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ROM Weltreich?


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 41/2022 vom 07.10.2022

Das RÄTSEL um den UNTER-GANG

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Bildquelle: Gong, Ausgabe 41/2022

Es war das Jahr 476 nach Christi Geburt, als der siegreiche Offizier Odoaker die Krone und das Zepter des weströmischen Kaisers nach Konstantinopel schicken ließ. Die Insignien der Macht erklärte er für nutzlos, man brauche im Westen keinen Kaiser mehr. Romulus Augustus, den damals etwa 16-jährigen letzten weströmischen Kaiser in Italien, schickte er in den Ruhestand – und markierte so das schmähliche Ende einer Weltmacht, des tausend Jahre währenden Imperium Romanum. Odoaker selbst, der germanischer Abstammung war und ein römisches Söldnerheer geführt hatte, wurde König von Italien.

Rom war die erste Weltmacht, in seiner Hochzeit erstreckte sich das Reich über drei Kontinente: rund ums Mittelmeer und vom heutigen England und Deutschland bis weit in den arabischen Raum. Im Jahr 395 wurde das Imperium geteilt, das Oströmische Reich währte bis 1453, beinahe tausend Jahre ...

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... länger als der Westen. Wie konnte es passieren, dass ein so gut organisierter, auch kulturell hoch entwickelter Staat niederging? Ganze 210 mögliche Erklärungen zählte Alexander Demandt bereits 1984 in seinem Buch „Der Fall Roms. Die Auflösung des römischen Reiches im Urteil der Nachwelt“ (C. H. Beck, 720 S., 68 €). Bestehende Thesen prüfen, neue Antworten finden: Diesen Aufgaben widmen sich Forscher unter anderem auch in einer neuen TV-Dokumentation und in einer Ausstellung in Trier, der römischen Kaiserresidenz Augusta Treverorum. Nach aktuellem Stand gelten die folgenden sieben Faktoren als besonders ausschlaggebend:

REGIERUNGSKRISEN

Oft ist auch von Führungsversagen die Rede, von Inkompetenz und Korruption. Wirtschaftliche Krisen und militärische Konflikte schwächten das Reich im zweiten und dritten Jahrhundert, den Regierenden gelang es nicht, für Stabilität zu sorgen. Viele Kaiser regierten nur kurz – und wurden ermordet. Kaiser Diokletian führte 293 die Tetrarchie ein: vier Machtbereiche mit bis zu vier Kaisern. Das brachte einerseits Stabilität, rief andererseits aber Rivalitäten hervor. Zudem gewannen die Militärführer der Kaiser immer mehr Einfluss, die Macht der Regenten ging zurück.

Das Ende von MACHT und WOHLSTAND

Warum ein so hoch entwickeltes Imperium verschwinden konnte, gibt bis heute Rätsel auf. Zur Erklärung gibt es über 200 Theorien

VÖLKERWANDERUNG

Für die Völkerwanderung wäre ein anderer Begriff besser geeignet, denn die geläufige Bezeichnung ist irreführend. Fest steht: Fremde Personengruppen drangen ins Römische Reich ein. „Man müsste eigentlich von ‚Interessengruppen‘ sprechen, es waren keine Völker“, erklärt Dr. Marcus Reuter, Archäologe und Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier, im Interview mit unserer Redaktion. „Sie kamen aus ganz unterschiedlichen Motiven in das Römische Reich. Manche, um sich bei der römischen Armee als Söldner zu verdingen, manche mit dem Ziel, sich als Siedler niederzulassen. Andere Gruppen eindeutig auch mit gewaltsamen Absichten: Sie wollten plündern und Römer versklaven.“

INNERE UNRUHEN UND BÜRGERKRIEGE

Die letzten hundert Jahre des Weströmischen Reiches waren eine Zeit großer Mobilität und Unsicherheit. „Das sehen wir auch daran, dass die Menschen sehr viel im Boden vergraben und später nicht wieder geborgen haben“, so Reuter, dessen Museum zurzeit eine Ausstellung über Roms Untergang ausrichtet (siehe Seite 20). „Ob Münzen, Waffen, Werkzeug oder Geschirr: Die Menschen vertrauten ihren Besitz dem Boden an. Dass sie zu den Verstecken nicht zurückkehrten, bedeutet, sie wurden verschleppt, erschlagen, vertrieben – sie konnten in ihre Heimat nicht zurückkehren.“ Recherchen des Museums ergaben, dass extrem viele Unruhen und auch Bürgerkriege herrschten – weit mehr als bislang vermutet. „Ab 400 implodierte das Weströmische Reich, die Macht des Staates fiel in sich zusammen.“

MILITÄRISCHE SCHWÄCHE

Neben den inneren Konflikten gab es zusätzlich zahlreiche äußere. Das vormals einzigartig machtvolle römische Militär ließ dabei zunehmend Motivation und Kraft vermissen. Mangels einheimischer Soldaten verdingten sich immer mehr ausländische Söldner bei römischen Truppen – was am Ende auch dazu führte, dass ein germanischstämmiger Heeresführer den letzten Kaiser entmachtete.

Das geteilte IMPERIUM

Das Reich spaltete sich 395 auf. Westrom schrumpfte zusehends (hier Stand um 476). Ostrom existierte bis 1453

EPIDEMIEN

Mehrere schwere Seuchen suchten das Römische Reich heim. Der Antoninischen Pest fielen etwa zehn Prozent der Bevölkerung zum Opfer, ein Großteil davon in den Städten. Im Jahr 189 sollen in Rom täglich 2000 Menschen an der Viruserkrankung, wahrscheinlich waren es die Pocken, gestorben sein. 150.000 Soldaten raffte die Epidemie dahin. Sie schwächte die Gesellschaft in allen Bereichen. Hundert Jahre später grassierte erneut eine folgenreiche Seuche, wahrscheinlich das Ebolavirus.

KLIMAWANDEL

Sehr populär, aber nicht unumstritten ist zurzeit die These, Klimaveränderungen hätten zu Missernten und Hungersnöten geführt. Der US-amerikanische Wissenschaftler Kyle Harper beschreibt sie in seinem viel beachteten Buch von 2017 „The Fate Of Rome: Climate, Disease And The End Of An Empire“ (deutsch: „Fatum: Das Klima und der Untergang des Römischen Reiches“, C. H. Beck, 568 Seiten, 32 Euro). Andere Theorien sehen Klimaphänomene gar als Ursachen der sogenannten Völkerwanderung.

ZU STARKE EXPANSION

Der zeitweise gewaltige Umfang des Imperiums bewies einerseits dessen Stärke, machte es andererseits aber auch verletzlich. In einem Gebiet, das von Spanien bis in den heutigen Irak reichte, weite Teile Westeuropas sowie das gesamte Nordafrika einschloss, waren Kommunikation, Logistik und Verwaltung mehr als schwierig. Zudem machte das geografische Ausmaß der Außengrenzen das Reich verletzlich für fremde Angriffe – die Verteidigung erforderte enorm großen Aufwand. Und auch die bereits beschriebenen Seuchen konnten sich dank zunehmender Mobilität sowie mangels Grenzen ungehemmt ausbreiten.

NELE-MARIE BRÜDGAM

Drei große AUSSTELLUNGENzur Geschichte Roms

Das Rheinische Landesmuseum Trier präsentiert aktuell die Schau „Der Untergang des Römischen Reiches“. Hier dreht sich alles um die Entwicklungen im vierten und fünften Jahrhundert, 700 Exponate aus 20 Ländern machen Geschichte erlebbar. Zwei benachbarte Häuser zeigen die Ausstellungen „Im Zeichen des Kreuzes. Eine Welt ordnet sich neu“ (Museum am Dom) und „Das Erbe Roms. Visionen und Mythen in der Kunst“ (Stadtmuseum Simeonstift)