Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

ROTHAUS BRAUEREI GRAFENHAUSEN:Das Bier des Südwestens


Schöner Südwesten - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 08.01.2021

Wie der Staat Bier macht und gleichzeitig das Bier Staat macht, kann man auf 1.000 Meter Höhe in der Staatsbrauerei Rothaus erleben: Nahe dem Schluchsee im Hochschwarzwald wird das legendäre „Tannenzäpfle“ gebraut.


Artikelbild für den Artikel "ROTHAUS BRAUEREI GRAFENHAUSEN:Das Bier des Südwestens" aus der Ausgabe 1/2021 von Schöner Südwesten. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Schöner Südwesten, Ausgabe 1/2021

Zur Erlebniswelt Rothaus gehört auch ein Museum. Hier die Maischebottiche mit kupferner Abdeckung im Sudhaus.


Es herrscht wahrlich kein Mangel an Brauereien im deutschen Südwesten, selbst wirklich gute gibt’s - nicht wie Sand am Meer, aber mehr als reichlich. Aber eine Brauerei mit einem hervorragenden und äußerst beliebten Bier, im Besitz des Landes Baden-Württemberg? Die Regierenden als ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Schöner Südwesten. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 1/2021 von UNSER LAND VON OBEN:Still ruht der See. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
UNSER LAND VON OBEN:Still ruht der See
Titelbild der Ausgabe 1/2021 von AHA!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AHA!
Titelbild der Ausgabe 1/2021 von DER VIERERBUND: S’goht dagega: Die Fasnet-Rebellen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DER VIERERBUND: S’goht dagega: Die Fasnet-Rebellen
Titelbild der Ausgabe 1/2021 von SCHWARZWÄLDER FUCHS: San?er Riese mit Charakter. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SCHWARZWÄLDER FUCHS: San?er Riese mit Charakter
Titelbild der Ausgabe 1/2021 von JUNGHANS UHREN SCHRAMBERG:Perfekt in der Zeit. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
JUNGHANS UHREN SCHRAMBERG:Perfekt in der Zeit
Titelbild der Ausgabe 1/2021 von WASSERSTADT BADENWEILER:2000 Jahre Badespaß. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
WASSERSTADT BADENWEILER:2000 Jahre Badespaß
Vorheriger Artikel
OSCHTALB RUASSGUGGA:Schön schräg!
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel BILDERBUCH WERNER SCHAAL:Naturheimat Schönbuch
aus dieser Ausgabe

... Herrscher über Flaschenabfüllung, Landesvater Winfried Kretschmann als oberster Braumeister im Ländle? Genauso ist es. Zur Beruhigung sei gesagt, das Bier schmeckt trotzdem hervorragend.

Vor weit mehr als 200 Jahren, im Jahr 1791 um genau zu sein, gründeten Mönche des Benediktinerklosters St. Blasien die Brauerei Rothaus im Schwarzwald neben der Gaststätte „Zum Rothen Haus“. Das „Rothe Haus“ hatte seinen Standort gut gewählt - mitten im höchsten Hochschwarzwald, gerade mal fünf Kilometer vom Schluchsee entfernt. Auf 1.000 Meter Höhe und der Passhöhe der Straße, die Freiburg und Schaausen verband. Früher kamen hier die Fuhrwerke der Kaufleute und Handwerker vorbei, machten Rast und sorgten so für ein gutes Geschä. Heute sind es zwar vorwiegend Motorräder oder die Wohnwagen unzähliger „Black Forest“- Touristen, aber die Lage der Brauerei, die landauf, landab vor allem wegen ihres „Tannenzäpfle“ beliebt ist, garantiert auch heute noch jede Menge Lauundscha.

Wie o im Brauereigeschä waren es ganz früher auch in Grafenhausen die Mönche, die für’s Bier zuständig waren. Die „Rothhäuser“ waren zwar offiziell nur eine „Tochterfirma“ der mächtigen Abtei von St. Blasien. Aber in Sachen Braukunst ließen sie sich von ihren geistlichen Chefs ein paar Kilometer südwestlich nichts vormachen.

Anfang des 19. Jahrhunderts sicherte sich dann das Großherzogtum Baden im Rahmen der Säkularisierung die profitable Brauerei plus Wirtscha und benannte sie kurzerhand in „Großherzog liche Badische Staatsbrauerei Rothaus“ um. An der Qualität des Bieres dokterte der Hochadel nicht herum, was zur Folge hatte, dass schon zwischen 1820 und 1830 die Produktionsstätten des immer gefragter werdenden Bieres erweitert werden mussten.

Das ging fröhlich so weiter. Der Durst der Badener nahm zusammen mit der Beliebtheit des Bieres aus dem Rothen Haus und der resultierenden Brautätigkeit deutlich zu - bis im Jahr 1847 ein Großfeuer Teile der Brauerei, den Dachstuhl und Teile der bevorrateten Grundstoffe zerstörte. Durch den beherzten Einsatz der Mitarbeiter und der freiwilligen Feuerwehren konnte das Übergreifen des Feuers auf die neuen Gebäude verhindert werden, und die Produktion wurde (zur Erleichterung unter anderem eben jener Feuerwehrleute) sehr schnell wieder auf genommen.

Die „Tannenzäpfle“-Revolution

Dann kamen die findigen Braumeister in Grafenhausen auf logistische Innovationen wie Eisenbahn-Spezialwaggons für den Biertransport oder eine neue Hefereinigungs- und Sortiermaschine. Als 1892 dann das erste Rothaus Flaschenbier in denHandel kam, gab’s bei den Bierliebhabern im Südwesten kein Halten mehr. Der gute Ruf und die Beliebtheit des Stoffs nahmen zu, und die Rothaus Brauerei musste ein „motorisiertes Transportfahrzeug“ anschaffen, um die Nachfrage im südwestlichen Umland zu befriedigen: der erste Rothaus-Bierlaster kam zum Einsatz.

Katastrophen wechselten sich weiter ab mit Erfolgserlebnissen: 1904 brannte es wieder, diesmal richtig, und diesmal dauerte es mehr als zwei Jahre bis sich Rothaus davon erholt hatte. 1956 führte der damalige Brauereidirektor Edwin Nägele das Kult-Bier „Tannenzäpfle” in einer 0,33 l Flasche ein. Das war so etwas wie eine Revolution im Braugewerbe, denn bislang war Bier fast ausschließlich in 0,7 l Flaschen erhältlich, und das neue Format wurde ein Riesenerfolg. Die meisten Brauereien in Deutschland zogen nach - manche recht zögerlich. Der Schwarzwald aber war mal wieder Vorreiter.

Der „Rosa Riese“: die mehrfach umgebauten und erweiterten Brauereigebäude von Rothaus in der Nähe von Grafenhausen.


Legende und Kult, für manche sogar Kulturgut: Das Original „Tannenzäpfle“ aus der Badischen Staatsbrauerei.


Bis heute hat sich an der immensen Beliebtheit der Badischen Staatsbrauerei Rothaus AG nichts geändert. Rund 950.000 Hektoliter Bier braut das Land in Grafenhausen, mehr als 250 Mitarbeiter trieben den Umsatz in Vor-Pandemie- Zeiten an die 80 Millionen Euro-Grenze.

Wer sich im Südwesten auskennt, schon mal einen der hiesigen Sportplätze besucht hat, oder sich im dazugehörigen Ort hat einschenken lassen, der kennt das „Tannenzäpfle“, und hat - o genug - gleich mehrere im Kühlschrank. Der Popularität tut es darüber hinaus keinen Abbruch, dass Rothaus die Profi-Fußballer des Freiburger SC und des Karlsruher SC sponsort.

Selbst die Flaschen sind Kult. Seit 1956 hält auf den Etiketten ein blondes Schwarzwaldmädel in typischer Tracht in jeder Hand ein Glas Bier. Treue Rothaus-Fans gaben ihr den fiktiven Namen „Biergit Kra”, eine alemannische Verballhornung des Spruches „Bier gibt Kra“. Und seit nun fast elf Jahren wird im Rothaus sogar noch ein Single Malt Whiskey gebrannt.

Ralf Krieger, seit 18 Jahren bei Rothaus und heute erster Braumeister, steht stolz im modernen Sudhaus der Brauerei. „Es ist unser Wasser“, erklärt er den Erfolg seiner Biere aus dem Hochschwarzwald mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Der jugendlich daherkommende Krieger hat gut lachen, er profitiert von einem der großen Standortvorteile der Rothäuser - den eigenen Quellen, die die Brauerei auszeichnen.

Stetige Qualitätskontrollen beim Brauen sind auch bei Rothaus fester Bestandteil der Prozedur.


Der Offenburger Künstler Stefan Strumbel entwarf die Stahlplastik „60 Jahre Tannenzäpfle“.


Ganz oben: Zäpfle an Zäpfle - so drängeln sich die Bierflaschen in der Abfüllung auf dem langen Laufband.


„Wir haben Quellen mit sehr weichem Wasser, das spielt bei uns geschmacklich eine sehr große Rolle, weil es unser Bier weich macht. Man sagt ja, dass weiches Wasser ein Hopfenfresser ist, was bedeutet, dass wir viel Hopfen in unser Bier geben können. Wir verwenden in unserem Bier viel Aroma-Hopfen aus der Gegend um Tettnang und der Hallertau, beides Premium-Anbaugebiete. Damit haben wir im Land Baden-Württemberg tatsächlich einen großen Vorteil. Das mag in der Herstellung vielleicht teuer sein, auf der anderen Seite kommen so die Aroma-Komponenten im Zäpfle auch sehr stark rüber.”

Langsam muss sich auch eine Brauerei wie Rothaus auf die Auswirkungen des zunehmenden Klimawandels einstellen. Schaut man zum Beispiel auf die Braugerste, käme es der Brauerei zugute, dass Baden- Württemberg sehr unterschiedliche Klimagebiete hat, die einander ausgleichen können, meint Krieger. Von der Rheinebene, die mit zunehmend hohen Temperaturen zu kämpfen hat, bis hin zu Höhenlagen des Schwarzwalds und der Alb, wo die Reifezeit zum Beispiel für Braugerste später liegt, sind flexible Planungen möglich. Hopfen hingegen leidet unter zunehmenden Trockenphasen, weshalb mit hitzetoleranteren Sorten experimentiert wird. „Ich denke aber, dass Baden-Württemberg extrem gute Voraussetzungen bietet, auch in der Zukun gut aufgestellt zu sein.“

Ralf Krieger sorgt sich ganz handfest um seinen festen Stamm von landwirtscha lichen Zulieferern, geht mit seinen Mitarbeitern zu den Bauern und Mälzern, hört sich deren Sorgen an und schaut nach den Ernten. „Wir kümmern uns um den Anbau,“ fügt er hinzu. „Sehen nach dem Gebiet, der Düngung und wir zahlen immer faire Preise.“ Es nütze ja nichts, die beste Ware von den Landwirten zu fordern und dann nicht die finanziellen Mittel bereit zu stellen, um den Bauern diese Qualität zu ermöglichen. „Dadurch haben wir in Baden-Württemberg die Garantie einer ausgezeichneten Qualität, die vielleicht ein paar Euro mehr kostet, sich aber letztlich im Produkt auszahlt.“

Ein weiteres Plus der Rothaus-Brauerei sei die Lage. Sie hätten keine Platzprobleme, meint der Braumeister. „Zum Bierbrauen braucht man die entsprechende Ausstattung. Platz spielt dabei tatsächlich eine große Rolle.“ Von den vorhandenen Lagerkapazitäten, die Produktionsengpässe vermeiden helfen, bis hin zur Möglichkeit, Produktionsstätten bei Bedarf zu erweitern, profitiert das Schwarzwälder Rothaus im Gegensatz zu den Brauereien in den Ballungszentren wie München oder Stuttgart von der isolierten Lage im Hochschwarzwald.

Um die Brauerei herum entstand nahe des Schluchsees über die Jahre ein wahres Touristenzentrum mitten im malerischen Hochschwarzwald. Die eigene Bimmelbahn, der „Rothaus Express“, ist sehr beliebt bei den vielen Besuchern und fährt über Faulenfürst, zur Brauerei Rothaus über das Schützenhaus, vorbei am Riesenbühlturm und wieder zurück nach Schluchsee.

Im Schwarzwald gibt es zahlreiche Wanderwege, der Brauerei-eigene Zäpfle Weg bringt die Rothaus-Besucher nicht nur durch die wunderschöne Landscha, sondern führt gleichzeitig durch die gesamte Anlage. An insgesamt neun Stationen und drei Pavillons werden eine Fülle an Informationen über dieemenbereiche „Rohstoffe aus der Region“, „Wie Qualität entsteht“ und „Umwelt und Nachhaltigkeit“ geboten. Zudem ist ein Blick in die Abfüllanlage möglich - am Panoramafenster sausen stündlich bis zu 60.000 Flaschen vorbei.

Ein Höhepunkt auf tausend Metern ist der Brauereigasthof, der mit exzellenter regionaler Küche und einem herrlichen Biergarten glänzt. Gleich daneben steht der Rothaus Shop, totales Bier-Merchandising im Black-Forest-Stil. Die 26 Doppelzimmer im angegliederten Hotel bieten rustikal abgestimmten Luxus, und 3-Sterne Komfort.

Ein altes Rothaus-Wirtshausschild mit der legendären Werbefigur Schwarzwaldmädel „Biergit Kraft“.


Selbst eine ausgewachsene Foto- Location für die vielen Hochzeiten, die im Hochschwarzwald gefeiert werden, haben sich die Macher der Brauerei Rothaus einfallen lassen. Vor der Tür wurde anlässlich des Jubiläumsjahres 2016, 60 Jahre Tannen zäpfle und 275 Jahre Brauerei Rothaus, die Statue zweier überdimensionaler Tannenzäpfle, „Verstehen ist das Gefühl von Heimat“ genannt, vom Offenburger Künstler Stefan Strumbel aufgestellt. Nach Schätzung von Rothaus-Mitarbeitern haben bereits mehrere Hundert Ehepaare in der ganzen Republik ein Foto davon zuhause auf der Anrichte stehen.

Badische Staatsbrauerei Rothaus AG

Rothaus 1 79865 Grafenhausen- Rothaus Telefon +49 7748 522-0 www.rothaus.de


Fotos: Helmut Werb; Hochschwarzwald Tourismus GmbH; Rothaus PR; Wikimedia CC BY-SA 4.0. Fideli; Wikimedia public domain - Andreas Praefcke