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ROHFÜTTERUNG IM TREND: Wie gut ist Barfen wirklich?


Mein Hund & Ich - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 19.02.2020

Fütterst du noch oder barfst du schon? Eine Gretchenfrage in der Hundeernährung. Unsere Expertin Dr. Julia Fritz räumt mit Mythen auf, erläutert Vor- und Nachteile der Rohfütterung und stellt mögliche Alternativen vor


Artikelbild für den Artikel "ROHFÜTTERUNG IM TREND: Wie gut ist Barfen wirklich?" aus der Ausgabe 2/2020 von Mein Hund & Ich. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Hund & Ich, Ausgabe 2/2020

DIE EXPERTIN

DR. JULIA FRITZ

ist eine europäisch anerkannte Spezialistin für Tierernährung. Sie ist außerdem Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik mit Zusatzbezeichnung Ernährungsberatung Kleintiere. In ihrer Praxis bietet sie Hundehaltern Ernährungsberatung zur bedarfsgerechten Fütterung an. Mehr unter: www.napfcheck.de

Das Thema BARF (Biologisch Artgerechtes Rohes Futter) erfreut ...

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... sich großer Beliebtheit. Von echten Vollblut-Barfern wird die Rohfütterung als Königsweg der Hundeernährung gepriesen. Die Fütterungsmethode orientiert sich am Vorbild der Natur - und insbesondere am Wolf als dem Vorfahren des Hundes. „Vereinfacht ausgedrückt wird beim Barfen ein Beutetier Marke Eigenbau verfüttert“, so Ernährungsexpertin Dr. Julia Fritz. Die Grundbausteine sind rohes Fleisch, fleischige Knochen und Innereien. Zusätzlich landen Gemüse, Obst und natürliche Ergänzungen im Napf (wie z. B. Lachsund Leinöl, Bierhefe, Seealgenmehl und Lebertran). In der Regel handelt es sich um sehr fleisch- und damit eiweißreiche Kost, bei der Kohlenhydrate und insbesondere Stärke, wie in Reis oder Getreide, eher vermieden werden.

Fachgerechte Beratung

„Ein häufiges Argument ist, dass der Wolf kein Getreide jagen würde. Aber er würde auch keine Kartoffeln ausbuddeln, die wiederum von vielen Barfern gefüttert werden. Frische, selbst zubereitete Zutaten zu füttern, ist eine hervorragende Art, sein Tier zu ernähren. Aber man muss es richtig machen!“, sagt Dr. Fritz. Die Futterrationen müssen an Alter, Rasse und Aktivität des Hundes angepasst sein, damit es nicht zu Unter- oder Überversorgung an Nährstof-fen kommt. Denn dann sind auch die erlesensten Zutaten buchstäblich für die Katz - gut gemeint ist eben noch lange nicht gut gemacht. „Ich habe schon Futterpläne von sogenannten BARF-Beratern gesehen, da kräuseln sich Ihnen die Zehennägel!“, erzählt Dr. Fritz.
Der Begriff „Ernährungsberater“ ist nicht geschützt. Die Qualität der Beratung kann somit enorm schwanken. Deshalb ist es ratsam, die Futterration von einem auf Ernährung spezialisierten Tierarzt berechnen zu lassen.
Im Vergleich zu Industriefutter hat frisches Futter meistens eine bessere Verdaulichkeit. Hochwertige Öle versorgen den Hund mit essenziellen Fettsäuren. Aus ihrer Praxis weiß Dr. Fritz, dass viele Hundebesitzer, die von Industriefutter auf BARF umstellen, schnell einen sichtbaren Effekt feststellen: „Der Hund hat glänzenderes Fell und setzt geringere Kotmengen ab. Das kann ein Grund sein für den regelrechten Hype, der um das Barfen gemacht wird. Wobei man nicht sagen kann, dass kommerzielles Futter grundsätzlich schlechter ist. Es kommt auch hier immer auf die Qualität an.“

Anhänger des Barfens legen Wert auf eine möglichst natürliche Fütterung


Rohes Fleisch, fleischige Knochen und Innereien sind Hauptbestandteile des Futters


In Haushalten mit kleinen Kindern sollte man auf die Rohfütterung verzichten


Wer seinem Vierbeiner rohes Fleisch füttert, muss unbedingt auf die Fleischqualität achten und sollte sich genau überlegen, woher er das Fleisch bezieht. Der örtliche Metzger ist möglicherweise die bessere Wahl als ein Online-Versandhandel.
Der Hygiene-Aspekt ist nicht zu unterschätzen. Die Keimbelastung kann beirohem Fleisch sehr hoch sein und sie ist es tatsächlich oft auch - wie viele Untersuchungen zeigen.

Risiken richtig einschätzen

Es gibt Risiken, die man nicht bagatellisieren sollte. „Wer seinen Hund barft, muss sich dieser Risiken bewusst sein. Dabei ist es gar nicht unbedingt der Hund, der das größte Risiko trägt, sondern die Menschen in seiner Umgebung. Zumal viele Menschen heute sehr eng mit ihren Vierbeinern zusammenleben.“ Schwangeren, Menschen mit Babys, Kleinkindern und chronisch kranken Personen im Haushalt rät die Ernährungsexpertin daher auch vom Barfen ab. „Auch Therapiehunde, die in engem Kontakt mit Kranken oder Kindern stehen, sollten eigentlich nicht gebarft werden.“
Sie möchten die Nahrung für Ihren Vierbeiner selbst zubereiten, aber Ihnen ist das Risiko der Keimbelastung durch rohes Fleisch zu hoch? In diesem Fall empfiehlt die Expertin, das Fleisch zu kochen: „Ob roh oder gekocht, die Verdaulichkeit ist identisch. Kochen erhöht die Schmackhaftigkeit und ist für den Hund nicht ungesünder.“ Eine andere Alternative zur reinen Rohfütterung ist das „Teil-Barfen“. Viele Hundebesitzer verfeinern das Fertigfutter mit rohem Fleisch oder füttern zwischendurch eine Portion Blättermagen oder einen Knochen. Der Vorteil: Mensch muss sich keine größeren Gedanken über die Rationszusammenstellung machen. Ein hochwertiges Fertigfutter versorgt den Vierbeiner mit allen wichtigen Nährstoffen. Die frischen Zutaten sind das Sahnehäubchen im Napf.

Knochen nur roh füttern

Die Fütterung von Knochen ist ein kontrovers diskutiertes Thema. „Viele Tierärzte lehnen Knochenfütterung bzw. Barfen konsequent ab, da sie schon zu oft nachts rausgeklingelt wurden, um einem Hund Knochenreste aus dem Darm zu entfernen“, erzählt Dr. Fritz. Ob man dem eigenen Hund Knochen verfüttere, das müsse daher letztlich jeder Hundebesitzer selbst entscheiden. Knochen befriedigen das Kaubedürfnis und pflegen die Zähne. Bei notorischen Futterschlingern besteht allerdings die Gefahr, dass sie größere Teile verschlucken. Die Expertin empfiehlt, Knochen stets roh zu verfüttern, da sie sonst splittern können. Puten- und Hühnerhälse sind für viele Vierbeiner ein besonderes Highlight und werden meist gut vertragen. Knochen von Jungtieren (z. B. Kalb und Lamm) sind weicher, dadurch ist das Verletzungsrisiko geringer.
Die eine richtige Methode, einen Vierbeiner zu ernähren, gibt es nicht. Was ein Vierbeiner gut verträgt, kann für den anderen völlig verkehrt sein. Der beste Beweis für eine gesunde Ernährung ist ein gesunder Hund.

BUCH-TIPP

In diesem informativen Buch diskutiert Dr. Julia Fritz die Vorund Nachteile der Rohfütterung. Detailliert wird erläutert, wie eine ausgewogene Rationsgestaltung aussieht und wie Sie bedarfsgerechte Futterpläne für Ihren Vierbeiner selbst erstellen können.

„Hunde barfen. Alles über Rohfütterung“ von Dr. Julia Fritz, 200 Seiten, Verlag Eugen Ulmer, 24,90 Euro, ISBN 978-3-8001-7889-6


Fotos: istophoto.com (3), Shutterstock