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Ruhe im Darm


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Bio - natürlich gesund leben - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 13.07.2022
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Viele Betroffene können sicher ein Lied davon singen: U nspezifische Beschwerden, die den Alltag erheblich beeinträchtigen, doch am Ende ihres Ärztemarathons sind sie nicht schlauer und fühlen sich im Stich gelassen.

Wer über längere Zeit von Praxis zu Praxis tingelt, fängt irgendwann an, seine Symptome selbst zu hinterfragen. Liegen Blähbauch, Oberbauchschmerzen, Verstopfung, Durchfall, Schlappheit, schlechte Stimmung, Kopfschmerzen, Übelkeit, Hautausschlag und Reflux wirklich nur am Stress, wie Ärztinnen und Ärzte gern behaupten, wenn sie nicht weiterwissen? Millionen von Menschen leiden jahrelang im Stillen, doch die Beschwerden sind keine Fata Morgana, sie haben einen Namen: SIBO – die Abkürzung steht für Small Intestinal Bacterial Overgrowth, zu Deutsch: bakterielle Überwucherung des Dünndarms.

SIBO ist eine der am meisten unterdiagnostizierten Erkrankungen. In den vergangenen Jahren allerdings ...

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... hat sie an Relevanz gewonnen. Studien belegen, dass bei mehr als zwei Dritteln aller Menschen, deren Diagnose Reizdarmsyndrom lautet, die Krankheit SIBO zugrundeliegt.

HÄUFIGE BESCHWERDEN BEI SIBO

Sind die natürlichen Funktionen des Dünndarms durch eine bakterielle Überwucherung gestört, spricht man von SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth). Auf eine Fehlbesiedelung des Dünndarms können folgende Symptome hinweisen:

-Blähungen

- aufgetriebener Bauch

-Oberbauchschmerzen

-Verstopfung

-Durchfall

-Übelkeit

-Reflux

-Hautausschlag

-Kopfschmerzen

-Schlappheit

- schlechte Stimmung

-Konzentrationsschwierigkeiten

So funktioniert der Darm In unserem Darm leben etwa 100 Billionen Bakterien, insgesamt rund 1.000 verschiedene Arten. Gemeinsam bilden sie das sogenannte Mikrobiom und sorgen dafür, dass die Verdauung reibungslos abläuft, das Immunsystem kraftvoll bleibt, die Organe mit Nähr- und Mikrostoffen versorgt werden und sich Krankheitserreger nicht ausbreiten. Sogar Körpergewicht und Emotionen werden durch Signale beeinflusst, die ganz tief aus dem Bauch kommen und bei denen Bakterien ihre „Finger“ im Spiel haben. Unsere winzigen Mitbewohner leisten, wenn das Mikrobiom im Gleichgewicht ist, rund um die Uhr Schwerstarbeit: Sie zersetzen Nahrung, produzieren Vitamine, Bausteine der Neurotransmitter wie Serotonin und wichtige kurzkettige Fettsäuren wie Propion-, Essigund Buttersäure. Diese werden von den Darmzellen als Energiequelle genutzt und regulieren das Wachstum und die Ent-wicklung der Darmzellen.

Das Gros unserer bakteriellen Freunde lebt im Dickdarm (Kolon), also jenem Teil, der die letzten eineinhalb Meter unseres Darms ausmacht. Dort zersetzen sie Ballaststoffe und dicken den Nahrungsbrei ein, indem sie ihm Wasser entziehen.

Im fünf bis sechs Meter langen Dünndarm dagegen leben nur wenige Bakterien, dort geht es aufgrund der Magensäure nahezu keimfrei zu. Die Aufgaben des Dünndarms sind die Nährstoffaufnahme und die Aufrechterhaltung einer Barriere gegenüber Giftstoffen und Krankheitserregern. Gelangt die Nahrung mithilfe von Verdauungssäften aus Galle, Magen und Bauchspeicheldrüse in den Dünndarm, wird sie in Nährstoffe aufgespalten. Um diese besser aufnehmen zu können, ist die Schleimhaut des Dünndarms stark gefaltet. Auf der gesamten Oberfläche und den Falten befinden sich warzenförmige Erhebungen, rund vier Millionen Zotten, welche die Oberfläche noch einmal vergrößern.

Was passiert bei SIBO?

Bei der Dünndarmfehlbesiedlung beziehungsweise -überwucherung gelangen aus unterschiedlichen Gründen Bakterien aus dem Dick- in den Dünndarm. Dort vermehren sie sich sprunghaft, überwuchern ihn und verdrängen die ursprüngliche Population. Die Zustände im Dünndarm sind für die Kolonbakterien ideal. Sobald es Nahrungsnachschub gibt, stürzen sie sich auf das reichhaltige Büffet und fressen sich an Kohlenhydraten satt. Bei diesen Stoffwechselvorgängen entstehen je nach vorherrschender Bakterienart unterschiedliche Gase wie Methan, Wasserstoff, Schwefelwasserstoff und Kohlenstoff, die nur schwer entweichen können, sowie osmotisch wirksame Stoffe und toxische Abbauprodukte.

WIE FINDE ICH EINE GUTE ERNÄHRUNGSBERATUNG?

Eine ans Individuum angepasste Ernährung dient nicht nur der Therapie von Beschwerden und Erkrankungen, sie wirkt auch präventiv.

Hier erhalten Sie Informationen über qualifizierte Fachkräfte für eine Beratung und erfahren, wann eine Ernährungsberatung oder -therapie sinnvoll sein kann:

kbv.de/html/ernaehrung.php dge.de (Service / Ernaehrungsberater-DGE)

vdoe.de (Beruf / VDOE-Expertensuche)

quetheb.de/expertenpool

Das kann eine Reihe von Beschwerden auslösen: ein aufgetriebener Bauch und Blähungen, krampfartige Schmerzen, Verstopfung, Durchfall, Konzentrationsstörungen, Erschöpfung, Übelkeit, Reflux, Mundgeruch und Kopfschmerzen, um die wichtigsten zu nennen. Durch die schlechtere Nährstoffaufnahme kann es langfristig infolge fehlender fettlöslicher Vitamine wie Vitamin A, D, E, K und B12 zu Mangelerscheinungen kommen. Gibt es für die Bakterien nichts mehr zu futtern, weil der Nahrungsnachschub ausbleibt, greifen sie die Dünndarmschleimhaut an. Daraus resultiert häufig ein Leaky-Gut-Syndrom, ein durchlässiger Darm, der unerwünschte Fremdstoffe ins Blut lässt (vgl. unseren Artikel in BIO 5/19). Ein weiteres Problem sind die Abfallstoffe (Toxine), die die Bakterien bilden. Durch die geschwächte Barriere der Schleimhaut gelangen diese in die Blutbahn und führen zu einer Vielzahl an Symptomen, die den gesamten Organismus erfassen können.

Ein löchriger Darm steht auch mit Symptomen einer Depression in Verbindung. Zwischen Darm und Gehirn besteht durch das enterische Nervensystem, das den Verdauungsvorgang steuert, eine Kommunikation über den Vagusnerv (vgl. unseren Artikel in BIO 1/21). So werden mindestens 40 Nervenbotenstoffe im Darm produziert, zu denen auch die Glückshormone Serotonin und Dopamin sowie GABA gehören. Über diese Botenstoffe

„Eine Dünndarmfehlbesiedlung kann Auswirkungen auf den ganzen Körper haben.“

kommunizieren Darm und Gehirn ständig miteinander. Wird diese Produktion durch die feindliche Übernahme und Entzündungsprozesse gedrosselt, wird auch das Hirn „löchrig“:

Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen können die Folge sein. Mittlerweile sehen Mediziner*innen einen Zusammenhang von SIBO zu anderen entzündlichen Krankheiten, etwa Fibromyalgie (vgl. unseren Artikel in BIO 1/21), Akne und Rosacea. Kurz: Eine Dünndarmfehlbesiedlung kann Auswirkungen auf den ganzen Körper haben.

Ursachen und Diagnose Die Ursachen sind vielfältig.

So können anatomische Veränderungen Grund für die Überwucherung sein. Wenn die Tür zwischen Dünn- und Dickdarm, die Ileozökalklappe, nicht mehr richtig schließt, können Kolonbakterien in den Dünndarm wandern. Auch Dünndarmdivertikel, Fisteln, das Schlingensyndrom, Einengungen (Stenosen) oder Operationen am Magen-Darm-Trakt erhöhen das Risiko. Eine gestörte Darmbeweglichkeit, hervorgerufen etwa durch Verstopfung fördernde Medikamente (Antidepressiva, Benzodiazepine, Opiate oder Parkinsonmedikamente), chronischen Stress oder bedingt durch Alterungsprozesse können ebenfalls den Boden für eine Fehlbesiedlung bereiten. Das Gleiche gilt für Vorerkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes, andere chronische Entzündungen oder ein Immundefizit. Weitere Ursachen können eine Leberzirrhose sein, ein gestörter Gallenfluss, ein Mangel an Enzymen der Bauchspeicheldrüse und zu wenig Magensäure durch die Einnahme von Protonenpumpenhemmern, das sind Medikamente, die die Magensäureproduktion unterdrücken.

Der Goldstandard für die Diagnose war bis vor Kurzem eine Bakterienkultur aus Dünndarm-Aspirat. Dafür wird bei einer Endoskopie aus einem Teil des oberen bis mittleren Dünndarms eine Probe genommen und überprüft, ob Kolonbakterien und -keime existieren und wenn ja, in welchem Ausmaß. Anstelle dieser invasiven Methode greift man heute in der Regel zuerst zu einem SIBO-Atemtest mit Laktulose. Laktulose kann ausschließlich durch Darmbakterien fermentiert werden – deshalb ist ein Anstieg der Gase Wasserstoff und/oder Methan in der Ausatemluft ein deutlicher Hinweis auf die Existenz von Bakterien im Dünndarm. Der Test wird in gastroenterologischen Praxen durchgeführt und bei begründetem Verdacht – wenn die typischen Symptome vorliegen – von der Krankenkasse bezahlt. Eine detaillierte Blutuntersuchung gibt zudem Aufschluss darüber, ob Nährstoffe unzureichend aufgenommen werden (Malabsorption) und beispielsweise ein Vitamin- oder Eisenmangel besteht. Eine Untersuchung des Stuhls kann sinnvoll sein, um den Calprotectinwert zu bestimmen, das ist ein Marker für Entzündungen. Auch eine Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse und/oder Gallenblase zu prüfen, gehört zur Anamnese.

WELCHE LEBENSMITTEL ZU SIBO-BESCHWERDEN FÜHREN KÖNNEN

Die englische Abkürzung FODMAP steht für fermentierbare, also vergärbare Mehrfach-, Zweifach- und Einfachzucker sowie mehrwertige Zuckeralkohole. Gemeint sind damit schnell vergärende Kohlenhydrate, wie sie etwa in Süßigkeiten, Brot, Milchprodukten, Steinobst oder Kohl stecken. Die Zuckeralkohole finden sich in vielerlei industriell hergestellten Produkten als Süßungs- oder Feuchthaltemittel.

Vorübergehend auf FODMAP-reiche Nahrungs- und Lebensmittel zu verzichten, kann die Symptome von Menschen, die unter einer Dünndarmfehlbesiedlung leiden, deutlich lindern. Nach der Verzichtsphase überprüfen Betroffene nach und nach, wie gut sie einzelne FODMAP-reiche Lebensmittel vertragen. Um einer Mangelernährung vorzubeugen, sollte die FODMAP-Diät immer von einem Ernährungsberater oder einer Ernährungsmedizinerin begleitet werden.

Beispiele für FODMAP-reiche Lebensmittel

Spargel, Blumenkohl, Zwiebeln, Pilze, Erbsen, Zuckererbsen, Kichererbsen, Kidneybohnen, Linsen, Rosenkohl, Lauch, Brokkoli, Weißkohl, Wirsing, Rote Bete, Sauerkraut

Äpfel, Avocado, Birnen, Pfirsiche, Mango, Aprikosen, Kirschen, Nektarinen, Pflaumen, Zwetschgen, Datteln, Feigen

Produkte aus Weizen und Roggen (insbesondere industriell hergestelltes Brot, Pasta, Couscous, Kekse, Kuchen)

Kuhmilch, Schaf- und Ziegenmilch, Eiscreme, Süßspeisen auf Milchbasis, Joghurt, Quark, Frischkäse, Hüttenkäse, Ricotta, Mascarpone, Schmelzkäse, gesüßte Sahne

Honig, Maissirup mit hohem Fruktoseanteil, Fruktosesirup, Agavendicksaft, Zuckeraustauschstoffe (z. B. Sorbit, Mannit, Isomalt, Xylit)

Beispiele für FODMAP-arme Lebensmittel

Möhren, Sellerie, Paprika, Mais, Auberginen, grüne Bohnen, Blattsalat, Pastinaken, Kürbis, Kohlrabi, Tomaten, Gurken, Spinat, Kartoffeln, Zucchini

Ananas, Bananen, Heidelbeeren, Trauben, Honigmelonen, Kiwis, Zitronen, Mandarinen, Orangen, Papayas, Himbeeren, Erdbeeren

Reis, Mais, Hafer, Polenta, Hirse, Dinkel, Buchweizen, Quinoa, Teff, Amaranth

Laktosefreie Milch und Milchprodukte, Mandelmilch, Hart- und Schnittkäse, Camembert, Mozzarella, Butter

Traubenzucker, Ahornsirup, Reissirup

Um organische Ursachen auszuschließen, erfolgt eine Endoskopie oder eine MRT-Untersuchung.

Die Säulen der Therapie

Die Therapie der Dünndarmfehlbesiedlung ist komplex und je nach dominierenden Beschwerden individuell unterschiedlich. Was sie immer erfordert, ist viel Geduld. Zu den Eckpfeilern gehören, falls möglich, die Behandlung zugrunde liegender Erkrankungen oder die Korrektur anatomischer Besonderheiten. Damit einher geht die Heilung einer möglicherweise geschädigten Darmschleimhaut (Leaky Gut). Was folgt, ist die Reduktion der Überwucherung durch die Gabe von pharmazeutischen oder pflanzlichen Antibiotika. Zuletzt – insbesondere auch zur Langzeitprophylaxe – ist eine Anpassung der Ernährung von Bedeutung, um einen Rückfall, also eine erneute Bakterienbesiedlung zu vermeiden. Nicht zu vergessen ist das Reduzieren beziehungsweise Ausschleichen von Medikamenten wie Protonenpumpenhemmern und die Behandlung eines akuten Nährstoffmangels.

Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist bei nachgewiesenen Mängeln sinnvoll.

Antibiotika sorgen für schnelle Besserung und bei gleichzeitiger Ernährungsanpassung für monatelange Beschwerdefreiheit.

Am häufigsten eingesetzt wird Rifaximin, es verbleibt nahezu vollständig im Darm, wo es seine Wirkung optimal entfalten kann. Leider ist das Medikament nicht für die Behandlung von SIBO (und auch nicht für Reizdarm) zugelassen und damit keine Kassenleistung. Die Kosten für die zweiwöchige Therapie müssen aus eigener Tasche bezahlt werden. Auch Doxycylin, Amoxicillin und Ciproxin (alle Kassenleistung) zeigen Wirksamkeit bei SIBO. Als mögliche Alternative kommt insbesondere bei Nachweis erhöhter Methanwerte im Atemtest und einer im Vordergrund stehenden Verstopfungssymptomatik als zusätzliches Mittel oft Metronidazol zum Einsatz.

Naturheilkundlich tätige Ärztinnen und Ärzte und auch viele Betroffene favorisieren antimikrobiell wirkende pflanzliche Antibiotika, die das Darmmikrobiom nicht zusätzlich in Mitleidenschaft ziehen. Im Vergleich zu chemisch-synthetischen Antibiotika dauert die Behandlung indes mehr als doppelt so lang, etwa sechs Wochen. Infrage kommen Oregano-, Kümmel-, Pfefferminz- oder Senföl sowie Tannine, Saponine, Berberin (hochkonzentriert in Kapseln), Neemöl, Pau d’Arco (in Kapseln) und Zimt. Was am besten hilft, ist individuell verschieden und hängt von den Beschwerden ab. Manchmal hilft auch eine Kombination aus mehreren Wirkstoffen.

„Die Therapie der Dünndarmfehlbesiedlung ist individuell unterschiedlich und erfordert viel Geduld.“

Den Bakterien die Nahrung entziehen

Die Mikroorganismen im Dünndarm lieben Kohlenhydrate. Die Reduktion von fermentierbaren Kohlenhydraten, vor allem von Polysacchariden, ist deshalb die wirksamste Ernährungsanpassung zur S y m p t o mkontrolle. Ziel der sogenannten FODMAP-Diät ist es, alle Nahrungsmittel zu meiden, die das Wachstum von Bakterien im Darm fördern. FODMAP ist die englische Abkürzung für Fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide and (und) Polyole. Dahinter verbergen sich vergärbare Mehrfach-, Zweifach- und Einfachzucker sowie mehrwertige Zuckeralkohole (hierzu zählen viele Zuckeraustauschstoffe), die nicht oder nur langsam vom menschlichen Stoffwechsel verarbeitet und daher von den Bakterien im Darm verwertet werden. Dabei entstehen Gase, die unter anderem zu Blähungen, Bauchschmerzen, Krämpfen und Diarrhoen führen können. Eine vorübergehende Einschränkung (maximal sechs Wochen) der

UNTERSTÜTZENDE MASSNAHMEN ZUR BEHANDLUNG VON SIBO

Führen Sie ein Ernährungs- und Beschwerdetagebuch, um die individuelle Verträglichkeit von Lebensmitteln festzustellen.

• Trinken Sie über den Tag verteilt viel Wasser.

• Kaffee stimuliert Bewegungen im Dünndarm und unterstützt so die Reinigungsfunktion.

Mikroorganismen, die nicht in den Dünndarm gehören, werden schneller herausspült. Zwei bis drei Tassen Kaffee täglich sind eine gute Faustregel.

• Halten Sie Essenspausen von einigen Stunden zwischen den Mahlzeiten ein. Der Verzicht auf Snacks gibt dem Darm Zeit für notwendige Reinigungsphasen.

• Kauen Sie die Nahrung gründlich und essen Sie nicht zu schnell.

• Nehmen Sie ein- bis zweimal täglich jeweils einen Tropfen ätherisches Pfefferminzöl und Oreganoöl mit einem Glas Wasser ein.

Beide Öle wirken antimikrobiell und können bei einer Überbesiedlung des Dünndarms ein Zuviel an Bakterien reduzieren.

• Streichen Sie industrielle Fertiggerichte gänzlich von Ihrem Speiseplan.

• Bewegen Sie sich regelmäßig, um die Darmtätigkeit und den Stoffwechsel anzuregen.

• Sanfte Bewegung wie Yoga oder Qi Gong entspannen das enterische Nervensystem und bauen Stress, der die Beschwerden triggern kann, ab.

Aufnahme FODMAP-reicher Stoffe kann bei SIBO-Betroffenen zu einer deutlichen Linderung der Symptome führen. In dieser Phase sollten nur FODMAParme Lebensmittel verzehrt werden, um den Kolonbakterien im Dünndarm die Nahrungsquelle zu entziehen.

Im Anschluss erfolgt eine Aufbauphase. Nun können Sie sich ein FODMAP-reiches Lebensmittel aussuchen, das Sie in der Verzichtphase besonders vermisst haben. Probieren Sie eine kleine Portion davon aus. Steigern Sie die Menge über einige Tage. So finden Sie heraus, welche Menge Sie vertragen. Verfahren Sie in der nächsten Woche analog mit einem anderen Lebensmittel.

Setzen Sie diese Vorgehensweise fort. Das Ziel ist es, eine große Lebensmittelauswahl zu finden, die ein weitestgehend beschwerdefreies Leben ermöglicht und dabei den Genuss nicht auf der Strecke lässt. Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl: Kehren die Beschwerden wieder zurück, war ein Unruhestifter dabei. Wer eine FODMAP-Diät durchführt, sollte sich vom behandelnden Arzt oder der Ärztin eine vollständige Liste aller FODMAP-Lebensmittel besorgen und die Ernährungsumstellung immer individuell absprechen. Das gilt auch für andere Diätformen wie die Null-Kohlenhydrat-Diät oder die spezifische Kohlenhydrat-Diät. Lassen Sie sich von einer Ernährungsberaterin helfen, in vielen Fällen erstatten Krankenkassen die Kosten.

Die Behandlung einer Dünndarmfehlbesiedlung bedeutet eine große Umstellung für Betroffene. Trotzdem bringt die strikte Ernährungsumstellung vielen Menschen Erfolg und lindert die schmerzhaften Beschwerden oder führt gar zur völligen Symptomfreiheit.

BUCHTIPPS