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Rückkehr in die Revolution 1848


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JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 60/2022 vom 13.05.2022

Die Akte Asche

Während der Revolution im Jahr 1848 begehrte das Landvolk auch für seine Jagdrechte auf.Foto: Adobe StockDie März-Revolution von 1848 war nach den Bauernkriegen des 16. Jahrhunderts der zweite Versuch, das Jagdwesen in Deutschland nachhaltig zu verändern. Sie brach unter anderem aus, um die unterschiedlichen Interessen an Grund und Boden, Jagd, Forst und Landwirtschaft endlich im Sinne der Menschen auszugleichen. Man hat diesen Umbruch regelmäßig der Industrialisierung und den Städten zugeordnet, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Gerade im Westen Deutschlands kam es zu Aufständen der Landbevölkerung, zu Plünderungen, Forst-und Gutshäusern und regelmäßig spielte dabei die Jagd-und Holzgerechtigkeit eine bedeutende Rolle.Die Bauern forderten unter anderem:• die Abschaffung des Jagdregals und aller Wildgehege,• die Ausrottung des Wildes,• die freie Abgabe von Brennholz,• die ...

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Während der Revolution im Jahr 1848 begehrte das Landvolk auch für seine Jagdrechte auf.
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Während der Revolution im Jahr 1848 begehrte das Landvolk auch für seine Jagdrechte auf.Foto: Adobe StockDie März-Revolution von 1848 war nach den Bauernkriegen des 16. Jahrhunderts der zweite Versuch, das Jagdwesen in Deutschland nachhaltig zu verändern. Sie brach unter anderem aus, um die unterschiedlichen Interessen an Grund und Boden, Jagd, Forst und Landwirtschaft endlich im Sinne der Menschen auszugleichen. Man hat diesen Umbruch regelmäßig der Industrialisierung und den Städten zugeordnet, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Gerade im Westen Deutschlands kam es zu Aufständen der Landbevölkerung, zu Plünderungen, Forst-und Gutshäusern und regelmäßig spielte dabei die Jagd-und Holzgerechtigkeit eine bedeutende Rolle.Die Bauern forderten unter anderem:• die Abschaffung des Jagdregals und aller Wildgehege,• die Ausrottung des Wildes,• die freie Abgabe von Brennholz,• die Beteiligung am Holzeinschlag,• die Rückgabe alter Weide- und Forstrechte,• die Freilassung aller Wilderer,• die Rückgabe aller konfiszierten Waffen,• die Öffnung der Wälder für freie Sammelnutzung z. B. von Abwurfstangen und Baumfrüchten.Erneut vergebens?Wahrscheinlich wäre dieser Aufstand der Landbevölkerung ebenso erfolglos gewesen wie 300 Jahre zuvor. Doch im Gegensatz zu den Bauernkriegen hatte sich eine Gruppe entwickelt, deren Einfluss so stark war, dass sie die Verhältnisse auf dem Land verändern konnte. Das Bürgertum verfügte über Bildung und finanzielle Mittel, um den Adel unter solchen Druck zu setzen, dass am 28. März 1849 die alten Jagdregale aufgehoben wurden.Vernichtungsfeldzug gegen unser WildJeder Landeigentümer konnte damit auf jeder noch so kleinen Fläche frei jagen. Das führte zunächst zu einer völligen Vernichtung der Wildbestände. So waren Oberschwaben und die gesamte Schwäbische Alb ab 1850 rotwildfrei. Der Altmeister Diezel konstatierte um 1850: „Das Schwarzwild, wie das Rotwild und das ziegenfarbige Damwild sind bereits aus der freien Natur fast so gut wie verschwunden und existieren nur noch in Tiergärten, Museen und Bildergallerien.“Innerhalb von zwei Jahren wurde deutlich, dass Wildbestände nicht nur eine Naturressource waren, sondern auch ein Teil der Ästhetik in der freien Landschaft. Um die Wildnutzung schonender zu gestalten, mussten Eigenjagden in der Regel 75 Hektar groß sein. Kleinere Flächen wurden im Rahmen der jeweiligen Gemeinde zu Jagdgenossenschaften zusammengelegt.Dadurch wurde das Reviersystem geschaffen, das noch heute gilt.Katastrophe BrandenburgDas Land Brandenburg legt nun den Entwurf für ein neues Jagdgesetz vor, bei dessen Lektüre man meint, wieder im Jahr 1849 angekommen zu sein. Der Hegebe- griff und die Abschussplanung sollen abgeschafft und die Eigenjagdgröße auf 10Hektar herabgesetzt werden. Dabei liest sich die Begründung aus dem zuständigen Fachministerium teilweise wie ein Memorandum des Zentralkomitees der SED. Da wird von der „Reaktion des Adels und des Bürgertums“ schwadroniert und von der „Jagd als Prestige“. Die Verjüngung des Waldes soll an jeder Stelle möglich sein, die Kirrung wird verboten, ebenso wie die Jagd am Naturbau oder mit Totschlagfallen. Hatte die Jägerschaft geglaubt, nach dem missratenen „Ökologischen Jagdgesetz“ von Johannes Remmel in Nordrhein-Westfalen und der Großdemonstration im Jahr 2014 von weiterem Unsinn des Gesetzgebers verschont zu bleiben, so zeigt dieser Entwurf, dass die Dummheit der Regierenden unsere einzige unerschöpfliche Ressource ist.Ideologische DenkfehlerSollte dieses Gesetz so in Kraft treten, wird das Solidarprinzip der Jagdgenossenschaften de facto zerstört. Filetstücke von wenigen Hektaren werden dann als hochwertige Eigenjagden genutzt und die unattraktiven Ackerflächen werden quasi unverpachtbar. Der Wegfall der Hege nimmt der Jagd ihren Überbau und reduziert sie von einer freiheitlichen Tätigkeit hin zur lizensierten Schädlingsbekämpfung. Großräumig lebendes Rotwild wird dann auf Kleinsträumen bejagt. Zugleich wird mit der Kirrung der Jägerschaft ein erprobtes Jagdmittel aus der Hand geschlagen. Man könnte die Liste ideologischer Denkfehler noch lang fortsetzen.Ein Blick über den TellerrandDa wundert es nicht, wenn die Aufregung über die Grenzen Brandenburgs hinaus groß ist. Wann hört die Politik endlich damit auf in der Jagd einen Spielplatz für ideologische Selbstverwirklichung zu sehen? Bevor wir in tiefe Frustration verfallen, lohnt sich ein Blick über die Grenzen.Tatsächlich haben jagdliche Kulturländer wie Dänemark und Schweden ähnlich kleine Mindestflächen für Eigenjagdbezirke wie sie sich der Brandenburger Gesetzgeber wünscht. Wer in Schweden fünf Hektar Wald besitzt, dem steht auf dieser Fläche auch das Jagdrecht zu. In Dänemark liegt die Grenze sogar bei einem Hektar. Dennoch ist im Norden das Schalenwild nicht ausgerottet worden.In Schweden wurden 1950 gerade einmal 20.000 Elche erlegt. 1983 lag sie bei 180.000 Stück. In den letzten dreißig Jahren pendelte sich die Strecke zwischen 80.000 und 110.000 Elchen ein.„Solange wir hektarweise Mais verschwenden, können wir uns Wild leisten.“Faktor Mensch wird verdrängtAngesichts solcher Entwicklungen dürfen wir uns fragen, ob die Ideologen in Potsdam tatsächlich ihren Gesetzesentwurf vom Ende her durchdacht haben. Vor allem der Faktor Mensch ist von ihnen ganz offensichtlich verdrängt worden. Das Ministerium scheint zu glauben, dass jeder Kleinwaldbesitzer den gleichen stumpfen Wildhass empfindet, wie er in der Forstpartie gegenwärtig in Mode ist. So jemand, hofft Potsdam, wird nicht länger ruhen, bis auch der letzte kleine Knospenbeißer in der Tiefkühltruhe verschwunden ist.Dann endlich wird der klimaresiliente Laubwald wie aus dem Nichts zwischen Brandenburgs Kiefern emporwachsen, ein leuchtendes Beispiel für den Gestaltungsmut der rot-grünen Regierung.Zusammensetzung des Privatwaldbesitzes:Von den circa 100.000 Privatwaldbesitzern verfügen rund 93 Prozent über Flächen, die kleiner sind als 10 Hektar und kommen schon deshalb nicht in den Genuss einer Eigenjagd. Von den annähernd 7.000 übrigen Waldbesitzern können knapp 2.000 ihren Wald ohnehin selbst bejagen, da er Teil ihrer bereits bestehenden Eigenjagd ist oder im Rahmen der Gemeindejagd bewirtschaftet wird. Wir reden also über circa 5.000 Waldbesitzer mit Flächen zwischen 10 bis 74 Hektar. Bei ihnen handelt es sich ganz überwiegend um Hobbyisten, die Freude am Brennholzwerben und am Wald selbst haben. Mehr bleibt ihnen auch nicht übrig bei Reinerträgen von 100 bis 200 Euro pro Hektar.Ob bei einer derart niedrigen Wertschöpfung der Enthusiasmus groß genug ist, eine zeit-und kostenintensive Jägerprüfung abzulegen, um die Naturverjüngung zu fördern, darf bezweifelt werden.Naturverjüngung um jeden Preis?Wer jedoch diese Mühe auf sich nimmt, der bringt mehr mit, als Freude an der Naturverjüngung. Gesellt sich der Eigentümer einer Parzelle unter die Jägerschaft, dann wird er in seinem „Revier“ auch einen Rehbock schießen wollen und zwar nachhaltig. Das führt wiederum dazu, dass die Hegetätigkeit von einer 75 Hektar Einheit auf viele 10 Hektar Einheiten potenziert wird. Gerade die Kleinheit des eigenen Reviers wird im Zweifel dazu führen, dass der dortige Eigentümer seine Wildtierressource besonders vorsichtig nutzt.Und schon hat der Gesetzgeber das genaue Gegenteil seiner Ideologie erreicht.Damals wie heuteDas ideologische Vorbild des Freijagdsystems von 1848 ist aus vielen Gründen nicht vergleichbar mit der heutigen Situation.Damals war Wildbret eine Kostbarkeit, mit der man Geld verdienen konnte. Der Bauer war damals glücklich, wenn er den Saateinsatz vervierfachen konnte. Heute liefern moderne Anbaumethoden ein Vielfaches der Erträge der damaligen Zeit.Dementsprechend reichhaltig ist auch das Nahrungsreservoir der Wildtiere. So lang wir knapp zwei Millionen Hektar für Energiemais verschwenden können, so lang werden wir uns auch Wildtiere leisten wollen.Fazit zu BrandenburgIn der Gesamtschau kündigt sich wieder einmal ein Jagdgesetz in Deutschland an, das nicht von Praktikern des ländlichen Raumes, sondern von Ideologen der Städte ersonnen wurde. Verbessern wird es nichts, erschweren allerdings vieles.Der Autor, Dr. Florian Asche ist Rechtsanwalt, er ist seit 1979 Jäger, mit Jagdschein seit 1984. Asche ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.Die gesamte Familie jagt. Einzige Ausnahme ist ein Großvater, von dem nicht viel gesprochen wird. Bis 2000 war Asche Obmann für Recht im Landesjagdund Naturschutzverband Hamburg, eine Jugendsünde. Bis 2019 war Asche Kurator der Deutschen Wildtier Stiftung, aktuell ist er Vorstandsvorsitzender der Stiftung Wald und Wild in MV und Stiftungsrat der Jägerstiftung. Seit 1978 führt er Rauhaarteckel.Foto: Dr. Asche

Die März-Revolution von 1848 war nach den Bauernkriegen des 16. Jahrhunderts der zweite Versuch, das Jagdwesen in Deutschland nachhaltig zu verändern. Sie brach unter anderem aus, um die unterschiedlichen Interessen an Grund und Boden, Jagd, Forst und Landwirtschaft endlich im Sinne der Menschen auszugleichen. Man hat diesen Umbruch regelmäßig der Industrialisierung und den Städten zugeordnet, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Gerade im Westen Deutschlands kam es zu Aufständen der Landbevölkerung, zu Plünderungen, Forst-und Gutshäusern und regelmäßig spielte dabei die Jagd-und Holzgerechtigkeit eine bedeutende Rolle.

Die Bauern forderten unter anderem:

• die Abschaffung des Jagdregals und aller Wildgehege,

• die Ausrottung des Wildes,

• die freie Abgabe von Brennholz,

• die Beteiligung am Holzeinschlag,

• die Rückgabe alter Weide- und Forstrechte,

• die Freilassung aller Wilderer,

• die Rückgabe aller konfiszierten Waffen,

• die Öffnung der Wälder für freie Sammelnutzung z. B. von Abwurfstangen und Baumfrüchten.

Erneut vergebens?

Wahrscheinlich wäre dieser Aufstand der Landbevölkerung ebenso erfolglos gewesen wie 300 Jahre zuvor. Doch im Gegensatz zu den Bauernkriegen hatte sich eine Gruppe entwickelt, deren Einfluss so stark war, dass sie die Verhältnisse auf dem Land verändern konnte. Das Bürgertum verfügte über Bildung und finanzielle Mittel, um den Adel unter solchen Druck zu setzen, dass am 28. März 1849 die alten Jagdregale aufgehoben wurden.

Vernichtungsfeldzug gegen unser Wild

Jeder Landeigentümer konnte damit auf jeder noch so kleinen Fläche frei jagen. Das führte zunächst zu einer völligen Vernichtung der Wildbestände. So waren Oberschwaben und die gesamte Schwäbische Alb ab 1850 rotwildfrei. Der Altmeister Diezel konstatierte um 1850: „Das Schwarzwild, wie das Rotwild und das ziegenfarbige Damwild sind bereits aus der freien Natur fast so gut wie verschwunden und existieren nur noch in Tiergärten, Museen und Bildergallerien.“

Innerhalb von zwei Jahren wurde deutlich, dass Wildbestände nicht nur eine Naturressource waren, sondern auch ein Teil der Ästhetik in der freien Landschaft. Um die Wildnutzung schonender zu gestalten, mussten Eigenjagden in der Regel 75 Hektar groß sein. Kleinere Flächen wurden im Rahmen der jeweiligen Gemeinde zu Jagdgenossenschaften zusammengelegt.

Dadurch wurde das Reviersystem geschaffen, das noch heute gilt.

Katastrophe Brandenburg

Das Land Brandenburg legt nun den Entwurf für ein neues Jagdgesetz vor, bei dessen Lektüre man meint, wieder im Jahr 1849 angekommen zu sein. Der Hegebe- griff und die Abschussplanung sollen abgeschafft und die Eigenjagdgröße auf 10

Hektar herabgesetzt werden. Dabei liest sich die Begründung aus dem zuständigen Fachministerium teilweise wie ein Memorandum des Zentralkomitees der SED. Da wird von der „Reaktion des Adels und des Bürgertums“ schwadroniert und von der „Jagd als Prestige“. Die Verjüngung des Waldes soll an jeder Stelle möglich sein, die Kirrung wird verboten, ebenso wie die Jagd am Naturbau oder mit Totschlagfallen. Hatte die Jägerschaft geglaubt, nach dem missratenen „Ökologischen Jagdgesetz“ von Johannes Remmel in Nordrhein-Westfalen und der Großdemonstration im Jahr 2014 von weiterem Unsinn des Gesetzgebers verschont zu bleiben, so zeigt dieser Entwurf, dass die Dummheit der Regierenden unsere einzige unerschöpfliche Ressource ist.

Ideologische Denkfehler

Sollte dieses Gesetz so in Kraft treten, wird das Solidarprinzip der Jagdgenossenschaften de facto zerstört. Filetstücke von wenigen Hektaren werden dann als hochwertige Eigenjagden genutzt und die unattraktiven Ackerflächen werden quasi unverpachtbar. Der Wegfall der Hege nimmt der Jagd ihren Überbau und reduziert sie von einer freiheitlichen Tätigkeit hin zur lizensierten Schädlingsbekämpfung. Großräumig lebendes Rotwild wird dann auf Kleinsträumen bejagt. Zugleich wird mit der Kirrung der Jägerschaft ein erprobtes Jagdmittel aus der Hand geschlagen. Man könnte die Liste ideologischer Denkfehler noch lang fortsetzen.

Ein Blick über den Tellerrand

Da wundert es nicht, wenn die Aufregung über die Grenzen Brandenburgs hinaus groß ist. Wann hört die Politik endlich damit auf in der Jagd einen Spielplatz für ideologische Selbstverwirklichung zu sehen? Bevor wir in tiefe Frustration verfallen, lohnt sich ein Blick über die Grenzen.

Tatsächlich haben jagdliche Kulturländer wie Dänemark und Schweden ähnlich kleine Mindestflächen für Eigenjagdbezirke wie sie sich der Brandenburger Gesetzgeber wünscht. Wer in Schweden fünf Hektar Wald besitzt, dem steht auf dieser Fläche auch das Jagdrecht zu. In Dänemark liegt die Grenze sogar bei einem Hektar. Dennoch ist im Norden das Schalenwild nicht ausgerottet worden.

In Schweden wurden 1950 gerade einmal 20.000 Elche erlegt. 1983 lag sie bei 180.000 Stück. In den letzten dreißig Jahren pendelte sich die Strecke zwischen 80.000 und 110.000 Elchen ein.

„Solange wir hektarweise Mais verschwenden, können wir uns Wild leisten.“

Faktor Mensch wird verdrängt

Angesichts solcher Entwicklungen dürfen wir uns fragen, ob die Ideologen in Potsdam tatsächlich ihren Gesetzesentwurf vom Ende her durchdacht haben. Vor allem der Faktor Mensch ist von ihnen ganz offensichtlich verdrängt worden. Das Ministerium scheint zu glauben, dass jeder Kleinwaldbesitzer den gleichen stumpfen Wildhass empfindet, wie er in der Forstpartie gegenwärtig in Mode ist. So jemand, hofft Potsdam, wird nicht länger ruhen, bis auch der letzte kleine Knospenbeißer in der Tiefkühltruhe verschwunden ist.

Dann endlich wird der klimaresiliente Laubwald wie aus dem Nichts zwischen Brandenburgs Kiefern emporwachsen, ein leuchtendes Beispiel für den Gestaltungsmut der rot-grünen Regierung.

Zusammensetzung des Privatwaldbesitzes:

Von den circa 100.000 Privatwaldbesitzern verfügen rund 93 Prozent über Flächen, die kleiner sind als 10 Hektar und kommen schon deshalb nicht in den Genuss einer Eigenjagd. Von den annähernd 7.000 übrigen Waldbesitzern können knapp 2.000 ihren Wald ohnehin selbst bejagen, da er Teil ihrer bereits bestehenden Eigenjagd ist oder im Rahmen der Gemeindejagd bewirtschaftet wird. Wir reden also über circa 5.000 Waldbesitzer mit Flächen zwischen 10 bis 74 Hektar. Bei ihnen handelt es sich ganz überwiegend um Hobbyisten, die Freude am Brennholzwerben und am Wald selbst haben. Mehr bleibt ihnen auch nicht übrig bei Reinerträgen von 100 bis 200 Euro pro Hektar.

Ob bei einer derart niedrigen Wertschöpfung der Enthusiasmus groß genug ist, eine zeit-und kostenintensive Jägerprüfung abzulegen, um die Naturverjüngung zu fördern, darf bezweifelt werden.

Naturverjüngung um jeden Preis?

Wer jedoch diese Mühe auf sich nimmt, der bringt mehr mit, als Freude an der Naturverjüngung. Gesellt sich der Eigentümer einer Parzelle unter die Jägerschaft, dann wird er in seinem „Revier“ auch einen Rehbock schießen wollen und zwar nachhaltig. Das führt wiederum dazu, dass die Hegetätigkeit von einer 75 Hektar Einheit auf viele 10 Hektar Einheiten potenziert wird. Gerade die Kleinheit des eigenen Reviers wird im Zweifel dazu führen, dass der dortige Eigentümer seine Wildtierressource besonders vorsichtig nutzt.

Und schon hat der Gesetzgeber das genaue Gegenteil seiner Ideologie erreicht.

Damals wie heute

Das ideologische Vorbild des Freijagdsystems von 1848 ist aus vielen Gründen nicht vergleichbar mit der heutigen Situation.

Damals war Wildbret eine Kostbarkeit, mit der man Geld verdienen konnte. Der Bauer war damals glücklich, wenn er den Saateinsatz vervierfachen konnte. Heute liefern moderne Anbaumethoden ein Vielfaches der Erträge der damaligen Zeit.

Dementsprechend reichhaltig ist auch das Nahrungsreservoir der Wildtiere. So lang wir knapp zwei Millionen Hektar für Energiemais verschwenden können, so lang werden wir uns auch Wildtiere leisten wollen.

Fazit zu Brandenburg

In der Gesamtschau kündigt sich wieder einmal ein Jagdgesetz in Deutschland an, das nicht von Praktikern des ländlichen Raumes, sondern von Ideologen der Städte ersonnen wurde. Verbessern wird es nichts, erschweren allerdings vieles.

Der Autor, Dr. Florian Asche ist Rechtsanwalt, er ist seit 1979 Jäger, mit Jagdschein seit 1984. Asche ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Die gesamte Familie jagt. Einzige Ausnahme ist ein Großvater, von dem nicht viel gesprochen wird. Bis 2000 war Asche Obmann für Recht im Landesjagdund Naturschutzverband Hamburg, eine Jugendsünde. Bis 2019 war Asche Kurator der Deutschen Wildtier Stiftung, aktuell ist er Vorstandsvorsitzender der Stiftung Wald und Wild in MV und Stiftungsrat der Jägerstiftung. Seit 1978 führt er Rauhaarteckel.