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Romy Schneider


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die aktuelle Krimi - epaper ⋅ Ausgabe 18/2022 vom 05.12.2021

Krimi Titelgeschichte

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Bildquelle: die aktuelle Krimi, Ausgabe 18/2022

Wunderschön und erfolgreich. Aber wirklich glücklich war Romy nie. Sie blieb gefangen in ihrer Opferrolle

Kann ein Tod normal sein, wenn er so erschreckend ist und so viele Fragen aufwirft, wie das beim Ableben von Romy Schneider, † 43, der Fall war? Auch wenn die Ursache des Sterbens medizinisch zweifelsfrei dokumentiert ist (Herzstillstand steht im Totenschein), heißt das noch lange nicht, dass Fehler ausgeschlossen sind. Fast 40 Jahre sind seither vergangen – und noch immer sind die wahren Umstände von Romys Ende nicht vollständig aufgeklärt. Trotz des ärztlichen Befunds gibt es mehr als nur Ungereimtheiten. Der Verdacht liegt nahe, dass Menschen, die Romy lieben und verehren, dafür sorgen wollen, dass die Hintergründe ihres unglücklichen Lebens weiterhin unter dem Schutt des Vergessens begraben bleiben. Vielleicht aus Angst, es könnte sonst das leuchtende Bild von Romy zerstören, das wie ein Orientierungslicht in den Labyrinthen ihrer Erinnerung hängt.

In Deutschland galt die ...

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... Ausnahme-Schau- spielerin lange Zeit als Verräterin, weil sie – die hehre und reine „Sissi“ – nach den Dreharbei-ten von „Christine“ mit Alain Delon (Jahrgang 1935) nach Paris in seine Arme geflüchtet war. Ausgerechnet zu diesem zwielichtigen Kerl mit seinem verdorbenen Charakter, wie viele meinten. Er war im Indochinakrieg für seine Grausamkeit bekannt. Hatte den Ruf eines Gangsters mit besten Verbindungen zur korsischen Mafia. Einer der Bosse war sogar bei Delons Hochzeit mit Nathalie (Ehe von 1964 bis 1968) der Trauzeuge. Romy wurde als „Franzosen-Hure“ beschimpft. Über diese Schmach kam sie ihr Leben lang nicht hinweg …

Ihr Freund, der Schauspieler Jean-Claude Brialy, † 2007, hatte als Erster seine Zweifel an der Todesursache geäußert: Ihr Herz sei stehen geblieben, aber keiner habe gefragt, warum! So war es tatsächlich. Denn sonst wäre man dahintergekommen, dass es kein normaler Tod sein konnte. Romy ist umgebracht worden. Umgebracht von bösen Wölfen: sadistischen Männern, die sie gedemütigt, erniedrigt und missbraucht haben. Darunter sollen große Künstler wie Sammy Davis jr., Herbert von Karajan und hohe Politiker gewesen sein. Gemunkelt wird sogar von Ex-Staatspräsident Georges Pompidou. Fast alle haben ihre Seele geschunden und dabei die alten Narben immer wieder aufgerissen, die ihr aus ihrer Kindheit und Jugend geblieben waren. Und jedes Mal haben sie ihr auch neue Verletzungen zugefügt. Romys Glück war, dass ihre hässlichen Narben kein Mensch sehen konnte, weil ihre Schönheit über ihnen lag wie ein farbenfroher Schleier.

Wie viel Leid kann ein Mensch ertragen, bis seine Seele implodiert! Romy Schneider war zeit ihres Lebens eine Gefangene ihrer Opferrolle, als wollte ein perfides Schicksal sie für das Ausmaß an schauspielerischer Genialität, die ihr geschenkt worden war, gleichzeitig mit Lieblosigkeit, Kälte und Unglück bestrafen ... Glücklich war Romy Schneider nur vor der Kamera – in der Traumwelt, in der die Angst nur ein Spiel ist. Kein Wunder, dass sie jedes Mal vor dem letzten Drehtag in Panik geriet, weil sie wusste, dass sie gleich wieder zurückmusste in die Leere und Kälte ihres Daseins, wo bereits die bösen Wölfe auf sie lauerten. Sie lief aber nicht weg vor ihnen, sie lieferte sich ihnen sogar aus. Beinahe selbstmörderisch suchte sie die Gefahr, als wollte sie darin umkommen. Auch das gehörte zu ihrem Schicksal: Nur im Leiden fand sie Lust. Und dafür hasste sie sich, weil sie nie frei sein konnte.

Eifersucht! Ihre große Liebe geriet unter

Mordverdacht

Ihr Sterben fing aber nicht erst in der Nacht des 29. Mai 1982 an – davon war Freund Jean- Claude Brialy überzeugt. Kein anderer hat ihr langes Sterben so hautnah miterlebt. Es begann im Grunde mit ihrem ersten Missbrauch, als sie noch die kleine Rosemarie Albach war. Das Mädchen war damals fünf und litt seit einem Jahr unter dem Trauma der Trennung ihrer Eltern. Sie liebte ihren Vater abgöttisch (Schauspieler Wolf Albach-Retty) und vermisste ihn schmerzlich. Als eines Tages das Kind wieder einmal hinter dem Elternhaus allein spielte (wie so oft), stand plötzlich ein Nachbar vor ihr und zerrte das Mädchen ins Gebüsch. Völlig verstört und zitternd kam die kleine Rosemarie nach Hause. Magda Schneider, † 1996, die nicht gerade als liebevolle Mutter galt, sagte nur: Hoffentlich kriegst du keine Grippe! – Sie wollte offenbar gar nicht wissen, warum ihre Tochter so durcheinander war. Sie legte ihr ein heißes Tuch auf die Stirn, als könnte man Verstörtheit mit Wärme bekämpfen und Missbrauch mit heißen Umschlägen. Romy erzählte viel später, sie hätte Angst gehabt, ihrer Mutter zu sagen, was passiert war. Ganz allein musste das Kind mit der Verzweiflung fertig werden.

Als nach zehn Jahren die Albträume nicht mehr so wehtaten, wurde sie gleich wieder in die Missbrauchs-Hölle zurückgeworfen. Von dem Mann, den sie „Daddy“ nennen musste. Hans Herbert Blatzheim, † 1968, so hieß er, war der neue Ehemann ihrer Mutter, ein aufgeblasener Großgastronom. Das widerliche Exemplar eines Neureichen. Gleich nach der Hochzeit mit Magda Schneider wurde er der Vermögens-Verwalter seiner Stieftochter. Wie sich später herausstellten sollte, aus purem Eigeninteresse. Nur er hatte Zugriff auf Romys Geld – das ließ er sich sogar schriftlich zusichern. Von Tochter und Mutter. Irgendwann fing das Tuscheln an, weil es auffiel, dass „Daddy“ mehr an seiner Stieftochter als an seiner Frau interessiert war.

Auf Bällen und Filmfesten kümmerte sich der testosterongesteuerte Prahlhans auffällig intensiv um sie. Er tanzte mit ihr nicht wie ein Papa, sondern wie ein schmieriger Galan. Magda Schneider saß an ihrem Tisch und lächelte selig, weil ihr Mann sich so liebevoll kümmerte. Sie lächelte auch, als sie in den Restaurants ihres Mannes auf der Speisenkarte „Hühnerbrust à la Romy“ entdeckt hatte, statt stutzig zu werden. Sonst hätte ihr beim Blick auf die Tanzfläche ein Licht aufgehen müssen, warum Romy in den Armen ihres Mannes so unglücklich und angeekelt aussah …

Als Magda Schneider eines Tages mal aus dem Haus war, schlich „Daddy“ Blatzheim in Romys Kinderzimmer und missbrauchte sie. Ihre seelischen Qualen waren dieses Mal beinahe unerträglich, weil Romy sich eingeredet hatte, sie habe ihre Mutter betrogen, obwohl sie nur das Opfer war. Hinzu kam später: Nach dem Tod des Stiefvaters war auch noch ein schrecklicher Betrug ans Licht gekommen – von Romys Millionen-Gagen war fast nichts mehr übrig!

Sie verführte einen Bankräuber und mutmaßlichen Vergewaltiger!

Paris, 30. Mai 1982, 11.30 Uhr: Die Szenen im Zimmer der toten Romy Schneider spielten sich Stunden nach der furchtbaren Tragödie ab. Sie dürften wohl zu den ergreifendsten Abschieden gehören. Und das, obwohl einer der beiden trauernden Männer mitschuldig an ihrem frühen Tod war. Dieser Mann war Alain Delon, ihr einstiger Liebhaber. Der andere war Jean-Claude Brialy. Der erinnerte sich: Ich war zunächst allein im Zimmer. Es schien, als läge da ein junges Mädchen von 20 Jahren, schön, wunderschön, schlafend, lächelnd, in einem Kleid von Yves Saint Laurent. Man habe Lust gehabt, es in die Arme zu nehmen.

Zehn Minuten später ging die Tür auf. Brialy drehte sich erschrocken um und sah Alain Delon, der genauso erschrocken war wie er. Delon griff nach seiner Hand und begann so heftig zu weinen, dass es ihn schüttelte, als hätte er hohes Fieber. Brialy wollte den aufgelösten Kollegen zu Romys Bett führen, aber er blieb plötzlich stehen. Mit der Hand wischte er sich die Tränen aus den Augen und dem Gesicht und verlangte: Lass uns allein, sie und mich! Das was ich zu sagen habe, ist nur für sie bestimmt. Puppele, so nannte er Romy zärtlich, wegen mir hat dein Herz aufgehört zu schlagen. Puppele, ja, wegen mir! – Das schrieb Delon auch in seinem berührenden Abschiedsbrief, den ein französisches Magazin später druckte. Es war die schmerzende Beichte eines Mannes, der zutiefst und bitter bereute – der aber keine Absolution erwarten durfte! Das war sein Schicksal. Er musste mit seiner Schuld weiterleben.

Alain Delon war Romys große und einzige Liebe. Und ihre alles verschlingende Obsession. Er war ihr Gott, der ihr das Paradies zeigte, vor allem aber war er der Teufel, der Romy nach vier Jahren, acht Monaten und 24 Tagen das Herz aus dem Leib riss und sie in der Hölle entsorgte. Dann verschwand er mit seiner Geliebten, der Schauspielerin Nathalie Barthélémy, † 2021. Er hinterließ Romy einen Fetzen Papier: Bin mit Nathalie in Mexiko. Mehr als ein Satz war sie ihm nicht mehr wert. Von diesem seelischen Höllentrip sollte sie sich nie mehr erholen. „Ich war verbraucht, geschunden und verloren.“ Verzweifelt nahm sie eine Rasierklinge und schnitt sich die Pulsadern auf. Im allerletzten Augenblick wurde sie gerettet.

In ihrer Hilflosigkeit flüchtete Romy ausgerechnet in das Land, das sie so grausam behandelt hatte. Aber in der Heimat, die nicht mehr ihre war, glaubte sie, sich verkriechen zu können. Kurz darauf lernte sie auf einem Filmfest in Berlin den Schauspieler und Theaterregisseur Harry Meyen, † 1979, kennen. Er war fast 15 Jahre älter, verheiratet und eine stattliche Erscheinung. Romy bildete sich ein, dass er der Mann wäre, der ihr Halt geben könnte – eine seelische Heimat. Für 200 000 Mark kaufte sie ihren Geliebten von seiner Frau frei. Romy und Harry Meyen heirateten. Ein halbes Jahr später kam Sohn David zur Welt. Von nun an war Romy nur noch Hausfrau und Mutter. Ihr Mann verspottete sie als ungebildetes Dummchen. Sie sähe aus wie ein Trampel. Er zwang sie, radikal abzunehmen. Glück sieht anders aus!

Dann klingelte das Telefon. Sie hörte Alain Delons Stimme. Ihr Herz raste. Er bot ihr eine Rolle an. Romy brach aus ihrem Gefängnis aus und flog zu ihm nach Paris. Vor der Kamera für den Film „Swimmingpool“ liebten sich beide mit einer Innigkeit und einem Feuer, als wäre es das wirkliche Leben. In Delons Armen fing Romy wieder an zu träumen und zu hoffen, zumal Delon sich gerade von seiner Frau Nathalie getrennt hatte. Aber Romy war dazu verdammt, unglücklich zu sein …

Eines Tages nahmen Polizisten Delon fest – wegen Mordverdachts! Auf einer Müllkippe hatte man Delons Film-Double und Leibwächter, den Jugoslawen Stevan Markovic, der bei ihm gewohnt hatte, tot mit einem Genickschuss gefunden. Der Verdacht war auf den Kinostar gefallen, weil Markovic seinem Bruder geschrieben hatte: Sollte mir etwas zustoßen, wende dich an Delon. Der hätte ihm gedroht: Wenn du etwas mit meiner Frau anfängst, bringe ich dich um! Markovic hatte tatsächlich eine kurze Affäre mit Nathalie. Und Delon war dahintergekommen. Alles sprach gegen ihn! 35 Stunden lang wurde er verhört. Dann kam er frei. Jahre später wurde er erneut vernommen. Doch ihm konnte nichts nachgewiesen werden.Obwohl er sich in Widersprüche verstrickt hatte. Mancher fragte sich: Könnten nicht seine Mafia-Freunde die Drecksarbeit erledigt haben?

Nach der Trennung von Harry Meyen verfiel dieser endgültig dem Alkohol. Sechs Jahre später nahm er sich das Leben. Bis zu ihrem Ende trug die Schauspielerin die Last der Schuld am Tod ihres Ex-Mannes. Um die vielen seelischen Verletzungen ertragen zu können, betäubte sie sich mit Alkohol, rauchte Kette und schluckte Tabletten: zum Einschlafen – und um wach zu bleiben.

Sie betäubte sich aber auch mit zwielichtigen Männern. Wie dem Bankräuber und mutmaßlichen Vergewaltiger Burkhard Driest, † 2020. Millionen hatten die Verführungs-Szene 1974 in Dietmar Schönherrs ARD-Talkshow „Je später der Abend“ live miterlebt. Der Ex-Knasti beugte sich zu Romy, die neben ihm saß. Da legte sie plötzlich ihre Hand auf seinen Arm. „Sie gefallen mir“, hauchte sie. Am Morgen danach kam Driest aus Romys Hotelzimmer …

Stalking! Wo war die Stasi in ihrer Todesnacht?

Und es geschah noch etwas Unglaubliches. Die Stasi beobachtete die Schauspielerin Tag und Nacht, weil sie sich für das „Schutzkomitee Freiheit und Sozialismus“ engagiert hatte, das für die Freilassung politischer Häftlinge in der DDR kämpfte. Romy war jetzt eine Staatsfeindin! Vermutet wird, dass die Spitzel auch in Romys letzter Nacht vor ihrem Haus standen. Welche Rolle sie spielten, bleibt bis heute im Dunkeln.

Der Tod schlich um Romy he rum, wie eine Hyäne, die die Witterung des Untergangs aufgenommen hatte. Eine Niere musste Romy entfernt werden. Dann starb mit 14 Jahren ihr Sohn David. Er wollte im Garten über dem Zaun klettern. Dabei rutsche er so unglücklich aus, dass er von einer Metallstange aufgespießt wurde. Diesen Schicksalsschlag überlebte Romy nicht …