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ROMARE


FAZE - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 04.08.2020

Wurzeln schlagen

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Bildquelle: FAZE, Ausgabe 8/2020

Vielfältige Kulturen und Lebensweisen prägten Archie Fairhurst von Kindesbeinen an. Seine Eltern, ein Agrarwissenschaftler und eine Lehrerin, zogen mit der Familie durch Südostasien - eine Kindheit und Jugend wie in einem Roman, wie in einem Film, Eindrücke, für die er heute sehr dankbar sei.

In seinen frühen Teenagerjahren knüpfte Archie „großartige Freundschaften“ und fing an, in Bands zu spielen. Als er 19 war, ging es dann ins heimische England zurück, wo das „Leben so anders war“. Das frühe Nomadentum war vermutlich eine gute Schule für Archies späteres kreatives Schaffen und das ...

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... Tourleben als Musiker und DJ unter dem Künstlernamen Romare. Und: Zuhause - ein Wort, dem mindestens so viele verschiedene Bedeutungen innewohnen wie Archie sie auf seinen Reisen kennengelernt hat. , ein Wort, das nicht bloß als Titel neun Tracks auf Romares drittem Album vereint.

„Home“ ist Heimat für die bisherige musikalische Entwicklung des britischen Produzenten, „Home“ ist Heimat seiner persönlichen Suche nach Identität und Zugehörigkeit. „Früher war Zuhause da, wo meine Eltern lebten, es war da, wo wir lebten, aber dieser Ort änderte sich immer mit jedem Umzug - und jetzt ist Zuhause da, wo meine Familie ist.“ „Home“ kommt nun nach vier Jahren, in denen Archie viele Shows spielte, eine Familie gegründet hat und von London aufs Land gezogen ist. Mehr Erde, weniger Beton. Das schätze er am Leben außerhalb der Stadt, in ländlicher Umgebung.

„Hier ist es friedlich, das mag ich. Hier kann man einfacher Wurzeln schlagen.“ Seit er Vater geworden ist, fühle sich das Wort Zuhause beständiger an: „Ich entwickle nun ein Gefühl der Zugehörigkeit. Während ich aufwuchs, war ich immer unter vielen Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, meine eigene Identität fühlte sich manchmal verloren an.“ Der Neubau seines eigenen, selbst gebauten Studios trägt zu diesem Gefühl der Zufriedenheit und Sesshaftigkeit bei, nachdem er in der Vergangenheit in verschiedenen Bedroom-Studios gearbeitet hat. Gleichzeitig hat das Leben unterwegs Archies besonderen Sound geprägt, den er nun an seinem neuen schallisolierten Arbeitsplatz bei der Produktion von „Home“ weiterentwickelte, wo er sich „im Sound verlieren“ konnte. Seine ersten Langspieler feuerte Archie in einem Abstand von einem Jahr raus; 2015 entzückte er die Szene mit „Projections“ und bereits 2016 sorgte er mit „Love Songs: Part Two“ erneut für Begeisterungsstürme. Sie sind noch deutlich stärker von seiner collagenhaften Sample-Technik geprägt, bei der oft seltene, unbekanntere Klänge unterschiedlicher Genres und unterschiedlicher geografischer Herkunft in Kombination mit eigenen Instrumenten Verwendung finden.

So zwar auch bei der dritten LP, aber: „Ich denke, sie klingt recht anders. Ich denke, der Einfluss des Dancefloors und großer Crowds beim Genuss lauter Musik ist groß. Die Produktion und das Mixing sind ausgereifter, feiner.“ Gleichzeitig war Archie noch experimentierfreudiger als zuvor. Nach dem Bezug seines neuen Studios Ende 2018 hat er „angefangen, stärker mit Equalizern und Kompression zu experimentieren, nachdem ich auf Tour brillante Live-Performances und DJ-Sets, gut produzierte Musik auf großen Sound-Systemen erlebt habe“. Im Experimentier-Koffer war aber noch weit mehr. Archie ließ sich von den ungewöhnlicheren Platten seiner Sammlung inspirieren und vertiefte sich in amerikanischen Gospel, traditionellen irischen Folk und Country, religiöse Hymnen sowie Klassik, mit einer besonderen Vorliebe für die Komponisten Thomas Tallis und Vaughan Williams. Das reine Sampling erhielt weniger Raum, speist „Home“ aber mit einer Fülle unkonventionellen Materials wie etwa Aufnahmen eines Spanischkurses oder einer Live-Show der britischen Comedian Pam Ayres, irischer A-cappella-Songs oder Gospel-Songs, die Elvis Presley eingesungen hat, sowie eigener Field Recordings: „Ich wollte mit den Samples etwas mysteriöser umgehen. Ich denke, es ist weniger offensichtlich, welchem Genre sie entstammen. Die Art und Weise, wie ich sie manipuliert habe, ist nun abstrakter.“ Die Samples sind weiterhin als Collage das Fundament für den Einsatz von Instrumenten, deren Handling Archie sich selbst beibrachte und beibringt. Dazu gehören beispielsweise eine Vintage-Orgel, die er in einem örtlichen Wohltätigkeitsladen fand, das Akkordeon seiner Mutter, die alte zwölfsaitige Gitarre seines Vaters, sein eigenes Kinder-Schlagzeug aus den 90er-Jahren, das er wieder aufgebaut hat, das alte Casio-Keyboard seines Bruders aus Kindertagen und ein Kassettenspieler, der ihm das Sampling von Tapes ermöglichte. „Mein Fokus lag mehr auf der Komposition von Melodien mit Instrumenten. Möglicherweise haben mich meine Live-Solo-Sets der letzten Jahre dazu inspiriert, da sie mit einem großen Anteil an Improvisation verbunden waren.“ Elemente mit besonderer Bedeutung sind im Kernstück des Albums „Home“ eingewoben: das Akkordeon der Mutter und die Gitarre des Vaters - beide aufgrund der unterschiedlichen Luftfeuchtigkeit in den bereisten Ländern verzogen -, das Geläute der Kirchenglocken im Heimatort, die Archie beim Sonntags-Spaziergang mit seinem Sohn aufgenommen hat, irischer A-cappella- Gesang, den er möglicherweise unbewusst als Reminiszenz an seine irische Urgroßmutter und die irische Musik, die seine Eltern in seiner Kindheit zu Hause oft spielten, aussuchte, um im Nachhinein von einem Freund zu erfahren, dass einige Worte des Gesangs so klingen wie das irische Wort für „Home“. „Das Album hat diesen Titel erhalten, weil es meinem Sohn gewidmet ist.“