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Rohstoffnutzung: Schlauer bauen


natur - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 19.07.2019

Unsere Häuser stecken voller wertvoller Materialien, die sich aber nur schwer wiederverwerten lassen. Ein Projekt im hessischen Korbach soll zeigen, wie es trotzdem geht. Und wie man neue Bauten zu Mehrweghäusern macht

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Bildquelle: natur, Ausgabe 8/2019

Wenn Sie ein Haus bauen, können Sie sich ent- scheiden. Entweder Sie bauen einen Haufen Müll, der Ihren Erben einige Probleme bereitet. Oder Sie bauen eine lukrative Rohstoffmine“, sagt Annette Hillebrandt. Sie ist Architektin und Professorin an der Bergischen Universität Wuppertal und hat in den letzten Jahren den Begriff „Urban Mining Design“ geprägt. Es geht darum, Häuser so zu ...

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... entwerfen und zu bauen, dass sie sich später einmal abbauen und wieder verwerten lassen.

Urban Mining - der Begriff geistert schon seit einigen Jahren durch Medienberichte. Übersetzen lässt er sich am besten mit „städtischem Bergbau“. Es geht darum, die Materialien in der von uns Menschen aufgebauten Umwelt als Rohstoffe zu begreifen. Überspitzt wird daraus der Gedanke an die Stadt als Mine, in der Kupferrohre in Industriebrachen und Handys in Wohnzimmerschubladen nur darauf warten, zurückgewonnen und zu Geld gemacht zu werden. Eine gewisse Goldgräberstimmung lässt sich nicht leugnen. Felix Müller vom Umweltbundesamt meint dennoch: „Urban Mining hat noch nicht den Stellenwert, den es verdient.“ Seiner Meinung nach ist es weit mehr als ein Modebegriff. „Urban Mining ist ein Mindset. Wir müssen in Kreisläufen denken.“ Eine Denkweise also. In einer kleinen Stadt in Hessen versucht man gerade, sie in die Tat umzusetzen.

Korbach, ungefähr 30 Kilometer westlich von Kassel, ist ein pittoreskes Städtchen. Schmale Straßen schlängeln sich zwischen Fachwerkhäusern hindurch, deren Balken die Zeit schon ein bisschen verbogen hat. Auf einigen Plätzen liegt Kopfsteinpflaster und das gotische Rathaus ist mit seinem Bogengang und den geraniengeschmückten Fenstern ein echtes Schmuckstück. Nun ja, zumindest das alte Rathaus. In den 70er Jahren bekam das alte Gebäude einen Anbau, der ganz dem Stil der Zeit entspricht: Ein flacher Betonbau mit dem Charme eines Parkhauses. Innen haben einige der Büroräume keine Fenster, die Klimatisierung funktioniert nicht richtig und die Iso- lierung ist schlecht. Dieser Gebäudeteil soll nun ab- gerissen und durch einen neuen Anbau ersetzt wer- den, ganz im Sinne der Urban-Mining-Idee. So weit wie möglich werden die Materialien des alten Hauses wiederverwertet. Im Beton der neuen Fassade etwa werden Teile des alten Betons und roter Ziegelsplit aus dem abgerissenen Gebäude wiederverarbeitet.

Zwischen Fachwerk und Kopfsteinpflaster fällt der70er-Jahre- Anbau des Korbacher Rathauses auf (I.). Nun soll die Erweiterung abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden, der soweit wie möglich aus den alten Materialien bestehen soll-und besser ins Stadtbild passt (r.)

Abriss schon nach 50 Jahren

Verantwortlich für das Urban-Mining- Konzept des Projekts ist Anja Rosen, Pro- movierende an der Bergischen Universität Wuppertal. „Wir versuchen zum ersten Mal in Deutschland, aus einem alten Ge- bäude durch Recycling ein neues Bauwerk

zu erstellen“, erklärt sie.

Komplett wird das nicht funktionieren, auch weil das Gesetz in Deutschland den Recyclinganteil im Be- ton beschränkt, je nach Betonart und Einsatzge- biet auf 25 bis 45 Prozent. Insgesamt, schätzt Rosen, werden rund 40 Prozent des neuen Gebäudes aus Materialien des alten Anbaus bestehen.

Im Vorfeld allerdings gab es lange Diskussionen. Das Haus steht neben einem denkmalgeschützten Gebäude, dessen älteste Teile aus dem 14. Jahrhundert stammen. „Da fragt man sich schon: Warum wird dieser Anbau heute nach nicht mal 50 Jahren schon wieder zurückgebaut“, meint Rosen. „Schließ lich stecken so viele Rohstoffe drin, so viel Arbeit und Energie. Man muss natürlich immer zuerst versu- chen, die Gebäudesubstanz zu erhalten und zu sanie- ren.“ In Korbach kam man jedoch zu dem Schluss, dass das wirtschaftlich kaum möglich war. Dazu ka- men städtebauliche Aspekte. „Dieser 70er-Jahre-Bru- talismus in einem schmucken Fachwerkstädtchen in Nordhessen. Das war einfach nicht län- ger gewünscht“, summiert Rosen.

»Wir versuchen, aus einem alten Gebäude ein neues Bauwerk zu erstellen«: Anja Rosen, Bergische Universität Wuppertal

Das Modellprojekt soll nun zeigen, dass es möglich ist, Materialien aus bestehen- den Gebäuden sinnvoll wieder zu verwer- ten. Im Frühsommer hat der Abbruch des alten Anbaus begonnen. Ziegel, Beton und andere Materialien werden dann sor-

tiert, getrennt gelagert, zerkleinert und wiederver- wertet, zumindest so weit wie möglich. Das ist aller- dings gar nicht so einfach. „Die Häuser, die wir bis- her haben, sind ganz und gar nicht urban-mining- gerecht“, sagt Architektur-

professorin Annette Hillebrandt. „Wir bauen in Deutschland viel mit mineralischen Materialien, die fast alle schwierig zu recyceln sind. Lehm, Gips und Kalk sind eigentlich die einzigen, die sich wirklich im Kreislauf führen lassen. Alle anderen haben massive Downcycling-Probleme“, erklärt die Architektin. Downcycling - das bedeutet, dass ein Material zwar weiterverwertet wird, aber in schlechterer Qualitat als zuvor. Alter Beton etwa wird heute in Deutschland nur selten weggeschmissen. Stattdessen wandert er in den Straßenbau, zum Beispiel als Füllmaterial, denn dort sind die Qualitätsansprüche nicht so hoch. Zu einem neuen Haus aber wird er selten. Dass das auf Dauer kein nachhaltiges System ist, lässt sich leicht ausrechnen. Als weiteres Beispiel nennt Hillebrandt Fensterglas. „Maximal 30 Prozent davon kön- nen recycelte Scherben sein. Wenn es mehr wird, genügt es nicht mehr unseren Qualitätsansprüchen für eine klare Scheibe ohne Schlieren oder Farbeintrübungen. Das heißt, aus einer Glasscheibe machen Sie nie wieder eine Glasscheibe. Sondern nur 30 Prozent einer Glasscheibe.“

In heutigen Gebäuden sind meist viele verschiedene Materialien verbaut und verklebt. Das macht das Recycling teuer und kompliziert oder sogar unmöglich

Foto: mauritius images / Bernd Wittelsbach, Lionel Derimais / VISUM, Getty Images / iStockphoto

Materialien stören sich gegenseitig

Recycling wird vor allem dann schwierig, wenn man es mit Material zu tun hat, in dem verschiedene Grundstoffe gemischt wurden, ganz egal ob es dabei um eine Hauswand geht oder eine Keksverpackung. „Das größte Problem sind miteinander verklebte Materialien“, sagt Hillebrandt. „Da ist das eine durch das andere verunreinigt und man bekommt es nicht mehr sortenrein getrennt. Und schon gar nicht unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten.“ Als Beispiel nennt sie Gipsputz auf einer Betonwand. „Wenn Sie den Beton recyceln wollen, muss der Gips runter, denn der Gipsanteil im Beton ist zu weich und beeinflusst die Tragfestigkeit negativ. Das heißt, Sie müssten den Gips vorher von der Wand kratzen. Das macht keiner, denn es ist endlos teuer.“

Viele Baumaterialien werden also zum Problem, wenn man sie wiederverwenden will. All die unterschiedlichen Arten von Kunststoffen, Isolierungen und Brandschutzschichten sind quasi Müll, wenn das Haus, in dem sie stecken, abgerissen wird. Schwierig ist das Recycling oft schon deshalb, weil man nicht genau weiß, was in einem ganzen Haus oder nur in einem Kunststoff enthalten ist. „Eigentlich brauchten wir für jedes Material einen Beipackzettel, auf dem genau steht, was drin ist“, findet Hillebrandt.

Einige Tipps zum urban-mining-gerechten Bauen

• Statt im Neubaugebiet auf einer Brache oder in einer Bau- liicke bauen und moglichst wenig Flache versiegeln, um guten Boden zu erhalten und Grundwasserbildung zu ermoglichen.

• Alle verwendeten Materialien dokumentieren und Informa- tionen zur Wiederverwertbarkeit festhalten. Wie genau, er- klart zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft fur Nachhaltiges Bauen (DGNB).

• So bauen, dass das Gebaude leicht fur neue Zwecke genutzt werden kann, etwa durch hohe Decken (fur mogliche Buro- raume), hohe und breiteTiiren (fur Barrierefreiheit) und Lei- tungen und Kabel in zentralen Versorgungsschachten.

• Ganz ohne Keller und stattdessen auf ruckbaubaren Schraub- fundamenten bauen oder beim Keller auf verklebte Abdich- tungen verzichten.

• Fur Dammungen, Fassaden, Verdunklung, Decken- und FuG- bodenbelage auf nachwachsende oder sortenreine und damit leicht wiederverwertbare Materialien zuruckgreifen.

Mehr Infos unter: www.urban-mining-design.de

Beim Umweltbundesamt hat man in den vergangenen Jahren versucht, das „Materiallager“ in der Bundesrepublik zu kartieren. Welche verwertbaren Materialien liegen wo und in welcher Menge? Wie viel kommt jährlich hinzu? Für das Jahr 2010 bezifferte man so den Gesamtbestand an verwertbaren Materialien in der Bundesrepublik auf 28 Milliarden Tonnen. Darin summiert sind Gebäude, Tiefbau (etwa Straßen und Tunnel), langlebige Konsumgüter (wie Schmuck, Autos, Waschmaschinen) und Haustechnik (Heizungen, Abflussrohre, Badewannen). Pro Kopf macht das 341 Tonnen Material, das meiste davon (317 Tonnen) ist mineralischer Art, also zum Beispiel Stein oder Beton. 14 Tonnen entfallen auf Metalle, vier auf Holz, drei auf Kunststoffe. Die restlichen zwei Tonnen lassen sich nicht eindeutig zuordnen. Die begrenzten Ressourcen der Erde, aber auch kurzfristige politische und wirtschaftliche Aspekte fordern eine sinnvolle Verwertung dieser Materialien: Bei Erzen und Metallen etwa ist Deutschland heute zu 100 Prozent auf Importe angewiesen, schreibt das Umweltbundesamt.

Recycelter Beton für den Gebäudebau aber ist heute noch sehr ungewöhnlich.: „Wir haben im Vorfeld viel recherchiert und mit lokalen Firmen gesprochen, denn wir möchten lange Transportwege vermeiden“, erzählt Anja Rosen von der Vorbereitung des Modellprojekts in Korbach. „In der Gegend wird recycelter Beton bisher nicht im Hochbau eingesetzt, das ist für die lokalen Betriebe ein völlig neues Feld. Aber wir haben Unternehmen in der Region gefunden, die es ausprobieren möchten.“ Auch das war ein Argument dafür, das Projekt in der hessischen Kleinstadt durchzuführen. „Wir möchten zeigen, dass es funktioniert und wie es funktioniert“, sagt Rosen. „Und wenn es hier klappt, dann kann man es überall umsetzen.“

Den ganzen Lebenszyklus betrachten

Warum aber ist das Kreislaufdenken in der Baubranche nach wie vor so ungewöhnlich? Eine Erklärung könnten die Kosten sein. Auch wenn wiederverwertbare Materialien nicht teurer sein müssen als andere, so ist doch beim Bau besondere, kreislaufgerechte Planung nötig. „Die ist anfangs aufwendiger, solange das Wissen dafür noch nicht verbreitet und die Prozesse noch nicht etabliert sind. Dieser Mehraufwand wird aber nicht bezahlt, denn er ist in der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure nicht verankert“, sagt Rosen. Ob ein recyclingfähiges Haus dann am Ende günstiger ist als ein herkömmliches, hängt stark von der Betrachtungsweise ab. „In unserer Forschung haben wir einige Beispiele durchgerechnet und konnten zeigen, dass recyclingfähige Konstruktionen günstiger sind, wenn man einen Lebenszyklus von 50 Jahren betrachtet und die Kosten für Instandhaltung, Rückbau und Entsorgung mit einbezieht“, so Rosen.

Helfen könnte Druck aus der Öffentlichkeit, eine stärkere Nachfrage nach günstigen und gleichzeitig wiederverwertbaren Lösungen vonseiten der häuserbauenden Allgemeinheit. Aber auch dort ist die Motivation gering. Felix Müller vom Umweltbundesamt meint: „Urban Mining ist ein schwieriges Thema für die Öffentlichkeit. Das Verständnis dafür ist sicher da, aber die Bereitschaft, sich mit Rückbau und Entsorgung auseinanderzusetzen, ist relativ gering.“ Kein sexy Thema also? Müller hat noch eine andere Erklärung. „Wir sind es gewohnt, dass Entsorgung in Deutschland funktioniert. Wir kennen keine Müllberge vor der Haustür, keine ungeordneten Ablagerungen.“ Und auch unser historisch guter Ruf als Recyclingweltmeister spielt eine Rolle, meint Müller: „Dass wir im Recycling an einigen Stellen Weltmarktführer sind, macht es schwer, uns einzugestehen, dass wir hier einen Bereich haben, wo wir noch sehr viel besser handeln könnten. Wo wir besseres Management brauchen und uns selbstkritisch hinterfragen müssen.“ Das Projekt in Korbach ist dazu ein erster Schritt. Mit dem Recycling des alten Hauses ist es dort nämlich nicht getan. Anja Rosen und die zuständigen Architekten wollen auch zeigen, dass man besser bauen kann. Die zukünftigen Stadt- planer, die das Haus vielleicht irgendwann einmal wieder abreißen möchten, sollen es leichter haben als heutige Abbruchunternehmen. Auf Verbundstoffe verzichtet man im neuen Anbau und setzt stattdes- sen auf sortenreine Materialien, die man leicht wieder trennen und demontieren kann. Im Keller zum Beispiel wird statt verklebter Abdichtungen wasserundurch- lässiger Beton eingesetzt. Als weiteres Bei- spiel beschreibt Rosen das Dach der zu- künftigen Rathauserweiterung: „Wir bau- en ein Satteldach aus einer Holzkonstruk- tion und decken es mit einer Stehfalzdeckung aus Zink.“ Dafür werden Zinkbahnen an den Rän- dern zusammengefaltet und verbunden. So be- schränkt man sich auf ein gut recycelbares Material.

Ganze Häuser aus Holz oder Dächer aus Zink lassen sich leicht wiederverwerten und sind daher gute Alternativen zu herkömmlichen Bauweisen

»Man könnte heute so bauen, dass ein geschlosse- ner Kreislauf entsteht«: Annette Hillebrandt, Bergische Universität Wuppertal

Bessere Alternativen

Solche schlauen Lösungen gibt es allerdings nicht nur für Dächer. Professorin Annette Hillebrandt hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit Anja Rosen und ihrem übrigen Team den „Atlas Recycling“ veröffentlicht, in dem Alternativen zu herkömmlichen Bauweisen präsentiert werden, von der Kellerabdichtung bis zur Fliesenfuge. „Wir haben Gebäude recher- chiert, die urban-mining-gerecht gebaut sind“, erzählt Hillebrandt. „Wir haben zwar keine ganzen Gebäude gefunden, aber immer wieder einzelne Aspekte, die wir begrüßen. Und die bilden wir in dem Buch ab.“ Ihr Fazit aus dieser Arbeit: „Man könnte heute komplett so bauen, dass ein geschlossener Kreislauf entsteht. Mit dem Buch haben wir bewie- sen, dass es geht.“ So seien etwa Brand- schutzmaßnahmen häufig der Grund für Konstruktionen mit mineralischen Bau- stoffen, die aus Wiederverwertungssicht ungünstig sind. Holz dagegen ist ein Roh- stoff, der sich gut verwerten lässt. „Wenn man den Holzbau fördern will, muss man sich neue Gedanken über den Brand- schutz machen. Der geht aber durchaus auch an- ders“, meint Hillebrandt. Man könne zum Bei- spiel Holz mit Holz schüt- zen, erklärt sie. Was zu- nächst paradox klingt, macht bei genauerem Hinsehen Sinn. Brand- schutzrichtlinien sind nicht darauf ausgelegt, dass ein Gebäude völlig unbrennbar wird. Stattdessen geht es darum, einem möglichen Feuer 30, 60, 90 Minuten lang standzuhalten. „Man kann also die tragende Holzkonstruktion mit so viel zusätzlichem Holz ummanteln, dass es 60 Minuten lang halten würde. Es geht nur darum, dass Personen im Haus gerettet werden können, danach ist alles egal“, sagt Hillebrandt lapidar. Sie glaubt: „Es geht alles, man muss nur ein bisschen anders denken.“ Für den Wohnungsbau der Zukunft setzt sie außerdem gern auf altbekannte Tech- niken, die in den letzten Jahrzehnten aus der Mode gekommen sind. Etwa Metallrohre und Leitbleche als wär- mender Fußboden, auf dem dann Par- kett „schwimmend“ verlegt wird, also ohne Kleber oder Schrauben. „Das ist alles demontierbar. Das ist meine Visi- on für den Wohnungsbau“, sagt sie. Auch Anja Rosen erinnert daran: „Wir verbauen heute die Rohstoffe der nächsten Generation, und zwar im doppelten Sinne. Wir beuten die Erde aus und nutzen Rohstoffe, die eigent- lich unseren Kindern und Enkelkin- dern zustehen. Schließlich sind sie es, die die Rohstoffe aus unseren Gebäu- den und Produkten wieder zurück- gewinnen müssen.“

Damit Bauschutt überhaupt wiederverwendet werden kann, muss er nach Material und Größe sortiertwerden. Einige Firmen haben sich darauf spezialisiert

Foto: Jan Klee, Daniela Haußmann


Foto: pure-life-pictures/ stock.adobe.com, ARGE agn -heimspielarchitekten, Uwe Sulflohn