hetzt seine Beute und beißt dabei immer wieder in Läufe, Flanken, Keulen und Bauch. Dadurch kommt es in diesen Bereichen zu Unterhautblutungen. Oft finden sich diese gehäuft auf einer Seite des Beutetieres. Hat der Fuchs die Beute geschwächt und zu Boden gezogen, geht er an den Träger und tötet das Stück mit vielen Bissen im Drossel-, Nacken- und Kopfbereich. Typisch für einen Fuchsriss ist daher die große Anzahl kleiner, oft tief gehender Bisslöcher, die von den langen und sehr spitzen Haken (Eckzähnen) verursacht werden.

Charakteristisch für Füchse ist zudem das Anschneiden im Flanken- und Bauchbereich, oft wird auch beim Weidloch begonnen. Eine gewisse Vorliebe für Innereien ist erkennbar, aber auch eine große Flexibilität, da sich das Anschneiden und weitere Fressen auch an schon vorhandenen Wunden orientieren kann („was schnell geht“). Der Fuchs trennt gern einzelne Körperteile ab und verschleppt sie – bevorzugt das Haupt, immer wieder auch die Blätter.

Liegen viele kleine Bisse schrotschussartig nebeneinander, so war meist der Fuchs der Täter.


Hund

Es gibt durchaus erfahrene Hunde, die gezielte Tötungsbisse beherrschen.


Wie alle Caniden (Hundeartigen) sind auch unsere Haushunde Hetzjäger. Sie sind jedoch meist weniger geübt und verfügen nicht über die Kraft eines Wolfs. Hunde beißen dem flüchtenden Tier vorwiegend in Läufe, Flanken, Bauch und Keulen. Die vergleichsweise kurzen und stumpfen Zähne durchdringen dabei oft nicht die Decke, verursachen darunter jedoch großflächige Hämatome und auf der Decke längliche Risse. Ist das Tier schließlich am Boden, fassen auch Hunde dieses an der Kehle oder im Nacken. Typisch für Hunde ist das „Totschütteln“, wodurch oft große, ausgerissene Löcher im Träger- und Kopfbereich entstehen. Meist mit enormen Unterhautblutungen in den betroffenen Bereichen. Aber auch unter (Jagd-) Hunden gibt es vereinzelt Profis, die ein Stück durchaus mit wenigen gezielten Bissen töten können.

Für Hunde charakteristisch sind also Verletzungen am gesamten Tierkörper. Viele davon werden allerdings erst sichtbar, wenn die Decke entfernt wird. Mitteleuropäische Hunde jagen kaum aus Hunger, sondern töten aufgrund des ihnen angeborenen Jagdtriebs. Daher fressen sie kaum an von ihnen getöteten Tieren, und wenn, dann öffnen sie meist den Bauchraum, wobei sie gern die Eingeweide herausziehen.

Typisch für Hunde ist das „Totschütteln“.


►Bisse häufig in Läufen, Flanken, Bauch und Keulen.

►Zähne durchdringen oft nicht die Decke (wenn doch, dann längliche Risse).

►Großflächige Hämatome.

►Oft enorme Unterhautblutungen.

►Beutetier ist meist nur minimal angeschnitten (wenn doch, dann offener Bauchraum mit herausgezogenen Innereien).

►Zahnabstand ist rasseabhängig, wobei für Schalenwildrisse Größen ab gut 30 mm relevant sind.

Von Hunden gerissene Stücke weisen massive Hämatome auf.


Wolf

Der Wolf öffnet am Riss häufig die Bauchhöhle.


Wölfe sind spezialisierte Schalenwildjäger. In Mitteleuropa zählen Reh-, Rot- und Schwarzwild zu ihrer Beute, aber auch lokale Vorkommen von Dam- und Muffelwild. Sie sind Hetzjäger, die einzeln oder in kleinen Gruppen jagen. Ausgehend von dieser Strategie finden sich entsprechende Merkmale: Wölfe beißen in Läufe, Flanken, Bauch und Keulen des Beutetieres. Generell bestehen Unterschiede in deren Größe. Sie reichen von gut 20 kg schweren Rehen bis zu 100-kg-Stücken beim Rotwild. Mittlere Beutetiere wie Rehe, Rotwildkälber oder auch Schafe werden durch einen Biss in die Drossel getötet, bei kleineren wie Frischlingen oder Lämmern können auch Bisse in den Rücken vorkommen.

Bei ausgewachsenem Rotwild finden sich viele zusätzliche, meist erhebliche Verletzungen. Ist die Beute zu Boden gezogen, wird sie durch gezielte Drosselbisse getötet. Dabei wird das Stück so lange festgehalten, bis es erstickt. Wenn sich ein Beutetier stellt, wird es häufig (auch) in den Windfang gebissen, das ebenfalls zum Ersticken des Tieres führen kann. Achtung: Die Bissbilder beim Wolf können sehr variabel sein. So kann auch kleinere Beute Bisse in Läufen, Flanken und an anderen Körperteilen aufweisen. An der Drossel kann es wenige bis viele Bisse geben. Auffällig ist jedoch meist die enorme Bisskraft mit entsprechend schweren Verletzungen – sogar gebrochene Knochen können auftreten.

Ähnlich Hunden, öffnen Wölfe zumeist die Bauchhöhle, jedoch im Unterschied zu anderen „Hundeartigen“ wird der Verdauungstrakt nicht gefressen. Werden die Räuber nicht gestört, wird das gerissene Stück völlig aufgefressen. Bei großer Beute wie Rotwild bleiben nur die massiveren Skelettknochen, das Haupt, Teile der Decke und der Verdauungstrakt übrig. Bei kleinen Beutetieren reduzieren sich die Reste oft auf wenige Knochen, Darm- und Deckenteile. Es kann auch vorkommen (eher bei Störungen), dass einzelne Körperteile abgetrennt (meist Läufe) und in Nahrungsverstecke oder zu den Welpen gebracht werden. Immer wieder werden Beutetiere vom Rissplatz weggezogen, meist in einen gedeckteren Bereich. Entlang der Schleppspur finden sich vor allem Teile der Innereien.

►Sehr variable Bissbilder, oft in die Läufe, Flanken, Bauch und Keulen größerer Stücke z. B. Rotwild.

►Tötungsbiss in die Drossel bei mittleren Beutetieren (Rehe, Rotwildkälber, Schafe).

►Tötungsbiss in den Rücken bei kleineren Beutetieren (Frischlinge, Lämmer).

►Insgesamt schwere Verletzungen am Kadaver mit gebrochenen Knochen.

►Offene Bauchhöhle der Beute.

►Verdauungstrakt wird nicht gefressen.

►Nur massivere Knochen, das Haupt, Teile der Decke und der Verdauungstrakt bleiben übrig.

►Bei Störungen werden einzelne Körperteile abgetrennt (meist Läufe).

Der Zahnabstand beträgt etwa 45 mm. Der Biss könnte also vom Wolf stammen.


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