Lesezeit ca. 6 Min.
arrow_back

Rufen Sie bitte Ihren Hund zu sich!


Logo von Partner Hund
Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 06.10.2021

Artikelbild für den Artikel "Rufen Sie bitte Ihren Hund zu sich!" aus der Ausgabe 11/2021 von Partner Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 11/2021

Maren Grote

Die Hundetrainerin und Fachdozentin macht Lust auf Wissen rund um den Hund und bietet neben Einzel-Coachings auch Weiterbildungen für Hundebesitzer und andere Trainer an. Auch online in verschiedensten Webinaren.

Infos: www.marengrote.de

Wie wir sie doch hassen, die „Tutnixe“, die „Hörtnixe“ und die „Rufnixe – wir mit unseren unverträglichen Rüden, läufigen Hündinnen oder während des Leinenführigkeits-Trainings. Wie wütend und frustriert sind wir, wenn der Wunsch nach keinem Hundekontakt einfach so ignoriert wird. Aber was ist da eigentlich los? Sind wirklich alle außer uns komplett bescheuert? Die Antwort auf diese Frage ist selten „Ja!“. Genauso wie die Antwort auf die Frage, was man tun kann, wenn einem ein unangeleinter Hund entgegenkommt, der eigene angeleint ist und keinen Kontakt möchte, oder haben soll und der andere Hundebesitzer das anders sieht. Das liegt daran, dass es keine ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Partner Hund. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2021 von Spiel mit mir!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Spiel mit mir!
Titelbild der Ausgabe 11/2021 von Artenschützer mit Taucherbrille. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Artenschützer mit Taucherbrille
Titelbild der Ausgabe 11/2021 von 20.000 Kilometer auf dem E-Bike. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
20.000 Kilometer auf dem E-Bike
Titelbild der Ausgabe 11/2021 von Ich will spielen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ich will spielen
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
7 Tipps ... für den perfekten Rückruf
Vorheriger Artikel
7 Tipps ... für den perfekten Rückruf
Die Kunst, allein zu bleiben
Nächster Artikel
Die Kunst, allein zu bleiben
Mehr Lesetipps

... allgemeine Lösung für dieses Problem gibt. Dafür aber mehrere Ansätze.

Mut zur Selbstreflexion

Die unangenehme Frage ist erst mal: Worüber ärgere ich mich grade wirklich? Klar, der andere ist schuld und muss sich ändern, so funktionieren wir alle. Aber hier zu Hause im stillen Kämmerlein dürfen wir ja auch mal bei uns schauen, ob wir wirklich so ein Problem mit Hunden haben, die umangeleint zu anderen Hunden laufen. Denn wenn wir mal ehrlich sind, meistens sind die wirklich nett. Die allermeisten Tutnixe tun wirklich nichts. Das ist auch genau der Grund, weshalb ihre Besitzer sie laufen lassen, denn in ihrer wunderschönen, rosa Ponyhofwelt gibt es wirklich kein Problem. Nur kein Neid, möchte ich hier sagen! Eigentlich ist das nämlich ein durchaus beneidenswerter Erfahrungsschatz, den diese glücklichen Menschen mit den immer freundlichen und verträglichen, souveränen und kastrierten Hunden dieser Welt so haben.

Was ärgert uns also? Eigentlich wäre doch alles fein, wenn unser eigener Hund nicht das Problem hätte, oder wäre? Ärgern wir uns nicht auch immer ein bisschen über unser eigenes, empfundenes Versagen? Klingt nicht immer der Vorwurf mit, dass unser Hund anscheinend nicht so nett ist und auch nicht kontrolliert werden kann, wenn der andere erst mal nah genug ist? Dass unser ängstlicher Hund vielleicht trotz all unserer Liebe eine Verhaltensstörung hat, uns und sich selbst nicht vertraut? Das der andere den Hund laufen lassen kann, wir aber nicht, ist immer auch eine latente Aussage über unsere Fähigkeit oder den Charakter unseres Hundes, für den wir uns naturgemäß schämen. Und das entlockt uns eine ungemeine Wut, die sich nicht selten auf den anderen Hundebesitzer, oder den Hund, richtet. In Wirklichkeit ärgern wir uns aber über uns selbst und unseren Hund. Lösungsvorschlag Nummer eins sei also: Ärgeren Sie sich wirklich nur, wenn der andere Mensch es auch verdient hat. Das bloße Unwissen darüber, dass nicht jeder Hund tickt wie der eigene ist weder böse gemeint noch dumm.

Arbeiten Sie dran

Können Sie das Verhalten Ihres Hunde ändern? Dann tun Sie es, holen Sie sich Hilfe und machen Sie sich bereit für entspannte – oder zumindest kontrollierte – Begegnungen. Gehen Sie mit Ihrem ängstlichen Hund zum Training in eine dafür passende Gruppe und lehren Sie ihn dort, selbstwirksam zu werden. Dann sind Sie nicht mehr dafür verantwortlich, andere fernzuhalten. Traineren Sie bei einem guten Trainer, nicht direkt aus der Jacke zu springen, wenn Ihr Hund leinenaggressiv ist, oder holen Sie sich einen gut sitzenden, und sicheren Maulkorb, um zu vermeiden, dass Ihr Hund jemanden ernsthaft verletzen könnte, nur weil der mal dusselig und naiv „Hallo“ sagen möchte. In vielen Fällen ist so die Gefahr gebannt und nebenbei ärgern Sie sich auch nicht mehr.

Denn selbst wenn Sie nichts ändern können am Verhalten Ihres Hundes, dann bleibt immer noch die Aussage stehen, dass es sinnlos und ungerecht ist, den anderen Menschen derartig zu hassen, bloß weil er kein Problem hat. Stattdessen könnten Sie ihm dieses problemfreie Leben mit seinem fröhlichen Hund einfach gönnen.

Kommunizieren Sie

Ein weiterer Schritt zur Besserung ist es, dem anderen Menschen Ihre Position klarzumachen. Kleiner Spoiler: Niemand lässt sich gerne belehren und auf genervtes Anmeckern wird ganz sicher niemals einer stehen bleiben, erleuchtet nicken und sagen „Oh, danke, dass Sie mir das erklärt haben, so habe ich das ja noch nie gesehen!“. Eine Möglichkeit ist es, ein Kärtchen vorzubereiten, auf dem Sie sehr freundlich Ihr Problem schildern. Kurz, knapp und verständlich. Eine Visitenkarte mit der Bitte, den Hund nächstes Mal anzuleinen, da es für Menschen wie Sie sonst sehr unangenehm ist. Mit einem Dankeschön für die Rücksichtnahme in Zukunft und Verständnis dafür, nicht zu wissen, dass es auch anders sein kann als bei Ihnen. Einlaminiert können Sie es in der Tasche haben und gegebenenfalls dem anderen in die Hand drücken, freundlich grüßen und weitergehen. Kein Gemecker, keine Diskussion und die Chance für den anderen, unbemerkt nachzudenken.

Nur ein Satz!

Der nächste Tipp ist für den direkten Moment, in dem der andere Hund vor Ihnen steht. Wiederholen Sie nur einen Satz mit einer konkreten Aufforderung. Ja, wirklich nur den! Sagen Sie zum Beispiel: Rufen Sie Ihren Hund bitte sofort zu sich! Und mehr sagen Sie nicht. Sie wiederholen nur diesen Satz, egal was der andere sagt und antwortet. Ansonsten verstricken Sie sich schnell in ganz andere Themen und eine große Diskussion beginnt. Der andere sagt vielleicht: „Aber meiner tut nichts!“ Und sobald Sie antworten: „Meiner ist aber unverträglich, weil …“ sind Sie in einem Gespräch, welches schnell zum Schlagabtausch der Argumente und Erklärungen wird. Genau wie Sie anfangen, sich zu rechtfertigen, weshalb Ihr Problem nun mal Ihr Problem ist, wird der andere sich rechtfertigen, weshalb er seinen Hund nicht rufen muss, denn der Witz ist ja in den meisten Fällen, dass sein Hund nicht auf ihn hört. Sie erwischen sich gegenseitig, denn er verteidigt nun auch seine Ehre, seinem Hund keinen zuverlässigen Rückruf beigebracht zu haben. In diesem Moment werden Sie niemals Verständnis oder Einsicht hervorrufen, das ist verlorene Energie. Und es geht darum, dass der andere Hund erst mal an die Leine kommt. Erst wenn das geklärt ist, können Sie Ihr Kärtchen abgeben, oder darum bitten, in Zukunft den Hund gar nicht erst auf Sie zulaufen zu lassen.

Den anderen Hund vertreiben

Lassen Sie sich coachen, wie man einen Hund vertreiben kann. Das zu können ist sinnvoll und nützlich, denn so können auch Sie Einfluss auf den fremden Hund nehmen. Allerdings sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass Sie sich damit auch in die Gefahr begeben, gebissen zu werden, und Ihr Hund eventuell kompetenter als Sie reagiert hätte. Sie müssen nicht alles lösen, insbesondere, wenn Ihr Hund ebenfalls Streit sucht. Auch er trägt einen Teil der Verantwortung, wie dieser Kontakt ausgehen könnte, und entscheidet mit, ob er es zum körperlichen Konflikt kommen lassen möchte. Zumindest die Überlegung, ob Sie nicht lieber Ihren Hund seine angefangenen Kämpfe auch austragen lassen, wenn Sie vergeblich versucht haben, den anderen Hund fernzuhalten, sei erlaubt. Ein Loch im Hundepelz ist wesentlich komplikationsfreier als ein Biss in eine menschliche Hand. Jede Eventualität und Rechtslage hier abzuwägen würde zu weit führen, aber im Ansatz darf hier jeder selbst abwägen, ob er seinen Hund wirklich um jeden Preis „retten“ muss, wenn das Resultat nur ein paar kleinere Verletzungen in der oberen Hautschicht der Hunde wäre. Natürlich gibt es Ausschlusskriterien für diese Möglichkeit, aber hier ist der gesunde Menschenverstand gefragt.

Seien Sie fantasievoll

Die Klassiker zur kurzfristigen Lösung können Lügen über angeblichen Flohbefall und ansteckende Krankheiten sein. Tatsächlich kann das andere Hundebesitzer zum schnellen Handeln bringen. Klar sind solche Notlügen für diesen Fall sinnvoll. Nur sollten sie nicht alleine stehen bleiben, denn sie führen nur zu einer kurzfristigen Reaktion. Treffen Sie die Leute eventuell wieder, dann wäre es schon angebracht, nachdem der andere Hund angeleint ist, noch mal ein kurzes, klärendes Gespräch zu suchen.

Lob ist gut

Bei Hunden denken wir immer dran, bei Menschen vergessen wir es. Warum loben wir eigentlich nicht diejenigen, die es richtig machen? Wenn jemand seinen Hund rannimmt, dann ist es ein guter Moment, herzlich Danke zu sagen: „Danke für Ihre Rücksicht! Toll, dass Sie Ihren Hund rannehmen, meiner ist nämlich total unfreundlich mit anderen Rüden, da freue ich mich, dass jemand wie Sie mitdenkt!“ Das hört der andere und wird es wieder tun. Vielleicht erzählt er jemandem stolz davon und der denkt dann auch nach. Vielleicht hört es jemand, der auch den Weg entlanggeht, seinen eigenen Hund gar nicht dabei, aber sonst immer ohne Leine laufen lässt. Ganz nebenbei hören Sie das übrigens auch und kommen aus Ihrer Gedankenschleife und merken, dass es eben auch andere gibt, auf die man sich viel mehr konzentrieren sollte, weil sie es richtig machen. Und der Rest? Ja, es wird trotzdem auch mal passieren, dass das alles nichts bringt. So ist es nun mal und es lohnt sich wahrlich nicht, sich ständig zu ärgern, dass Sie nicht die ganze Welt ändern können. Wenn Sie mal gegenrechnen, wie viele Hunde Sie so treffen jeden Tag und wie oft tatsächlich etwas Schlimmes passiert, obwohl Sie sich an die oben genannten Regeln halten, dann ist der Prozentsatz doch eher klein. Ändern Sie, was Sie ändern können, bei sich, Ihrem Hund oder sogar anderen Menschen und deren Weltsicht und akzeptieren Sie, dass Sie nicht alles kontrollieren können.

MAREN GROTE