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ROUTE 4: BERCHTESGADEN: Einmal hoch hinaus


Frau im Leben - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 14.08.2019

Die Berge in den Berchtesgadener Alpen fordern von Wanderern etwas Kondition, belohnen dafür aber mit grandiosen Ausblicken.


Artikelbild für den Artikel "ROUTE 4: BERCHTESGADEN: Einmal hoch hinaus" aus der Ausgabe 9/2019 von Frau im Leben. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Frau im Leben, Ausgabe 9/2019

ÜBER DEN DINGEN
Die Tour auf den Mooslahnerkopf erfordert Kondition, die Aussicht auf den Königssee aber ist phänomenal.


Klick, klack, klick, klack“. Im ruhigen, gleichbleibenden Rhythmus schlagen die Stöcke auf den felsigen Untergrund auf. Bei jedem Schritt knirscht das feine Geröll unter den Stiefeln. Der eine oder andere Steinbrocken kippt unter dem Fuß weg. Immer steiler geht es bergauf. Das Herz klopft, der Rucksack wird immer schwerer. Und sobald man stehen bleibt, hört man ...

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... nur eines – den ewig gleichen Klang der Berge: den Wind, wie er durch die Fichtenwipfel pfeift. Dazwischen, ganz fern, das Geläut einer Kirche. Oder ist es bereits das leise Klingeln von Kuhglocken, das die Schapbachalm ankündigt?

Tau auf den Almwiesen

Trotz der frischen Temperaturen trägt Hüttenwirt Ralf Voss kurze Hosen und schenkt Buttermilch zur Stärkung ein. Die dunklen Augen hellwach, auch wenn seine Nächte kurz sind. Seit 5 Uhr früh ist er pausenlos beschäftigt, hat die Kühe gemolken, Butter gemacht. Die 30 Übernachtungsgäste haben die Alm bereits verlassen und sind unterwegs zu den schroff en Gipfeln der Watzmann-Gruppe. „Es ist schon viel Arbeit“, räumt Ralf Voss ein, während er sich wie zur Bestätigung daranmacht, die Viehtränke zu reparieren, aus der frisches Quellwasser sprudelt. Dann hält er einen Moment inne und lässt den Blick schweifen: Tau schimmert auf den Almwiesen, dahinter wachsen respekteinflößend die Felsen des 2_713 Meter hohen Watzmann-Massivs aus der lieblich-hügeligen Wald- und Wiesenlandschaft.

„Es ist schon ein Privileg, hier zu leben“, sagt Voss und weist auf die zierlichen Berg-Orchideen zu seinen Füßen, auf Gamsheide und Hauswurz. „Die Wiesenkräuter bringen den Geschmack des Käses“, erklärt er das Geheimnis der Käserei, für die die Schapbachalm bekannt ist. Gäste der Alm können die Spezialitäten bei einer deftigen Brotzeit probieren.

Doch dann muss Voss sich sputen. Zurück zur Alm, um das Mittagessen für Tages-Ausflügler vorzubereiten. Die Pilze für das Steinpilz-Risotto hat er natürlich selbst gesammelt.

Von der Schapbachalm windet sich ein Forstweg in Serpentinen weitere 400 Höhenmeter bergauf zur Kühroint-Alm. Dort duftet es schon von weitem nach Wiesenblumen, Heu und frischem Brot, das über der Glut eines dickbauchigen Holzbackofens langsam bräunt.

Berggipfel im Wettstreit

Ab hier haben Wanderer den Mooslahnerkopf direkt im Blick. Mit seinen 1_815 Metern ist er einer der kleineren Gipfel der Watzmann-Gruppe – der Hauptgipfel misst 2_713 Meter. Auch Watzmannfrau, Süd- und Mittelspitze sowie die Watzmann-Kinder – der Legende nach sieben, tatsächlich jedoch nur fünf – überragen den Mooslahnerkopf noch. Und dennoch vermittelt dieser, während man immer weiter hinaufsteigt, durchaus hochalpine Gefühle: An den steilen, geschliff enen Wänden um die Kühroint-Alm ist deutlich das Werk der gigantischen Gletscher-Zungen zu sehen, die die nördlichen Kalkalpen prägten. Geologen können in den blanken Felswänden wie in einem Geschichtsbuch lesen. Zum Beispiel, dass diese Gegend bis vor 35 Millionen Jahren noch Meeresgrund war. Eine kleine Kapelle erinnert an über 1.000 Bergsteiger, die hier bisher verunglückten.

UNGEWÖHNLICHES DUO
Neben dem Gipfelkreuz auf dem Mooslahnerkopf steht eine kleine Glocke.


[AUF DEN WETTER BERICHT ACHTEN]


„Ich bin seit fünf Uhr auf den Beinen. Und es ist schon viel Arbeit; aber es ist auch ein Privileg, hier zu leben“
Ralf Voss , Hüttenwirt auf der Schapbachalm


Der Weg hinauf ist heute sicher. Auch wenn ab der Kühroint-Alm auf 1_420 Metern nur noch wenig sattes Grün zu sehen ist. Immer weiter geht es über nackten Kalkstein. Die Steinmännchen, die den Weg markieren, sind kaum vom übrigen Geröll zu unterscheiden. Steil geht es bergauf, der Puls hämmert und der Atem wird kürzer. Auch der Weg fordert einige Aufmerksamkeit, denn ab und an wird es rutschig.

Blick zum Königssee

Auf dem Gipfel schließlich nur noch Glück und Stolz. Man fühlt sich weitab der Zivilisation, auch wenn der Ort Schönau nur einige Kilometer Luftlinie entfernt ist. Der Königssee liegt einem strahlend blau zu Füßen, im Süden glitzern Gletscher um die Wette. Und der Watzmann ist ganz nah! Bis zum Obersee und zum Steinernen Meer kann man schauen – ein großartiges Panorama.

Und wenn sich dann die Sonne am Abend über der Schapbachalm senkt, färben sich Himmel und hellgrauer Fels magisch rot. Dünne Nebel steigen auf, die sich wie Kränze um die Gipfel legen. Über dem Wattebett sonnt sich noch die Watzmann-Familie im Abendlicht. Nun setzt sich auch Ralf Voss vors Haus. Dies sind die kostbaren Momente, für die er das raue Bergleben gewählt hat.

[BERCHTESGADENER LAND]: Der Watzmann ruft

Diese alpine Tour ist perfekt für entspannte Wanderer, die trotzdem Hochgebirge erleben wollen.

CHARAKTER

Der Mooslahnerkopf ist ein wenig begangener Nebengipfel im Watzmann-Massiv. Die Besteigung der anderen Watzmann-Gipfel erfordert bergsteigerisches Können, Kondition und Erfahrung. Den Mooslahnerkopf dagegen erreichen auch weniger trainierte Wanderer – und können so dem legendären Watzmann zumindest nahe kommen. Dennoch ist diese Berg-Tour anspruchsvoll mit langem An- und Abstieg (über 1 000 Höhenmeter), für den Stöcke empfehlenswert sind.

START UND ENDE

Der ParkplatzHammerstiel 1 ist der Ausgangspunkt für die Touren auf der Nordseite des Watzmanns. Der mit 2 713 m zweithöchste Berg Deutschlands ist das Wahrzeichen der Region. Die Strecke von Hammerstiel hinauf zur Kühroint-Alm darf auch mit dem Mountainbike befahren werden.

RASEN UND RASTEN

Der Aufstieg von Hammerstiel ist als Herz-Kreislauf-Testwanderung ausgeschildert: Alle 100 Höhenmeter informiert ein Schild Wanderer über die zurückgelegte und die noch kommende Strecke. Viele Bänke undRastplätze 2 laden zum Ausruhen ein, immerhin beträgt die Steigung 19 Prozent. Viele Jogger nutzen daher diese Route als Trainingsstrecke, man sieht sie mit Blick auf die Multifunktionsuhr vorbeilaufen.

ALLES KÄSE

DieSchapbachalm 3 wird traditionell bewirtschaftet. Der aromatische Käse aus eigener Produktion bekommt durch die heimischen Wildkräuter seinen besonderen Geschmack und wird an Wanderer, Bergsteiger und Mountainbiker verkauft.

LOKALE SCHMANKERLN

Auf derKühroint-Alm 4 auf 1 420 m befinden sich eine Nationalpark-Information und die Bergsteiger-Gedenkkapelle St. Bernhard. Sie ist den Bergopfern im und aus dem Berchtesgadener Land gewidmet. Die Liste der Namen reicht bis ins 19. Jahrhundert, zum Beginn des Alpinismus, zurück. Und die Küche der Kühroint-Alm verwöhnt mit Grießschmarrn, Germknödln und Schwammerl-Risotto. Wer den Aufstieg nicht am Stück machen möchte, kann hier auch übernachten. Es gibt Zimmer und Lager-Schlafplätze (ab 59 bzw. 52 Euro/ Person/inkl. Abendessen und Frühstück). Dafür unbedingt vorab reservieren.

GIPFEL MIT GLOCKE

DerMooslahnerkopf 5 ist mit 1 815 Metern der niedrigste Gipfel im Watzmann-Massiv. Eine Tour auf den Gipfel lohnt sich, denn vom Gipfelkreuz, neben dem kurioserweise auch eine schmiedeeiserne Gipfel-Glocke steht, bietet sich ein überwältigender Blick auf den Königssee und das Steinerne Meer.

Kartografie: geodressing.de / Pietruska Verlag; Kartendaten: OpenStreetMap-Mitwirkende

Schwierigkeit: schwer // Distanz: 13,9 km // bergauf (Hm) ↗ 1 115 m // bergab (Hm) ↘1 056 m // G 09e |h 2z 0e 19it: 615 Stunden


Fotos: Getty Images / Dieter Meyrl, mauritius images, Pierre Adenis / laif